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Beim „Djelem, Djelem“- Festival präsentiert die Roma-Gemeinde ein sichtbares Zeichen ihrer Kultur in der Nordstadt

Die VeranstalterInnen freuen sich auf die sechste Auflage des Roma-Kulturfestivals in Dortmund. Ein besonderes Highlight 2019 ist die Gestaltung einer Fassade in der Nordstadt im Roma-Stil. Foto: Torsten Tullius, Dortmund Agentur

Im September 2019 startet wieder das Roma-Kulturfestival „Djelem, Djelem“ in Dortmund. In unterschiedlichsten Formen und Bereichen haben die Menschen dann wieder die Möglichkeit den Facettenreichtum und die Gastfreundschaft der Roma-Kultur näher kennenzulernen. Bei dem umfangreichen Veranstaltungsangebot finden sich interessante und spannende Events für alle. Ein besonderes Projekt startet in der Nordstadt, wo von der Roma-Gemeinschaft rund um den Nordmarkt in Kooperation mit zwei renommierten Schweizer Künstlern eine Hausfassade in Roma-Stil verschönert wird. Ansonsten gibt’s von allem etwas: Konzerte, Theater, Filme und Ausstellungen laden ebenso ein, wie Diskussionen, Lesungen und das allseits beliebte Familienfest.

Festival beginnt mit beliebten Familienfest auf dem Nordmarkt

In diesem Jahr beginnt das Festival mit dem beliebten Familienfest auf dem Nordmarkt. Foto: Alex Völkel

Dieses findet im Gegensatz zu den Vorjahren nicht am Ende sondern am Anfang des Festivals statt. Am Donnerstag, den 12. September 2019, gibt es auf dem Nordmarkt wieder ein abwechslungsreiches musikalisches Bühnenprogramm für die ganze Familie. Für die Kids gibt es sogar Extraprogramm mit einem vielseitigen Spielangebot, Live-Musik und DJ. Das Familienfest auf dem Nordmarkt wird in der Zeit von 14 bis 18 stattfinden.

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Am selben Tag wird das spannende Nordstadt Projekt „Fatada/Fassade“ vorgestellt. Über ein Jahr lang hat die Roma-Gemeinschaft um den Nordmarkt in enger Kooperation mit den renommierten Künstlern Christian Wachter und Mathias Jud einen Gestaltungsentwurf erarbeitet, der die typische Bauweise der rumänischen Roma-Kultur in Form und Farbe aufgreift.

Die Vorarbeiten in der Schleswiger Straße haben bereits begonnen. Das gemeinsame Projekt der Stadt Dortmund, Interkultur Ruhr und diverser anderer PartnerInnen befindet sich seit 2016 in der Entwicklung. Die Idee entstand während einer Recherche-Reise durch Rumänien. Die TeilnehmerInnen waren beeindruckt von der emanzipativen Architektur der Roma mit ihren eigenwilligen Formen und vor allem der farbenfrohen Buntheit, die jedoch auch in Rumänien selber leider nur hintergründig zu Tage tritt.

Kulturelle Vielfalt manifestiert sich im Straßenbild der Nordstadt

Beispiel für eine Fassadengestaltung im Roma-Look. Foto: Interkultur Ruhr

Denn selbst im eigenen Land werden die Roma an den Rand der Gesellschaft gedrängt und sind Diskriminierungen und Stigmatisierungen ausgesetzt. Angesichts des in Europa wiedererstarkten Nationalismus und Populismus ein Grund mehr, das „Djelem Djelem“-Festival in Dortmund zu veranstalten. Dies betont der Dortmunder Kulturdezernent Jörg Stüdemann.

„In Bulgarien haben wir eine Regierung mit faschistischer Beteiligung, in Ungarn entgleist ein Viktor Orban verbal, und auch in Serbien und dem Kosovo hat sich die Lage der Roma eher verschlechtert als verbessert. Die Diskriminierung von Minderheiten wird auf europäischer Ebene immer häufiger politisch umgesetzt“, mahnt der Dortmunder Stadtdirektor.

