Frauengärtnerei in Dortmund-Hörde offiziell eröffnet

„Grünfrau“ lädt zeitnah zum „Erlebniseinkauf“ ein

Wegweiser zur neu getauften Gärtnerei zwischen Dortmund-Hörde und -Schüren Thomas Engel | Nordstadtblogger

Bevor die 5.000 Quadratmeter große Brachfläche zwischen Phönixsee und B236 am Rande von Dortmund-Hörde erschlossen wurde, muss es dort einigermaßen gruselig ausgesehen haben. Schwer vorzustellen damals, es war 2016, dass hier irgendwann gutes Gemüse wachsen und gedeihen wird. Doch nach einem harten Stück Arbeit – im Rahmen des Urban Farming-Projekts der Dortmunder Grünbau gGmbH – hat sich viel getan. Seit einiger Zeit kann geerntet werden, der Verkauf beginnt diesen Sommer. Da hier, abgesehen von der Leitung, exklusiv Frauen arbeiten, bekam die Gärtnerei einen naheliegenden Namen: „Grünfrau“. Logo und Konzept wurden nun vorgestellt.

Die Anfänge: Blick auf ein wüstes Gelände, besät mit Schrott und Wildwuchs

Ebenfalls Thema bei der kleinen Eröffnungsveranstaltung vor Ort: die Einbindung der Gärtnerei ins Netzwerk „Marktschwärmer“, mit dem regionale Produzent:innen und Haushalte zusammengebracht werden.

Andreas Koch, Geschäftsführer von “GrünBau” Thomas Engel | Nordstadtblogger

Was aus ökologischer wie sozialer Perspektive unverkennbar Vorteile birgt. Ein üblicher Wermutstropfen: einkommensschwache Haushalte dürften weitgehend außen vor bleiben. ___STEADY_PAYWALL___

Um die Standortentstehung der neuen Frauengärtnerei im Dortmunder Südosten gibt es jedenfalls ein gesichertes Narrativ. Das Gelände habe man sich seinerzeit als „wüste Gegend vorstellen“ können, das zunächst aufbereitet werden musste, erinnert sich Grünbau-Geschäftsführer Andreas Koch.

Viele fleißige Hände wirkten dabei mit „Schweiß und Arbeitskraft“. „Das war wahnsinnig viel Arbeit“, weiß auch Susanne Linnebach, Leiterin des Amtes für Stadterneuerung. „Hier war einfach überhaupt gar nichts.“

„Oh Gott, oh Gott, wat soll daraus werden”: Betriebsleiter Frank Plaß von GrünBau Thomas Engel | Nordstadtblogger

Außer mengenweise Hindernisse, könnte hinzugefügt werden. Betriebsleiter Frank Plaß, ebenfalls von GrünBau, der das Projekt von Anfang an begleitete und als einer der ersten den Standort besichtigen konnte, dachte damals, so sagt er heute, als er mit dem eigenen Wagen ankam: „Oh Gott, oh Gott, wat soll daraus werden, das geht doch gar nicht!“

Drei Meter Brombeeren, 30 Reifen, ein Anhänger, ein halbes Auto, zählte allein er.

„Mann konnte sich 2016, 17, 18 gar nicht vorstellen, was aus diesem Standort tatsächlich wird.“ – Doch das war nicht alles: „Von allem, was darunter war, da wussten wir zu dem Zeitpunkt noch gar nichts“, sagt der Verantwortliche für den Projektstandort am Rande eines kleinen Industriegebietes zwischen Dortmund-Hörde und -Schüren.

Viele Kubikmeter Boden abgetragen, Blindgängerverdachtspunkte überprüft

Dort, wo Wohnhäuser aus den 60er, 70er Jahren aus Emissionsgründen abgerissen wurden, informiert Susanne Linnebach. Da war es nämlich auch um den Boden alles andere als gut bestellt. Vier Meter hätten davon aufgebracht werden müssen, dazu immer wieder Blindgängerverdachtspunkte, die sich aber glücklicherweise nicht bestätigten.

