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Filmprojekt „Perspektivwechsel“: Dokumentation von SchülerInnen beleuchtet die Gewalt im Umfeld des Fußballs

300 Menschen nahmen am Treffen der Gruppe "Hooligans gegen Salafisten" in Dortmund teil.

SchülerInnen des Paul-Ehrlich-Berufskollegs sind den Ursachen und der Motivation hinter Gewaltbereitschaft im Umfeld des Fußballs – hier in Bild der „Hooligans gegen Salafisten“ – auf den Grund gegangen. Archivbild: Alex Völkel

Von Claus Stille

SchülerInnen des Paul-Ehrlich-Berufskollegs Dortmund haben in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern des Filmprojektes „Perspektivwechsel“ das Thema „Gewalt im Umfeld des
Fußballs“ aufgegriffen. Die Ergebnisse in Form eines Kurzfilms sowie einer dokumentarischen Begleitung der Umsetzung (Making-of) wurde in den Räumen der Polizeiausstellung 110 im Polizeipräsidium Dortmund in Anwesenheit der Beteiligten und Kooperationspartner der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Film vermittelt Einblicke in unterschiedliche Perspektiven der zwei ProtagonistInnen

Polizeipräsident Gregor Lange. Foto: Claus Stille

Polizeipräsident Gregor Lange bezeichnete den entstandenen Film als sehr realitätsnah, mit einem professionell umgesetzten Thema, der Verständnis weckend wirke und zu Entkrampfungen beitragen könne. Die am Film Beteiligten wurden mit Urkunden ausgezeichnet.

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Die Dokumentation beleuchtet zunächst die Diskussion um das Thema „Gewalt im Umfeld des Fußballs“. Die TeilnehmerInnen ergründeten die Ursachen für die Eskalationen bei Fußballspielen. Anschließend entstand ein 20-minütiger Kurzfilm, in dem es um die Verbundenheit zum Fußballverein und die Freundschaft zweier junger Frauen geht.

Beide kennen sich seit Jugendzeiten. Eine von ihnen ist Polizistin geworden. Später treffen sie sich wieder. Und sie stehen sich schließlich als Fan und Polizistin vor dem Stadion gegenüber. Den ZuschauerInnen bietet sich so eine Gelegenheit, Einblicke in die unterschiedlichen Perspektiven zu erlangen.

Thomas Schneider (Deutsche Fußball Liga) war von der Qualität des Films „geflasht“

Thomas Schneider ist DFL-Koordinator in Fanangelegenheiten. Foto: Claus Stille

Thomas Schneider (Deutsche Fußball Liga GmbH Spielbetrieb/Koordinator Fanangelegenheiten) bekannte, schon als er vor wenigen Wochen den Trailer zu „Perspektivwechsel“ gesehen habe, gedacht zu haben: „Boah, das ist ja Spielfilm! Die Qualität hat mich echt geflasht.“

Schneider, der früher in einen Jugendzentrum gearbeitet hat, sagte, das, was betreffs des Films mit  „Perspektivwechechsel“ überschrieben ist, hätte man früher unter Antivorurteilspädagogik verstanden. Dass das klappen könne, habe Schneider früher erlebt, als er mit tödlich verfeindeten Hooligans von Bremen und Hamburg 1990 gemeinsam zur Fußballweltmeisterschaft im Rahmen eines Bildungsprojektes nach Italien gefahren sei.

„Alles ging gut. Diejenigen, die mitgekommen waren, haben sich nie wieder miteinander geschlägert“, so Thomas Schneider. Als PFiFF (Pool zur Förderung innovativer Fußball- und Fankultur) vor etwa fünf Jahren erfunden worden sei, habe man dank der Innenministerkonferenz eine halbe Million Euro bekommen. Damit hätten Impulse ausgesendet werden und Kreativität belohnt werden können. Man habe sich mit dem kritischen Verhältnis zwischen Fans und Polizei beschäftigt.

