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Der Beigeordnete für Bildung und Soziales von Herten soll neuer Arbeitsdirektor im Klinikum Dortmund werden

Dr. Karsten Schneider ist bisher Beigeordneter für Bildung und Soziales bei der Stadt Herten. 

Dr. Karsten Schneider ist bisher Beigeordneter für Bildung und Soziales bei der Stadt Herten. Foto: privat

Neuer Anlauf zur Besetzung des seit einem Jahr vakanten Postens des Arbeitsdirektors beim Klinikum Dortmund: Dr. Karsten Schneider ist der neue Vorschlag der Arbeitnehmer-Vertreter*innen. Der 48-Jährige ist bisher Beigeordneter für Bildung und Soziales bei der Stadt Herten. Am kommenden Freitag soll sich der Aufsichtsrat mit der neuen Personalie befassen. Das letzte Wort über die Berufung des Arbeitsdirektors hat am 17. Dezember 2020 der Rat der Stadt Dortmund.

48-jähriger Diplom-Politologe soll Arbeitsdirektor von mehr als 4000 Beschäftigten werden

Sabine Poschmann und Jens Peick wollen für die Dortmunder SPD in den Bundestag. Foto: SPD

Sabine Poschmann und Jens Peick wollen für die Dortmunder SPD 2021 in den Bundestag. Foto: SPD

Ein neuer Vorschlag war nötig, weil der erste Vorschlag der Vertreter*innen der Klinik-Belegschaft, SPD-Mann Jens Peick für diese wichtige Aufgabe zu berufen, an einer fehlenden Mehrheit im Rat gescheitert wäre. Der bisherige Büroleiter des scheidenden OB Ullrich Sierau und stellvertretende SPD-Unterbezirksvorsitzende hatte daher seine Bewerbung zurückgezogen. Stattdessen will er sich für eine Bundestagskandidatur im kommenden Jahr bewerben.

Als neuer Arbeitsdirektor soll Dr. Karsten Schneider ab dem kommenden Jahr die wichtige und vakante Aufgabe am Klinikum Dortmund übernehmen.

Ohne den Namen des Kandidaten zu nennen, hatte ver.di-Geschäftsführer Michael Kötzing im Vorfeld in den Fraktionen, mit denen die Gewerkschaft spricht, das Profil des Bewerbers vorgestellt und abgeklopft, ob denn der neue Kandidat mehrheitsfähig wäre. Denn einen weiteren Kandidaten zu verbrennen – zumal dieser ja bereits eine exponierte Stellung innehat – wollte man bei ver.di nicht riskieren. Die Resonanz war positiv – daher war Schneider am heutigen Montag (26. Oktober 2020) in den drei großen Dortmunder Ratsfraktionen zu Gast und informierte auch seine Kollegen in Herten über seine Bewerbung.

Dr. Karsten Schneider ist seit Oktober 2018 Beigeordneter für Bildung und Soziales und – sollte es ihn nicht nach Dortmund ziehen – ab kommenden Januar eigentlich 1. Beigeordneter in Herten. Für die Stelle in Herten hatte der 48-jährige Diplom-Politologe sogar den Ruf an die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit für eine Professur mit dem Fachgebiet Arbeitsmarktpolitik und arbeitsmarktpolitische Instrumente abgelehnt.

Ausgezeichnete Doktorarbeit zum Thema „Arbeitspolitik im ‚Konzern Stadt‘“ geschrieben

Der mögliche „Neue“ bringt zwar auch keine explizite Erfahrung aus dem medizinischen Bereich mit, gilt aber als Verwaltungs- und Arbeitsmarktexperte – für einen Arbeitsdirektor des größten kommunalen Klinikums in NRW wichtig.

Die Teststelle grenzt direkt an den Haupteingang des Klinikums Dortmund Mitte.

Im Klinikum Dortmund Mitte bzw. Klinikum Nord arbeiten mehr als 4000 Menschen. Foto: Klinikum

Für seine mit „Summa cum laude“ ausgezeichnete Dissertation „Arbeitspolitik im ‚Konzern Stadt‘“ wurde ihm der Carl-Goerdeler-Preis zur Förderung der Kommunalwissenschaften zuerkannt. Der Preis wird jährlich für Arbeiten, die besonders wertvolle wissenschaftliche Erkenntnisse für die Praxis der kommunalen Selbstverwaltung vermitteln, vergeben. 

Bislang trägt Schneider Personalverantwortung für 380 Menschen – daher würde er „mit Demut“ an die neue Aufgabe mit der künftig mehr als zehnfachen Beschäftigtenzahl gehen. Doch er sieht sich gut gerüstet und verweist auf sein „sehr breites Profil an Tätigkeiten mit guter Organisation- und Personalführung,  wissenschaftlich und praktisch“, in den vergangenen 20 Jahren. 

