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Benefiz-Abend im KJT für das geplante Kinder-Hospiz der Elisabeth Grümer-Stiftung in Dortmund

Elisabeth Grümer (li.), Gründerin der gleichnamigen Hospiz-Stiftung und  Gabriele Kroll, Vorsitzende des Frauen Lions-Club Dortmund-Fluxa, mit der Einladung zum Benefiz-Abend.

Von Gerd Wüsthoff

Ein menschenwürdiges Leben beinhaltet auch ein menschenwürdiges Sterben. „Hospize sind solche Orte, an denen ein menschenwürdiges Sterben ermöglicht wird und zugleich das Leben gefeiert wird“, sagt Elmar Grüther, Mitarbeiter der Elisabeth Grümer Hospiz-Stiftung. „Allgemein wird aber der Tod, anders als in vorangegangenen Jahrhunderten, in unserer modernen Gesellschaft ausgeblendet.“ Das gilt besonders auch für schwerstkranke Kinder und ihre Familien. In Dortmund soll deshalb ein spezielles Hospiz für Kinder gebaut werden, für das die Elisabeth Grümer-Stiftung sich einsetzt.

KJT unterstützt Kinder-Hospiz mit Spenden-Sammel-Abend

Das Oryctes-Quartett der Dortmunder PhilharmonikerInnen wirkt am Benefizabend mit.

Um die Einrichtung mit zu finanzieren, veranstaltet das Kinder- und Jugendtheater Dortmund (KJT) am 28. April ab 18 Uhr in Dortmund-Hörde in der Sckellstraße zusammen mit dem Lions-Club Dortmund-Fluxa einen Benefiz-Abend der besonderen Art.

„Der Fortschritt in der Medizin, insbesondere der Apparate-Medizin, lässt den heutigen Menschen den Tod vergessen“, erklärt Elisabeth Grümer, Initiatorin der Elisabeth Grümer Hospiz-Stiftung. „Um so drastischer ist die Konfrontation damit, besonders wenn es sich dabei um Kinder handelt“, sagt Gabriele Kroll, Direktorin bei der Sparkasse Dortmund und Vorsitzende des Frauen Lions Club Dortmund-Fluxa.

„Gemeinsam wollen alle Beteiligten des Benefiz-Abends die Elisabeth Grümer-Stiftung für die Einrichtung eines Kinder-Hospizes mit Spenden unterstützen“, erklärt Andreas Gruhn, Direktor des KJT. „Die Künstler des Abends treten ohne Gage auf und wollen damit dem Publikum einen heiteren Abend bereiten, auch wenn das Thema ein ernstes ist,“ sagt Gruhn, nicht ohne Stolz über den Einsatz der Künstler am 28. April.

Ein lebenswertes Leben bis zum letzten Augenblick

Hasti Molavian. Foto: Oliver Look

„Ein Hospiz soll das Leben lebenswert machen, bis zum letzten Augenblick. Deswegen soll der Abend heiter und freudig sein. Denn das Leben ist schön“, fügt Elisabeth Grümer hinzu. Durch den abwechslungsreichen und einmaligen Spenden-Abend wird Stefan Keim führen.

In dem umfangreichen und vielseitigen Programm sind viele KünstlerInnen des Dortmunder Theaters sowie Gäste zu erleben, unter anderen die Solotänzerin und Choreographin Monica Fotescu-Uta, das Ensemble des Kinder- und Jugendtheaters mit einem Ausschnitt aus dem „Sommernachtstraum“ von Shakespeare sowie das Streichquartett der Dortmunder Philharmoniker.

„Die Tortugas“ der Dortmunder Oper zeigen Ausschnitte aus „Linie 1“ mitsamt einer Live-Band. Außerdem werden auch Claus-Dieter Clausnitzer, Jürgen Mikol und Andreas Weißert mit zwei Szenen aus dem „Hauptmann von Köpenick“ dabei sein, ebenso wie Hasti Molavian, die Mezzosopranistin am Theater Bielefeld ist. Sie war am KJT bereits in „Sneewitte“ und „Außer Kontrolle Carmen“ zu sehen und wurde in einer Ausgabe der Welt am Sonntag bei der Kritikerumfrage als „Beste Sängerin“ der Spielzeit 2016/17 in NRW genannt.

Umfassende Recherchen führen zu einzigartigem Betreuungskonzept

Elmar Grüther mit den Plänen.