Das Filmprojekt „Perspektivwechsel“ wirke im Sinne einer alten indianischen Weisheit

Gregor Lange im Kreise der am Projekt beteiligten SchülerInnen. Foto: Claus Stille

„Schalke-Kids auf Streife war das allererste Projekt“, erinnerte sich Schneider. Die ProtagonistInnen des Films, seien ihm wie Berufsschauspieler vorgekommen: „Das hatte nichts mit Schülertheater zu tun.“ Der Leiter des Paul-Ehrlich-Berufskollegs, Friedrich Kuß, bemühte hinsichtlich des Filmthemas die alte indianische Weisheit, wonach man nicht über jemand anderes urteilen sollte, ehe man nicht eine Meile in dessen Mokassins gegangen ist. Kuß: „Unsere Mokassins sind ja im übertragenen Sinne das Filmprojekt.“ 

Ein Leitsatz von insgesamt sieben des Paul-Ehrlich-Berufskollegs laute „Wir fördern soziales Lernen“ und ein anderer: „Wir achten einander“. Das Filmprojekt sah Kuß als etwas an, dass diesem Leitsatz nahekomme. Der Schulleiter lobte die Regisseurin von „Perspektivwechsel“, Ayşe Kalmaz, als „versierte Filmemacherin“ und den engagierten Einsatz der SchülerInnen am Projekt zu dessen Zweck zunächst eine Film AG gegründet worden war.

Sie lernten darin, wie man einen Film produziert. Intensiv informierten sich die SchülerInnen beim Besuch eines Fußballspiels in Dortmund auch über die Arbeit der Polizei. Kuß erinnerte sich begeistert an die Proben im Schulgebäude, wo SchülerInnen in voller Polizeimontur die Treppen hoch und runter rannten und dabei gefilmt worden waren. Ein anderer Teil der SchülerInnen stellte als Komparsen Fußballfans dar. 

Der Film kann zur Verbesserung des Dialogs zwischen Fans und Polizei beitragen

Für die Polizei war es ein relativ ruhiger Einsatz.

Wie fühlen sich die PolizistInnen bei den Fußball-Großeinsätzen? Das war ein Thema des Projekts.

Ein professioneller, von einer Maskenbildnerin geleiteter Workshop, informierte Friedrich Kuß, habe SchülerInnen, die staatlich anerkannte Kosmetikerinnen werden wollen, im Schminken der Filmakteure angeleitet.

Einen kleinen Dank in Form von Blumensträußen für ihre Mitarbeit am Filmprojekt erhielten die PolizeibeamtInnen Jennifer Peters und Ercan Erdoğan. Thilo Danielsmeyer (Leiter des Fanprojekts Dortmund) betonte, das Thema Perspektivwechsel sei für sie seit dreißig Jahren das zentrale Thema. Weshalb man sofort zugesagt habe, beim Filmprojekt „Perspektivwechsel“ mitzumachen.

Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass bestimmte Fans „Grenzen des Erlaubten“ überschreiten würden. Andererseits werfe die Fanszene der Polizei zunehmende Repression im Bereich des Fußballs und Unverständnis vor. Darüber werde diskutiert. Einen Kontakt zwischen beiden Kontrahenten herzustellen, wie auch schon Polizeipräsident Gregor Lange zuvor gesagt hatte, habe bislang nicht gefruchtet, so Danielsmeyer. Der nun vorliegende Film „Perspektivwechsel“ könne möglicherweise als wichtiges Projekt dazu beitragen, den Dialog in kleinen Schritten in Gang zu setzen.

Regisseurin Kalmaz fragte die SchülerInnen nach deren Motivation

Regisseurin Ayşe Kalmaz befragte beteiligte SchülerInnen nach deren Motivation. Foto: Claus Stille

Nach der Vorführung des Making-of zum Film, der u.a. auch Heiterkeit und Bewunderung bei den anwesenden ProtagonistInnen und Gästen auslöste, erlebte der Film „Perspektivwechsel seine Premiere. Der Film  und alle daran Beteiligten erhielten starken Beifall. Die PremierenzuschauerInnen fanden, dass er äußert gelungen ist. 

