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Das Start-Up Risto Saar arbeitet an einem Umdenken bei Kleiderherstellung: „Faire Mode fängt bei jungen Leuten an“

Auf das Aussehen von Klamotten achten viele Käufer, nicht aber auf die Herstellung.

Auf das Aussehen von Klamotten achten viele Käufer, nicht aber auf die Herstellung. Fotos: RS

Von Maike Velden

Die Dortmunder Skate-Szene ist groß, wird gefördert durch Feriencamps und im Sommer wird vor dem U-Turm eine Skate-Plaza aufgebaut. Doch nicht nur dort, auch in Kneipen in Dortmund sind ab und an Shirts mit dem Logo von „Risto Saar“ zu sehen. Keine Marke, die bei Primark oder H&M Kleidung zu kaufen ist. Sie wird von zwei jungen Kölner Designern entworfen und produziert. Risto und Simon haben ihre eigene Marke „Risto Saar“ gegründet – „Fair Trade“ steht hier im Mittelpunkt. Simon kommt ursprünglich aus Dortmund. Für ihr Projekt reisten sie zusammen nach Indien, heute haben sie ihr eigenes Büro in der Kölner Südstadt.

Indien-Urlaub sensibilisierte die Macher für die Herstellungsbedingungen

„Simon und ich kommen von der Waldorfschule, wir haben immer schon genäht und eigentlich war es schon lange unser Traum eigene Mode zu machen. Ich hab damals im Anson‘s gearbeitet, ein Herrenausstatter“, erzählt Risto. Die Idee existiert also schon länger, konkret wurde sie durch Simons Reise nach Indien.

„Simon war in Indien in Urlaub und hat mitbekommen, wie es den Leuten in Produktionsstätten für Kleidung geht, das hat ihn total lang beschäftigt“. Auch wenn es sich um Fairtrade-Produktionsstätten handelt, sind die Arbeitszeiten oft zu lang, der Lohn zu niedrig und die Menschen müssen unter extremen Bedingungen Kleidung herstellen – beispielsweise sind es 50 Grad in den Werkstätten. „Das sind nicht die Bedingungen, die wir uns vorstellen, wenn wir an faire Mode denken.“

Zuerst wollten die beiden T-Shirts für ihre Freunde produzieren, 50 vielleicht, jetzt sind es mehrere hundert. Gute Tipps bekam Risto von seinem Chef bei Anson‘s. „Der war mir total positiv gegenüber gestimmt“, sagt er. „Wir sind dann durch den Laden gelaufen und er hat mir Shirts gezeigt und erklärt, wie teuer das im Einkauf ist, damit ich überhaupt weiß, wie das alles funktioniert. Dann hat er mir erklärt, wie teuer wir das mindestens verkaufen müssen, damit es für uns auch profitabel ist.“

Wichtige Unterstützung von Profis – „Wir hatten nichts zu verkaufen, aber eine Marke“

Die Idee wuchs außerdem durch Kommunikation: „Wir haben unsere Idee immer mehr Leuten erzählt, dadurch wurde sie immer konkreter.“

Ina Baum nahm die beiden ernst, half die Idee zu strukturieren und gezeigt, wie man alles richtig aufbaut. Ein Steuerberater trug ebenfalls dazu bei, die Idee wachsen zu lassen. „Dann waren wir auf einmal nicht mehr bei 50 T-Shirts für Freunde, sondern bei einer richtigen Firma.“  Kontakte, Coachings und vieles mehr verdanken die beiden Ina Baum.

Ein Instagram-Account, eine Facebook-Seite, aber schnell haben Risto und Simon gemerkt: Wir haben nichts, keinen Content, nichts was wir posten können, nichts was wir verkaufen können. „Wir haben immer rumgedruckst, sind aber mit einem schlechten Gefühl nach Hause gegangen.“ Durch den Besuch in Indien konkretisierte sich die Idee, eine Produktionsstätte für die Shirts zu finden stellte sich allerdings schwerer dar, als gedacht.

Die jungen Designer haben kein Vertrauen in das Fairtrade-Siegel

Dem Siegel haben die beiden laut Risto nicht so viel Aufmerksamkeit und vor allem auch Vertrauen geschenkt. Deshalb sind sie selber nach Indien gereist, um sich ein eigenes Bild von den Produktionsstätten zu machen. Weit über 20 Werkstätten haben die beiden besucht – trotz Fairtrade-Logo waren die Zustände häufig schlecht.

„Es war total heiß oder viele Kinder haben dort gearbeitet. Umstände, die nicht menschenwürdig sind“, Risto schüttelt den Kopf, so hatten die beiden sich das nicht vorgestellt. Durch Ina  Baum haben die beiden die Werkstatt ihres Vertrauens gefunden. Wo Risto und Simon ihre Shirts produzieren lassen, wird Mode mit Überzeugung hergestellt.

„Wir konnten die Werkstatt auch ohne Ankündigung besuchen, wie wir wollten. Da war alles tippitoppi. Die Leute hatten eine Mittagspause, geregelte Arbeitszeiten, eine Krankenversicherung – alles was man sich wünscht.“ Bei einer Produktionsstätte, die zwar ein Fairtrade-Siegel gehabt hätte, hätten Simon und Risto kein reines Gewissen gehabt, ihre Kleidung zu produzieren.

„Trotzdem merkt man erst, wie schlimm es ist, wenn man da war“

„Man kennt ja die Bilder, wie schlecht es den Leuten dort geht, wo wir normal einkaufen“, sagt Risto. Da ist es egal, welche Marke auf dem Shirt steht, wie hoch der Preis auf dem Preisschild ist, das am Ärmel baumelt – Umstände unter denen keiner gerne arbeitet. Laut der indischen Regierung arbeiten beispielsweise 12 Millionen Kinder in Indien.

Die Organisation „International Labour Organisation“ geht von rund 44 Millionen Kindern aus, die anstatt zur Schule, zur Arbeit gehen. Das berichtete SOS Kinderdörfer. Für Risto und Simon nicht vertretbar. „Trotzdem merkt man erst, wie schlimm es ist, wenn man da war“, erzählt er weiter.

Nachdem nun die Produktionsstätte gefunden war, alles abgeklärt war und Simon und Risto mit einem guten Gewissen nach Hause fliegen konnten, machte Risto sich mit dem Prototyp auf zu verschiedenen Geschäften, um dort das Shirt vorzustellen. Simon war ein zweites Mal in Indien, um die Produktion der T-Shirts zu dokumentieren.

Crowdfunding-Kampagne soll beim nächsten Schritt helfen

Transparenz spielt bei den beiden eine große Rolle, der Kunde soll wissen, wie und wo die Ware hergestellt wird. In der Produktionsstätte, wo Siomn und Risto ihre Kleidung produzieren lassen, arbeiten ca. 40 Näherinnen und Näher. Alles wird in einem Gebäude produziert und nicht an andere Subunternehmen weitergeleitet. Das war für die beiden ein wichtiger Punkt. Die fertigen Shits trudelten mit etwas Verspätung ein und stehen nun bei den beiden im Büro, fertig zum Verschicken und zum Verkauf.

Mittlerweile haben Risto und Simon ein eigenes Büro. Auch hier wurden sie von Ina Baum unterstützt. Mit ihrer Crowdfunding-Kampagne haben sie sich ihr nächstes Ziel gesetzt. Davon wollen sie ihre nächste Indien-Reise bezahlen, neue T-Shirts produzieren und einen Pullover für frische Sommerabende.

Außerdem soll dann ein Überraschungsprodukt in Auftrag gegeben werden. Das Ziel: Bis zum 25. März 2018 16.500 Euro zu sammeln, das zweite Ziel liegt bei 23.500 Euro. Die Shirts können auf der Internetseite von Risto und Simon gekauft, oder in Skateshops in Köln gekauft werden.

Eine konkrete Vision: Faire Kleidung soll zur Normalität gemacht werden

Faire Klamotten können cool aussehen - so sieht es Rist Saar. Fotos: Privat

Faire Klamotten können cool aussehen – so sieht es zumindest das Start-Up Risto Saar.

Faire Kleidung soll zur Normalität gemacht werden, es soll ganz normal sein, dass Kleidung fair produziert ist. „Dafür muss man bei jungen Menschen anfangen. Wenn man unser Logo auf der Brust sieht, soll es in erster Linie mit Qualität und Aussehen überzeugen, aber es ist ganz selbstverständlich, dass es obendrauf fair ist.“

Von Freunden, Verwandten und Bekannten haben Risto und Simon durchgehend positive Unterstützung erfahren. Hilfe bei der Renovierung ihres Büros, in welchem alles selbst gebaut und entworfen ist.

Von der Idee waren alle begeistert. „Außerdem haben Simon und ich auch immer schon Projekte angefangen und durch gezogen, wo andere gesagt haben, wie soll das funktionieren?“, lacht Risto. Eine eigene Marke gründen? Für die beiden kein Problem.

Ihr Ziel, faire Mode selbstverständlich zu machen, wollen die beiden realisieren, in dem sie nach und nach jedes Kleidungsstück als faires Kleidungsstück entwerfen. „Man braucht ja schließlich alles in als fair produziert“, sagt Risto.

 

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