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Benno-Elkan-Nachlass: Enkelin des Künstlers übergibt dem Museum-Ostwall Medaillen, um die Sammlung zu erweitern

Beryn Hammil und Regina Stelter nach unterzeichnung der Schenkungsurkunde. Fotos: Roland Klecker/dofoto.de

Von Gerd Wüsthoff

„Es ist uns eine Freude, für unser Museum und die Stadt Dortmund, dass wir unsere Sammlung von Benno Elkan erweitern können“, betonte Regina Stelter. Die stellvertretende Direktorin des Museum-Ostwall im Dortmunder U unterzeichnete mit Beryn Hammil, Enkeltochter von Benno Elkan, am 11. Juni 2018 öffentlich die Schenkungsurkunde an das Museum-Ostwall. Das Museum kann damit seine Sammlung von Werken des in Dortmund geborenen Benno Elkan erweitern. Es handelt sich dabei um Plaketten und ein Stickbild von Elkan.

Weil Benno Elkan Jude war, wurde er als entartet von den Nazis diffamiert

Der Künstler Benno Elkan vor der Menorah für die Knesset in Jerusalem. Foto: Tamar Hayardeni/ Wikipedia

Bereits 2015 ehrte die Stadt Dortmund seinen ehemaligen Bürger, Künstler, Schachbegeisterten und Fußballpionier, indem die Allee an der Westseite des Dortmunder U nach Benno Elkan benannt wurde. Seine Enkeltochter, Beryn Hammil, kam damals zur Einweihung der „Benno-Elkan-Allee“ erstmals nach Dortmund.

Der Bildhauer Benno Elkan wurde 1877 als Sohn jüdischer Eltern in Dortmund geboren. Als Künstler schuf er – nach einem Malereistudium in München, Karlsruhe und Paris – vor allem Skulpturen, Reliefs und Medaillen.

Einige dieser Medaillen sowie ein Stickbild des jungen Benno Elkan wurden von der in Kalifornien lebenden Enkelin des Künstlers aus dem Nachlass ihres Großvaters der Stadt Dortmund und dem Museum am Ostwall übereignet. Sie übergab die Erinnerungsstücke jetzt persönlich in Dortmund.

In der Sammlungspräsentation des Ostwall-Museums im Dortmunder U ist aktuell Benno Elkans Büste des Kunsthistorikers Carl Einstein zu sehen.

In den 1920er Jahren gestaltete Elkan mehrere Grabmale (u.a. auf dem Dortmunder Ostfriedhof) und humanistisch geprägte Kriegsdenkmäler, mit denen aller Opfer (Freund und Feind) des Ersten Weltkriegs gedacht wurde.

Der Dortmunder hat die „Große Menorah“ vor der Knesset in Jerusalem geschaffen

Im Ostwall-Museum im U ist aktuell Benno Elkans Büste des Kunsthistorikers Carl Einstein zu sehen.

Von Benno Elkan wurde weitere Gefallenen-Denkmäler in Frankfurt/Main, Saarbrücken und Völklingen geschaffen. Seine Kunstwerke sind dabei keiner bestimmten Stilrichtung wie Jugendstil, Sezession, Neuer Sachlichkeit oder später gar Art Déco zuzuordnen. Er arbeitete eher sachlich, handwerklich und erreichte dabei eine eigene klare Formensprache.

Elkan entwarf das Befreiungsdenkmal auf dem Schillerplatz in Dortmund, das nach seiner Enthüllung im Juli 1930 viel Aufsehen erregte. Mit der Machtergreifung 1933 geriet Elkan in das Visier der Nazis, da er jüdischen Glaubens war, und erhielt sehr schnell ein Berufsverbot.

Trotz seiner realistischen Sachlichkeit wurden Elkan und sein Schaffen als „entartet“ deklariert und aus Museen und von Plätzen entfernt. 1934 floh Elkan mit seiner Familie vor den Nationalsozialisten ins Londoner Exil. Nach seiner Flucht prägten vor allem religiöse Themen seine Arbeiten. Seine wohl großartigste Plastik, die „Große Menorah“, steht heute vor dem israelischen Parlament, der Knesset, in Jerusalem. 1960 starb Benno Elkan in London.

Der Künstler und Fußballpionier Benno Elkan war in Dortmund nicht nur als Bildhauer aktiv

Benno Elkan, Statue (Bundesarchiv, Bild 102-10160 Fotograf Georg Pahl Lizenz CC-BY-SA 3.0) Enthüllung des Befreiungs-Denkmals in Mainz, Schillerplatz

Um seine Sprachkenntnisse zu verbessern, besuchte Elkan nach der Mittleren Reife 1893/94 für ein Jahr das seit 1880 bestehende private Knabenpensionat Château du Rosey in Rolle am Genfer-See (Lac Leman). Hier lernte er den Fußball durch seine englischen Mitschüler kennen und lieben.

Mit einigen Gleichgesinnten gründete Benno Elkan 1895 den Dortmunder FC 95, später Dortmunder SC 95, und damit Dortmunds ältesten Fußballclub. Nicht nur, dass Elkan die Dortmunder Fußballtradition somit mitbegründete, sondern er leistete quasi Entwicklungshilfe in seinem Studienort im Süden der Bundesrepublik.

Benno Elkan unterzeichnete als 14. die Gründung eines gewissen Münchener Fußball Clubs. Elkan schuf als Fußballbegeisterter und Pionier zudem die Statuette „Fighting Cock“, das Symbol von Tottenham Hotspurs.

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