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Würdigung: Gerd Kolbe – (Sport-)Journalist, BVB-Archivar, Kulturbotschafter – erhält Ehrennadel der Stadt Dortmund

Die Ehrennadel der Stadt Dortmund überreichte OB Ullrich Sierau an Gerd Kolbe. Damit wurde seine Arbeit auf sportlichem und kulturellem Gebiet sowie seine geschichtshistorischen Verdienste gewürdigt. Foto: Joachim vom Brocke

Die Ehrennadel der Stadt Dortmund überreichte OB Ullrich Sierau an Gerd Kolbe. Fotos (2): Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

Ein umtriebiger Tausendsassa, der 47 Jahre bei der Stadt Dortmund gearbeitet hat und nach Ende seiner Dienstzeit in eine Art Unruhestand wechselte, erhielt für seine vielfältigsten Verdienste von Oberbürgermeister Ullrich Sierau im Rathaus die Ehrennadel der Stadt Dortmund: Gerd Kolbe (75). Gewürdigt wurden damit seine Tätigkeiten auf sportlichem und kulturellem Gebiet sowie seine geschichtshistorischen Verdienste. Eine ganze Reihe von Weggefährt*innen nahmen an der Feierstunde im Saal Westfalia des Rathauses teil.

Laufbahn 1959 bei der Stadt gestartet

OB Sierau würdigte die Verdienste von Gerd Kolbe für das Ansehen und die Entwicklung der Stadt, doch ebenso gehört das Allgemeinwohl für die Bürger*innen zum breit gefächerten Engagement. ___STEADY_PAYWALL___

Geschichts-Projekt Helmholtz-Gymnasium.: Der BVB in der NS-Zeit. Gerd Kolbe

Trotz und gerade wegen aller Herzensnähe zum Verein von heute: Gerd Kolbe bei einem Geschichtsprojekt am Helmholtz-Gymnasium in der Norstadt. Thema: Der BVB in der NS-Zeit. Foto: Klaus Hartmann

1959 startete Gerd Kolbe seine Laufbahn bei der Stadt. 1978 wurde er zum stellvertretenden Leiter der Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit ernannt und war unter anderem für die Redaktion des damaligen „Dortmunder Bürgerbrief“ zuständig. Kolbe stieg 1988 zum Leiter der Presseabteilung und stellvertretenden Amtsleiter des Informations- und Presseamtes auf.

Spätestens hier und in den Folgejahren startete das Managerleben. Gerd Kolbe wurde der Experte für Großereignisse und damit zentraler Ansprechpartner für die unterschiedlichsten Veranstalter.

Im Jahr 2000 wurde Gerd Kolbe Leiter der neuen Pressestelle, die aus dem Büro für Presse und Öffentlichkeitsarbeit herausgelöst wurde. Zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wurde Kolbe zum WM-Beauftragten ernannt und leitete ab 2004 das WM-Büro zur Organisation des „Sommermärchens“ in Dortmund.  Tausende Fußballfans von nah und fern verfolgten die Spiele in der Innenstadt und auf der Großleinwand auf dem Friedensplatz.

Mit 61 Jahren in den „Unruhestand“

Nach 47 Dienstjahren im Rathaus ging Gerd Kolbe mit 61 Jahren in den „Unruhestand“. Viele Aufgaben warteten noch auf ihn. Nach seiner Pensionierung war Gerd Kolbe als Berater für Großveranstaltungen international gefragt. Er war im Vorfeld der Pan-Amerikanischen Spiele 2007 in Brasilien und vor der Fußball-EM 2008 in Österreich und der Schweiz, um die Organisationen in Innsbruck zu beraten.

Zur Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gehörte Gerd Kolbe zu einem zehnköpfigen deutschen Expertenteam, das über das Entwicklungshilfeministerium (Gesellschaft für Technologie Zusammenarbeit, GTZ) die WM-Planer in Südafrika unterstützte.

Rund um die Welt gereist in Sachen Fußball

Im Vorfeld der FIFA WM 2018 in Russland reiste Kolbe mehrmals als Berater in die Dortmunder Partnerstadt Rostow am Don. Hier begleitete er die Vorbereitungen und Bekanntmachung der WM-Aktivitäten über die Internetseite der Stadt Dortmund sowie die regionalen und Medien in Form einer Medienoffensive.