Susanne Linnebach, Leiterin der Stadterneuerung Dortmund Thomas Engel | Nordstadtblogger

Aber: „So gingen dann die Jahre ins Land“, erklärt die Leiterin der Stadterneuerung. Und gibt zugleich eine Antwort auf die oft gestellte Frage: „Was machen die denn so lange?“

Ihr Amt gehört neben dem Jobcenter Dortmund und der GrünBau gGmbH zu den Schlüsselakteuren bei der Realisierung eines Konzepts, das angesichts von Klimawandel und knapper werdenden Ressourcen unabweisbar einleuchtet, daher in einschlägigen Ballungszentren immer deutlicher Teil von Stadtplanungsstrategien geworden ist.

So in Dortmund. Als „ein neues Gewerk“, bezeichnet GrünBau-Chef Andreas Koch den damaligen Einstieg des nicht-profitorientierten Unternehmens in die „urbane Landwirtschaft“. – Was aus ökologischer Perspektive dringend nötig sei: „dass da mehr passiert“. Und beschreibt das grüne Vorhaben als „regionalen Anbau auch in hochverdichteten und industriell vorgenutzten Gegenden“.

Tradition aus Armut im Ruhrgebiet und anderswo: Subsistenzwirtschaft im Arbeitermilieu

Es hatte auch Experimentalcharakter, was geschehen ist – vor allem wegen der durch die Vornutzung entstandenen Altlasten. Doch nicht zuletzt vor dem Hintergrund liebgewonnener Konsumgewohnheiten von Verbraucher:innen, die sich praktischerweise über die umliegenden Supermärkte anonym versorgen können.

Thomas Engel | Nordstadtblogger

Das war beileibe nicht immer so. Denn andererseits blickt der Ansatz, das eigene Gemüse quasi über die Grünflächen vor der eigenen Haustür auf den Tisch zu bekommen, gerade im Ruhrgebiet und anderen Industrieregionen auf eine gewichtige Tradition zurück.

Es war die Subsistenzwirtschaft im Arbeitermilieu, durch die sich viele Familien mitversorgten, erzwungen aus Armut. Der kleine Garten vor den Zechenhäusern, der nahe Schrebergarten sind Beispiele. In Havanna (Kuba) versorgen sich viele Menschen bis heute teils selbst, staatlich unterstützt, wohlgemerkt.

Was durchaus einige Vorteile hat; zumindest nicht jene Nachteile wie in einem Wirtschaftssystem, wo zumeist und schlussendlich immer der Markt über Wohl und Wehe entscheidet. Das zeigt sich in gewisser Weise auch an dem Urban Farming-Projekt im Dortmunder Süd-Osten – ohne dessen Sinnhaftigkeit zu schmälern, im Gegenteil. Doch der Reihe nach.

Landwirtschaft in die Stadt bringen – Angebote für Langzeitarbeitslose entwickeln

Das GrünBau-Projekt „Querbeet.sozial“ entstand 2016 zusammen mit Stadterneuerung und Jobcenter. Zuerst, 2013, hätten sie sich gedacht, erzählt Susanne Linnebach: „Es wäre ganz toll, wenn wir Landwirtschaft in die Stadt bringen könnten, wenn wir viel mehr Grün in die Stadt bringen könnten.“ Das Resultat, seit 2013, “QuerBeet Hörde – ernte deine Stadt!”, mit vielen Pflanzenbeeten in dem südlichen Dortmunder Vorort.

Hochbeete des "Querbeet Hörde" Projektes am Hörder Neumarkt. Fotos: Gerd Wüsthoff
Hochbeete des “Querbeet Hörde”-Projektes am Hörder Neumarkt. (Archivfoto) Foto: Gerd Wüsthoff für Nordstadtblogger

Also auf einem kleinen Areal etwas anbauen, gewissermaßen primäre Lebensmittelproduktion auf fast symbolischem Niveau betreiben. Dann kam, erstens, der Gedanke, den Ansatz mit Langzeitarbeitslosen fortzuentwickeln.

