Bezirksvertretung finanziert das Projekt „Jugendliche Mobilität fördern“

Die Nordstadtliga bekommt einen Fahrradpool

Der Ligabetrieb ist und bleibt der Mittelpunkt der Nordstadtliga. Doch die Angebote werden weiter professionalisiert. Foto: Wolf-Dieter Blank für Nordstadtblogger.de

Die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord unterstützt die Nordstadtliga im kommenden Jahr mit 20.000 Euro. Mit dem Geld soll „Jugendliche Mobilität“ gefördert werden. Konkret geht es um die Anschaffung von 30 Fahrrädern mit Helmen und Westen sowie zwei Übersee-Containern als Fahrradlager. 

Der Ligabetrieb ist und bleibt der Mittelpunkt der Nordstadtliga

Jörg Loose, Bereichsleiter Kinder, Jugend und Familie der AWO, stellte das Vorhaben vor. Denn die Liga, die seit 20 Jahren besteht, soll weiter professionalisiert werden. Die AWO ist projektverantwortlich und hat gemeinsam mit dem Jugendamt einen Neustart initiiert. 

Foto: Wolf-Dieter Blank für Nordstadtblogger.de

Der Ligabetrieb ist und bleibt zwar der Mittelpunkt der Nordstadtliga. „Wir möchten das Projekt jedoch weiter professionalisieren und mit ökologischen und sozialen Mobilitätsangeboten für die Kinder und Jugendlichen verknüpfen“, so Loose. ___STEADY_PAYWALL___

Besonderes Augenmerk legt das Projekt auf Kinder und Jugendliche aus sozial prekären Verhältnissen. Ein Kennzeichen vieler dieser Jugendlicher ist ihre hohe Identität mit dem Stadtteil, in dem sie leben. Dies ist einerseits eine Ressource, andererseits aber auch ein Problem für diese Jugendlichen und Kinder. 

Viele verlassen nur sehr selten ihren vertrauten Kiez, kennen sich selbst in der Stadt Dortmund kaum aus und bleiben immobil, was gleichzeitig bedeutet, dass ihnen zentrale Erlebnisse und Erfahrungen entgehen, die für ihre Sozialisation jedoch wichtig und gewinnbringend wären.

Liga reagiert auf die Mobilitätsgrenzen vieler Kinder und Jugendlicher

Die „Nordstadtliga“ ist am Jugendtreff „Konkret“ an der Burgholzstraße zu Hause – hier sollen auch die Fahrrad-Container aufgestellt werden. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Konkret planen die Macher:innen der Nordstadtliga, am zentralen Spielort an der Burgholzstraße ein Fahrradangebot. Kinder und Jugendliche ohne eigenes Fahrrad sollen sich hier eines leihen können, um so begleitete und unbegleitete Ausflüge in andere Stadtteile oder auch ins Umland starten zu können.

Der Gedanke dazu kam von jugendlichen Teilnehmer:innen selbst, die sich entsprechende Angebote wünschten, aber selbst nicht über die finanziellen Möglichkeiten verfügten, sich ein Fahrrad zu kaufen. 

„Wir reagieren damit auch auf die beschriebenen Mobilitätsgrenzen vieler Kinder und Jugendlicher. Zusätzlich zum Ligabetrieb und zu den bisherigen Angeboten im „Konkret“ käme somit eine mobilitätsfördernde Angebotsstruktur dazu, die attraktiv für die Zielgruppe ist, deren Selbstorganisation fördern kann und der Sozialen Arbeit zusätzliche Optionen eröffnet, sich der Vertrauensarbeit mit ihren Jugendlichen und Kindern zu widmen“, so Loose.

Heranführung an ein klimagerechtes und ökologisches Mobilitätsverhalten

Angestrebt wird der Kauf zweier Seecontainer und von 30 Fahrrädern inklusive Grundausstattung (z. B. Helme, Warnwesten, Ersatzteile). Die Container sollen am Jugendzentrum „Konkret“ aufgestellt werden und jeweils 15 Fahrräder beherbergen. Ein Problem könnten allerdings die extrem langen Lieferzeiten für den Neukauf von Bikes sein.

