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COVID-19: Auswirkungen auf Arbeitsmarkt in Dortmund deutlich spürbar – 12 Prozent Arbeitslosigkeit im Juli

Im Juli 2020 sind die Auswirkungen von COVID-19 (Corona-Virus) auf den Arbeitsmarkt in Dortmund nach wie vor deutlich spürbar. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli gestiegen. Im ersten Monat der zweiten Jahreshälfte waren in Dortmund 38.290 Personen arbeitslos gemeldet, 693 Personen mehr als vor einem Monat und 6.251 Personen mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 12,0 Prozent. 

„Wir haben die Folgen der Corona-Pandemie verhältnismäßig gut verkraftet“

Heike Bettermann ist Chefin der Agentur für Arbeit in Dortmund. Archivfoto: Alex Völkel

„Der Arbeitsmarkt in Dortmund steht weiterhin deutlich unter dem Einfluss der Pandemie. Zwar sind die Abgänge im Vergleich zum Vormonat um 17,9 Prozent oder um 590 Personen angestiegen, dennoch sorgen die Zugänge in Arbeitslosigkeit weiterhin für einen Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juli. ___STEADY_PAYWALL___

Dennoch hat sich der Arbeitsmarkt in Dortmund trotz der deutlich in der Arbeitslosigkeit sichtbaren Folgen der Corona-Pandemie den durch sie ausgelösten Schock verhältnismäßig gut verkraftet“, kommentiert Arbeitsagentur-Chefin Heike Bettermann die Lage auf dem Dortmunder Arbeitsmarkt. 

„Wichtig waren dafür die Stützmaßnahmen wie das Kurzarbeitergeld sowie das rasche politische Handeln, das den Zugang zu diesen Möglichkeiten schnell erleichtert hat“, so Bettermann. Auswirkungen der Pandemie zeigten sich besonders in der Jugendarbeitslosigkeit. 

„Die Arbeitslosigkeit der unter 25-Jährigen liegt mit 3.756 jungen Menschen deutlich über dem Vorjahr. Viele Stellen in der Zeitarbeit sowie viele Möglichkeiten, eine befristete Anstellung einzugehen, sind in den vergangenen Monaten weggefallen – und damit klassische Einstiegswege junger Menschen in das Berufsleben. Dennoch ist es ein Mythos, dass es keine Ausbildungsplätze in diesem Jahr gibt,“ betont Bettermann. 

Arbeitsagentur investiert noch einmal besonders in Hilfsangebote für Azubis und Ausbilder*innen

Dr. Regine Schmalhorst (47) tauscht mit Frank Neukirchen-Füsers im September den Job. Foto: Michael Grosler

Dr. Regine Schmalhorst ist Geschäftsführerin des Jobcenters in Dortmund. Archivfoto: Michael Grosler

Der Ausbildungsmarkt hänge stattdessen rund sechs bis acht Wochen in der Besetzung freier Stellen zurück. „Der finale Endspurt am Ausbildungsmarkt wird sich daher in diesem Jahr nicht wie üblich im August abspielen, sondern auch in die Zeit der Nachvermittlung ziehen“, so die Agenturchefin. 

Die Agentur für Arbeit wird in diesem Jahr noch einmal besonders in Hilfsangebote für Azubis und Ausbilder*innen investieren, damit der durch die Pandemie verursachte, suboptimale Start in den Übergang ins Berufsleben eine positive Wendung hin zu einem erfolgreichen Ausbildungsverlauf nimmt. 

„In der Zuständigkeit des Jobcenters schlagen die Auswirkungen der Corona- Pandemie im Juli noch nicht signifikant durch. Mittelfristig wird es voraussichtlich einen weiteren Anstieg auch bei uns geben, wenn vermehrt der Bezug des Arbeitslosengeldes I ausläuft“, berichtet Dr. Regine Schmalhorst, Geschäftsführerin im Jobcenter Dortmund.

„Aktuell können wir aber positiv berichten, dass die Abgänge aus der Arbeitslosigkeit wieder zugenommen haben. Das bedeutet, dass wieder mehr Menschen in Arbeitsverhältnisse, Ausbildungen oder berufsvorbereitenden Maßnahmen und Weiterbildungsmaßnahmen eingemündet sind, als zu Beginn der Pandemie“, ergänzt sie. Erkennbar sei, dass in einigen Branchen eine konstante Nachfrage an Arbeitskräften bestehe.