Zugleich, zweitens, die Frage auf, so Linnebach: „Wie können wir das, was wir produzieren, noch vertreiben?“ Denn am Ende muss es sich irgendwie rechnen, wird da etwas kostengebunden ohne weitere Hilfen betrieben.

Was die Einbindung von langzeitarbeitslosen Menschen betrifft, kommt irgendwann das Jobcenter Dortmund ins Spiel. Kay Utermark, dort Bereichsleiter, hebt die Durchführungsparameter bei der grünen Enklave an der Hörder Peripherie vom Alltagsgeschäft seiner Behörde explizit ab: „Wir finden es immer wieder schön, wenn auch Projekte entstehen, die mal wieder was besonderes sind.“

Eine kleine grüne Insel, die Menschen sinnschaffende Tätigkeiten bietet

Die Teilnehmerinnen arbeiteten hier gern, das bekämen sie immer wieder mit. Wiewohl die Entlohnung bekanntlich nicht unbedingt fürstlich ausfällt. Sie sähen eben einen Sinn darin, „hier etwas zu erschaffen“, so der ehemalige Teamleiter im Bereich Selbständige. Das förderten sie vom Jobcenter Dortmund gerne, zuallererst im Rahmen der AGH (Arbeitsgelegenheiten).

Ein Faible für besondere Projekte: Kay Utermark, Bereichsleiter beim Jobcenter Dortmund Thomas Engel | Nordstadtblogger

„Das wird auch weiter laufen.“ Über andere Fördermöglichkeiten seien ebenfalls bereits Plätze geschaffen worden (etwa nach § 16i SGB II: Teilhabe am Arbeitsmarkt).

Eine Festeinstellung aus dem AGH-Bereich habe es bereits gegeben, fügt Frank Plaß hinzu. „Das ist der schönste Arbeitsplatz, den GrünBau hat, hier möchte ich auch arbeiten“ – das höre er immer wieder. „Und das ist es auch tatsächlich.“ Zumindest ist es einer der schönsten: „Ich bin immer wieder begeistert.“

Da könne, gerade aus der Zusammenarbeit zwischen Stadterneuerung, Jobcenter und lokalen sozialen Trägern wie GrünBau, „großartiges entstehen“. „Es wird aus meiner Sicht zeigen, dass Urban Farming, Urban Gardening tatsächlich funktioniert“, so der Standortverantwortliche. Und alles geschieht auf Flächen, an die keiner wirklich dachte, die aber jetzt zu einer kleinen grünen Insel wurden.

Gemeinwohl: Komplette Ernte aus dem Jahr 2021 geht an die Dortmunder Tafel

Thomas Engel | Nordstadtblogger

Bestaunbar in der gerade offiziell eröffneten Gärtnerei der Frauen. Die entscheidende Etappe auf deren langen Weg: Im letzten Jahr stand endlich das Gewächshaus, ausgestattet mit Bewässerungssystemen, darin die ersten Pflanzen.

Auf 30 x 10 Meter wachsen seitdem Tomaten, Gurken, Auberginen, Paprika; dahinter stehen Hochbeete mit verschiedenen Gemüsesorten. Dort werden noch einmal insgesamt 380 Quadratmeter bewirtschaftet.

Landschaftsökologe Jörg Lüling, seit anderthalb Jahren Anleiter bei “Grünfrau” Thomas Engel | Nordstadtblogger

Auf dem Areal gibt es derzeit noch eine Freifläche. Ein Magerstandort – einer der artenreichsten Lebensräume. „Deswegen lassen wir alles wachsen, da ist viel Gesumme und Gebrumme, die Insekten freuen sich“, sagt Jörg Lüling, Landschaftsökologe und seit anderthalb Jahren einer der beiden Anleiter in der Hörder Gärtnerei Am Remberg.

