Der InitiativenRat Dortmund will kleine und große Initiativen vernetzen und sichtbarer machen

Ein neues Netzwerk für die Zivilgesellschaft ist in Gründung

Die Initiativenrat-Koordinator:innen Remonda Balje-Zelisko und Dieter Oltmanns.
Die Initiativenrat-Koordinator:innen Remonda Balje-Zelisko und Dieter Oltmanns. (Collage) Fotocollage: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Dutzende Initiativen, ein Anliegen, aber bislang oft keine gemeinsame Stimme: Wer sich in Dortmund für Demokratie, Klimaschutz oder Menschenrechte engagiert, tut das meist für sich allein – ohne zu wissen, wer nebenan Ähnliches versucht, und ohne bei der Politik richtig gehört zu werden. Das soll sich nun ändern. Am 7. September wird im Saal Westfalia des Dortmunder Rathauses der InitiativenRat Dortmund – Netzwerk für Demokratie aus der Taufe gehoben. Ziel ist es, möglichst viele zivilgesellschaftliche Organisationen zu vernetzen, ihre Sichtbarkeit in Öffentlichkeit und Politik zu erhöhen, Gesprächskanäle zur Lokalpolitik zu schaffen und sich gegenseitig mit Organisationshilfen zu unterstützen.

Von der Idee zum breiten Bündnis

 Nach mehreren Vorgesprächen und einem gut besuchten Auftakttreffen in der Pauluskirche wollen sich die beteiligten Initiativen nun konstituieren und ein Sprecher:innen-Team wählen. Im Vorfeld sprach Nordstadtblogger mit den Koordinator:innen Remonda Balje-Zelisko und Dieter Oltmanns im Welthaus Dortmund.

Federführend vorangetrieben wurde die vom früheren Bundestagsabgeordneten Marco Bülow. Foto: privat

Das Erstaunliche: Am Anfang stand ein anderer Gedanke. „Ganz viele kleine Initiativen laufen immer irgendwie ins Leere oder kriegen keine Sichtbarkeit und keine Gespräche und sind auch in der öffentlichen Wahrnehmung nicht wirklich da“, beschreibt Oltmanns die Beobachtung, die den Anstoß gab. Zunächst sei über einen Bürgerrat nachgedacht worden, der sich aber als deutlich schwieriger zu organisieren erwies.

Daraus habe sich die Idee eines Initiativenrats entwickelt, der Arbeitstitel ist geblieben. Federführend vorangetrieben wurde sie nach Angaben der Koordinator:innen vom früheren Bundestagsabgeordneten Marco Bülow – „das war unter anderem eigentlich federführend von Marco“, sagt Balje-Zelisko und kündigt an, dass dieser Anteil auch bei der konstituierenden Sitzung ausdrücklich gewürdigt werden solle.

Blick auf das Podium
Zu einem Infotreffen in der Pauluskirche kamen mehr als 80 Menschen aus etwa 50 Initiativen. Foto: privat

Einen ersten öffentlichen Zwischenschritt gab es bereits mit einem Infotreffen in der Pauluskirche, zu dem mehr als 80 Menschen aus etwa 50 Initiativen kamen. Im Anschluss suchte man gezielt das Gespräch mit Skeptiker:innen – „wenn man ins Gespräch kam, wurde es eigentlich überall sehr interessiert aufgenommen“, berichtet Oltmanns. 

Auch mit fast allen demokratischen Parteien im Rat wurde bereits gesprochen, lediglich zur FDP/Bürgerliste steht der Austausch noch aus; auch die Politik habe erkannt, dass sie mehr Kontakt zur Zivilgesellschaft brauche, statt sich nur in der eigenen Politikblase zu bewegen, so Balje-Zelisko. Einen Dialog gebe es zwar bereits, er sei aber nicht niederschwellig genug – genau das soll der InitiativenRat ändern. ___STEADY_PAYWALL___

Gemeinsamer Kalender soll Überblick über Dortmunder Initiativen schaffen

Konkret arbeitet die Gruppe bereits an einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur: Über die Website des Vereins Plattform Pro, der sich für ökologische und politische Gerechtigkeit sowie Nachhaltigkeit einsetzt, soll ein gemeinsamer Veranstaltungskalender entstehen, in den alle beteiligten Organisationen ihre Termine eintragen können, ergänzt um eine nach Themen gegliederte Übersicht mit Links zu den jeweiligen Organisationen. Bislang müsse, wer sich informieren wolle, dutzende Einzelseiten durchsuchen, erklärt Oltmanns; viele Dortmunder:innen wüssten schlicht nicht, was es in der Stadt an Engagement überhaupt gebe, ergänzt Balje-Zelisko.

Logo Demokratiecafe - InitiativenratDahinter steckt auch die Erfahrung, wie viel Kraft in den Initiativen doppelt verloren geht: Oltmanns verweist darauf, dass jede der zahlreichen Klimainitiativen für sich klären müsse, wie man an Fördergelder kommt oder eine neue Gruppe organisatorisch aufstellt – Netzwerke wie das Klimabündnis oder der anfangs skeptische Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus sind deshalb inzwischen mit an Bord. Recherchiert habe man das bestehende Angebot ausdrücklich nicht als Konkurrenz, sondern um Doppelstrukturen zu vermeiden und sich gegenseitig zu unterstützen.

