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Bundesliga-Baseball in der Nordstadt: Die Dortmund Wanderers stehen für 25 Jahre Leidenschaft

Baseball-Play-Downs in der Bundesliga-Nord: Dortmund Wanderers vs Cologne Cardinals

Bei den Baseball-Play-Downs in der Bundesliga-Nord trafen die Dortmund Wanderers auf Cologne Cardinals.

Sie spielen zusammen, sie kämpfen zusammen, sie leiden zusammen. Sie können sich in den verschiedensten Sprachen anfeuern und sich übereinander lustig machen. Sie sind die Dortmund Wanderers – ein Baseball-Team, in dem Alle alles machen. Der Trainer Rene Herlitzius macht dabei keine Ausnahme. Er coacht, wirft, schlägt und richtet das Spielfeld her. Und wenn keiner mehr damit rechnet, haut er einen Homerun heraus. Die Wanderers: Ein besonderer Verein im Herzen der Nordstadt.

Auf einer Wiese im Park hat bei den Wanderers alles begonnen

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Die bulgarischen Neuzugänge sind bei den Dortmundern sehr erfolgreich. Fotos: Alex Völkel

Auf einer Wiese im Park hat alles begonnen. Eine Gruppe Dortmunder Jungs hatte sich entschlossen etwas anderes zu tun, einen Sport auszuprobieren, der zu diesem Zeitpunkt noch als exotisch galt. Mit Jacken wurden die „Bases“ markiert, zum Schlagen benutzte man einen Stock und es gab nur einen Handschuh und einen echten Baseball.

Die Jungs waren cool, waren rau und wild, suchten sich ihren Weg. Sie hielten fest zusammen und hatten alle das gleiche Ziel: Baseball zu spielen und zu etablieren. Dieser Pioniergeist führte 1989 zur Gründung des Vereins und konnte bis heute erhalten werden.

Als Namensgeber fungierte der Film „The Wanderers“, in dem eine Gruppe Jugendlicher in der New Yorker Bronx der 60er versucht, sich in der Welt zu behaupten. Die Parallelen waren schnell gefunden und einen Song gab es schließlich auch. Das erste Logo des Vereins glich seinerzeit auch sehr den Jacken der Wanderers aus der Hollywood-Vorlage.

 Dortmund hatte acht Baseball-Vereine

Geschichten wie diese spielten sich in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern in ganz Deutschland ab, und kurz darauf war ein spürbarer Boom zu erkennen. Eine Zeit lang gab es sechs bis acht Teams in Dortmund. Jetzt gibt es „nur noch“ die „Wanderers“ in der Nordstadt – und die sind richtig erfolgreich.

„Das Image des bodenständigen Dortmunder Arbeiter-Vereins war und ist uns durchaus recht“, sagt der ehrenamtliche Vereins-Geschäftsführer Michael Klute – auch wenn er selbst kein gebürtiger Nordstädter ist. Anders als viele der Gründungsmitglieder und der Spieler aus den frühen Jahren, die Kinder von Hoesch-Arbeitern oder Handwerkern waren. „Aber auch Kinder und Jugendliche aus gehobenen Schichten kamen zu uns. Der Sport machte eben alle gleich.“

Umzug des Vereins in den Hoeschpark machte den Verein bunter und erfolgreicher

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Mit zwei klaren Siegen setzten sich die Dortmund Wanderers gegen Cologne Cardinals durch.

Nach dem Umzug in den Hoeschpark mitten in der Nordstadt wurde der Verein noch bunter und sportlich noch erfolgreicher. Die nachhaltige Nachwuchsarbeit ist hier einer der wichtigsten Faktoren und der ganze Stolz des Vereins.

„Wir setzen auf Vielfalt und machen keine Unterschiede. Dabei sind wir gänzlich unpolitisch und ausschließlich am kulturellen Zusammenleben im Sport interessiert“, verdeutlichen die Aktiven.

Der Bau des Stadions innerhalb der alten Radrennbahn im Hoeschpark hat ebenso großen Anteil an der sportlichen Entwicklung wie die konsequente Investition in die Ausbildung des Nachwuchses. Heute unterstützen die „Wanderers“ Schulen in allen Teilen der Stadt mit Arbeitsgemeinschaften und im Bereich der OGS-Betreuung.

Dortmunder spielen im Leistungssport eine große Rolle

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bei den Wanderers im Hoeschpark spielen, leiden, kämpfen und freuen sich zusammen.

Tobias Kramer (12) ist über ein solches Angebot zum Verein gestoßen. In einer Projektwoche hat er Baseball für sich entdeckt: „Ich habe vorher nicht darüber nachgedacht“, gibt der Schüler zu. Doch er fiel den Aktiven auf und spielt nun selbst seit vier Jahren im Hoeschpark.

