Nordstadtblogger

Führender Rechtsextremist in Haft – viele Verurteilungen von Verfassungsfeinden in den letzten fünf Jahren in Dortmund

Sascha Krolzig kassierte auch in der Berufung vor dem Landgericht in Dortmund 14 Monate Haft ohne Bewährung.

Alle juristischen Winkelzüge waren letztendlich erfolglos: Der Bundesvorsitzende der Neonazi-Partei „Die Rechte“, Sascha Krolzig, befindet sich seit Mittwoch (15. Juli 2020) in Haft. Mehr als ein Dutzend Verurteilungen waren bereits rechtskräftig, weitere stehen noch aus. Seine Haftstrafe antreten muss der Wahl-Dorstfelder unter anderem, weil seine Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert ist. 

Die Äußerung „frecher Juden-Funktionär“ brachte Krolzig jetzt hinter Gitter

Die Karlsruher Richter werteten Krolzigs Äußerung „frecher Juden-Funktionär“ als volksverhetzend und damit strafbar. Es bestätigte damit auch eine Haftstrafe für den Rechtsextremisten, die das Landgericht Bielefeld verhängt hatte.

Sascha Krolzig, Co-Bundesvorsitzender der Partei Die Rechte.

Sascha Krolzig ist Co-Bundesvorsitzender der Partei „Die Rechte“. Archivfotos: Alex Völkel

Der Neonazi hatte in einem Artikel den Vorsitzenden einer Jüdischen Gemeinde als „frechen Juden-Funktionär“ beschimpft und gedroht, seine Partei würde den „Einfluss jüdischer Lobbyorganisationen auf die deutsche Politik in allerkürzester Zeit auf Null reduzieren“.

Das Landgericht Bielefeld verurteilte Krolzig daraufhin wegen Volksverhetzung und Beleidigung zu einer sechsmonatigen Haftstrafe ohne Bewährung. 

Auch in Dortmund kassierte Krolzig weitere Haftstrafen: Offen ist u.a.. ein Urteil zu 14 Monaten Freiheitsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Daher ist davon auszugehen, dass Krolzig deutlich länger als „nur“ sechs Monate hinter Gittern verbringen wird. 

Die Dortmunder Polizei sieht sich durch den Haftantritt bestätigt: „Durch die akribische Ermittlungsarbeit der letzten Jahre hat es die Polizei Dortmund immer wieder geschafft, Angehörige der rechtsextremistischen Szene bei politisch motivierten Straf- und Gewalttaten zu überführen und in Haft zu bringen“, kommentierte die Behörde.

105 Verurteilungen gegen 46 Täter – 35 Jahre Haft und 60.000 Euro Geldstrafen

Mittlerweile sind Polizei und  Justiz ernstzunehmende Gegner der Dortmunder Neonazis.

Die 2015 eigens eingerichtete Sonderkommission (Soko) „Rechts“ blicke auf fünf Jahre erfolgreicher Arbeit zurück. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Insgesamt konnten in diesem Zeitraum bei Gericht 105 Verurteilungen gegen 46 unterschiedliche rechtsextreme Straftäter erwirkt werden.

Dabei wurden von den Gerichten insgesamt Freiheitsstrafen von über 35 Jahren ausgesprochen. Dazu kommen Geldstrafen von insgesamt über 60.000 Euro. 

Unter den Verurteilten befinden sich mehrere führende Köpfe der rechtsextremistischen Szene um die Partei Die Rechte in Dortmund. „Ermittlungserfolge und viele Haftstrafen – die Bilanz zeigt, dass der Kampf gegen die Demokratiefeinde in Dortmund erfolgreich ist“, so Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange. 

Umfangreiche Ermittlungen und Beharrlichkeit auf allen Ebenen sowie eine fruchtende Zusammenarbeit von Polizei und Staatsanwaltschaft seien das Rezept für einen wehrhaften Rechtsstaat. „Wenn immer wieder Intensivtäter und Bewährungsversager aus dem Verkehr gezogen werden, schwächt das auf Dauer die rechte Szene. Und Anführer, die hinter Gittern sind, haben auch nur eine begrenzte Sogwirkung“, so Lange.

 

Unterstütze uns auf Steady

 

Mehr zum Thema bei nordstadtblogger.de:

Haftantritt für Neonazi rückt näher: Landgericht Dortmund bestätigt Urteil gegen „Die Rechte“-Funktionär Sascha Krolzig

Haftantritt für Neonazi-Funktionär Sascha Krolzig rückt näher – weitere Urteile drohen – Kirchturmbesetzung vor Gericht

Amtsgericht Dortmund verhängt 14 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung gegen Co-Bundesvorsitzenden der Rechten

Amtsgericht: Ein Jahr ohne Bewährung für mehrfachen Bewährungsversager aus der Dortmunder Neonazi-Szene

Kirchturmbesetzung: Neonazis wegen Hausfriedensbruch und Nötigung angeklagt – Ermittlungen gegen Pfarrerin eingestellt

Christoph Drewer verurteilt: Dem Bundesvize der Neonazi-Partei „Die Rechte“ drohen insgesamt drei Jahre Haft

HINTERGRUND: Der Mordfall Walter Lübcke, „Combat 18“, Rechtsterrorismus und die Rolle der Neonazis in Dortmund

KOMMENTAR: Über Neonazis, provozierte Schlagzeilen, fragwürdige Einsätze und gesellschaftliche Verantwortung

Weitere Haftstrafen und Verfahren gegen Neonazis – „Die Rechte“ kämpft mit Mobilisierungsschwäche und Verboten

Siegfried „SS-Siggi“ Borchardt jetzt auch in Haft – Neonazis planen Demo gegen Inhaftierungen am 21. Dezember 2018

Erneute Haftstrafe für Neonazi Steven F.: 27 Monate wegen Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung und Sozialbetrugs

Innenminister verbietet Neonazi-Gruppe „Combat 18“ – Hausdurchsuchungen in NRW – Verfahren am Landgericht

 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen