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ANIME fantastisch – Dortmunder schauraum: comic + cartoon erzählt Geschichte des japanischen Zeichentrickfilms 

Kurator Dr. Alexander Braun vor einem „Biene Maja“-Motiv. Die Ausstellung „ANIME fantastisch“ ist noch bis Ende Oktober zu sehen. Zum ersten Mal wird die Ausstellung durch digitales Infomaterial ergänzt. Foto: Torsten Tullius

„ANIME fantastisch“: Unter diesem Titel ist die dritte Ausstellung im schauraum: comic + cartoon gestartet – einem Ort, der sich ausschließlich der Präsentation des Mediums Comic verschrieben hat. Noch bis zum 25. Oktober erzählt die aktuelle Ausstellung die Geschichte des japanischen Zeichentrickfilms und seiner Rezeption in Deutschland. Zu sehen sind rund 100 Originalzeichnungen und viele weitere Objekte. 

Von „Biene Maja“ bis Sailor Moon“ – die größten Anime-Held*innen der letzten 50 Jahre

Der schauraum comic + cartoon auf dem Max-von-der-Grün-Platz. Foto: Katrin Pinetzki

Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Alexander Braun (German Academy of Comic Art). Von „Biene Maja“ und „Heidi“ bis „Sailor Moon“, „Dragon Ball“ und „Pokémon“: „ANIME fantastisch“ präsentiert die größten Anime-Helden der vergangenen 50 Jahre und feiert eine Kunstform, die neben unbändiger Kreativität auch die Tugend disziplinierter Handwerkerschaft verkörpert.  ___STEADY_PAYWALL___

Vor der Digitalisierung bestand zum Beispiel eine 25-minütige „Heidi“-Folge aus ca. 8.000 Bleistiftzeichnungen, weiteren 8.000 von Hand farbig bemalten Folien sowie hunderten von gemalten Hintergründen. Im Jahr 1977 erlebte der Anime, der japanische Zeichentrickfilm, in Deutschland seine erste Blüte: Kimba, der weiße Löwe, Pinocchio, aber vor allem „Die Biene Maja“ und Heidi flimmerten alle in diesem Jahr über die Bildschirme und versammelten regelmäßig 3 bis 4 Millionen junge und alte Zuschauer*innen vor den Geräten.

1971 sah das noch ganz anders aus, als die ARD sich traute, den „Anime Speed Racer“ ins Programm zu nehmen. Acht Folgen hatte man angekauft, nur drei wurden gesendet. Zu heftig war der Sturm der Entrüstung von Eltern, Pädagogen und der Presse, der über den Verantwortlichen hereinbrach. 

Schwieriger Start für die Animes in Deutschland Anfang der 70er Jahre

Von „Skandal“, „Verrohung“ und „Totschlägergesinnung“ war da die Rede, und selbst das Magazin „Der Spiegel“ reihte sich ein in die Sorge um die deutsche Jugend. Kinderfernsehen durfte (noch) nicht schnell und actionreich sein. Die toten Gegner, die von Explosionen hingerafft wurden, wurden nicht als Stilmittel gelesen, sondern einzeln gezählt und betrauert.

Die Lehre, die das ZDF daraus für seinen Anime-Boom ab Mitte der 1970er-Jahre zog, lautete, dass ein Anime sich am besten nicht als Anime zu erkennen geben durfte. So koproduzierten die Mainzer fleißig mit und setzten für die Entwürfe der Charaktere amerikanische Disney-Zeichner durch: ein erstes Joint Venture globaler Bild-Erfindung, das die Erwartungen des Westens mit der Ästhetik des Fernen Ostens an einem Tisch zusammenführte.

Auch wenn es kaum jemand in Deutschland bemerkte, waren hier bereits die Großmeister des japanischen Zeichentrickfilms am Werke. Der Anime „Kimba, der weiße Löwe“ stammte bereits aus den 1960er-Jahren und wurde von Osamu Tezuka (1928–1989), dem „Gott des Manga“, im eigenen Studio auf Basis seines Comics aus den 1950er-Jahren produziert.

Der Durchbruch hierzulande kam mit dem Privatfernsehen in den 90ern

Und an „Heidi“ arbeiteten bereits Isao Takahata (1935–2018) und Hayao Miyazaki (geb. 1941) Hand in Hand zusammen, die zehn Jahre später das legendäre Studio Ghibli gründen sollten, das in Sachen Kreativität die Zeichentrickwelt jenseits von Disney ganz neue Maßstäbe lehrte („Mein Nachbar Totoro“, „Prinzessin Mononoke“, „Chihiros Reise ins Zauberland“ etc.).

