Kombinierter Neubau mit dem Freibad Stockheide stößt auf Skepsis

Die BV-Nord möchte das Nordbad am bisherigen Standort erhalten und dort erweitern

Das Nordbad ist ebenfalls marode - ein Neubau ist überfällig. Foto: Alex Völkel
Das Nordbad aus dem Jahr 1982 ist ebenfalls marode – ein Neubau ist nach Ansicht der Gutachter überfällig. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

Dortmund diskutiert die Zukunft der Hallen- und Freibäder in Dortmund. Die positive Nachricht aus dem Bäderkonzept, die viele überrascht hat: Anders als in anderen Städten soll die Wasserfläche nicht reduziert, sondern ausgebaut werden. Allerdings stehen trotzdem Bäder auf dem Prüfstand: So auch das Nordbad und das Freibad Stockheide – beide in der Nordstadt. Dort gibt es erheblichen Sanierungsbedarf, so dass die Verwaltung mit einem Neubau an anderer Stelle liebäugelt. Doch da will die Bezirksvertretung (BV) Innenstadt-Nord so nicht mitspielen.

Bäderlandschaft soll innovativ attraktiv, nachhaltig und zukunftsfähig werden

Um was genau geht es? Der Rat der Stadt Dortmund soll am 18. November 2021 den Abschlussbericht zur Bäderleitplanung zur Kenntnis nehmen und die kurzfristige Beauftragung einer Machbarkeitsstudie für den Erhalt bzw. Ausbau der Wasserflächen des Nordbads und des Freibads Stockheide beschließen. ___STEADY_PAYWALL___

Foto: Leopold Achilles für nordstadtblogger.de

Der Bäderleitplan soll ein „auf die nächsten Jahrzehnte ausgerichtetes Instrument sein, um die Bäderlandschaft innovativ und attraktiv, nachhaltig sowie zukunftsfähig in Dortmund zu gestalten“, heißt es in der Vorlage. In Dortmund werden aktuell insgesamt elf Hallenbäder, sechs Freibäder und ein Freizeitbad im Revierpark Wischlingen betrieben.

Doch insbesondere die Nutzung des Freibads Stockheide und des Nordbads sind nach Ansicht der Gutachter dauerhaft gefährdet: „Beide Bäder sind stark sanierungsbedürftig und liegen in einem räumlichen Zusammenhang. Deshalb gilt es hier, schnellstmöglich ein Konzept zu entwickeln“, heißt es in der Vorlage. 

Daher sollen mit einer vom Rat zu verabschiedenden Machbarkeitsstudie die Sicherung des vorhandenen Bedarfs (Schul- und Vereinsschwimmen) sowie die Ausweitung von Wasserflächen für die nachgewiesenen Ansprüche des Familien- und Freizeitschwimmens in der Nordstadt untersucht werden.

Stadt möchte Nordbad und Freibad Stockheide in einem Neubau verbinden

Der Handlungsbedarf ist unstrittig – quer durch alle Parteien. Allerdings stoßen die Eckpunkte der Machbarkeitsstudie der Bezirksvertretung der Nordstadt sauer auf. Denn ein Erhalt des Nordbads am bisherigen Standort – es bildet mit dem Keuning-Haus eine bauliche Einheit und ist zentral gelegen – soll gar nicht erst untersucht werden. 

Ab dem heutigen Freitag öffnet das Freibad Stockheide. Fotos: Alex Völkel
Das Freibad Stockheide im Hoeschpark soll im kommenden Jahr wieder eröffnen. Aber die Gutachter plädieren perspektivisch für eine Schließung. Foto: Alexander Völkel für Nordstadtblogger.de

„Ein Abriss und Neubau an gleicher Stelle scheidet wegen des dadurch bedingten zeitlichen Ausfalls von bis zu vier Jahren aus. Bei einem Neubau könnten dann auch die im Bäderkonzept geforderten familienfreundlichen Ausstattungsmerkmale ergänzt werden“, steht in dem Vorschlag der Verwaltung. „Ein Neubau ist zwingend erforderlich, müssen doch die pflichtigen Aufgaben des Schulschwimmunterrichts erfüllt werden. Auch der Vereinssport und das öffentliche Schwimmen würden von einer solchen Maßnahme profitieren.“

Dies könnte man – so offenbar die Idealvorstellung, mit der ebenfalls notwendigen Sanierung des Freibads Stockheide verbinden. Der Unterschied: Anders als den Betrieb von Hallenbädern, die der Gesetzgeber wegen des Schulsports vorschreibt, ist der Betrieb eines Freibads eine freiwillige Aufgabe. 