Das geplante Betreuungskonzept für die Kinder wird in dieser Form einzigartig im Ruhrgebiet sein. Zum einen, weil das geplante Kinder-Hospiz das erste seiner Art im Revier sein wird, zum anderen, weil es auch betroffenen Eltern die Möglichkeit eröffnet, ihr todkrankes Kind in seinen letzten Tagen zu begleiten. „Ein Kinderhospiz stellt an die Planer andere Herausforderungen als eines für erwachsene Menschen,“ sagt Grümer.

Die nächsten Hospize für unheilbar kranke junge Menschen liegen in Wuppertal, Düsseldorf, Gelsenkirchen und Olpe. Zu weit weg für betroffene Elternhäuser in Dortmund und Umgebung. Die nächste Kinder-Palliativstation gibt es in der Vestischen Kinderklinik in Datteln. In Dortmund selbst erfahren Betroffene und ihre Angehörigen Hilfe durch den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser.

Das Konzept des geplanten Hauses ist so angelegt worden, dass es den Kindern ein würdevolles Leben vor dem Sterben ermöglicht. Damit wird zugleich auch den Familien der Abschied erleichtert. „Wir haben uns für das Kinderhospiz umfassend informiert, bundesweit vor Ort in ähnlichen Einrichtungen recherchiert,“ erklärt Elisabeth Grümer ihr aktuelles Engagement. „Wir haben in bestehenden Einrichtungen mit Betroffenen und Betreibern intensive Gespräche geführt, zugehört und für das geplante Kinder-Hospiz die unseres Erachtens positiven Aspekte in die Planung einfließen lassen.“

Schwerstkranke Kinder können auch für nur kurze Zeit ins Hospiz kommen

Grundstück und Erdgeschoß-Grundriss des geplanten Kinder-Hospizes

Das geplante Kinderhospiz entsteht in direkter Nachbarschaft zum bestehenden Hospiz St. Elisabeth an der Bockenfelder Straße. Es bietet nach den vorliegenden Plänen die größtmögliche Bewegungsfreiheit für die Gäste des Kinder-Hospizes, selbstverständlich auch Eltern-Kind-Zimmer.

Generell spiegelt der Grundriss eher eine große Mehrgenerationen-Wohnung wieder, als eine medizinische Einrichtung. „Die Kinder können längerfristig, aber auch kurzfristig aufgenommen werden. Die kurzzeitige Unterbringung bietet den pflegenden Eltern und eventuellen Geschwistern für einige Stunden oder Tage eine psychische oder physische Entlastung,“ erklärt Grümer.

Der Eingangsbereich ist wie ein Innenhof gestaltet und wird von einem großen Esstisch und der einsehbaren Küche bestimmt und geht nahtlos in den Spielbereich über. Von diesem Innenhof gehen Ruhe- und Therapiebereiche sowie Verwaltungsräume ab. Zusätzlich werden ein Keller- und ein Obergeschoss vorhanden sein. „Natürlich benötigen wir auch für den laufenden Betrieb Spendengelder, denn nur teilweise werden die Dienstleistungen unseres Kinder-Hospizes durch die Krankenkassen abgedeckt,“ erläutert Grüther.

Die angrenzende Grünfläche, durch einen schon vorhandenen Hain abgeschlossen, wird als Außentherapieraum mit Tieren genutzt werden. „Wilhelm, unser Esel, wartet schon auf seine kleinen Besucher,“ versichert Grümer.

Hospiz: Eine Einrichtung der Sterbebegleitung

Mit Hospiz (aus dem lateinischen „hospitium“ für Herberge, Gastfreundschaft) wird heute eine Einrichtung der Sterbebegleitung bezeichnet. Allgemein steht der Begriff Hospiz meist für eine stationäre Pflegeeinrichtung, die über nur wenige Betten verfügt und ähnlich wie ein kleines Pflegeheim organisiert ist. In Dortmund existieren derzeit vier Hospize: Hospiz am Ostpark, Hospiz am Bruder-Jordan-Haus, Hospiz St. Elisabeth und ein Hospiz geführt durch die Malteser Deutschland (Elisabeth Grümer Hospiz-Stiftung), aber (noch) keines, das speziell für Kinder eingerichtet ist.

Weitere Informationen:

  • Kinder- und Jugendtheater, Sckellstraße 5-7, 44141 Dortmund
  • Karten für den Kinder-Hospiz-Abend im KJT unter: 0231-50 27 222
  • Eintritt: 39 Euro (VVK und Abendkasse)

Spendenkonto für das Kinder-Hospiz:

  • Elisabeth Grümer Hospiz-Stiftung
    Sparkasse Dortmund: IBAN DE09 4405 0199 0001 5555 53

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