Umso wichtiger den Roma in Dortmund die Möglichkeit zu bieten, ein sichtbares Zeichen ihrer Kultur im Stadtbild zu manifestieren. „Das Fassadenprojekt in der Nordstadt ist Teil eines längerfristig angelegten Programmes, um Dortmund zum Ankerpunkt für die Roma-Gemeinschaften der Region zu machen. Wir erhoffen uns von der künstlerischen Selbstpräsentation der Roma eine Strahlkraft, die die Menschen ermutigt und ihnen zeigt, dass sie ein Teil von Dortmund bzw. Deutschland und Europa sind“, so Johanna-Yassira Kuhls von Interkultur Ruhr.

Ausstellung der Entwürfe und Werkstattparty mit den Beteiligten

Im Rahmen des „Djelem Djelem“-Festivals haben die Gäste die Möglichkeit, die extra für das Projekt eingerichtete Werkstatt zu besuchen und mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen. Ab 15 Uhr werden in der Mallinckrodtstraße 57 alle erarbeiteten Entwürfe des Fassadenprojektes ausgestellt. Von hier aus werden dann diverse Spaziergänge zum Objekt in der Schleswiger Straße unternommen, wo dann das fertiggestellte Werk präsentiert werden soll. Am Abend wird dann ab 18.30 Uhr in der Werkstatt gefeiert.

Jugendliche aus Dortmund und Plovdiv betreiben gemeinsam das Radioprojekt „Radio Plovmund“.

Ein weiteres spannendes Highlight des diesjährigen Festivals findet im Theater im Depot ebenfalls in der Nordstadt statt.

Am Weltkindertag, dem 14. September, steht das Jugendtheater „Playhood Theatre Bukarest“ aus Rumänien dort auf der Bühne und spielt „Forma“, ein selbstverfasstes Stück über Verständigung, ohne Worte, nur mit Mitteln der Improvisation, der Pantomime und des Tanzes.

„Das Stück spiegelt die Lebenswirklichkeit der Kids in Bukarest wider. Es handelt sich bei dem langfristigen Theaterprojekt um eine Austauschprojekt, von dem ein Teil in Dortmund und ein Teil in Bukarest produziert wird“, ist Theaterchef Berthold Meyer begeistert von der interkulturellen Bereicherung. Das Stück wird im Theater im Depot um 18 Uhr beginnen.

Weitere Nordstadt-Veranstaltungen im Depot und im Dietrich-Keuning-Haus 

Ein weiteres Theaterstück steht im Depot am 18. September um 19.30 Uhr auf dem Programm. Unter dem Titel „Heroes“ wird ein Psychodrama aufgeführt, das die Geschichte dreier Frauen unterschiedlicher Herkunft in Abschiebehaft thematisiert. Es wirft die Frage nach der Rolle von Schleppern und Machtverhältnissen auf, geht den Fluchtursachen auf die Gründe und beleuchtet die Situation in den vermeintlich sicheren Zufluchtsländern.

Und wenn in Dortmund ein ethnisches Kulturfest angesagt ist, ist natürlich auch das Dietrich-Keuning-Haus mit von der Partie. Hier wird am 19. September ein Forschungsprojekt der Fachhochschule Dortmund im Mittelpunkt stehen. 15 Studierende forschten in der zweitgrößten Stadt Bulgariens, Plovdiv, und gingen den Ursachen von Diskriminierung und Armut im Roma-Stadtteil Stolipinovo auf den Grund.

Außerdem stellen Jugendliche sowohl aus Plovdiv als auch aus Dortmund unter dem Titel „Geschichten einer Jugendbewegung“ ihr transnationales Radioprojekt „Radio Plovmund“ multimedial im DKH vor. Weitere Veranstaltungen werden im Literaturhaus Dortmund, im Schauspiel, im domicil und in der Auslandsgesellschaft stattfinden. Insgesamt haben über 30 PartnerInnen am reichhaltigen Programm mitgewirkt. Veranstalter sind die Stadt Dortmund, das Theater im Depot, der AWO Unterbezirk Dortmund und Romano Than e.V. und Carmen e.V..

Gitarrenvirtuose Rafael Cortés tritt beim Flamenco Abend im domicil auf

Rafael Cortés Foto: Christoph Giese

Schirmherrin des Festivals in diesem Jahr ist Julia Wissert, die Ende 2020 die Intendanz des Schauspiels Dortmund übernimmt. „Das Djelem Djelem Festival ist eine Einladung, eigene Bilder und Erzählungen von Roma und Sinti, über Roma und Sinti zu entdecken.