Neben der Tätigkeit als Beigeordneter  – hier ist er unter anderem mit den Themen Pflegebedarfsplanung und der Arbeit des Kreisgesundheitsamtes befasst – hat er verschiedene berufliche Stationen vorzuweisen. So war er Referatsleiter des Digitalisierungsbüros bei der Senatorin für Finanzen in Bremen und dort in der Abteilung Zentrales IT-Management für die Digitalisierung der öffentlichen Dienste zuständig. Davor war er  Abteilungsleiter in der Abteilung Öffentlicher Dienst und Beamtenpolitik sowie im Projekt „Zukunft der Arbeit im Öffentlichen Dienst“ beim DGB-Bundesvorstand.

Personalgewinnung und Personalbindung als zentrale Herausforderungen 

Somit kennt er Verwaltung aus dem wissenschaftlichen und praktischen Bereich. „Das Klinikum ist ein ganz wichtiger Sektor für mich in der kommunalen Familie“, sagt er mit Blick auf die kommunale Daseinsvorsorge. Das Klinikum Dortmund sei nicht schlecht aufgestellt. Daher geht es aus seiner Sicht darum, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein bzw. zu werden, verlässlich zu sein und kontinuierlich zu handeln.

Das Klinikum Dortmund als attraktive Arbeitgeberin zukunftsfähig zu machen bzw. halten ist eine der Aufgaben. Foto: Alex Völkel

Als künftiger Arbeitsdirektor werde er Personalbindung und Personalgewinnung ganz nach oben auf die Tagesordnung stellen. Das fange schon bei der Ausbildung an:  Gute Ausbildungen zu organisieren und dann die Azubis als künftige Arbeitnehmer*innen zu halten, sieht er als größte Herausforderung. 

Ziel müsse zudem sein, das Dortmunder Klinikum weiter in kommunaler Trägerschaft als Teil der Daseinsvorsorge zu halten und – Stichwort Gesundheitspolitik – in der konkreten Umsetzung der Vorgaben von Bund und Land an der Qualität von Dienstleistungen und der medizinischen Behandlung zu arbeiten.

Das Klinikum ist ihm übrigens nicht fremd: im Rahmen seines ersten Forschungsprojektes ging es um die Zusammenarbeit im „Konzern Stadt“. Dabei ging es um die Frage, wie funktionieren Kommunalverwaltungen und ihre Eigenbetriebe. „Ich habe mir damals EDG und Klinikum angeschaut, wie die Stadt ein kommunales Unternehmen steuert und wie sie mit Personal- und Betriebsräten zusammenarbeitet“, berichtet Schneider. „Das ist für mich die Schlüsselfrage. Ich komme ja mehr aus dem Management und der Organisationsperspektive.“ 

Der Ex-DGB-Abteilungsleiter für Dienstrecht arbeitete später zum Thema Digitalisierung

Dr. Karsten Schneider ist bisher Beigeordneter für Bildung und Soziales bei der Stadt Herten. 

Dr. Karsten Schneider ist bisher Beigeordneter für Bildung und Soziales bei der Stadt Herten. Foto: privat

Mit vielen Fragen, mit denen er in Dortmund zu tun haben würde, hat sich Dr. Karsten Schneider auch bisher schon befasst. So war er beim DGB Abteilungsleiter für Dienstrecht und saß bei den Verhandlungskommissionen für den Tarifvertrag im öffentlichen Dienst und dem Tarifvertrag der Länder beratend mit am Tisch. 

Zudem hat er sich immer mit dem Technikeinsatz in verschiedenen Organisationen beschäftigt – also mit den immer wichtiger werdenden Fragen zur Digitalisierung. Er hatte – ein ebenfalls nicht zu verkennender Faktor – in seiner Zeit beim DGB „solide Beziehungen“ zu allen Parteien und Fraktionen im Bundestag (damals noch ohne AfD). Dabei sei es darum gegangen, politische Unterstützung organisieren. 

Netzwerken sei auch eine Aufgabe für einen Arbeitsdirektor des Dortmunder Klinikums: „Das ist nicht nur kommunal, sondern auch auf übergeordneter Ebene ein Thema. Das Land ist da ja für Gebäude etc. zuständig. Dass es allein in Dortmund einen Investitionsstau von rund 100 Millionen Euro gibt, hat ja einen Grund“, so Schneider.  

Auch da wolle er mitwirken – er ist sich sicher, parteiübergreifend Kontakte aufbauen zu können. „Aber ich will vorsichtig sein mit Versprechungen“, dämpft er gleich übertriebene Erwartungen. Das Vertrauen aufbauen über Parteigrenzen hinweg, muss er schon ab sofort – denn nur dann hat er eine Chance, vom neuen Rat bestätigt zu werden.

 

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