2021 wurde die komplette Ernte noch an die Dortmunder Tafel abgegeben. Das funktionierte unter anderem deshalb, weil die Projektförderung seitens der Stadterneuerung erst in diesem Jahr, Ende 2022 ausläuft. Anders ausgedrückt: spätestens jetzt fängt der Ernst an.

Ende 2022 endet die Projektförderung seitens der Dortmunder Stadterneuerung

„Wir sind 2022 raus, Ende des Jahres gibt es von uns kein Geld mehr“, macht Susanne Linnebach deutlich. Hegt diesbezüglich aber keine weiteren Befürchtungen, denn das Projekt sei schließlich groß geworden.

Repräsentieren die Hintergrundaktuere des Projekts (v.r., im Vordergrund): Jörg Lüling, Andreas Koch, Susanne Linnebach, Kay Utermark und Frank Plaß. Thomas Engel | Nordstadtblogger

Will heißen: das Kind muss „auf eigenen Füßen stehen und laufen“, so ihre Worte; muss sich selbst finanzieren, auf dem Markt bestehen können. Die mögliche Folge: zwischen den Preisen für die regionalen Produkte von Nebenan und der Kaufkraft von großen Teilen der ansässigen Bevölkerung könnten Welten liegen.

Wie leider so oft in ähnlich gelagerten Konstellationen, siehe unten: „Marktschwärmer“.

Wie dem auch sei: dies kann schwerlich den beteiligten Akteuren vorgeworfen werden. Die wirtschaftspolitische Verhältnisbestimmung von staatlicher Intervention zu Markt ist in erster Linie eine Bundesangelegenheit, zu der es auf lokaler Ebene an effektiven Instrumenten fehlt: marktwirtschaftliche Imperative lassen sich kommunal schlecht aushebeln.

Wenn die Tomaten in diesem Sommer reif sind: Beginn des Verkaufs vor Ort

Thomas Engel | Nordstadtblogger

Mit dem Ende der Förderung, dem damit verbundenen Rentabilitätszwang und den erhöhten Ausgaben durch Festanstellungen ist jedenfalls ein Verkauf der Ernte aus der Gärtnerei – mindestens teilweise – unumgänglich. Und genau das ist der Plan für diesen Sommer.

Wenn die Tomaten reif seien, präzisiert Jörg Lüling, der seit 2016 auch im Vorstand des Vereins Solidarische Landwirtschaft Dortmund e.V. sitzt.

Am Eingang könne sich dann jede:r ein Körbchen nehmen, vor Ort wird es Schilder geben, was wo reif ist – und los geht’s. Statt aus Kisten im Supermarkt einzusammeln, wird selbst geerntet und an der Kasse bezahlt, Stichwort: „Erlebniseinkauf“, formuliert er.

Bliebe zu hoffen, „dass es angenommen wird“, so der engagierte Mitbegründer der „Initiative für einen Ernährungsrat Dortmund“, dessen Homepage das Motto ziert: „Pizza geht immer“.

Verkauft werden wird in der Gärtnerei dann übrigens dienstags von 10 bis 14 Uhr und donnerstags von 10 bis 18 Uhr. Was mangels Nachfrage liegen bliebe, solle weiterhin an die Tafel weitergegeben werden, macht Jörg Lüling aber klar. Immerhin.

Klare Angelegenheit für Dortmund: Wo GrünBau mit der Frau ohne Bau …

Mai 2021 vor Ort: Es gibt endlich ein Gewächshaus! Foto: GrünBau

Auch er genieße „diese grüne Oase“, jeden Tag. Am Anfang war da bekanntlich kein Gewächshaus, die (vormals als Flüchtlingsunterkünfte genutzten) Container blau, nicht grün gestrichen; es gab lediglich ein Dixi-Klo, kein Strom, kein Wasser. „Wir haben hier viel geschafft, sehr viel bewegt“, resümiert er.