Die Ehrennadel der Stadt Dortmund überreichte OB Ullrich Sierau an Gerd Kolbe. Damit wurde seine Arbeit auf sportlichem und kulturellem Gebiet sowie seine geschichtshistorischen Verdienste gewürdigt. Foto: Joachim vom Brocke

Mit der  Ehrennadel wurde seine Arbeit auf sportlichem und kulturellem Gebiet sowie seine geschichtshistorischen Verdienste gewürdigt.

Von 1976 bis 1981 war der Fußballfan Gerd Kolbe ehrenamtlicher Pressesprecher des BVB. Borussia gehört zum Leben von Gerd Kolbe, der unermüdlich rund um Dortmund City unterwegs ist, doch in Holzwickede lebt.

Seit 1989 organisierte er im Rahmen seiner Diensttätigkeit bei der Stadt Dortmund Fan-Treffs vor internationalen BVB-Spielen und Meisterfeiern. Auch plante er als erster die öffentliche Übertragung von Spielen, heute als „Public Viewing“ bekannt.

Als Leiter der Arbeitsgemeinschaft Tradition der BVB-Fanabteilung entwickelte Gerd Kolbe das Schulprojekt „Der BVB in der NS-Zeit“, das 2016 erstmalig an der Max-Born-Realschule realisiert wurde und mittlerweile an fünf anderen Schulen stattgefunden hat. Das Projekt soll mit Borussia Dortmund als „Brückenbauer“ über die Zeit des Nationalsozialismus informieren und die Schüler auf die aktuellen Gefahren rassistischer Tendenzen aufmerksam machen.

Als offizieller Archivar BVB-Geschichte aufgearbeitet

Als offizieller BVB-Archivar hat Kolbe erheblich zur Erhaltung der Sportgeschichte des BVB beigetragen. Neben dem Schulprojekt „Der BVB in der NS-Zeit“ und seiner gleichnamigen Veröffentlichung von 2002 engagiert sich Gerd Kolbe in weiteren Projekten gegen Rechts.

Gerd Kolbe moderiert eine Schachpartie auf dem Nordmarkt. Foto: Alex Völkel

Eine weitere Leidenschaft ist Schach: Hier moderiert Gerd Kolbe eine Schachpartie auf dem Nordmarkt. Foto: Alex Völkel

Mit verschiedenen Aktionen wahrte er das Ansehen des jüdischen Mitbegründers des Dortmunder Schachvereins Salomon Elkan und seines Sohnes Benno, einen berühmten Dortmunder Bildhauer und Fußballpionier. So war er Mitorganisator des Projektes „Interreligiöser Fußballspiel“, bei dem geistliche Vertreter verschiedener Religionen gegeneinander antreten. Auch war er mehrmalig an der Gedenkfeier am Karfreitag in der Bittermark beteiligt.

Durch seine dienstliche und seine ehrenamtlichen Tätigkeiten hat Gerd Kolbe ein großes Netzwerk in der Stadtgesellschaft als auch international aufgebaut. Dies hat er gewinnbringend für die Stadt Dortmund eingesetzt, indem er mit Hilfe von Partnern eine Vielzahl von Projekten und Ideen umgesetzt und ins Rollen gebracht hat. Dies wurde bei der Ehrennadel-Verleihung ganz besonders gewürdigt.

Gerd Kolbe, der sich gemeinsam mit seiner Frau und seiner Familie sehr über die Würdigung seiner Arbeit freute, revanchierte sich mit einem Geschenk an die Stadt: ein seltenes BVB-Plakat.

Weitere Informationen:

  • Für seinen Einsatz für die Fußball-Weltmeisterschaft wurde Gerd Kolbe 2007 mit dem City-Ring geehrt. Außerdem nahm er im gleichen Jahr stellvertretend für alle zwölf WM-Spielorte in München den deutschen Marketingpreis des Sports entgegen, der vom Verband der deutschen Werbewirtschaft vergeben wird.
  • Von 1991 bis 2019 organisierte Gerd Kolbe die Dortmunder Schachtage, die jetzt Chess-Meeting heißen, und zu der Spieler mit Weltformat kamen.
  • Schließlich ist Gerd Kolbe Autor zahlreicher Veröffentlichungen. Darunter „Westfalenstadion Dortmund“, 1974; „Der BVB in der NS-Zeit“, 2002, „Das kleine Borussia Dortmund Buch“, 2013 sowie als Autor von Ausgaben von „Heimat Dortmund“.

 

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