
In Dortmund wird nach wie vor viel gebaut. Oft verschwinden dafür alte Gebäude. Eine Gruppe überwiegend junger Menschen will, dass darüber gesprochen wird – über Abrisse, Nachhaltigkeit und zerstörte Identität. In dieser Woche lädt sie zu einer Aktionswoche ein.
Gebäude prägen Erinnerung und Identität
Das Gefühl, von einer Reise nach Hause zu kommen und sich beim Anblick markanter Gebäude heimisch zu fühlen, kennt wahrscheinlich jede:r. Doch nicht selten verschwinden auch in Dortmund große, prägende Gebäude, um Platz für Neues zu schaffen – zu oft, findet die Initiative „Post.Abriss“.

Die Gruppe hat sich Anfang 2026 gegründet: Menschen unter anderem aus den Bereichen Raumplanung und Architektur veranstalten seitdem gemeinsam Aktionen. Sie wollen erreichen, dass mehr über Abrisse diskutiert wird. Dabei betont die Gruppe besonders die Emissionen und den Ressourcenverbrauch, die mit einem Neubau verbunden sind, sowie den Identitätsverlust durch den Abriss prägender Bauten.
Anlass für den Entschluss, auf das Thema aufmerksam zu machen, war das Postgebäude am Hauptbahnhof. Die Post ist dort in diesem Jahr vollständig ausgezogen, nur die Wirtschaftsförderung nutzt noch einen Teil der Fläche. Langfristig steht im Zuge der Neugestaltung des Bahnhofsumfelds auch ein Abriss des Gebäudes im Raum. Im März lud „Post.Abriss“ die Menschen vor dem Gebäude dazu ein, „Abschiedsbriefe an die Post“ zu schreiben.
Sparkasse will ihren Hauptsitz abreißen und neu bauen

Zur „Action Week“ von Architects for Future richtet die Gruppe ihren Blick nun auf verschiedene Gebäude in der Stadt und lädt bis Sonntag täglich zu Aktionen ein.
Bereits am Montag stand die Aktion „Eine Bank für die Bank“ im Mittelpunkt: eine rote Bank vor der Sparkasse, die zu Gesprächen einladen soll. „Redet mit uns, redet auch miteinander – und vielleicht redet ja sogar die Sparkasse mit“, sagte Julius von Post.Abriss am Montag.
Die Sparkasse will ihren Hauptsitz an der Kampstraße zu großen Teilen abreißen und neu bauen. Nach eigenen Angaben erfüllen die Gebäude nicht mehr die Anforderungen an moderne Arbeitsplätze, Nachhaltigkeit, technische Infrastruktur und Kundenorientierung. Einen Umbau habe die Sparkasse geprüft.

„Ein Neubau ist langfristig die bessere Lösung“, sagte Ulrich Bartscher, Leiter Immobilien-Beteiligungen der Sparkasse Dortmund, im März. Dass der Bau die Anforderungen nicht mehr erfüllt, bestreitet auch Post.Abriss nicht.
Die Gruppe fordert die Sparkasse jedoch auf, den Planungsprozess zu öffnen, Entscheidungen transparent zu machen und Alternativen zum Abriss erneut zu prüfen.
Auch das Max-Planck-Institut steht im Fokus der Aktionswoche

Auch das ehemalige Max-Planck-Institut an der B1 war in dieser Woche bereits Schauplatz einer Aktion: Dort lud die Gruppe am Mittwochabend zu einem Dinner und einem anschließenden Filmabend ein. Das Hochhaus steht seit Jahren überwiegend leer.
Im Sommer wurde bekannt, dass die Stadt Dortmund das Gebäude an eine:n Investor:in verkaufen will, nachdem die städtischen Pläne für einen Umbau gescheitert waren. Bei der Suche nach Investor:innen schließt die Stadt nach Angaben der Ruhrnachrichten auch einen Abriss nicht aus.

Für die Kritiker:innen ginge damit wichtige Baugeschichte verloren: Bereits 1929 entstand das Gebäude in einer für die damalige Zeit modernen Architektur. Im Juli veröffentlichten zudem 40 Professor:innen einen offenen Brief, in dem sie sich gegen den Abriss aussprechen.
Die Lehrenden der Fachhochschule und der Technischen Universität verweisen ebenfalls auf die Ökobilanz und den drohenden Verlust identitätsstiftender Bauten in Dortmund. Neben der Sparkasse und dem Forschungsbau nimmt Post.Abriss noch viele weitere Gebäude in den Blick, darunter den Kronenturm, das Hoesch-Verwaltungsgebäude und das IHK-Seminargebäude.
Noch drei Aktionen am Wochenende
Am heutigen Freitag (11. September 2026) ab 16 Uhr dreht sich am Sparkassen-Gebäude an der Katharinenstraße alles ums Drucken gegen Abriss: Besucher:innen können Shirts, Beutel oder Poster mit Motiven von Gebäuden bedrucken, die abgerissen werden sollen oder bereits verschwunden sind, und so ein Zeichen gegen den Abriss setzen. Wer möchte, bringt ein altes T-Shirt oder Ähnliches mit, um darauf das Gebäude seiner Wahl zu verewigen.

Beim „Getränk.Post.Kiosk“ lädt die Initiative am Samstag ab 19 Uhr an der ehemaligen Hauptpost am Hauptbahnhof, Kurfürstenstraße 2, zum gemeinsamen Cornern ein. Bei einem Getränk soll es um die Schönheiten der gebauten Umwelt gehen – und um einen lauen Spätsommerabend, ob allein, zu zweit oder in der Gruppe. Je nach Laune ist auch das eine oder andere Kartenspiel möglich.
Zum Abschluss der Aktionswoche und am Tag des offenen Denkmals führt am Sonntag ab 11 Uhr ein Spaziergang von der Chemnitzer Straße 12 aus zu vom Abriss bedrohten Gebäuden in der Dortmunder Innenstadt.
Neben der Sparkasse zeigt die Initiative, welche weiteren Gebäude verschwinden könnten, was das für das Stadtbild bedeutet, welche Alternativen zum Abriss es gibt und auf welche bislang unbemerkten Fassadendetails es zu achten lohnt. Der rund anderthalbstündige Spaziergang lädt zum gemeinsamen Schauen, Nachdenken und Austauschen über das Dortmunder Abrissgeschehen ein. Dabei besetzt und bespielt die Gruppe immer wieder ihre Gesprächsbank und stellt rot besprühte Räder mit Infomaterial vor betroffenen Gebäuden auf.
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