Sein besonderer Dank gilt vor allem den „Frauen, die hier diese Maßnahme mit uns machen, die jeden Tag hierhin kommen, ihre Zeit hier verbringen, ihre Muskeln einsetzen, ihre Nerven.“ Zustimmendes Nicken nach den letzten Worten aus den Reihen der Angestellten. Doch keine von ihnen erweckt den leisesten Eindruck, sich hier fremd zu fühlen.

Susanne Linnebach und Andreas Koch bei der Präsentation des neuen Logos Thomas Engel | Nordstadtblogger

Ach ja, dann war da noch der Anlass der kleinen Veranstaltung in der Gärtnerei. Die Bezeichnung, die das Logo prägt (Name im Hochbeet mit sprießender Pflanze), ist ein passendes Wortspiel, entstanden aus dem Träger („GrünBau“) und der Zielgruppe der Maßnahme, d.h. nur Frauen – macht, weil’s diesmal nicht um „Bau“ geht, eben: „Grünfrau“.

„Dat macht doch ganz klar Sinn“, zeigt sich der Anleiter Dortmunder Logik mächtig. Weil es organisch gewachsen ist und repräsentiert, was stattfindet, ganz einfach!

Inmitten von nervigem Fluglärm aus Wickede: ein antizipierender Hauch lokaler Utopie

Zwischenzeitlich wiederholt nerviger Fluglärm über dem Gelände und den Köpfen der Anwesenden – Wickede ist nicht weit: „eine typische Standortsituation“, erklärt Andreas Koch bei der ersten Störung mit einem vieldeutigen Lächeln. Inmitten des nächsten Getöses bemerkt Jörg Lüling seelenruhig: „Wir sind auch für die Schließung des Flughafens, den brauchen wir nicht.“

Thomas Engel | Nordstadtblogger

Mit der Auffassung steht er nicht allein da, weder hier zwischen Hörde und Schüren, noch in der Stadt. Weniger als 24 Std. nach der Eröffnung von „Grünfrau“ verschickt die Ratsfraktion der Dortmunder Grünen eine Pressemitteilung, betitelt mit: „Flughafen bleibt Millionengrab.“ Ein weiterer Grund, endlich Vernunft obsiegen zu lassen.

Es weht in der Gärtnerei so etwas wie ein antizipierender Hauch von lokaler Utopie. Wenig verwunderlich, dass der Projektentwurf weit mehr im Blick hat, als nur Gemüse für Abnehmer:innen aus der Region zu produzieren.

Da sind nicht allein die kurzen Wege auf den Teller – entsprechend einer ökologisch sinnvollen Verringerung von Transportkosten – von Gewicht. Erst recht geht es nicht nur um (ab 2023) aufoktroyierte marktwirtschaftliche Ausgangsvoraussetzungen. Obwohl deren unzureichende Berücksichtigung letal sein könnte.

Es mangelt nicht an Ideen für den weiteren Ausbau der Frauen-Gärtnerei …

Thomas Engel | Nordstadtblogger

Frank Plaß spricht von einem „Bildungsort für alle Zielgruppen“. Und einem Netzwerkstandort, an dem Themen und Akteure zusammengeführt werden könnten.

Den ersten, den pädagogischen Aspekt, spiegelt etwa die seit zwei Monaten bestehende, kleine Kooperation mit „Querwaldein Dortmund“ wider, einschließlich eines Programms für Kinder.

Auf dem Gelände, da sei noch Platz für mehr, bedeutet Jörg Lüling. Was wiederum Raum für Kreativität, neue Ideen schafft.

Thomas Engel | Nordstadtblogger

Es gibt bereits Kontakte zum Dortmunder Familienbüro, die grüne Einrichtung soll Kitas über durchdachte Programme nahegebracht werden. Ebenfalls in der Diskussion: ein Gartenclub für Erwachsene. Denn an Ort und Stelle gäbe es „ganz viele Möglichkeiten“, schaut er in die Zukunft.

