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„Emissionsfreie Innenstadt“: 6,4 Millionen Euro Landes- und EU-Mittel für Mobilitätskonzept der Stadt Dortmund

NRW-Wirtschaftsminister Dr. Andreas Pinkwart übergab den Förderungsbescheid an Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Vor ihnen ein Lastenrad. Solche könnten in Zukunft für Entlastung im Lieferverkehr sorgen. Foto: Stadt Dortmund

Von Anna Lena Samborski

Endlich war es soweit: Der NRW-Wirtschaftsminister Dr. Andreas Pinkwart kam jetzt persönlich ins Dortmunder Rathaus, um den Förderbescheid an Oberbürgermeister Ullrich Sierau zu übergeben: Die Stadt Dortmund wird mit bis zu 6,4 Millionen Euro aus Landes- und EU-Mitteln bei ihrem klimafreundlichen Mobilitätskonzept für den Innenstadtbereich unterstützt – und packt selbst noch einmal 1,8 Millionen Euro oben drauf. Die Stadt war dem Projektaufruf „KommunalerKlimaschutz.NRW“ der Landesregierung gefolgt – und überzeugte schon 2017 (!) die Fachjury des Sonderförderbereichs „Emissionsarme Innenstadt“  mit ihrem integrierten Konzept für Personen- und Lieferverkehr. 

Innovatives Konzept und schnelle Umsetzung sprechen für die Stadt Dortmund

Ein Schwerpunkt des Mobilitätskonzeptes besteht im Ausbau der E-Mobilität. Foto: Gerd Wüsthoff

Dortmund ist dabei die erste Stadt, die im Rahmen des Förderbereichs den Bewilligungsbescheid erhält. Denn „Dortmund gehört zu denen, die in der ersten Runde ihr Konzept auch relativ schnell zur Umsetzungsreife geführt haben – sodass wir heute schon den Bewilligungsbescheid für ein konkretes Konzept überreichen können“, so Pinkwarts lobende Worte. 

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Er sei  dankbar, dass „hier in Dortmund so viele gute Ideen zusammen getragen“ wurden – Ein guter Zeitpunkt um das Dortmunder Maßnahmenprogramm Revue passieren zu lassen:

16 Einzelmaßnahmen sollen in den Bereichen Innenstadt, Wall, Achsen und Quartiere umgesetzt werden. Dabei liegt der Fokus auf der Förderung von Fuß- und Radverkehr sowie der Elektromobilität im Personen- und Lieferverkehr. Ausgewählte Maßnahmen fasste Planungsdezernent Ludger Wilde zusammen.

Innenstadt: Lieferverkehr per Lastenrad und Mobilitätskonzept für Betriebe

v.l.n.r.: Volkan Baran, Dr. Andreas Pinkwart, Ullrich Sierau und Hans-Josef Vogel.

Ein Ziel ist die Schaffung einer „emissionsfreien letzen Meile“ im Lieferverkehr. Vorgesehen hierfür ist ein Mikrodepot am Ostwall, das es Paketdienstleistern ermöglicht, Warensendungen auf elektrisch unterstützte Lastenräder zu verladen und auszuliefern. 

Eine weitere Zielsetzung: „Wir wollen – das ist uns ein besonderes Anliegen – auch die Wirtschaft mitnehmen“, führt Wilde aus. 

Die Stadt sei bereits mit Betrieben im Gespräch: „Diese wollen wir einbinden in unsere Verkehrswende. Wir wollen dazu animieren, Mobilität neu zu denken – für die unternehmerischen Funktionen, aber auch für die Beschäftigten“, so Wilde weiter.

Achsen und Wall: E-Taxen und Ausbau von Fuß-und Radwegen

Fahrrad- und Fußwege sollen erweitert werden. Foto: Alex Völkel

Es soll eine E-Taxispur am Hauptbahnhof mit Schnelllademöglichkeiten geschaffen werden. Durch die digitale Erfassung und Anzeige werden E-Taxen bevorrechtigt und Nachteile durch Ladevorgänge aufgefangen.