Die Stadt möchte nun zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und den Bau eines zentralen Familienbades mit erweiterten Wasserflächen im Stadtbezirk Nord untersuchen lassen, welches die Funktionen eines Hallen- und eines Freibads vereint und zudem allen Nutzungsansprüchen (Schule, Vereine, Öffentlichkeit) ganzjährig gerecht werden soll.

Flächen von Freibad und Nordbad wären dann für neue Nutzungen frei

Sowohl das Nordbad als auch das Freibad Stockheide sollen – sofern dies technisch möglich ist – bis zur Fertigstellung eines Neubaus in vier bis fünf Jahren weiter betrieben werden. Für einen Neubau werden nach Einschätzung der Stadt ein Jahr Planungs- sowie rund zwei Jahre Bauzeit benötigt. Mit den notwendigen Entscheidungsprozessen im Vorfeld braucht ein Neubauvorhaben demnach vier bis fünf Jahre.

1932 wurde das völlig neu gestaltete Nordbad eröffnet. Foto: Deutsche Bauzeitung
1932 wurde das völlig neu gestaltete Nordbad eröffnet. Es wurde aber bereits vor Jahrzehnten abgerissen und durch den heutigen „Neubau“ ersetzt. Foto: Deutsche Bauzeitung

Anschließend sollen – so die Gedankenspiele – die dann frei werdenden Flächen neu genutzt werden. Für diesen Fall will die Verwaltung im Rahmen des Gesamtprojektes Hoeschpark und unter Beachtung der Denkmalschutz-Aspekte Vorschläge für eine Neunutzung der Flächen und Gebäude des Freibads Stockheide erarbeiten, die den Freizeitbedürfnissen der Menschen Rechnung tragen. 

Und auch für das nicht mehr benötigte Nordbad würden dann neue Nutzungen überlegt. Zwar gebe es „technische Zusammenhänge“ mit dem DKH. Es sei „aber technisch kein Problem, wenn man es irgendwann aufgibt. Vielleicht gebe es für die Gebäudehülle andere Nutzungsgründe. Auch ein Abriss sei möglich. Anders als Stockheide steht das Nordbad – Baujahr 1982  – nicht unter Denkmalschutz

„Das müssen andere Fachleute mit den Nutzern erarbeiten. Es gibt viele Möglichkeiten – die müssen wir alle mal auf den Tisch legen“, skizzierte Sportdirektor André Knoche, der zum Bäderkonzept in der BV Rede und Antwort stand.

Nordstadt-BV favorisiert eine Nordbad-Erweiterung am bisherigen Standort

Doch „ihre“ bisherigen Bäder will die Bezirksvertretung Innenstadt-Nord nicht einfach preisgeben. Kritik gab es daher fraktionsübergreifend. Daher soll in einer Untersuchung auch ein Erhalt beider Bäder an den jeweiligen Standorten untersucht werden. Vor allem die zentrale Lage des Nordbads sei wichtig – und die Dezentralität sei doch entscheidend, verwies Cornelia Wimmer (Die Linke) auf das Bäderkonzept.

Nordbad
Das Nordbad bildet eine Einheit mit dem Keuning-Haus. Allerdings gäbe es Platz für eine Erweiterung. Klaus Hartmann | Nordstadtblogger

Zudem seien die Sanierungskosten beim Nordbad mit 10,4 Millionen Euro im Vergleich zu den Bedarfen bei anderen Bädern „nicht außerordentlich hoch, sondern im Rahmen. Beim Neubau reden wir über ganz andere Summen. Warum wird daher die Sanierung in dieser Vorlage nicht mitgeprüft“, wollte Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum (Grüne) wissen. Sie empfand die Vorlage daher als „tendenziös“.