Leon Still ist seit 2,5 Jahren dabei – über einen Freund ist er zu diesem Sport gekommen. Vor allem sein Trainer überzeugt und motiviert ihn und seine Teamkollegen. Zwei Mal pro Woche trainieren sie in der Jugend, Leon sogar drei Mal, weil er auch noch bei den Junioren trainiert. Die sind zwar 16 bis 19 Jahre alt – doch der 12-jährige Leon spielt dort schon als Vertreter mit. „Wir helfen da gerne aus.“

„Unsere Kinderteams zählen zu den Besten im Land. Die Top-Teams der Herren spielen im Leistungsportbereich des DBV, in der Bundesliga und Regionalliga“, macht Jugendwart Oliver Görich deutlich. Daher hoffen sie darauf, den Landesstützpunkt nach Dortmund zu holen. Die Dortmunder stellen einen großen Teil des Auswahlteams – die zentrale Lage würde auch für eine gute Erreichbarkeit für die anderen Teams in NRW sorgen.

Die Rahmenbedingungen stimmen. „Das Ambiente der Anlage ist einzigartig. Außerdem sind wir der einzige 1. Bundesliagaverein im Norden der Republik, der eine Fluchtlichtanlage hat“, freut sich Michael Klute. Ganz abgesehen davon, dass die innerhalb der denkmalgeschützten, ehemaligen Radrennbahn errichtete Anlage internationale Maße hat: „Wir sind länderspieltauglich und haben hier ein dankbares Publikum.“

  Jugendarbeit steht bei den Wanderers im Mittelpunkt

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Im Hoeschpark sind die Wanderers zu Hause – und sie fühlen sich hier auch sehr wohl.

Acht Mannschaften haben die „Wanderers“ – vier im Jugend- und vier im Erwachsenenbereich. Darunter ist auch ein Damenteam. Aber im Mittelpunkt aller Aktivitäten stehen immer die Kinder der Stadt: „Wir bieten ihnen die

Möglichkeit sich zu definieren, zu entfalten und in einem leistungsstarken Team zu einem Spieler der höchsten Klasse des Deutschen Baseball zu entwickeln“, beschreibt Oliver Görich die Stoßrichtung. „Es wird grandiose Arbeit geleistet – da wächst was Tolles heran“, ergänzt Klute. Doch für den rund 180 Mitglieder starken Verein ist es ein finanzieller Kraftakt. Ohne den ehrenamtlichen Einsatz – gerade auch der Eltern – ginge das nicht: „Wenn wir noch fünf Jahre durchhalten, wird sportlich richtig was großartiges daraus.“

 Nordstadt formt durchsetzungsstarke Typen

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Gäste sind bei den Heimspielen in der Dortmunder Nordstadt sehr willkommen.

Die Kinder und Jugendlichen aus der Nordstadt haben daran einen großen Anteil. „Das sind extrem durchsetzungsfähige Typen. Vielleicht liegt es daran, wie sie hier aufwachsen“, mutmaßt Klute. Auch wenn er selbst nicht hier wohnt, ist der Hoeschpark sein zweites Zuhause geworden.

Die Menschen, die Multikulturalität und die Internationalität hätten einen großen Anteil daran: „Als wir hier mit dem Baseball anfingen, waren die Nachbarn noch ziemlich reserviert. Das hat sich geändert – wir sind hier sehr willkommen.“

Nicht wenige Nordstädter und ihre Kinder spielen oder helfen nun selbst im Verein mit, was den „Wanderers“ auf ihrem Weg in die Bundesliga sehr geholfen hat. „Hier gibt es ziemliche Charaktere“, sagt Klute lachend. „Die Nordstadt ist mir daher lieber als jeder versnobbte Tennisverein außerhalb.“

Erste Mannschaft in den „Play-Downs“ der Bundesliga -Nord erfolgreich

Wer sich selbst davon ein Bild machen will, kann ja mal im Hoeschpark vorbeischauen. Es lohnt sich. So wie am Samstag, als die Dortmunder bei strahlendem Sonnenschein in der Bundesliga zwei Spiele gegen die Cologne Cardinals absolvierte.

Mit 11:1 und 9:0 setzten sich die Wanderers durch. Die nächsten Spiele sind schon terminiert: So trifft die erste Mannschaft der Dortmund Wanderers bei den nächsten Heimspielen in den Play-Downs der Bundesliga-Nord am 16. August um 13 und un 15.30 Uhr auf die Dohren Wild Farmers. Mehr zum Verein, den Mannschaften, Spielen und Trainingszeiten auf www.dortmund-wanderers.de

 

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