Das Atelierhaus Westfalenhütte von Brigitte Bailer – Auf beiden Seiten der Werksgrenze wird mit Metall gearbeitet

Atelierhaus Westfalenhütte in der Freizeitstraße, Brigitte Bailer
Brigitte Bailer sitzt unter einem ihrer Werke in ihrem Atelierhaus. Fotos: Klaus Hartmann

Von Susanne Schulte

Um entspannt ins neue Jahr zu wechseln, erledigte Brigitte Bailer die weniger angenehmen Aufgaben als Vorsitzende noch kurz vor Silvester: Sie hat die Mitgliederkartei auf den aktuellen Stand gebracht, Kontonummern und Adressen korrigiert. Das war nicht wenig Arbeit. 220 Mitglieder hat der Bundesverband bildender Künstler Westfalen (BBK) und ist damit der größte Künstlerbund in Dortmund. Wenig Arbeit hat sie auch sonst nicht, aber selbst zu malen, Ausstellungen zu organisieren, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen – das alles macht mehr Spaß als die Bürokratie.

Brigitte Bailer ist der Nordstadt treu geblieben – erst als Hoesch-Mitarbeiterin, heute als Künstlerin

Atelierhaus Westfalenhütte in der Freizeitstraße, Brigitte Bailer. Im Garten des Hauses
Blick in den Garten des Hauses an der Grenze zum Werk.

Im Büro zu arbeiten, das hat sie gelernt. Nach ihrer Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin in Lünen, wechselte sie Job und Arbeitgeber und fing als Sachbearbeiterin im Verkauf Spundwand auf der Westfalenhütte an.

15 Jahre lang war sie anschließend Betriebsratsmitglied des Unternehmens im Werk Westfalenhütte. Gemalt hatte sie auch damals schon, ein Beruf wurde erst viel später daraus. Aber die Westfalenhütte hat sie auch als Künstlerin nicht verlassen. Ihr erstes Atelierhaus hatte sie auf dem Werksgelände, „und dafür richtig viel Miete gezahlt“ und noch mehr an Heizkosten.

Als ThyssenKrupp die alten Häuser dann abreißen ließ, baute sie mit ihrem Mann auf der anderen Seite der Werksgrenze ein neues Atelierhaus – in Sichtweite ihres Zuhauses und direkter Nachbarschaft ihres alten Arbeitsplatzes.

Eine Botschafterin für die Kunst in Dortmund und die Vorzüge der Nordstadt

Atelierhaus Westfalenhütte in der Freizeitstraße, Brigitte Bailer
Atelierhaus Westfalenhütte in der Freizeitstraße von der Gartenseite aus.

Brigitte Bailer lebt und arbeitet gerne in der Nordstadt. Die habe ein „enormes Entwicklungspotenzial“, viel Grün, viel Ruhe und sei gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. „In nicht mal zehn Minuten ist man in der Innenstadt.“

Mit den Ausstellungen unterschiedlicher KünstlerInnen, die sie in ihrem Atelier zeigt, wirbt sie nicht nur für Kunst, auch für ihr Quartier. Viele BesucherInnen, erzählt sie, würden gerne noch einen Spaziergang durchs Viertel machen, durch den Hoeschpark und seien anschließend ganz begeistert: Sie hätten nicht gedacht, dass es im Dortmunder Norden so schön sein könne, höre sie dann immer wieder.

Brigitte Bailer ist in der Stadt und der Nordstadt gut vernetzt, auch in Vereinen und Initiativen, die nichts mit Kunst zu haben.

Als Vorsitzende des Bundesverbands bildender Künstler Westfalen organisiert sie viele große Ausstellungen

Atelierhaus Westfalenhütte in der Freizeitstraße, Brigitte Bailer. Ausstellungsraum im Obergeschoß
Der Ausstellungsraum im Obergeschoss.

Neben den Ausstellungen im eigenen Atelier organisiert sie für den BBK zusammen mit den drei anderen Künstlerbünden in Dortmund große Veranstaltungen wie kürzlich im Atrium der BIG-Krankenkasse. „Das ist ein Forum für die KünstlerInnen und zeigt, was zurzeit in der Kunst alles geht.“

Es seien ja alles professionelle KünstlerInnen, auch wenn „der geringste Teil der Mitglieder von der Kunst leben kann“. „Man kauft sich lieber ein Bild von Ikea oder Zurbrüggen als für 100 Euro mehr ein Original.“ Da ist die Unterstützung des BBK, der ein Berufsverband ist, sehr wertvoll.

So wie auch die Unterstützung durch die Stadt. Hier lobt Brigitte Bailer „die gute und breite Förderung“ durch die Ausstellungsfläche, den Kunstankauf und die finanziellen Zuschüsse.

Einzelausstellungen in der ganzen Republik und im Ausland machten ihr einen Namen

Atelierhaus Westfalenhütte in der Freizeitstraße, Brigitte Bailer
Das Atelierhaus Westfalenhütte – Frontseite.

Sie selbst hat schon viele Einzelausstellungen bestritten. Ihre Werken in unterschiedlichen Formaten und aus verschiedenem Material, viele davon auf gerostetem und gezinkten Metall, hingen schon in den Firmengebäuden von Geha und Generali, im Kloster Banz und in der Fachhochschule Kiel.

Vier große Bilder hat sie im vergangenen Jahr verkauft.  Weil sie weiß, dass KünstlerInnen nur zu Anerkennung und Geld kommen können, wenn man weiß, dass es sie und ihre Werke gibt, lädt sie viermal im Jahr KollegInnen ein, in ihrem Atelierhaus die jeweiligen Arbeiten zu zeigen.

Im März ist eine Künstlerin aus Hannover zu Gast, anschließend rücken die Werke von drei Bonnern ins richtige Licht, bevor ein Warendorfer und eine Italienerin ihre Arbeiten im Dortmunder Norden präsentieren.

Für Ende 2018 ist eine große Landesausstellung im Dortmunder U geplant

Und nebenbei ist Brigitte Bailer schon gedanklich mit der Vorbereitung zu drei großen Veranstaltungen beschäftigt: der Ausstellung mit den KollegInnen des BBK aus Düseldorf in diesem Jahr in der BIG Dortmund, mit dem 70jährigen Bestehen des heimischen Künstlerbundes in 2018 und der großen Landeschau NRW, die Ende 2018, Anfang 2019 die 6. Etage im Dortmunder U beleben wird.

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