Eine mehrjährige Schließung während einer Sanierung müsse es nicht geben, wenn der Vorschlag, den Thomas Oppermann (SPD) in die Diskussion brachte, realisierbar sei. Er schlug vor, doch eine Erweiterung des Nordbads auf der Fläche südlich der Arbeitsagentur zu untersuchen. Allerdings sollten der Erweiterungsbau und die Sanierung in zwei Schritten erfolgen. 

Die Idealvorstellung: Während des Weiterbetriebs des bisherigen Nordbads soll der Erweiterungsbau errichtet werden. Wenn dieser betriebsfähig ist, wird der „Altbau“ saniert. So wären eine Sanierung und Erweiterung möglich, ohne dass es zu einem mehrjährigen Ausfall der Wasserfläche kommt. Einstimmig votierte die BV für den Vorschlag, diesen in die Machbarkeitsstudie mit aufzunehmen wie auch die Sanierung beider Bäder im Bestand.

Politiker:innen kritisieren „Spaßbad“-Pläne, die es aber nicht gibt

Generell gab es zudem massive Kritik an der Ideenskizze für ein neues großes Familienbad mit Hallen- und Freibad für Dortmund, die im Juni vorab präsentiert wurde. Dabei wurde „groß gedacht“. Diese Idee wurde mehrfach als „Spaßbad“ abgekanzelt, wogegen sich Sportdirektor Knoche vehement verwehrte: „Das Wort finden sie in keiner Vorlage!“ 

Der SV Westfalen Dortmund holt durch die Swim Race Days 44 Vereine aus zwölf Nationen ins Dortmunder Südbad.
Bislang gibt es nur im Dortmunder Südbad ein wettkampftaugliches 50-Meter-Becken. Ein weiteres wird gebraucht. Foto: SV Westfalen Dortmund

Es gehe nicht um ein Freizeit- oder Spaßbad, sondern um ein Familienbad, was zudem ein 50-Meter-Becken habe. „Spaßbäder haben so etwas nicht.” Die Idee sei gewesen, Schul-, Vereins- und Freizeitbedarfe zu kombinieren. Außerdem wurde die Möglichkeit vorgestellt, ein Teil des Dachs zu öffnen – durch das „Cabriodach“ könne ein Freibad simuliert werden. 

Sorgen machten Ratsmitglied Leander Schreyer (Grüne) diese Multimillionen-Investitionen. Ihm ging es nicht nur um die Investitions- sondern auch um die Betriebskosten: Die laufenden Kosten eines solche Kombinats dürften doch deutlich teurer sein als bei einem sanierten Nordbad und einem sanierten Freibad Stockheide. 

„Aber wenn die Investitions- und laufenden Kosten sowieso höher sind – vielleicht sind sie irgendwann nicht mehr zu tragen, so dass man dann Bäder schließen muss. Dann vielleicht später mal Eving schließen, wenn das neue Familienbad an die Grenze zu Lindenhorst soll“, spielte Schreyer auf einen der zu untersuchenden Standorte an.

„Wir müssen die Schwimmfähigkeit herstellen statt der Wettkampffähigkeit“

Ein Rohrbruch im Freibad Stockheide sorgt für eine vorrübergehende Schließung des Bades
Technische und bauliche Probleme sorgen dafür, dass der Betrieb des Freibads oft eingestellt werden muss. Die Saison 2021 fiel aus. Klaus Hartmann | Nordstadtblogger

Sonja Lemke (Die Linke) hakte erfolglos nach, ob sich die Ergebnisse des Beteiligungsverfahren nach Stadtteilen unterschieden: „Sind die Wünsche und Bedarfe überall gleich oder gab es unterschiedliche Wünsche?”, wollte sie wissen. 

Daran knüpfte Julia Rüding (Die Partei) an: „Sie sagten eindrücklich, dass eine zweite Wettkampfbahn mit 50 Metern fehlt. Aber das steht im Norden nicht im Vordergrund, sondern die Schwimmfähigkeit von Kindern in der vierten Klasse. Die brauchen kein tiefes großes Becken, sondern mehr Wasserflächen im niedrigen Bereich.“ 

Das Nordbad habe Bereiche für die Wassergewöhnung und die Arbeit an anderen motorischen Problemen: „Wir müssen die Schwimmfähigkeit herstellen statt der Wettkampffähigkeit. Daher brauchen wir im Norden viele niedrige Wasserflächen. Dazu haben wir auch einen Antrag formuliert.“ 

Dieser Antrag sieht vor, dass an den neu zu errichtenden Nordstadt-Schulen gleich Lehrschwimmbecken mit einem absenkbaren Boden geplant und realisiert werden.