Der zweite Aspekt ist das Netzwerk. Produziert und konsumiert wird einerseits in real existierenden physischen Nachbarschaften. Wo noch das Gespräch, das Von-Du-zu-Du, der persönliche Kontakt wichtig ist. Leben, die Nähe in und durch eine Gemeinschaft.

Ein Sehnsuchtspunkt, die Begegnung mit dem, was eine zivilisationsintensive, von Technologie geprägte Umwelt in gefürchtete Ferne rückt: das „Ursprünglich-Natürliche“ hier, das Gewerk mit den Spuren von Menschenhand dort. – Spuren, die etwas zeigen, statt besinnungsfreie Kälte.

Bundesweites Netzwerk „Marktschwärmer“ eröffnet Abholmarkt bei „Grünfrau“

Carina Hebestreit von “Grünfrau” Thomas Engel | Nordstadtblogger

Mit dem bundesweiten Netzwerk „Marktschwärmer“ andererseits wird dies mit den Segnungen der Digitalisierung verknüpft. Anlässlich der Vorstellung des Grünfrauen-Logos fand dessen (Wieder-)Eröffnung in Schüren zum Anfassen und Kosten in der alternativen Gärtnerei selbst statt.

„Super Konzept, das passt zu uns“, stellt Akteurin Carina Hebestreit fest und dankt allen Erzeuger:innen, die an diesem Tag hierhin gekommen sind.

Thomas Engel | Nordstadtblogger

In einem kleinen Bereich neben dem Container können sich Verbraucher:innen und Produzent:innen während der kleinen Feier gerade persönlich kennenlernen.

Wer später etwas bei der „Marktschwärmerei“ erwerben möchte, muss sich zuallererst auf der Online-Plattform registrieren (siehe den Link unten).

Thomas Engel | Nordstadtblogger

Kann dann aus dem umfangreichen Produktkatalog auswählen, bestellen und bezahlen, schließlich die Waren bei einem der dem Netzwerk angeschlossenen lokalen Partner:innen selbst abholen.

Dies geschieht in der Dortmunder “Grünfrauen-Gärtnerei” ab sofort mittwochs zwischen 17 und 18.30 Uhr.

Thomas Engel | Nordstadtblogger

Allein, so beeindruckend die Konzeption sein mag – bei einem Blick auf die konkreten Preise für regionale Produkte wird leider schnell klar: die vielen einkommensschwächeren Haushalte im östlichen Ruhrgebiet sind von der Teilhabe weitgehend ausgeschlossen.

Es ist bitter, wenn die Möglichkeit zu sozialökologisch erstrebenswertem Handeln auf Besserbetuchte abgestellt werden muss, weil ein politisch unzureichend gezähmter Marktmechanismus keine andere Wahl bereitstellt.

Bleibt abzuwarten, wo sich in diesem dilemmatischen Kontext die Preisgestaltung der “Grünfrau-Gärtnerei” verorten wird, wenn die Tomaten in den nächsten Wochen reif sind …

Weitere Informationen:

  • Leitbild Grünbau gGmbH; hier: 
  • Abschlussdokumentation “QuerBeet Hörde – ernte deine Stadt!” (2013-2020); hier: 
  • marktschwaermer.de; hier: 
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Reaktionen

  1. Grünfrau Dortmund

    Hallo,
    wir haben jetzt immer Dienstags von 10:00 bis 14:00 und Donnerstag von 10:00 bis 18:00 den Verkauf geöffnet.
    Aktuell gibt es Bohnen, Zucchini, Rote Beete, Mangold, Gurken, Tomaten, Petersilie, Basilikum direkt ausm Beet 🙂
    Kommt gerne vorbei!
    Die Grünfrau

  2. BicycleFriend

    Eine gute und richtige Sache. Aber nach dem langen Artikel ist immer noch nicht klar, WO genau diese Gärtnerei sein soll! Hausnummer/Straßenname, zumindest einer in der unmittelbaren Nähe? Und das Problem bleibt: mit schlankem Geldbeutel muss man doch wieder die günstige niederländische Gurke im Supermarkt kaufen.

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