Arbeitslosigkeit im Zeichen von Covid – auch Unterbeschäftigung nimmt zu

Im Juli wurden 38.290 Menschen in Dortmund offiziell als arbeitslos gezählt. Davon waren 10.547 Personen bei der Arbeitsagentur und 27.743 Menschen beim Jobcenter Dortmund gemeldet. Damit ist die Gesamtzahl der Arbeitslosen in der Stadt im Vergleich zum Vormonat um 693 Personen oder 1,8 Prozent gestiegen. Im Vorjahresvergleich liegt die Arbeitslosigkeit um 6.251 Personen oder 19,5 Prozent höher.

Die Jugendarbeitslosenquote im Vergleich zum Juni um 0,5 Prozentpunkte auf 11,3 Prozent gestiegen. Im Juli waren damit 3.756 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das ist ein Anstieg um 185 Personen gegenüber dem Vormonat. 

Doch das sind nicht alle Menschen ohne Arbeit: In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen (sie machen 78 Prozent der Menschen in Unterbeschäftigung aus) auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne der Sozialgesetzbücher (SGBIII und SGBII) gelten, weil sie zum Beispiel wegen der Teilnahme an Qualifizierungs-, Trainings- oder Beschäftigungsmaßnahmen, wegen Krankheit oder vorruhestandsähnlicher Regelungen nicht als arbeitslos gezählt werden. 

Auch die Unterbeschäftigung ist in diesem Monat gestiegen. Insgesamt sind im Juli 48.944 Personen in der Unterbeschäftigung registriert. Das sind im Vergleich zum Vormonat 303 Personen oder 0,6 Prozent mehr. Die Unterbeschäftigungsquote liegt im Berichtsmonat Juli bei 14,9 Prozent (Vorjahr: 13,7 Prozent). 

Geringe Arbeitskräftenachfrage – angezeigte Kurzarbeit rückläufig

Im Juli ist die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften im Vergleich zu 2019 deutlich gesunken. Die Dortmunder Unternehmen und Verwaltungen befinden sich weiterhin im Krisenmodus, viele haben Kurzarbeit angezeigt, Personalneueinstellungen rücken demzufolge in den Hintergrund. 

Im Jugendberufshaus arbeiten Arbeitsagentur, Jobcenter und Stadt Dortmund Hand in Hand.

Im Jugendberufshaus arbeiten Arbeitsagentur, Jobcenter und Stadt Dortmund Hand in Hand.

Der Agentur für Arbeit wurden im aktuellen Berichtsmonat 875 neue Stellen gemeldet. Das sind 195 Stellen weniger als im Juni und 46,8 Prozent weniger Stellenmeldungen (-2.822) als im Juli 2019.

Der aktuelle Stellenbestand hat sich mit 4.606 offenen Stellen im Vergleich zum Vormonat nur wenig verändert, allerdings ist er im Vergleich zum Vorjahr um 28,1 Prozent zurückgegangen. Arbeitskräfte werden aktuell vor allem im Lebensmittel-Einzelhandel, in der Logistik, in der Verwaltung und im Gesundheits- und Sozialwesen gesucht. 

Die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie bei der Agentur für Arbeit eingehen, ist im Vergleich zum Juni weiter deut-lich zurückgegangen. Im Juli 2020 sind in Dortmund 66 Anzeigen von konjunktureller Kurzarbeit für insgesamt 554 Personen bei der Arbeitsagentur eingegangen (Juni: 138 Anzeigen / 2.119 Personen). 

Insgesamt sind in den Krisenmonaten März bis Juli 2020 in Dortmund 5.470 Anzeigen von konjunktureller Kurzarbeit für insgesamt 70.338 Personen bei der Arbeitsagentur eingegangen. Nahezu alle Branchen sind gleichzeitig von Kurzarbeit betroffen. Umfänglich sind allerdings das Gastgewerbe sowie der Handel von Kurzarbeit am stärksten betroffen. 

Es ist allerdings nicht zwingend, dass jede in den Anzeigen betroffene Person auch tatsächlich kurzarbeiten wird. Die Anzeige ist zunächst nur eine Absichtserklärung des Arbeitgebers. Die realisierten Zahlen werden erst durch die tatsächlich nachträglich gestellten Anträge ermittelt. Für den Agenturbezirk Dortmund liegen hochgerechnete Werte bis März vor. Im März 2020 haben hochgerechnet 16.859 Personen Kurzarbeitergeld in 2.169 Betrieben bezogen. 

Hier gibt es alle Infos zum Dortmunder Arbeitsmarkt als PDF zum Download: Arbeitsmarktreport_Juli_2020

 

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