Der Durchbruch der wahren Anime-Ästhetik, die die Jugendkulturen Japans tatsächlich zum ersten Mal mit der westlichen Welt vereinte, ereignete sich während der 1990er-Jahre, als sich in Deutschland das Privatfernsehen durchzusetzen begann. Eine neue Generation wuchs auf mit Mila Superstar, Sailor Moon, Dragon Ball und Pokémon: laut, bunt, schnell, aber vor allem zugeschnitten auf individuelle Interessen. Es gab eigene Animes für jeden Geschmack, zu Schule, Sport, Romantik, Fantasy, Action, Science Fiction, Roboter und Erotik.

Und wenn die Pädagog*innen glaubten, sie hätten die Kinder des Millenniums nun endgültig an die Bildschirme verloren, dann irrten sie sich. Die jugendliche Subkultur organisierte sich selbst und selbstbewusst, veranstaltete Fan-Treffen und setzte sich an die Nähmaschine, um in selbstgefertigten Cosplay-Kostümen ihre Helden zu feiern.

Zum ersten Mal ergänzen„Beacons“  die Ausstellung digital

Thomas Steffen vom Sponsor DSW21 probiert mit seinem Smartphone die „Beacons“ aus. Foto: Katrin Pinetzki

Erst die zunehmende Digitalisierung in den frühen 2000er-Jahren löste die traditionelle Technik des Zeichnens auf Folien nach fast 100 Jahren erfolgreicher Animationsgeschichte ab. So feiert die Ausstellung auch eine Kunstform, die neben unbändiger Kreativität – alles wird real, was gezeichnet werden kann – auch die Tugend disziplinierter Handwerkerschaft verkörpert. 

Dank des neuen schauraum-Sponsors DSW21 gibt es erstmals eine Erweiterung ins Digitale. Mit Hilfe kleiner Ultraschallsender an einzelnen Werken und einer App auf dem Handy (Comic.DO) können sich die Besucherinnen und Besucher unkompliziert zusätzliche Texte und Videos auf den Bildschirm holen.

Zur Ausstellung erscheint ein rund 200-seitiger Katalog zum Preis von 25 Euro. Es besteht zudem die Möglichkeit den Katalog über die Münchener Verlagsgruppe GmbH zum Preis von 29,99 Euro zu bestellen.

 

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Weitere Informationen:

ANIME fantastisch
bis zum  25. Oktober 2020

schauraum: comic + cartoon
Max-von-der-Grün-Platz 7
44137 Dortmund

www.schauraum.dortmund.de

Öffnungszeiten
Dienstag, Mittwoch 11:00 – 18:00 Uhr

Donnerstag, Freitag 11:00 – 20:00 Uhr
Samstag, Sonntag 11:00 – 18:00 Uhr
Montag geschlossen 

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2 Gedanken über “ANIME fantastisch – Dortmunder schauraum: comic + cartoon erzählt Geschichte des japanischen Zeichentrickfilms 

  1. Ein Trip in die Stadt der Zukunft: Dortmund-Manga gratis im Comic-Schauraum erhältlich (PM) Beitrags Autor

    Ein Trip in die Stadt der Zukunft: Dortmund-Manga gratis im Comic-Schauraum erhältlich

    Einen absoluten Leckerbissen für Fans japanischer Comics gibt es ab sofort und exklusiv im schauraum: comic + cartoon: „Dortmund Dungon Trip“ ist ein Manga zum Mitnehmen. Erzählt wird die Geschichte von Anna und Lan im Dortmund der Zukunft. Das 66-seitige Buch kann jederzeit während der regulären Öffnungszeiten am Max-von-der-Grün-Platz 7 (gegenüber dem Hauptbahnhof) abgeholt werden. Im schauraum ist auch ein kurzer Film zur Entstehung des Mangas zu sehen.

    Der Manga „Dortmund Dungon Trip“ entstand im Auftrag von DSW21, dem Sponsor des schauraum, und erscheint im Carlsen Verlag. Story und Zeichnungen stammen von Alexandra Völker, Manga-Künstlerin aus Hamm. Ein zweiter Teil ist in Planung.

    Der Manga kann außerdem als digitale Publikation heruntergeladen werden:

    https://www.einundzwanzig.de/epub/bibi/?book=Dortmund-Trip.epub

    Im schauraum: comic + cartoon läuft derzeit die Ausstellung „Anime fantastisch“, die die Geschichte japanischer Zeichentrickfilme in Deutschland nachzeichnet – von Biene Maja, Wickie und Heidi bis heute.

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