
Eingesperrt in der eigenen Wohnung. Klingt wie ein Albtraum, ist aber die bittere Realität für Iosif und Valentina Chigheliman. Seit dem 30. April ist der Aufzug in ihrem Mehrfamilienhaus an der Alsenstraße außer Betrieb. Für das pflegebedürftige Ehepaar und viele weitere ältere Bewohner:innen bedeutet das massive Einschränkungen im Alltag.
Ein barrierrearmes Wohnhaus wird zur Hürde
Das sechsstöckige Haus mit 24 Wohnungen wurde in den 1990er-Jahren als Sozialprojekt errichtet. Es gilt als barrierearm, verfügt über einen Aufzug und in einigen Wohnungen über Notrufknöpfe.

Viele der Bewohner:innen leben seit Jahrzehnten dort. Lange befand sich das Gebäude im Besitz eines privaten Eigentümers, inzwischen wird es von der Hausverwaltung Grundstein Immobilienservice GmbH betreut.
Nach Angaben der Familie ist der Aufzug seit dem 30. April außer Betrieb. Dadurch ist auch der Keller nicht mehr erreichbar, da die Tür dorthin verriegelt wurde.
Zwar seien nach einer ersten Meldung Handwerker erschienen, die Reparatur sei jedoch wieder abgebrochen worden, weil sich angeblich etwas im Weg befunden habe.
Keine Hilfe von der Hausverwaltung oder der Stadt
Seitdem haben zahlreiche Bewohner:innen per E-Mail und telefonisch Kontakt zur Hausverwaltung gesucht, bislang ohne Erfolg. Anrufe landen in einem Callcenter, wo es lediglich heißt: „Wir kümmern uns.“

Eigeninitiative der Hausverwaltung ist aus Sicht der Mieter:innen bislang nicht erkennbar. Auch der Hausmeister fühle sich offenbar nicht zuständig. Selbst das Amt für Wohnen der Stadt Dortmund habe zwar schnell reagiert, konkrete Hilfe sei jedoch ausgeblieben.
Besonders Marina, die Enkelin von Iosif und Valentina, hat die Kommunikation mit Hausverwaltung und Stadt übernommen.
Da viele der älteren Bewohner:innen nur wenig oder gar kein Deutsch sprechen, unterstützt sie diese bei der Verständigung, sammelt Unterschriften und verfasst Beschwerdebriefe. Aus Verzweiflung hat sie sich nun an die Öffentlichkeit gewandt, in der Hoffnung, dass sich durch die Aufmerksamkeit endlich etwas bewegt.
Gefangen im Dachgeschoss: Ehepaar Chigheliman verzweifelt
Iosif und Valentina wohnen seit 24 Jahren im Dachgeschoss des Mehrfamilienhauses. Iosif hat Pflegegrad zwei und kann keine Treppen steigen. Täglich kommt zwar ein Pflegedienst, für Einkäufe oder andere Erledigungen gibt es jedoch keine Unterstützung.

Damit liegt vieles auf den Schultern von Valentina. „Opa geht es nur so gut wegen Oma und ihr geht es nur so gut wegen der sozialen Kontakte, die sie sonst so pflegt“, betont die Enkeltochter.
Valentina war früher gerne viel unterwegs, traf Freund:innen und erledigte Besorgungen selbst. Seit der Aufzug stillsteht, verlässt sie die Wohnung nur noch, wenn es sich nicht vermeiden lässt. „Ich überlege heute dreimal, bevor ich gehe, ob es wirklich notwendig ist“, sagt sie.
Denn jedes Verlassen der Wohnung bedeutet, mehrere Etagen zu Fuß bewältigen zu müssen und das mit schweren Einkaufstaschen. „Der kaputte Aufzug ist ein sehr großes Hindernis im Leben“, betont sie bedrückt. „Ich wünsche mir die alte Hausverwaltung zurück. Aber das hängt alles von Gott ab.“
Die Bewohner: innen des Hauses sind verzweifelt
Die Folgen des defekten Aufzugs treffen nicht nur Iosif und Valentina. Larissa Merkuschenkova (90) lebt seit dem Neubau des Hauses dort und hat Pflegegrad drei. Vor Kurzem ist sie gestürzt und müsste eigentlich regelmäßig zur Physiotherapie, was durch den kaputten Aufzug nicht möglich ist. „Es ist sehr schlecht, dass der Aufzug nicht geht“, sagt sie. Ihr Wunsch: „Aufzug soll gehen, Hausverwaltung muss sich kümmern.“

Auch Bella Liberman (94) ist auf den Aufzug angewiesen. Sie ist zu 80 Prozent gehbehindert, nutzt einen Rollator und wird von einer bei ihr wohnenden Pflegerin unterstützt. Dennoch hat sie bereits Arzttermine verpasst. Sie wünscht sich vor allem Hilfe und dass der Aufzug endlich wieder funktioniert.
Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit möchte Marina endlich Hilfe für ihre Großeltern und die Bewohner:innen des Hauses erreichen. Ihr Appell: „Der Aufzug muss wieder funktionieren und ältere Leute sollen nicht einfach so zurückgelassen werden.“
Die Hausverwaltung antwortete nicht – aber das Amt für Wohnen
Auf Nachfrage von Nordstadtblogger reagierte die Hausverwaltung zwar nicht direkt, brachte jedoch einen neuen Aushang an. Darin verweist sie auf die zuständige Wartungsfirma und erklärt, man versuche „im Interesse aller Mieterinnen und Mieter eine schnellstmögliche Lösung zu erreichen“.
Die Stadt bestätigte auf Anfrage, dass die Wohnungsaufsicht am 10. Juni über den Ausfall des Aufzugs informiert worden sei. „Nach Eingang der Meldung wurde unverzüglich Kontakt mit der zuständigen Hausverwaltung aufgenommen, um die Ursache des Ausfalls zu klären und Informationen über die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Aufzugs einzuholen“, teilte Stadtsprecher Christian Schön mit.

Grundsätzlich könne die Wohnungsaufsicht auf Grundlage des Wohnraumstärkungsgesetzes ordnungsrechtliche Maßnahmen ergreifen und Verfügungsberechtigte notfalls mit Zwangsgeldern zur Mängelbeseitigung verpflichten.
„Im vorliegenden Fall liegen derzeit keine Anhaltspunkte für eine solche Untätigkeit des Verfügungsberechtigten vor. Daher besteht aktuell keine Grundlage für die Einleitung eines ordnungsrechtlichen Verfahrens. Die Wohnungsaufsicht des Amtes für Wohnen wird den Vorgang jedoch weiterhin begleiten, bis die Funktionsfähigkeit des Aufzugs vollständig wiederhergestellt ist“, so Schön.
Der Stadt sei bewusst, dass ein längerer Ausfall des Aufzugs vor allem für hochaltrige, mobilitätseingeschränkte und pflegebedürftige Menschen eine erhebliche Belastung darstelle. „Vor diesem Hintergrund misst die Stadt einer zeitnahen Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Aufzugs eine hohe Bedeutung bei“, betont Schön. Gleichzeitig könne sich die Reparatur durch Lieferzeiten für Ersatzteile oder fehlende Kapazitäten spezialisierter Fachfirmen verzögern. Um unnötige Verzögerungen zu vermeiden, stehe die Wohnungsaufsicht nach Angaben der Stadt in regelmäßigem Austausch mit den Verantwortlichen und begleite den Vorgang bis zur vollständigen Wiederherstellung der Betriebsfähigkeit des Aufzugs.
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