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Netzausbau in Dortmund: Bauarbeiter stoßen auf gefährliche Altlasten im Boden unter der Hombrucher Kieferstraße

Fundstelle bei Bauarbeiten in Hombruch nahe der Stadtbahnhaltestelle Harkordstraße. Fotos: Claus Stille

Bei Tiefbauarbeiten von DONETZ im Zuge des Neubaus einer Ortsnetzstation in der Kieferstraße und im Bereich zur Harkortstraße in Dortmund-Hombruch sind ein alter Tank sowie unbekannte Rohrleitungen im Erdreich unter der Straße gefunden worden. Beides war nicht im Straßenarchiv verzeichnet. Der Inhalt des Tanks ist immer noch unbekannt. Die durch eine Fachfirma entnommene Bodenprobe bestätigt eine Kontamination des Erdreichs durch Kohlenwasserstoffe, unter anderem Naphthalin. In der Baugrube der Rohrleitungen lässt sich ebenfalls Naphthalin vermuten. Naphthalin ist ein gesundheits- und umweltschädigendes Nebenprodukt aus der Brennstoffproduktion von Koks.

Unbekannter Domschacht – was ist der Inhalt des daruntergelegenen Erdtanks?

Bereits Anfang Juli entdeckten die Arbeiter in einer Baugrube in der Kieferstraße den Domschacht eines bis dato unbekannten Erdtanks, der im Straßenbereich liegt. Ein Domschacht ist ein verschließbarer Schacht, über den unterirdische Tanks befüllt werden können.

Neben dem ehemaligen Tankschacht hatte sich eine Flüssigkeit gesammelt, die auffällig roch. Die Arbeiten wurden seitens der DONETZ sofort gestoppt und die zuständigen Stadtämter informiert. Der Domschacht wurde vorsorglich mit Bodenmaterial abgedeckt. ___STEADY_PAYWALL___

Die Bauarbeiten ruhen seitdem an dieser Stelle. Sie können erst fortgesetzt werden, wenn klar ist, um was für einen Tank es sich handelt und wie sein derzeitiger Zustand ist. Zu klären ist weiterhin seine genaue Lage sowie sein möglicher Inhalt.

Zutaten zur Koks-Herstellung gefunden – Verbindung zum ehemaligem Bergbau?

Am vergangenen Mittwoch sind bei weiteren Tiefbauarbeiten von DONETZ im nahe gelegenen Kreuzungsbereich Harkortstraße/Kieferstraße in etwa einem Meter Tiefe zwei alte Rohrleitungen mit jeweils 50 Zentimeter Durchmesser entdeckt worden. Die Rohrleitungsenden, die man offenbar im Zuge von früheren Tiefbauarbeiten durchtrennt hatte, zeigten starke Ablagerungen einer weißen, kristallartigen Substanz.

Der teerähnliche Geruch ließ vermuten, dass es sich dabei um kristallines Naphthalin handeln könnte. Möglicherweise steht es in Verbindung mit der benachbarten Bergbauvergangenheit. Auch in diesem Baugrubenabschnitt sind die Arbeiten gestoppt und von einem Labor Bodenproben entnommen worden.

Die Ergebnisse des Labors werden zeigen, ob sich der Verdacht bestätigt und es sich tatsächlich um Naphthalin handelt. Erst im Anschluss daran kann die Entfernung der alten Rohre und des Tanks vorbereitet und  die Planung für die Weiterführung der Bauarbeiten am Stromnetz in Angriff genommen werden.

 

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Ein Gedanke zu “Netzausbau in Dortmund: Bauarbeiter stoßen auf gefährliche Altlasten im Boden unter der Hombrucher Kieferstraße

  1. Suche nach den alten Gasleitungen in Hombruch gestaltet sich schwierig (PM) Beitrags Autor

    Suche nach den alten Gasleitungen in Hombruch gestaltet sich schwierig

    Zurzeit verlegt die DONETZ im Bereich der Harkortstraße und der Kieferstraße einige Stromkabel und nimmt an mehreren Stellen bauliche Anpassungen an der erdverlegten Infrastruktur vor.

    Dabei stieß das beauftragte Tiefbauunternehmen im Juli auf einen bisher unbekannten verrosteten Schachtdeckel und wenige Meter weiter, im Einmündungsbereich der Kieferstraße in die Harkortstraße, auf zwei bisher unbekannte Gussleitungen. Weder der verschraubte Deckel noch die offensichtlich uralten Leitungen mit einem Durchmesser von jeweils 50 cm, waren bei den Leitungsabfragen im Vorfeld der Arbeiten in den Plänen aufgetaucht.