Eine eigene Vereinsstruktur soll der InitiativenRat dabei nicht bekommen. Als loses Netzwerk nutzt er die Infrastruktur von Plattform Pro, über die auch Kontoführung oder Spenden abgewickelt werden könnten – nach demselben Prinzip wie beim Demokratiecafé, aus dessen Umfeld der InitiativenRat entstanden ist und das die Vorbereitungen koordiniert.

Sprecher:innen-Team soll demokratische Legitimation sichern

Der Initiativenrat-Koordinator Dieter Oltmanns. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Damit das Netzwerk nach außen auftreten kann, soll bei der Konstituierung Anfang September ein Sprecher:innen-Team gewählt werden. Man könne schließlich nicht einfach beanspruchen, für den InitiativenRat zu sprechen, ohne sich dafür eine Legitimation geben zu lassen, so Oltmanns.

Ausdrücklich betonen beide Koordinator:innen, was der InitiativenRat nicht sein soll: eine Plattform für eigene inhaltliche Schwerpunkte. Die beteiligten Initiativen sollen weiterhin ihre jeweilige Arbeit machen, der Rat selbst will nur dort helfend einsteigen, wo es passt. „Wir arbeiten ja alle unterm Dach der Demokratie“, fasst Balje-Zelisko das Selbstverständnis zusammen.

Breites Bündnis – vorerst ohne Parteien

Willkommen sind ausdrücklich nicht nur Vertreter:innen von Organisationen, sondern auch einzelne interessierte Bürger:innen – darunter Menschen, die keiner Partei nahestehen oder von der Politik enttäuscht sind. Zu den bislang eingebundenen Gruppen zählen kirchliche Vertreter:innen, Gewerkschafter:innen, Mitarbeitende städtischer Ämter sowie die junge Dortmunder Band Bruchbude, die sich mit eigenen Texten politisch positioniert.

Die Initiativenrat-Koordinatorin Remonda Balje-Zelisko. Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Auch Sportvereine seien willkommen, sofern sie sich etwa für Demokratie und Menschenrechte einsetzten, so Balje-Zelisko. Bewusst ausgeschlossen bleiben in dieser ersten Phase Vertreter:innen politischer Parteien, um die Hemmschwelle für eine offene Debatte niedrig zu halten; eine partnerschaftliche Zusammenarbeit ist für später vorgesehen.

Laut dem gemeinsam erarbeiteten Leitbild sollen zudem profitorientierte Institutionen sowie Organisationen und Einzelpersonen mit neonationalistischem, faschistischem oder anderweitig extremistischem Weltbild außen vor bleiben.

Für Demokratie eintreten – im offenen Dialog

Dass der Name des Netzwerks nicht explizit gegen Rechtsextremismus gerichtet ist, ist nach Darstellung von Balje-Zelisko eine bewusste Entscheidung: Der Schutz der Demokratie vor rechten und faschistischen Strömungen gehöre zwar selbstverständlich zum Selbstverständnis, eine Formulierung, die sich vor allem über ein „Dagegen“ definiere, schrecke aber manche Menschen ab.

Zu einem Infotreffen in der Pauluskirche kamen mehr als 80 Menschen aus etwa 50 Initiativen. Foto: privat

Ihr sei wichtig, dass sich möglichst viele Menschen mit dem Anliegen identifizieren könnten – gerade weil die Gesellschaft an vielen Stellen gespalten sei. Der InitiativenRat wolle deshalb erkennbar für etwas eintreten, für Demokratie und Teilhabe.

Als Blaupause für die angestrebte Gesprächskultur dient das monatliche Demokratiecafé, zu dem regelmäßig 30 bis 35 Menschen zusammenkommen, um über wechselnde politische Themen zu diskutieren. Die Treffen würden moderiert, sagt Balje-Zelisko, damit auch kontroverse Positionen im demokratischen Rahmen offen ausgesprochen werden könnten – ein Beleg dafür, wie wichtig Räume seien, in denen sich Menschen mit unterschiedlichen politischen Überzeugungen direkt begegnen, statt sich nur digital auszutauschen.

Konstituierende Sitzung am 7. September im Rathaus

Zur eigentlichen Gründung lädt der InitiativenRat für Montag, den 7. September, ab 18 Uhr in den Saal Westfalia im Dortmunder Rathaus ein; das Treffen soll bis etwa 20 Uhr dauern. Nach einer Begrüßung durch das Demokratiecafé sollen der bisherige Diskussionsstand zu Leitbild, Zielen, Organisationsstruktur, Initiativenliste und Veranstaltungskalender vorgestellt sowie das Sprecher:innen-Team und weitere Koordinator:innen gewählt werden.

Im Anschluss ist Raum für Austausch und ein gemeinsames Erinnerungsfoto vorgesehen. Die Organisator:innen erbitten Rückmeldungen zur Teilnahme bis zum 3. September und werben dafür, die Einladung in den eigenen Netzwerken zu teilen, um am 7. September mit möglichst breiter Beteiligung ein sichtbares Zeichen für die Dortmunder Zivilgesellschaft zu setzen. Anmeldungen an: demokratiecafe@plattformpro.de.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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