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„Gerda hatte ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Sie wollte die Welt besser machen, vielfältiger, toleranter und bunter“

Mehr als 400 Menschen kamen zur Trauerfeier für Gerda Kieninger in Eving. Fotos: Alex Völkel

Würdiger Abschied: Mehr als 400 Menschen kamen zur Trauerfeier für Gerda Kieninger in Eving. Fotos: Alex Völkel

Groß war die Trauergemeinde, die am Donnerstagmorgen (30. Januar 2020) von Gerda Kieninger in der Kirche St. Barbara in Eving Abschied nahm. Mehr als 400 Gottesdienst-Gäste zeigten damit auch der Familie noch einmal, welche Anerkennung und welchen Respekt die 68-Jährige Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt in Dortmund bei allen genoss, mit denen sie privat, beruflich und ehrenamtlich zu tun hatte. 

Auch bundes- und landespolitische Prominenz gab ihr das letzte Geleit

Neben Dutzenden von AWO-Mitgliedern und –Beschäftigten – auch der Bundesvorsitzende der Arbeiterwohlfahrt, Wolfgang Stadler, war aus Berlin angereist – kamen viele Wegbegleiter*innen aus ihrer 22 Jahre währenden aktiven Zeit als SPD-Politikerin im Landtag. Die ehemalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft saß in der Kirchenbank wie auch der ehemalige Justizminister Thomas Kutschaty, heute SPD-Fraktionsführer. 

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Die Landtagsabgeordneten wie Anja Butschkau, Nadja Lüders, Volkan Baran und Armin Jahl waren ebenso gekommen wie ehemalige und jetzige Ratsmitglieder, Bürgermeister*innen ebenso wie Dezernent*innen, Freunde und Freundinnen aus Eving, Nachbar*innen und Vereinsvertreter*innen.

Pfarrer Friedrich Reiffen ging mit seinen Worten vor allem auf den Familienmensch Gerda Kieninger ein, die sehr von ihren Kindern und Enkelinnen geliebt wurde; die immer gerne daran denken, wie sie barfuß durch den Garten lief, frühmorgens mit den Enkelinnen Beeren pflückte, die Lautstärke hochdrehte, wenn eines ihrer Lieblingslieder im Radio lief und sich stolz von einer Enkeltochter zu Terminen fahren ließ.

Oberbürgermeister Sierau: „Die Marie Juchacz von Dortmund ist gestorben.“

OB Ullrich Sierau war sichtlich bewegt - einer der viele langjährigen Wegbegleiter*innen.

OB Ullrich Sierau war sichtlich bewegt – einer der viele langjährigen Wegbegleiter*innen.

Sichtlich bewegt erinnerte sich Oberbürgermeister Ullrich Sierau an die unzähligen Gelegenheiten, bei denen er mit Gerda Kieninger zusammenarbeitete. Er würdigte ihren unermüdlichen Einsatz als Landespolitikerin und Verbandsvorsitzende in der Sozialpolitik.

„Aber Gerda Kieninger war noch so viel mehr als AWO. Gerda hatte ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Sie wollte die Welt besser machen, vielfältiger, toleranter und bunter.“ Das habe man manchmal auch an ihren Haaren gesehen, spielte er auf den modischen Mut der Frau an.

In der Landespolitik habe sie ihre Schwerpunkte gesetzt, „insbesondere als hochgeschätzte Sprecherin für Frauen und Gleichstellung und in der Sozialpolitik“. Johannes Rau habe ihr höchsten Respekt gezollt, und sie sei einer der Menschen gewesen, dem er zugehört habe. So sei es kein Wunder gewesen, dass „Gerda von 1998 bis 2002 Mitglied im Landesvorstand der SPD wurde“. 

Dieses Amt verfolgte sie nicht weiter, weil sie sich mittlerweile stark bei der AWO in Dortmund engagierte. Sie sei wie wenige andere in der Politik in der Lage gewesen, sich schnell eine fundierte Meinung zu bilden und alle Aspekte eines Themas zu beleuchten. Und diese Meinung habe sie oft durchgesetzt. „Sie bezog eine Position – ,klare Kante‘.“

Gerda Kieninger werde in Erinnerung bleiben als eine Frau, die viel für Dortmund und für die Menschen in der Stadt erreicht habe. „Die Marie Juchacz von Dortmund ist gestorben.“

„Gerda Kieninger hatte ein Gespür für die wichtigen Themen und war ihrer Zeit oft voraus“

Der Vorsitzende des AWO-Bezirks Westliches Westfalen, Michael Scheffler, kannte Gerda Kieninger bereits aus dem Landtag. Er habe sie als kompetente Kollegin geschätzt, „auf die man sich immer verlassen konnte, mit der man über die guten Sachen streiten und gemeinsam für das Ziel kämpfen konnte: Die Gesellschaft gerechter zu machen“, sagte Scheffler in seiner Trauerrede. 

Mit ihrem Einsatz für die Gleichstellung der Frauen, habe sie „das Erbe von AWO-Gründerin Marie Juchacz“ angetreten, die sich zeitlebens für Frauenrechte stark gemacht habe. Wie ihr Vorbild, habe sie niemals Almosen verteilt, sondern sei allen Menschen auf Augenhöhe begegnet. Zudem habe sie die AWO immer als Einheit betrachtet: „Ehrenamt und Hauptamt waren für sie zwei gleichwertige Teile der AWO.“

Eine, die Gerda Kieninger seit Jahren sehr gut kannte, ist Cordula von Koenen, Leitung für die Verbandsarbeit. Und diese erinnerte an „die weiche und nachsichtige Seite“, der Vorsitzenden. „Sie hat immer die Menschen gesehen und sich für sie eingesetzt, hat nicht einfach delegiert, sondern selbst dafür gesorgt, dass die Hilfe auch ankommt, wo sie nötig ist.“ 

So habe ihr besonders das AWO-Projekt Tischlein deck dich am Herzen gelegen, durch das Kinder in Schulen und Jugendzentren ein Frühstück erhalten. „Gerda Kieninger hatte ein Gespür für die wichtigen Themen und war ihrer Zeit oft voraus“, betonte von Koenen.

 

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https://www.awo-100-geschichten.de/gerda-kieninger-die-rechte-der-frauen-staerken

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