Förderverein der Dreifaltigkeitskirche verkauft geschichtsträchtige Bänke

Glaube, Liebe, Fußball: Die BVB-Gründerkirche wird zum Begegnungszentrum umgebaut

Auftaktveranstaltung der „BVB-Gründerkirche“: Unter dem Motto „Glaube, Liebe, Fußball“ luden das Erzbistum Paderborn und der BVB in die Dreifaltigkeitskirche ein. Sie soll ab Herbst zum Begegnungszentrum umgebaut werden und den Zusammenhalt im Quartier stärken. BVB/Alexandre Simoes

Feiertag für Glaube, Liebe, Fußball – und das Borsigplatz-Quartier: Das Erzbistum Paderborn und Borussia Dortmund haben den Umbau der Dreifaltigkeitskirche zu einem Begegnungszentrum beschlossen. Bereits zum Auftakt gab es ein volles Haus, denn das Vorhaben wird von vielen Menschen getragen: Gemeinde, Aktive aus dem Quartier, dem Bistum und dem BVB. Eine Mischung, der man zutrauen darf, dass sie die ehrgeizige Planung auch in die Tat umsetzt.

Kirche und Fußball – eine ungewöhnliche Allianz?

Kirche und Fußball – eine ungewöhnliche Allianz? Nicht in Dortmund. Zwar gründete sich der Verein zunächst gegen den kirchlichen Willen, doch heute hat er in der Dreifaltigkeitsgemeinde leidenschaftliche Fans.

Gemeindereferent Karsten Haug – seit 35 Jahren Dauerkartenbesitzer. Fotograf_Ludwig_Jahnke

Gottesdienste zum Saisonauftakt, gemeinsames Hymnen singen, Beistand bei Niederlagen – Gemeindereferent Karsten Haug steht mit seiner Person für diese Allianz aus Glaube, Liebe und Fußball. ___STEADY_PAYWALL___

Seit 35 Jahren ist er Besitzer einer Dauerkarte – nun übergibt er weite Teile „seiner“ Kirche noch ein Stück mehr in die Hände des BVB. Gemeinsam mit dem Erzbistum Paderborn macht Borussia Dortmund aus der Dreifaltigkeitskirche ein „Zentrum für Begegnung, Kommunikation und Werte“. Haug bleibt als Koordinator vor Ort.

„Wir stellen uns gemeinsam der Verantwortung“

BVB-Geschäftsführer Carsten Cramer und Generalvikar Dr. Michael Bredeck waren sich bei der Projektpräsentation einig: „Kirche und Fußball stellen sich hier heute gemeinsam ihrer gesellschaftlichen Verantwortung“, so Cramer.

Gemeindereferent Karsten Haug, Carsten Cramer (BVB Geschaeftsfuehrer), Monsignore Dr. Michael Bredeck (v.l.) BVB/Alexandre Simoes

Der BVB sei sich seiner Wurzeln bewußt und zusammen mit Engagements wie „Runder Tisch Borsigplatz“ oder der Einrichtung von Bolzplätzen, ist das neue Zentrum für Cramer ein weiterer Schritt, um „Menschen zusammenführen und zu einem respektvollen und friedlichen Miteinander beizutragen“.

Ein Geist, der auch das Handeln des Erzbistums Paderborn motiviert. Generalvikar Bredeck sieht in der „einzigartigen Kooperation von Kirche und Zivilgesellschaft“ ein Zukunftsbild erfüllt. Er möchte die Kirche dahin bringen, wo das Leben spielt, denn „Gott sei auch an anderen Orten zu suchen und zu finden“. Der Besuch am Borsigplatz ist für ihn dabei auch ein Heimspiel – hier hat er seine Fahrprüfung gemacht.

In der Sprache der Geschäftsleute würde man hier also wohl von einer Win-Win Situation sprechen: der BVB erhält einen traditionsreichen Ort, die Kirche bleibt erhalten und gewinnt durch die Verbindung vielleicht einen neuen, leichteren Zugang zu den Menschen. Und wie sieht das konkret aus?

Raumkonzept will den Charakter der Kirche erhalten

Im Herbst 2024 soll der Umbau starten. Der Bauantrag wurde bereits Ende 2023 gestellt – man darf gespannt sein, ob die Planung aufgeht. Das Konzept steht jedenfalls und es ist durchaus ungewöhnlich.