Foto: Wolf-Dieter Blank für Nordstadtblogger.de

Diese Fahrräder sollen von Kindern und Jugendlichen selbständig und nach dokumentierter Absprache mit den Sozialarbeiter:innen ausgeliehen werden. Sie können zudem von den beteiligten Sozialarbeiter:innen für gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel für Auswärtsspiele der Ligamannschaft, genutzt werden. Auch der Libellengrundschule und der Anne-Frank-Gesamtschule – sie kooperieren mit der Nordstadtliga – stünden die Räder für Aktivitäten zur Verfügung.

Ein weiteres Anliegen der Nordstadtliga ist die Ansprache aller Geschlechter. Bisher dominieren Jungs und junge Männer den Ligabetrieb. Darauf wurde mit der gezielten Gründung von Mädchengruppen u.a. an den beteiligten Schulen reagiert. Derweil gibt es auch gemischte Gruppen, die besonders, gefördert werden. 

„Wir erhoffen uns von diesem Projektantrag auch erweiterte Möglichkeiten, Angebote für jene Jugendlichen und Kinder unterbreiten zu können, die wir mit dem Fußballangebot bisher nicht dauerhaft binden können“, berichtet Loose. „Das Projekt führt darüber hinaus Jugendliche und Kinder an ein klimagerechtes und ökologisches Mobilitätsverhalten heran.“

Die Nordstadt-BV finanziert das Projekt aus Mitteln des Bildungsfonds

Foto: Wolf-Dieter Blank für Nordstadtblogger.de

Die Bezirksvertretung gab für das Vorhaben grünes Licht und stellte aus dem Bildungsfonds Geld zur Verfügung – allerdings erst nach kontroverser Diskussion.

So kritisierte Thomas Oppermann (SPD) die fehlende Kooperation mit anderen Fahrrad-Projekten, zum Beispiel den Werkstatt-Angeboten am Dietrich-Keuning-Haus, in der Blücherstraße und Velokitchen. „Wenn am DKH Fahrräder aufbereitet werden, ist das eine gute Gelegenheit, die 30 Fahrräder zu bekommen“, so Oppermann – ein Neukauf sei nicht nötig. 

Dem hielt Max Kumpfer (Grüne) entgegen, dass dies der Projektidee am DKH widerspreche: „Das ist ein ganz anderes Denken. Es geht um Kids vor Ort am DKH. Dann würden ihnen die Fahrräder entgehen.“ Das unterstrich auch Loose: Es gehe um den Zugriff in Klassensatz-Stärke. Dorian Marius Vornweg (CDU) hakte nach, ob denn Räder in verschiedenen Größen zur Verfügung stehen – schließlich spreche die Liga Kinder und Jugendliche an. Dies soll bei der Anschaffung berücksichtigt werden. 

Sorge machte sich Cornelia Wimmer (Die Linke) über die Fahrradsicherheit. „Das Fahren an sich und das Fahren in Gruppen muss geübt sein“, betonte sie. „Uns ist bewusst, dass wir auch Fahrsicherheitstraining anbieten müssen. Das muss geübt werden. Aber da stehen wir noch ganz am Anfang“, erwiderte Loose. 

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Kommentare

  1. Bebbi

    Es ist unbestritten, dass soziale Teilhabe gefördert werden muss.

    Wie so häufig in Dortmund wird nichts zu Ende gedacht.

    – Entweder will ich einen Klassensatz vorhalten oder alle Größen abdecken bei 30 Rädern.
    – Entweder will ich Zugangsbarrieren abbauen, oder sehe paternalistisch die Notwendigkeit von Verkehrssicherheitstrainings als Zugangsbarriere. Diese Trainings dienen dazu, dass Überleben in einem falschen System zu erleichtern. Wer aber mehr Verkehrssicherheit will, muss das System infrage stellen, dem die Probleme immanent sind.

    Helme und insbesondere Westen sind keine Grundausrüstung von Fahrrädern. Wenn Radfahren so gefährlich ist, dass man eine persönliche Schutzausrüstung braucht, sollte man es keinem nahelegen. Und Helme müssen zum individuellen Kopf passen und müssen gereinigt und desinfiziert werden für den nächsten Nutzer.

    Mittelfristig wird das Projekt nur Bestand haben, wenn eine Dauerfinanzierung besteht für Ersatzteile und neue Räder.

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