Des Weiteren lobt Pinkwart die geplante dezentrale Stromversorgung für Elektromobile durch Photovoltaikanalagen in den Vororten: „Diese individuellen Systeme halte ich für absolut zukunftsweisend“.

Ein Ausbau von Fahrrad- und Fußgängerachsen aus den Quartieren und Vororten in die Innenstadt hinein ist ebenfalls geplant. Für PendlerInnen sollen bessere Park+Ride Optionen so wie CarSharing Angebote geschaffen werden. „Wir möchten die Erreichbarkeit der Innenstadt verbessern [und] für alle Verkehrsteilnehmer auch weiterhin die Innenstadt gut erreichbar machen“, fasst Planungsdezernent Wilde zusammen.

Die Zukunft des Walls werde die Stadt auch noch über den Förderungszeitraum hinaus beschäftigen, so Wilde. Konkrete Baumaßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs werden in den nächsten Jahren im Bereich des östlichen Walls umgesetzt.

Digitalisierung und Kommunikationsstrategien als weitere Schwerpunkte

Solch gefährliche Situationen sollen durch den Ausbau des Wegenetzes vermieden werden.

Pinkwart und Sierau betonten darüber hinaus die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung für ein klimafreundliches Mobilitätskonzept. 

Wilde machte außerdem die Modellhaftigkeit des dreijährigen Maßnahmenpaketes deutlich: „Natürlich ist die Erwartung, dass man in diesen drei Jahren auch so viel an Erfahrungen sammelt, dass hinterher die Maßnahmen ausgeweitet werden können auf die übrige Stadt.“

Über alle Maßnahmen hinweg wird ein Schwerpunkt die Entwicklung von Kommunikationsstrategien sein: „Ganz wichtig ist uns das Mitnehmen der Bürgerschaft, denn nur im Kopf findet die Verkehrswende tatsächlich statt“, macht Wilde deutlich. Alle Beteiligten sind sich außerdem einig, dass nicht mit Verboten, sondern mit Anreizen und Angeboten gearbeitet werden soll. 

Pinkwart: Auch mit jungen Menschen von „Fridays For Future“ ins Gespräch kommen

Pinkwart hofft auch mit jungen Menschen von „Fridays For Future“ ins Gespräch zu kommen: „Die Politik tut sich schwer zu erklären, warum manches, [] was hätte schon längst umgesetzt sein können, noch nicht umgesetzt worden ist.“

Junge Menschen wollen und sollen ihre Zukunft aktiv mitgestalten. Foto: Klaus Hartmann

Das Dortmunder Projekt könne so zeigen „dass man nicht nur [] redet, sondern man [] auch praktisch [etwas] umsetzt. [] Ich hoffe, dass das hier von den jungen Menschen in Dortmund eng begleitet wird – dass sie sich auch einen Einblick verschaffen, was die Stadt hier macht.“

Er versteht den Frust vieler, denn in Deutschland sei die Einsicht oft vorhanden, doch „wir setzten uns ganz hehre Ziele und kommen mit der Umsetzung nicht hinterher“. Im Bereich Mobilität „müssen wir was nachholen, gerade was Innenstädte betrifft“, bestätigt er. Dabei sieht Pinkwart es wie Wilde: „Da brauchen wir keine Verbote, [] da müssen wir die Stadt attraktiver machen für alternative Konzepte.“ 

Aus seiner Sicht ist das vorgelegte Dortmunder Maßnahmenprogramm dabei Mittel der Wahl: „Man kann der Stadt nur wünschen, dass jetzt alle mitmachen und die Bürgerinnen und Bürger die Angebote [] auch annehmen. Dann wird sich vieles verbessern, da bin ich ganz sicher“, resümiert er.

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