„Happy New Year (für Frauen)“: Das Gleichstellungsbüro feiert jetzt erst Silvester

Aktion mit den Frauenverbänden zum Equal Pay Day am 27. Februar

Die Gleichstellungsstelle der Stadt lädt zum Equal Pay Day zur Silvesterparty am 27. Februar ins Domicil ein. Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Von Sandra Danneil

Für Frauen beginnt 2026 erst jetzt! Während das männliche Geschlecht schon seit dem 1. Januar in ihr eigenes Portemonnaie wirtschaften, haben Frauen bis jetzt praktisch ehrenamtlich gearbeitet. Am Freitag, den 27. Februar 2026, feiert das Gleichstellungsbüro der Stadt Dortmund gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände den Equal Pay Day – mit einer symbolischen Silvesterparty im domicil.

Feiern für mehr Lohngerechtigkeit – im Westen mehr als im Osten

„Frauen verdienen im Schnitt noch 16 Prozent weniger als Männer. Rechnerisch arbeiten sie also bis zum 27. Februar umsonst“, erklärt Maresa Feldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dortmund. Und dabei ist das nur der bundesweite und „unbereinigte“ Durchschnitt, für den alles – Teilzeit, Beruf, Führungsposition – in eine Tüte kommt.

Die Gleichstellungsbeauftragte Maresa Feldmann (l.) und Party-Koordinatorin Cornelia Rempe. Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Wer genauer hinsieht, bemerkt ein gewaltiges West-Ost-Gefälle. Während die Lücke in Bundesländern wie Baden-Württemberg mit 20 Prozent am größten ist, klafft sie in Ostdeutschland mit fünf Prozent deutlich weniger. Gründe dafür liegen nicht an einer besseren Lohnpolitik, sondern an der Vollzeit-Tradition und unterschiedlichen Branchen.

Mit den Zahlen für NRW, müsste die Party z.B. wegen kulturell bzw. heteronormativ verankerter Modelle oder den sogenannten Männerdomänen-Jobs (Maschinenbau, Chemie etc.) eigentlich noch ein paar Tage später steigen.

Ein „Lohnzettel“ zum Equal Pay Day. Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Interessanterweise schrumpft der „bereinigte“ Unterschied bundesweit auf etwa 6 Prozent, wenn es um Männer und Frauen mit gleicher Qualifikation im gleichen Job geht.

Aber das spielt bei der Silvesterparty am Freitag nur zweite Geige: „Wir feiern die Zukunft, die wir uns wünschen: fair, gleichberechtigt und längst überfälllig“, ist Feldmann überzeugt.

Lücke ist strukturelles Problem für junge Frauen

In den vergangenen zehn bis zwölf Jahren habe es in Dortmund jedes Jahr passende Veranstaltungen zum Thema gegeben, erklärt die Equal Pay Day-Koordinatorin Cornelia Rempe. Daraus hat sich ein Frauenbündnis von mehr als 40 Vereinigungen ergeben, das stetig weiter wächst.

Nur, dass es in diesem Jahr eine Party sein soll, ist neu. Erst vor einem Jahr kam der Wunsch nach einem neuen Format auf. Damals luden die Organisatorinnen rund 140 Gäste aus lokalen Unternehmen ein, denn vor allem Personalverantwortliche sollten auf die Situation hingewiesen werden.

Frauen verdienen im Schnitt noch 16 Prozent weniger als Männer. Rechnerisch arbeiten sie also bis zum 27. Februar umsonst. Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Bei der Erreichbarkeit der Betroffenen stellte sich schließlich heraus, dass die eigentlichen Adressatinnen eher junge Frauen sind. Sie fühlen sich noch nicht angesprochen. Aus Sicht der Gleichstellung ist dies ein strukturelles Problem.

Zum Beispiel arbeiteten Frauen mehrheitlich in sozialen Berufen, die deutlich schlechter bezahlt würden. In diesem Jahr möchten die Organisatorinnen deshalb insbesondere die Gruppe der Jüngeren erreichen. Junge Frauen sollen dafür sensibilisiert werden, um sich und ihre Gehaltssituation zu hinterfragen und besser einschätzen zu können.