Der Streifen ist in der Tat sehr professionell gemacht. Das betrifft die Kameraführung, den Schnitt und die wirklich verblüffenden schauspielerischen Leistungen aller Mitwirkenden. Nicht zuletzt beklatscht wurde die feinfühlige Regie, die in den Händen von Regisseurin Ayşe Kalmaz lag, die u.a. auch schon mit Prof. Adolf Winkelmann gearbeitet hat.

Ayşe Kalmaz befragte im Anschluss einige der am Film beteiligten SchülerInnen, die auch am Drehbuch beteiligte gewesen sind, zu deren Motivation, am Filmprojekt mitzuwirken. Für eine Schülerin war der filmische Teil des Projektes spannend. Allerdings sei sie auch durch ihre Familie mit Fußball konfrontiert und gehe auch selbst ins Stadion. Celina hatte sich auch für das Thema Gewalt im Fußball interessiert. Sie habe ergründen wollen, was die Fans so denken. Aber auch wissen wollen, wie es den PolizistInnen bei Fußballspielen so ergehe.

Vor allem die Arbeit am Drehbuch hat den SchülerInnen Spaß gemacht

Auch der Gründer der Borussenfront, Siegfried "SS-Siggi" Borchardt, nahm teil.

Neonazis wie Borussenfront-Gründer Siegfried Borchardt fühlen sich  unter Hooligans wohl. Foto: Alex Völkel

Antonia fand, dass sich alle am Projekt beteiligten Unterstützer sehr viel Mühe gegeben hätten, „uns durch das Thema zu begleiten“. Regisseurin Ayşe Kalmaz ergänzte, sie hätten durch das Fanprojekt viel über Fans – von diesen selbst jedoch direkt leider aber wenig – erfahren können.

Jasmin sagte, sie habe erstmals ganz viel über die Polizei erfahren und beim Blick sozusagen hinter die Kulissen eines Fußballspiels viele interessante Eindrücke gewonnen. Ayşe Kalmaz wollte wissen, wie die SchülerInnen darauf gekommen sind, zwei Frauen als ProtagonistInnen ins Auge zu fassen. Joyce, erklärte, sie hätten einfach Rollen nehmen wollen, in die sie sich hineinversetzen können. 

Und da sie eben Frauen seien, „haben wir die Rollen auch weiblich gemacht“. Auch stelle man sich immer eher ein Mann als Polizist vor. Joyce: „Wir wollten eben auch ein bisschen Frauenpower.“ Die Mädchen bekannten, über das Projekt viel über Gewaltbereitschaft und die Motivation dazu erfahren zu haben. Am meisten Spaß gemacht habe den jungen Frauen das Drehbuch zu entwickeln. Aber auch „das Schauspielern“. Und nicht zuletzt das Zusammenarbeiten im Team.

Nächste Vorführung von „Perspektiven“ am 11. Oktober im Signal-Iduna-Park

Alle Beteiligten am Filmprojekt „Perspektiven“ erhielten aus den Händen von Polizeipräsident Gregor Lange Urkunden als Auszeichung. Interessiert beigewohnt hatte der Filmpremiere u.a. auch  Bernd Heinen, Inspekteur der Polizei NRW.

Das Projektteam wies darauf hin, dass am 11. Oktober 2019 im Signal Iduna Park in der Zeit von 15 bis 17 Uhr eine weitere Vorführung des Filmprojekts „Perspektivwechsel“ – Berufsschüler greifen Gewalt im Umfeld des Fußballs auf“ im BVB-Lernzentrum stattfindet. Es ist angedacht, den Film zu gegebener Zeit auch über das Internet zugänglich zu machen.

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Weitere Informationen:

Zur Website des Paul-Ehrlich-Berufskollegs geht’s hier: www.pebk.de

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