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Begegnung und Austausch mit Fremden: Lee Mingwei ist MO-Kunstpreisträger 2021 – Ausstellung folgt im November

Der aus Taiwan stammende Künstler Lee Mingwei ist MO-Kunstpreisträger 2021. Seine Werke zeichnen sich durch Partizipation aus, es geht um Begegnungen, das Kennenlernen und den Austausch mit fremden Personen. Foto: Barbara Donaubauer

Der 8. MO-Kunstpreis geht in diesem Jahr an Lee Mingwei. Seit 2014 verleihen die „Freunde des Museums Ostwall e.V.“ jährlich den MO Kunstpreis „Dada, Fluxus und die Folgen“ an Künstler*innen, die in der Tradition von Dada und Fluxus arbeiten. Die Jury, bestehend aus Künstler*innen, Museumsfachleuten und Vertreter*innen der Freunde des MO, hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht: In einer dreieinhalbstündigen Sitzung wählte sie aus insgesamt acht Nominierungen den aus Taiwan stammenden Künstler Lee Mingwei aus.

Die Kunst von Lee Mingwei zeichnet sich durch Partizipation aus

„Guernica in Sand“, 2006/2015, Installation view at “Lee Mingwei and His Relations” Taipei Fine Arts Museum, Taiwan, 2015, Photo courtesy of Taipei Fine Arts Museum

Lee Mingwei, Jahrgang 1964, absolvierte zunächst ein Studium der Bildhauerei an der Yale University, entwickelte jedoch schnell ein Interesse für prozessorientiertes Arbeiten. Sein Werk zeichnet sich heute vorwiegend durch partizipatorische Projekte aus, bei denen Fremde einander begegnen und in Austausch treten.

Lee Mingwei schafft intime Situationen, die es ermöglichen, sich selbst oder sein Gegenüber kennenzulernen und zu erforschen. So entwickelte er beispielsweise während seines Studiums das „Dining Project“: Weil er als Studienanfänger niemanden auf dem Campus kannte, lud er mithilfe von Plakataushängen Interessierte zu „gemeinsamen Mahlzeiten und reflektierten Gesprächen“ ein.

Studierende und Professor*innen, aber auch Wohnungslose oder Mitarbeiter*innen des Facility Managements besuchten den Künstler und wurden von ihm bekocht. Das gemeinsame Essen zweier einander fremder Menschen schuf einen Raum für Gespräche und Annäherung an den jeweils anderen. Heute realisiert Mingwei Aktionen wie diese in Museen und lädt Besucher*innen zur Teilnahme ein.

Die Verbindung von Kunst und Leben auf sehr intime, persönliche Weise

Dr. Nicole Grothe, Leiterin der Sammlung des Museums Ostwall im Dortmunder U.

Dr. Nicole Grothe, Leiterin der Sammlung
des Museums Ostwall im Dortmunder U. Archivfoto: Leopold Achilles

Lee Mingwei lebt und arbeitet heute in Paris und New York City. Er war in den letzten Jahren mit Einzelausstellungen u.a. im Metropolitan Museum of Art in New York und im Centre Pompidou vertreten. Seine aktuelle Ausstellung „Lee Mingwei: Li, Gifts and Rituals“ ist noch bis 12. September 2021 im Museum Villa Stuck in München zu sehen.

„Wir freuen uns sehr, dass Lee Mingwei den MO-Kunstpreis 2021 erhält“, sagt Nicole Grothe, Leiterin der Sammlung des Museums Ostwall im Dortmunder U. „Seine Aktionen gehen von alltäglichen Situationen aus und stellen den persönlichen Kontakt zwischen den Teilnehmenden, aber auch zwischen Künstler und Publikum ins Zentrum. Sie verbinden Kunst und Leben auf eine sehr intime, persönliche Weise“.

Die Teilnehmenden würden das Werk mit ihren persönlichen Beiträgen prägen und würden so zu aktiven Akteur*innen im künstlerischen Prozess. Buddhistische Tradition und das Interesse an Ritualen wie gemeinsamen Mahlzeiten verbänden sein Werk mit Arbeiten von Künstler*innen des Fluxus in der Sammlung des Museum Ostwall.

Preisverleihung und Eröffnung der Ausstellung sind für November geplant

„Erneut ist es gelungen, einen neuen Künstler und somit einen neuen Blick ins Museum Ostwall zu bekommen. Im Mittelpunkt des künstlerischen Ansatzes von Lee Mingwei stehen Rituale des Schenkens und Beschenktwerdens und genau dies ist jetzt eingetreten“, so Benjamin Sieber, Vorsitzender der „Freunde des Museums Ostwall“.

Der U-Turm ist prägend für das Stadtumbaugebiet Rheinische Straße.

Im Dortmunder U ist das Museum Ostwall beheimatet. Archivfoto: Klaus Hartmann

Hinzu komme, dass in den aktuell schwierigen Zeiten das Thema der Partizipation vor Ort mehr als erschwert sei, doch genau dieser künstlerische Aspekt von Performances und Installationen sowie Kunst als transformatives Geschenk und Begegnung würden mit dem Ankaufspreis dieses Jahr hervorgehoben. 

„Wir sind mehr als gespannt auf die Umsetzung der Schaufensterausstellung von Lee Mingwei und den damit einhergehenden gemeinsamen Erfahrungsraum für Künstler, Besucher und Museum.“

Mit dem-MO Kunstpreis ist der Ankauf eines Kunstwerks für die Sammlung des Museums Ostwall verbunden, das in einer begleitenden Ausstellung ab dem 9. November 2021 präsentiert wird. Der Preis in Höhe von 20.000 Euro wird zu gleichen Teilen von den Kulturbetrieben und den Freunden des Museums Ostwall gestiftet.

Die Preisübergabe und Eröffnung der Ausstellung im MO Schaufenster ist für Anfang November 2021 um 11.30 Uhr im Museum Ostwall im Dortmunder U vorgesehen.

 

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