Grünes Licht für die Wiederinbetriebnahme des Freibad Stockheide

Wohlwollend zur Kenntnis nahm die BV im Anschluss noch die Vorlage, die die Verwaltung damit beauftragt, „alle notwendigen Schritte in die Wege zu leiten, damit das Freibad Stockheide für einen Zeitraum von vier bis fünf Jahren betriebssicher wieder öffnen kann“. Der Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit hatte dafür bereits am 5. Oktober grünes Licht gegeben.

Im Februar 2021 hatte der Rat zunächst beschlossen, für das laufende Jahr keine Mittel für die Inbetriebsetzung des Freibads bereitzustellen. Dies sollte – wenn überhaupt – erst nach der Vorstellung des Bäderkonzepts passieren. Da dieses Konzept den Erhalt und Ausbau der Wasserflächen vorsieht, soll nun das Freibad im Hoeschpark zumindest so ertüchtigt werden, dass es noch einige Jahre betrieben werden kann.

Die Finanzierung der Maßnahme mit geschätzten Investitionen von rund 450.000 Euro soll aus dem Wirtschaftsplan der Sport- und Freizeitbetriebe Dortmund mit Auszahlungen in den Wirtschaftsjahren 2021 und 2022 erfolgen.

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Kommentare

  1. Eine neue Idee für das Nordbad (PM SPD Nordstadt)

    Warum nicht mal ungewöhnliche Wege gehen? Anstatt das Nordbad abzureißen und vorher an anderer Stelle ein neues Bad zu bauen, wollen wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um am jetzigen Standort ein Hallenbad zu behalten und dieses besser auszustatten.

    Wir wollen den Standort des jetzigen Nordbads nicht aufgeben. Zentral in der Nordstadt ist das Nordbad für mehrere Schulen fußläufig erreichbar. Es hat eine direkte Anbindung an die Stadtbahn, damit ist es vom Standort her nicht nur bestens für die Pflichtaufgabe des Schulschwimmen geeignet, sondern auch für viele Bürgerinnen und Bürger einfach und ohne Auto zu erreichen.

    Am 18.11. soll der Rat über eine Machbarkeitsstudie für die Bäder in der Nordstadt beraten. Die zu prüfenden Optionen gehen jedoch alle davon aus, dass das Nordbad abgerissen werden soll, nachdem an anderer Stelle ein neues Bad gebaut wurde. Ein Neubau an gleicher Stelle wird dabei ausgeschlossen, da die von der Verwaltung benannte 4-jährige Planungs- und Bauzeit, für das Schul- und Vereinsschwimmen untragbar wäre.

    Wir wollen mit einer weiteren Variante prüfen lassen, ob ein Hallenbad am jetzigen Standort nicht doch erhalten werden kann. Dazu soll in einem ersten Schritt am Nordbad ein zusätzliches Schwimmbecken angebaut werden, dies wird sowieso benötigt, um den Bedarf der Schulen und Vereine zu decken. Nachdem dieser Neubau erreichtet ist, könnte dann das Nordbad saniert werden. Am Ende stünde in der Nordstadt ein größeres Hallenbad in bester zentraler Lage wieder zur Verfügung.

    Neben dem Erhalt des Nordbads an seinem jetzigen Standort, hätte diese Lösung auch zu Folge, dass wir keine weiteren Flächen in der Nordstadt bebauen. Gerade der Flächenverbrauch ist ein Faktor, der bei den Wirtschaftlichkeitsberechnen immer wieder außer Acht gelassen wird, für die dicht besiedelte Nordstadt aber durchaus wichtig ist, denn wir brauchen jede Freifläche. Wobei die Berechnungen für die Wirtschaftlichkeit nur geringe Aussagekraft haben, da in der Regel die realen Kosten des Neubaus, deutlich von den Planzahlen abweichen.

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