Planung: Blick in den Kirchenraum Richtung Altarbereich Entwurf-Ludger-Schwarze-Blanke

Eine Tribüne mit 200 Sitzplätzen, ein Spielertunnel, eine riesige Glaswand – Eingriffe in die alte Architektur, die Raum für Veranstaltungen, Konzerte, Firmenevents und Workshops bieten sollen.

„Bei allen baulichen Maßnahmen haben wir den Charakter und die Atmosphäre der Kirche aber respektiert“, berichtet Claudia Bolle, Architekturbüro Bolle-Licker. Der Altarbereich bleibt mit 50 Sitzplätze erhalten und hier können weiterhin religiöse Handlungen stattfinden.

Dipl. Ing. Claudia Bolle, Bolle Licker Architekten Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Die große Glaswand, die den Altarbereich vom übrigen Kirchenraum trennt, „ist ein Highlight“, so Bolle.

Sie ist energetisch sinnvoll, da nicht immer der gesamte Kirchenraum geheizt werden muss und sie ist aufgrund einer Folienbeschichtung multimedial bespielbar. Von der zukünftigen Tribüne kann man dann auch mal Filme schauen – oder eben Fußball.

Der Umbau der Kirche soll eine vielseitige Nutzung ermöglichen, aber man hat auch versucht viel zu erhalten. Die Holztüren werden aufgearbeitet, die Glasfenster bleiben und auch für die Kirchenbänke gibt es eine Zukunft.

Förderverein: Kirchenbank wird zur Gartenbank

Der Umbau der Kirche ist also finanziert – knapp 10 Millionen Euro haben BVB und Erzbistum dafür in die Hand genommen – und schweigen über die Anteile. Aber wie geht es weiter? Schon jetzt sucht ein Förderverein Mitglieder und Sponsoren für das zukünftige Programm. Erste Einnahme: der Erlös aus dem Verkauf der Orgelpfeifen.

Maike Vollmer (BVB Stiftung) und Thomas Klöter (Erzbistum Paderborn) auf einer der umgebauten Kirchenbänke. Für 250 Euro kann jede:r ein Stück der BVB-Kirchen-Geschichte erwerben. Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

„Als nächstes werden aus den Kirchenbänken neue Gartenbänke entstehen, die Interessenten erwerben können“, berichtet Thomas Klöter. Er ist für das Erzbistum Paderborn im Vorstand des Fördervereins. Die Bänke können in Holz Natur oder in schwarz lackiert, mit oder ohne Logo der Gründerkirche, erworben werden. Sie kosten 250 Euro und machen aus jedem Garten einen BVB- und kirchengeschichtlich bedeutsamen Ort.

Eine gute Idee, findet auch Maike Vollmer. Sie ist von der BVB Stiftung und ebenfalls im Vorstand. Vollmer kennt sich aus am Borsigplatz und mit der Finanzierung gemeinnütziger Aktivitäten. „Uns geht es hier um erfolgreiche und auch interreligiöse Stadtteilarbeit – nicht um ein kommerzielles Geschäft“, so Vollmer.

Allein der Förderverein wird es vermutlich nicht richten können – doch Generalvikar Bredeck zeigt sich im Gespräch offen: „Lassen Sie uns heute nicht an Grenzen denken. Lassen Sie uns jetzt starten und wenn Kraft und Energie spürbar werden, ist vieles möglich. Hier führt der Heilige Geist die Regie.“

„Begegnungsort auf Basis gemeinsamer Werte“

Kira Lietmann, wissenschaftliche Mitarbeitern für die neue Ausstellung der Gründerkirche Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Ob Heiliger Geist oder Geist der Geschichte, Werte der Vergangenheit und Werte der Zukunft – darum kümmert sich Kira Lietmann. Sie konzipiert für das Erzbistum eine Ausstellung, die die Gründungsgeschichte des BVB und die Rolle der Kirche darin zum Thema hat.

Die Ausstellung wird dauerhaft installiert sein und auch neue Perspektiven beinhalten, die über das gegenwärtige und auch zukünftige Engagement von Kirche, Verein, Fans und Projektpartner informieren. Und das nicht nur aus der Perspektive des christlichen Glaubens, sondern einfach als „Begegnungsort für Menschen, auf der Basis gemeinsamer Werte“, so Lietmann.

Was haben die Menschen im Quartier davon?

