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Erinnerung an Widerstand und Bezug zu heute: szenische Lesung über Edelweißpiraten an Albert-Schweitzer-Realschule

In einer szenischen Lesung haben die Schauspieler*innen (v.l.) Hendrik Becker, Kevin Wahlbrinck und Julia Thielbeer vom Theater Löwenherz den Schüler*innen die Geschichte der Widerstandsbewegung „Edelweißpiraten“ nähergebracht.

Das Projekt „Theater Löwenherz“ präsentiert seine neue szenische Lesung – diesmal zum Thema Edelweißpiraten. Das Stück über Widerständige während des Nationalsozialismus richtet sich in erster Linie an Schüler*innen. Der erste Testlauf vor Jugendlichen der neunten Klasse an der Albert-Schweitzer-Realschule in Dortmund-Nette war vielversprechend.

Edelweißpiraten: ebenso couragiert wie die Geschwister Scholl?

Nimmt man die Premiere als Maßstab, ist das für hiesige Schulen sicher eine Überlegung wert.

Gemessen an ihrem Mut, ihrer Anzahl und ihren Aktionen sind die Edelweißpiraten immer noch überraschend unbekannt.

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Denkt man an die Geschwister Scholl und hat vielleicht noch den Film dazu gesehen, fallen nicht wenigen direkt ihre Flugblätter ein, die an der Münchner Universität von der Decke regnen.

Dass die Edelweißpiraten damals eine vergleichbare Flugblattaktion am Kölner Hauptbahnhof organisiert haben, ist hingegen weniger bekannt. Nur um das klar zu stellen: ohne Zweifel verdienen die Geschwister Scholl für ihre Zivilcourage jegliche Ehrung und Erinnerung. Genauso wie die Edelweißpiraten.

„Edelweißpiraten – Ein lesender Annährungsversuch an mutige, heute fast vergessene junge Menschen“

Die Originaltexte der Flugblätter erinnern an heute fast vergessene junge Menschen.

So hat sich das Theater Löwenherz aus Bochum einmal mehr mit dem AWO Unterbezirk Dortmund zusammengetan und ein gemeinsames Projekt zum Thema initiiert.

Herausgekommen ist „Edelweißpiraten – Ein lesender Annährungsversuch an mutige, heute fast vergessene junge Menschen“.

In der szenischen Lesung gibt es – bis auf ganz wenige Ausnahmen – nur Originaltexte von den oder über die Edelweißpiraten zu hören.

Es werden verschiedene Aspekte beleuchtet: wie gefährlich es damals war, im Widerstand zu sein und dass einige dafür mit dem Leben bezahlten.

Junge Menschen, die sich nicht in Reih und Glied stellen – dafür werden sie gefoltert oder getötet

Die Veranstaltung machte deutlich, welches Privileg die Meinungsvielfalt der heutigen Gesellschaft darstellt.

Dass die Edelweißpiraten einfach keine Lust auf Uniformen, Antreten, militärischen Drill und schon gar nicht auf Krieg hatten.

Wie sie sich deswegen der HJ und dem BDM verweigerten bzw. mit ihnen anlegten und ins Visier der Gestapo gerieten. 

Und, dass die Nazis sie für ihre Aktionen oft folterten, teilweise sogar hinrichteten.

Die angesprochene Aktion am Kölner Hauptbahnhof, aus den Erinnerungen von Gertrud „Mucki“ Koch, wird genauso dargestellt, wie einige Sequenzen aus dem Leben Kurt Piehls, eines Dortmunder Edelweißpiraten.

 

Was bewegt Jugendliche heutzutage? Wie würden ihre Flugblätter aussehen?

In Workshops trugen die Schüler*innen Themen zusammen, für die sie sich heute engagieren würden.

Und das Theater Löwenherz schlägt auch einen Bogen zur heutigen Zeit. So fragt Schauspieler Hendrik Becker die Schüler*innen nach der Lesung: „Wenn ihr euch vorstellt, ihr würdet Flugblätter verteilen – wofür wäre das?

Und es kommt allerhand zusammen: von Frauenrechten, über Anti-Rassismus-Kampagnen und Umweltschutz bis hin zu Hilfsprojekten für die Brände in Australien sind diverse Themen dabei.

Und das ist doch der Kern von Erinnerungskultur: aus den Fehlern (in diesem Fall: Gräueltaten) von früher lernen und es in Zukunft besser machen. Planmäßig soll die szenische Lesung demnächst breiter angeboten werden. Nimmt man die Premiere als Maßstab, ist das für hiesige Schulen sicher eine Überlegung wert.

 

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