    Die offensichtlich nicht in Betrieb befindlichen alten Leitungen mussten eingekürzt werden, um neue Erdkabel für die Stromversorgung verlegen zu können. Dabei kamen an den Rohrinnenwänden geruchlich auffällige Verunreinigungen in Form von kristallisiertem Naphthalin zum Vorschein. Die Arbeiten wurden daraufhin umgehend eingestellt, da mit einem hohen Gefährdungspotenzial der Rückstände aus der Gas- und Koksproduktion gerechnet werden musste. Mit Unterstützung der hinzugerufenen Feuerwehr sind die offenen Enden der Gussrohre mit Beton und Sand verschlossen worden. Zuvor ließ die DONETZ eine Materialprobe aus den Gussleitungen sowie mehrere Bodenproben aus den übrigen, bisher nicht auffälligen Baugruben entnehmen. Anschließend wurden die Leitungen mit einer Folie abgedeckt sowie eine Sandauflage eingebracht. Zur Sicherung der Baugrube erfolgte eine Abdeckung mit Stahlplatten.

    Die Abteilung für den betrieblichen Arbeitsschutz der Bezirksregierung Arnsberg verfügte die Stilllegung der Baustelle und ordnete die Erstellung eines Arbeits- und Sicherheitsplanes an.

    Die chemische Analyse der Materialprobe aus dem Rohr erbrachte mit 800 g/kg den Nachweis von reinem Naphthalin. Die übrigen durch das Labor WESSLING aus Bochum analysierten Bodenproben aus den weiteren Baugruben zeigten deutlich geringe bis keine Schadstoffkonzentrationen.

    Die Suche nach Informationen zur tatsächlichen Herkunft der gusseisernen Leitungen und des angetroffenen Schachtdeckels gestaltet sich wie die berühmte Suche der Nadel im Heuhaufen. Zwar hat das von der Stadt mit der industriehistorischen Recherche beauftragte Büro TABERG aus Lünen bereits zahlreiche Unterlagen zur bergbaulichen Vergangenheit im Stadtbezirk Hombruch sichten können, konkrete Angaben zum Verlauf von unterirdischen Gas- oder Produktleitungen fanden sich in den Archiven allerdings bisher nicht. Auch die durchgeführten geomagnetischen Untersuchungen zur Leitungssuche lieferten kaum brauchbare Hinweise. Es zeigte sich, dass die alten Gasleitungen durch den in weiten Straßenabschnitten vorhandenen Lehmboden abgeschirmt werden und nicht als lineare Leitungsanomalien erkennbar sind. Die Stadt hat daher entschieden, das Vorhandensein der Leitungen und deren Verlauf mit Hilfe von punktuellen Suchschürfen zu erkunden. Dafür wird in noch festzulegenden Abständen die Straßendecke kleinräumig geöffnet. Werden die Leitungen angetroffen besteht die Möglichkeit, durch Anlegen einer geringen elektrischen Spannung außen am First der Rohrleitung die Ortung der Leitungsverläufe zu erleichtern.

    Auch für den Bereich des ominösen Schachtdeckels in der Kieferstraße ist eine konkrete Erkundung geplant. Aufgrund der Einsichtnahme in die Bauakten für das Gebäude Harkortstraße 108 und die Befragung des Eigentümers kann ausgeschlossen werden, dass es sich bei der Abdeckung um den Domschacht eines Heizöltanks handelt. Da der im Straßenraum vorgefundene Deckel vermutlich nur der sichtbare kleine Teil eines größeren Hohlkörpers ist, soll dieser großräumiger freigelegt und erkundet werden. Sollte es sich zum Beispiel um einen Tank handeln, muss ausgeschlossen werden können, dass dieser zukünftig nachgibt und einen Tagesbruch verursacht. Bestätigt sich diese Befürchtung, so ist der Hohlkörper zu beseitigen.

    Der Klärungsbedarf ist nach wie vor groß. Die weiteren Erkundungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Daher haben DONETZ und Stadt entschieden, die zentrale Baugrube zu verfüllen und die Befahrbarkeit wieder herzustellen. Der von den Arbeitsschützern der Bezirksregierung geforderte Arbeits- und Sicherheitsplans liegt mittlerweile vor, so dass mit den Arbeiten zur Restverfüllung am 7.9.2020 begonnen werden kann. Die Öffnungen der kontaminierten Rohrenden sind bereits verschlossen und abgedeckt. In den tieferen kritischen Bereich muss nicht eingegriffen werden. Bei den Restarbeiten ist daher davon auszugehen, dass es zu keinen umweltrelevanten Emissionen kommen wird. Ein Altlastensachverständiger übernimmt die Überwachung der Arbeiten zur Herstellung der Straßentragschicht. Ziel der Stadt ist es die Verkehrseinschränkungen möglichst schnell wieder aufheben zu können.

    Der Straßenabschnitt der Kieferstraße zwischen der Harkortstraße und der Leostraße bleibt weiterhin für den Verkehr gesperrt. Dort wird in den nächsten Tagen das direkte Umfeld des Schachtes erkundet. Vom Ergebnis der Untersuchungen hängt dann die weitere Vorgehensweise ab.

    Liegen alle Informationen aus den Recherchen und den Erkundungen vor, entscheidet es sich, ob die Relikte aus der Vergangenheit ein Umweltrisiko darstellen und entfernt werden müssen. Sollte dies nicht erforderlich sein, werden die Erkenntnisse über die Existenz der alten Infrastruktureinrichtungen feste Bestandteile der Kartenwerke, die im Vorfeld von Tiefbauarbeiten abzufragen und zu berücksichtigen sind.

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