Für wen wird der neue Ort funktionieren? Was haben die Menschen im Quartier eigentlich davon? Einige sind bereits gekommen, um sich ein Bild zu machen und sich zu vernetzen. „Zu den Partnern, die hier Angebote machen werden, gehören der Caritasverband, die Katholische Jugendhilfe, das Seniorenbüro, Schulen und Sportvereine – oder auch wir“, erzählt Volker Pohlücke von der Machbarschaft Borsig11.

Volker Pohlücke, Machbarschaft Borsig11 Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Er hofft, der Ort stärkt auch das Quartier und mit der Kirche und dem BVB im Hintergrund geht vieles vielleicht auch mal schneller. Pohlücke sammelt Anregungen – Hochbeete steht auf den Zetteln – und er will auch mal Visionäres einbringen, neue Formate ausprobieren, wie zum Beispiel eine Quartierswährung.

Und was denkt Karsten Haug, was dem Quartier fehlt? „Die Menschen brauchen Beteiligung, soziale Bildung, Wertschätzung und Förderung“, so Haug. Er will dafür sorgen, dass das neue Zentrum ein „Werte-Ort“ wird und nicht nur ein Event-Ort, „ein Ort für alle Menschen und ein Ort an dem sie sein können, wie sie sind: Fans.“

Weitere Informationen:

  • Infos zur Planung und weitere Bilder auf der neuen Website der Gründerkirche.
  • Wer eine geschichtsträchtige Parkbank erwerben möchte, kann Karsten Haug kontaktieren: Karsten.Haug@bvb-gruenderkirche.de
  • Der letzte  Gottesdienst in der Kirche findet zur Saisonerföffnugn am 22. August 2024 statt.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

Unterstütze uns auf Steady

 


Nordstadtblogger – in eigener Sache:

Die Nordstadtblogger-Redaktion liefert ab sofort auch Nachrichten aus Dortmund via WhatsApp.

Der neue Kanal ist ab jetzt kostenlos zu abonnieren  – dann gibt es regelmäßig die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Handy.

Hier geht’s zu unserem WhatsApp-Kanal: whatsapp.com/channel/0029VaWVNcRL7UVUGXdGSy3y


 

Print Friendly, PDF & Email

Reaktionen

  1. Letzter SONGABEND in der traditionellen BVB Gründungskirche (PM)

    Die Dreifaltigkeitskirche lädt zum SONGABEND 24 ein. Aufgrund einer für den Herbst geplanten Umbau- und Modernisierungsmaßnahme findet dieses Kult-Event in diesem Jahr bereits im Mai statt. Somit gastiert Matthias `Kasche ́ Kartner zum letzten Mal in den Ur-Gemäuern, gemeinsam mit dem Sänger Jeff Good aus Wales, Daniel Terre (Gitarre), Matthias Kozka (Keyboard) und Stefan Mann (Bass).

    Die Formation hat weitere musikalische Gäste im Schlepptau, auf welche sich das Publikum freuen darf.
    Marius Müller alias Muri (Sänger, Drummer)
    Dank seiner vielseitigen Stimme, kann er immer wieder mit seiner Songauswahl überraschen und man darf auf einen unterhaltsamen Auftritt gespannt sein!
    Lars Flügge (Sänger, Gitarrist, Drummer)
    Als Kopf seiner eigentlichen Band „Partyinferno“ ist er ebenso neben seiner Karnevalsband „Op die Zwölf“ als Session- und Submusiker in diversen Bereichen von Top40/Schlagerbands über Rockabilly bis zu klassischen Rockkonzerten tätig.
    Sophie Kartner (Sängerin)
    Die Tochter von Kasche stand bereits einige Male auf der Bühne. Ihre einfache und doch einzigartige Stimme weiß jetzt schon zu begeistern.

    An diesem Abend werden weltbekannte Hit ́s und einfühlsame Songs live performt, hierbei darf natürlich `You ́ll never walk alone ́ nicht fehlen. …Gänsehautfeeling garantiert!

    Die Veranstaltung dient darüber hinaus zur Unterstützung der Dreifaltigkeitskirche.
    Sonntag 26.05.2024 / Beginn 17.00 Uhr / Einlass 16.00 Uhr / Ticketpreis 15,- € / Dreifaltigkeitskirche / Flurstr.10 / 44145 Dortmund.
    Tickets sind erhältlich unter: Telefon: 0176.23848081
    Online: karsten.haug@bvb-gruenderkirche.de
    Reservierungen: info@mk-music.de

Reaktion schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert