Das lange Warten auf Feuerwerk – Hunderte Menschen harrten über Stunden für den Lagerverkauf in Dortmund aus

Kunden schauen sich Feuerwerksartikel in der Auslage an.
Seit Freitag Morgen dürfen die Feuerwerkskörper verkauft werden. Fotos: Karsten Wickern

Von Karsten Wickern

Seit Freitag Morgen (28.12.18) darf legales Silvesterfeuerwerk in Deutschland verkauft werden. In Dortmund-Oestrich warteten bereits Stunden vor dem Verkaufsstart hunderte Menschen. Ihr Ziel war ein Lagerverkauf, der ab Mitternacht Feuerwerkskörper verkaufte. Tausende KundInnen erwarteten die VerkäuferInnen für die Nacht. Und die nahmen teils lange Anreisen auf sich.

Stundenlanges Warten vor dem Tor bei Temperaturen um den Gefrierpunkt

In Containern lagern bis zu 350 Kg Sprengstoff.

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Als die MitarbeiterInnen des Lagerverkaufs um halb zehn mit dem Einräumen der Feuerwerkskörper beginnen, stehen schon mehrere Hundert KundInnen vor dem Eingangstor. Die Ersten in der Schlange warten bereits seit 17 Uhr auf den Einlass.

Manche haben Stühle mitgebracht. Die Stimmung erinnert einwenig an die Apple Verkaufsstarts. Es wird über Feuerwerk diskutiert und sich über die angebotenen Produkte ausgetauscht. Mitarbeiterin Hannelore versorgt die Wartenden mit Bratwurst und Kinderpunsch. Der ist bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gut nachgefragt.

Drinnen füllen sich die Verkaufsauslagen mit verschiedensten Feuerwerkskörpern. Geschäftsführer Ralf Brenken achtet genau darauf, dass seine MitarbeiterInnen die Kartons mit dem übrigen Feuerwerk wieder in die Lager bringen. Er erklärt, dass im Verkaufsraum lediglich 75 Kilo Sprengmasse vorhanden sein darf. Das ist auch der Grund, warum es von den meisten Verbundfeuerwerken (Batterien) nur leere Verpackungen im Regal stehen. Die richtigen Artikel werden in Sprengcontainern zwischen gelagert. Dafür haben die Händler extra drei Überseecontainer auf dem Parkplatz aufgestellt. Diese werden alle drei Stunden mit Ware aus den eigenen Bunker aufgefüllt.

Dass die Container den Parkplatz blockieren, wirkt sich auch auf die ohnehin  schon angespannte Parksituation der Umgebung aus. Um möglichst viele Parkplätze vorzuhalten, holen sich die Händler Unterstützung bei ihrem Nachbarn. Die Zufahrt zu dem benachbarten Gelände wird um 22 Uhr geöffnet und entspannt die Parkplatzsituation erstmal.

Verkaufsstart zu Mitternacht – Die Schlange vor dem Tor ist  mehrere hundert Meter lang

Maximal 50 KundInnen durften sich gleichzeitig im Verkauf aufhalten.

Kurz vor Mitternacht ist dann alles bereit für den Verkauf. Die Schlange vor dem Tor ist zu dem Zeitpunkt bis auf mehrere hundert Meter angewachsen. Geschäftsführer Christoph Scheiding ergreift das Megafon und begrüßt seine KundInnen. Er erklärt den Ablauf und gibt schließlich das Kommando zur Öffnung des Tores.

Die ersten KundInnen strömen nach sieben Stunden Wartezeit gesittet, aber im zügigen Gang auf das Gelände. Schnell einen der Einkaufswagen gesichert, geht es die Rampe hoch in die Verkaufshalle. Nach Stunden in der Kälte freuen sich die Kunden sichtlich über die mittelwarme Temperatur im Lager. Doch zügig geht es zu den Feuerwerksartikeln in den Auslagen weiter. Die Einkaufswagen füllen sich mit einem Mix aus Raketen, Verbundfeuerwerk und Kleinfeuerwerk. Einer aktuellen Umfrage von Statista zufolge sind die Raketen Sets bei den Deutschen in diesem Jahr am beliebtesten. 

Wenige Minuten nach Mitternacht kommen die ersten glücklichen KundInnen aus dem Verkauf. Sie Fahren ihre Autos vor und packen ihre „Schätze“ ein. Dann geht es auf die teilweise weite Heimfahrt. Viele kommen aus anderen Bundesländern nach Dortmund, um hier Feuerwerk zu kaufen. Sogar aus den Niederlanden kommen KundInnen. Für die MitarbeiterInnen ist aber noch lange nicht Feierabend. Bis um 19 Uhr verkaufen sie hier. 19 Stunden durchgehend! „Das sind die Tage an denen das Team zusammenarbeitet“ sagt ein Mitarbeiter. Und am Samstag geht es dann schon um 9 Uhr weiter mit dem Feuerwerksverkauf.

Ein Jahr Vorbereitung für das ganz kurze Geschäft zu Silvester

LKWs liefern Nachschub in der Nacht.

Für den Feuerwerks-Verkauf hat das Unternehmen extra einen speziellen Mitarbeiter. Der Mitarbeiter Marc beschäftigt sich das ganze Jahr mit Feuerwerk. Er besucht die Vorführungen der Feuerwerkshersteller und entscheidet dann, was auf die Einkaufsliste kommt.

Obwohl das Unternehmen normalerweise hauptsächlich Restposten verkauft, handelt es sich bei dem Feuerwerk hauptsächlich um bestellte Neuware. Ab Januar wird geplant was von den Herstellern bestellt wird und dann über den Preis verhandelt. Im Dezember kommen dann noch die Restposten der Hersteller hinzu erklärt Brenken. In diesem Jahr ist das z.B der Böller „XP3“, der durch einen Deklarierungsfehler nur mit einem zusätzlichen Handzettel verkauft werden darf.

Die Händler haben tausende Feuerwerksartikel in den Lagern. Daher sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch. Die Verkaufstätte wurde vorab sowohl von der Feuerwehr als auch von den Kontrolleuren der Bezirksregierung abgenommen. Auf dem gesamten Gelände herrscht absolutes Rauchverbot. Auch E-Zigaretten müssen ausgeschaltet werden. Ein Team von 13 Sicherheitsleuten sichert das Gelände und übernimmt auch die Parkplatzeinweisung.

Teil des Sicherheitskonzepts ist auch, dass besonders gefragte Artikel erst später in den Verkauf kommen und das auch so kommuniziert wird, verrät Scheiding. So teile sich der Ansturm einwenig auf.

Kritik an der Böllerei – an Silvester rund 4.500 Tonnen Feinstaub durch Feuerwerk frei gesetzt

Ralf Brenken – Geschäftsführer

Auch in diesem Jahr gibt es aber auch wieder Kritik am Silvesterfeuerwerk. Laut dem Umweltbundesamt werden an Silvester rund 4.500 Tonnen Feinstaub durch Feuerwerk frei gesetzt. Das entspricht in etwa 15,5 Prozent der jährlich im Straßenverkehr abgegebenen Feinstaubmenge und circa 2,25 Prozent der Gesamtmenge von Feinstaub im Jahr 2016.

Die Höhe der Konzentration ist abhängig von dem Wetter. Während sich die Partikel bei Wind schnell verteilen, bleiben sie bei Windstille in den unteren Atmosphärenschichten stehen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert Verbote für Silvesterböller und mit Schwarzpulver getriebene Raketen , die für die extremen Feinstaubwerte verantwortlich seien. Außerdem möchte die DUH eine Verschiebung der Feuerwerksaktivitäten raus aus den Innenstädten an den Stadtrand. Besser sei aber ein zentrales professionelles Feuerwerk außerhalb von sensibler Zonen.

Ralf Brenken zeigt Verständnis für die diskutierten Problematiken, doch sei Silvesterfeuerwerk eins der wenigen Dinge im Jahr, an denen man noch was machen könne ohne dass Restriktionen gibt. Das solle man den Leuten noch lassen. „Die arbeiten alle das ganze Jahr hart genug, 365 Tage im Jahr. Und das Feuerwerk ist eins der Dinge, wo man sagt zum ende des Jahres, man feiert das alte Jahr und beginnt das neue. Und Feuerwerk gehört einfach dazu!“

Im Video:

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Silvester in Dortmund: Zwei Verbotszonen für Feuerwerk und Pyrotechnik – Tipps von Verbraucherzentrale und Feuerwehr

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Kommentare

  1. Schon vor Wochen entschieden: Unternehmer verzichtet aus Coronaschutzgründen komplett auf Böllerverkauf – OB Westphal besucht ihn in seinem Betrieb (PM)

    Schon vor Wochen entschieden: Unternehmer verzichtet aus Coronaschutzgründen komplett auf Böllerverkauf – OB Westphal besucht ihn in seinem Betrieb

    OB Thomas Westphal besuchte heute die Zentrale von „Scheidings-Lagerverkauf“ in Dortmund-Oestrich, in der üblicherweise jede Menge Böller und Feuerwerk verkauft werden. Im Corona-Jahr 2020 allerdings nicht. Schon vor Wochen hatte sich Inhaber Christoph Scheiding dagegen entschieden – weit bevor die Entscheidung von Bund und Land zu einem bundesweiten Verkaufsverbot von Feuerwerkskörpern anstand. Dafür gab es mehrere Gründe. „Wer die Situation hier im Gewerbegebiet vor Silvester sonst kennt, weiß, dass immer sehr viele Menschen in langen Schlangen und Gruppen vor dem Laden warten, um an ihre Böller zu kommen. Auch im Geschäft ist es dann immer rappelvoll“, so Christoph Scheiding: „Für einen Unternehmer natürlich sonst ein wünschenswerter Zustand. Aber vor dem Corona-Hintergrund war mir die Sicherheit und Gesundheit der Kund*innen und meiner Beschäftigten wichtiger. Diese Ansammlungen und der Verkauf wären verordnungskonform kaum durchführbar gewesen, nicht auf dem Parkplatz und nicht in den Warteschlangen. Und aus Infektionsschutzgründen habe ich mich dann komplett gegen Verkauf entschieden, auch wenn dieser sonst schon einen ordentlichen Teil im Jahresumsatz ausmacht.“ Die bereits gelieferten Pyro-Artikel werden nun in professionellen Bunkern an einem anderen Ort eingelagert.

    „Das ist ein absolut vorbildliches Verhalten, für das ich sehr dankbar bin. Es sollte für viele andere Ansporn sein“, sagte OB Thomas Westphal: „Entscheidungen wie die von Herrn Scheiding machen Dortmund als Stadt der Nachbarn aus. Hier bei uns wird Zusammenhalt groß geschrieben. Und auch, dass man aufeinander achtet. Dass dieser Unternehmer nun so vorsorglich handelt und dabei auch auf hohen Umsatz verzichtet, verdient Respekt und Anerkennung. Wir lassen Dortmunder Unternehmen nicht alleine, gerade in Zeiten der Krise. Wir haben schon vielen Betrieben Unterstützung angeboten und Hilfen vermittelt, und wir kümmern uns auch weiter darum.“

    Dortmunds Oberbürgermeister hatte sich schon lange für ein coronabedingtes Verkaufsverbot von Böllern und Feuerwerkskörpern stark gemacht: „Ich weiß, dass für viele Menschen das Zünden von Böllern und Raketen zu Silvester einfach dazu gehört. Dennoch verletzen sich auch immer wieder Personen, die nicht verantwortungsvoll damit umgehen. Damit würde in diesem Jahr der Druck auf die Krankenhäuser und Notaufnahmen unnötig erhöht werden und wichtiges medizinisches Personal, Geräte und Räume binden, die dringend im zehrenden Kampf gegen das Coronavirus benötigt werden. Unsere Kliniken und die Menschen, die dort arbeiten, sind schon belastet genug. Da braucht es nicht noch die zusätzlichen Behandlungen von Verletzungen und Brandwunden“, so OB Thomas Westphal: „Wenn man sich gemeinsam zum Böllern draußen an der Straße und auf gewohnten Plätzen treffen würde, käme es zudem unweigerlich zu Begegnungen und Kontakten, die gerade jetzt dringend vermieden werden müssen. Also gilt: Einmal auf eine beliebte Tradition verzichten. Das rettet in diesen Zeiten Menschenleben.“

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