Es eröffnet einen Raum, der ein Bewusstsein über die Geschichte, Kunst und Kultur der Roma und Sinti in Deutschland schafft. Djelem Djelem ist Selbstermächtigung, Sichtbarkeit und Widerstand“, so Wissert. Der Titel „Djelem Djelem“ bezieht sich auf die internationale Hymne der Roma. 

Für die BesucherInnen sind alle Veranstaltungen im Rahmen des Festivals kostenfrei. Lediglich bei der Abschlussveranstaltung am Abend des 20. September im domicil-Club, wo ein Flamenco Abend mit dem spanischen Gitarrenvirtuosen Rafael Cortés auf dem Programm steht, wird ein Eintrittsgeld in Höhe von 20 Euro fällig. Eine Übersicht über alle Festivalveranstaltungen mit allen nötigen Informationen bietet der im Anhang des Artikels zur Verfügung gestellte Programmflyer.

Weitere Informationen:

Über die Jahre hat sich das Kulturfestival mit seiner Vielfalt und seinem Umfang zu einem der bedeutendsten Roma-Festivals in Deutschland und darüber hinaus entwickelt. 2015 erhielt „Djelem Djelem“ den Integrationspreis der Stadt Dortmund. 2017 war das Festival Preisträger des Bundeswettbewerbs „Aktiv für Toleranz und Demokratie“ des Bündnisses für Demokratie und Toleranz.

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Ein Gedanke zu “Beim „Djelem, Djelem“- Festival präsentiert die Roma-Gemeinde ein sichtbares Zeichen ihrer Kultur in der Nordstadt

  1. Stadt Dortmund (Pressemitteilung)

    Roma-Kulturfestival „Djelem, Djelem“ startet mit Familienfest auf dem Nordmarkt

    Mit einem großen Familienfest auf dem Nordmarkt startet am Donnerstag, 12. September das Roma-Kulturfestival „Djelem Djelem“. Zwischen 14 und 18 Uhr läuft dem Nordmarkt ein abwechslungsreiches Bühnenprogramm mit vielen Spielen und Angeboten für Kinder. Die Begrüßung um 14 Uhr übernehmen Bürgermeisterin Birgit Jörder, Kulturdezernent Jörg Stüdemann und Gerda Kieninger, Vorsitzende der AWO Dortmund – und überlassen die Bühne dann Roma-Künstlerinnen und -Künstlern. Nach einem Auftritt der Tanzgruppe Romano Than folgen bis 17 Uhr Lucan & Eduard, die Denny Lager Band mit Balkan-Musik und der DJ und Musiker Deno Records.

    Außerdem präsentiert sich am Nachmittag das „Projekt Fassade“ von Interkultur Ruhr und der Stadt Dortmund: Anwohnerinnen und Anwohner des Nordmarktes haben in einer neu gegründeten Werkstatt Entwürfe für eine Hausfassade entwickelt und an der Schleswiger Straße 31 nun realisiert. Inspiriert wurde die Gestaltung von den fantastischen Bauformen, die Roma-Familien seit vielen Jahren in Dörfern und Straßenzügen Rumäniens realisieren. Während des Familienfests am Donnerstag werden mehrere Spaziergänge dorthin angeboten. Um 15 Uhr gibt es in der Werkstatt an der Mallinckrodtstraße 57 eine Ausstellung und Gespräche mit den Künstlerinnen und Künstlern, Förderern und Beteiligten. Ab 18.30 Uhr feiern alle Akteure gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern in der Werkstatt bei DJ-Musik und Leckereien vom Grill. Der Eintritt ist frei.

    Das Festival „Djelem Djelem“ läuft vom 12. bis 20. September in ganz Dortmund. In vielen Veranstaltungen vom Konzert über Theater und Filmen bis zu Ausstellungen und Diskussionen geht es darum, den Reichtum der Roma-Kulturen kennenlernen und ein Zeichen gegen die Stigmatisierung der Roma zu setzen. Veranstalter sind Stadt Dortmund, Theater im Depot, AWO Unterbezirk Dortmund und Romano Than e.V. und Carmen e.V. Schirmherrin ist die künftige Schauspiel-Intendantin Julia Wissert.

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