Eine Silvester-Party mit Tiefgang und Augenzwinkern

Party-Motto? Ein schweres Thema soll mit Leichtigkeit angehen! Helmut Sommer für Nordstadtblogger.de

Statt moralischer Zeigefinger und tiefe Wutfalten erwartet die Gäste im domicil ein Abend voller Symbolik, Humor und Augenzwinkern. Mit der gemischten Lohntüte bekommen Besucher:innen an der Candy-Bar ihre Portion „Mäuse“ und „Kröten“.

Es gibt eine Selfie-Fotostation und Fair-Pay-Eintritt. Ganz im Sinne der Lohnlücke zahlen Frauen 10 Euro, während Männer mit 12 Euro zur Kasse gebeten werden. Eingeladen sind alle, die ein Zeichen für Lohngerechtigkeit setzen und eine faire Zukunft feiern wollen.

Mehr Informationen zur Party:

  • Wann: Freitag, 27. Februar 2026, ab 20 Uhr
  • Wo: domicil Dortmund, Hansastr. 7-11
  • Eintritt: Frauen zahlen 10 Euro, Männer 12 Euro (als direkten, symbolischen Verweis auf den Gender Pay Gap)
  • Specials: Candy-Bar mit gemischter „Lohntüte“, Peanuts und einer Foto-Ecke für Silvester-Selfies
  • Es gibt noch Tickets! Hier geht es zum Vorverkauf.

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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Reaktionen

  1. Equal Pay Day: Dortmund braucht endlich Lohngerechtigkeit (PM)

    Zum Equal Pay Day am 27. Februar 2026 fordern die Arbeitsgemeinschaft für Arbeit (AfA) und die SPD Frauen Dortmund entschlossene Schritte für echte Entgeltgleichheit zwischen Frauen und Männern. Auch in Dortmund zeigt sich die Lohnlücke deutlich – mit spürbaren Folgen für die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen und ihre Altersabsicherung.

    „Gleicher Lohn für gleiche und gleichwertige Arbeit ist ein Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit. Dass Frauen in Dortmund und bundesweit immer noch schlechter bezahlt werden, ist nicht hinnehmbar“, erklärt Ulla Pulpanek-Seidel, Vorsitzende der SPD Frauen Dortmund.

    Dortmund: Gute Arbeit braucht faire Bezahlung

    Die Arbeitsgemeinschaften betonen, dass strukturelle Ungleichheit nur durch strukturelle Maßnahmen überwunden werden kann. Besonders in Branchen, die in Dortmund stark vertreten sind – Pflege, soziale Arbeit, Einzelhandel – arbeiten überdurchschnittlich viele Frauen, oft unter Wert und häufig in Teilzeit.

    „Wir sehen in Dortmund jeden Tag, wie Frauen trotz hoher Qualifikation in schlechter bezahlten Berufen landen oder in Teilzeit feststecken, weil die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Das ist ein politisches Versagen, das wir nicht länger akzeptieren“, so Ulrich Piechota, Vorsitzender AfA weiter.

    Darum die Forderungen der beiden Arbeitsgemeinschaften:

    Mehr Tarifbindung in Dortmunder Betrieben, denn Tarifverträge reduzieren nachweislich Entgeltungleichheit
    Transparente Löhne und verbindliche Berichtspflichten für Unternehmen
    Aufwertung sozialer und personenbezogener Berufe, die in Dortmund besonders relevant sind
    Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, inklusive verlässlicher Kinderbetreuung
    Konsequente Bekämpfung von Minijob‑ und Teilzeitfalle, die Frauen überproportional betrifft

    Der Equal Pay Day ist ein Auftrag zum Handeln

    Die AfA Dortmund und die SPD Frauen Dortmund fordern Politik, Arbeitgeber und Tarifpartner auf, den Equal Pay Day nicht als symbolischen Aktionstag zu behandeln, sondern als klaren Handlungsauftrag.

    „Wir wollen, dass Dortmund eine Stadt ist, in der Frauen und Männer die gleichen Chancen haben – im Job, im Einkommen und im Leben. Dafür kämpfen wir als AfA jeden Tag“, betont Ulrich Piechota.

    „Unser Ziel ist klar: Ein Equal Pay Day, der eines Tages überflüssig wird – bis dahin bleiben wir laut, unbequem und solidarisch.“ ergänzt Ulla Ulla Pulpanek-Seidel.

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