
Die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund lud zu ihrem traditionellen Jahresempfang ein. Rund 600 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft folgten der Einladung in den IHK-Innenhof. Für den neuen IHK-Präsidenten Roland Klein war es der erste Jahresempfang in diesem Amt.
Allzeithoch bei den Beschäftigten, aber Handlungsbedarf beim Tempo
Klein wurde im März dieses Jahres zum IHK-Präsidenten gewählt. Seine Rede eröffnete er mit einem Blick auf jüngste Landtagswahlen, bei denen die AfD beinahe die absolute Mehrheit erzielte. „Als IHK sind wir parteipolitisch neutral, was manchmal ein wenig schade ist“, rief Klein seinen Gästen zu. Doch: „Es gibt keine Alternative zu Demokratie und zur sozialen Marktwirtschaft.“

Im Mittelpunkt seiner Rede stand das Motto „Aufbruch“. Unternehmen kämpften mit Bürokratie, hohen Energiekosten, Fachkräftemangel und einer unberechenbaren Weltlage. Wer investieren wolle, brauche verlässliche politische Rahmenbedingungen. Klein mahnte gleichzeitig die Bundesregierung, den Reformkurs trotz innenpolitischer Turbulenzen weiterzuführen. ___STEADY_PAYWALL___
Trotzdem sei die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna auf 465.000 und damit auf ein Allzeithoch gestiegen. 2020 seien es knapp 440.000, vor zehn Jahren gut 390.000 gewesen. Neue Stellen seien vor allem in der Informations- und Kommunikationstechnologie, der Gesundheitswirtschaft und der Logistik entstanden.
„Wir müssen optimistischer sein“, sagte Klein. „Aufbruch beginnt, wenn Menschen trotz schwieriger Rahmenbedingungen investieren, wenn sie neue Ideen verfolgen und wenn sie Verantwortung übernehmen.“ Als Belege nannte er konkrete Investitionsprojekte in der Region, darunter den Continentale Campus auf der Stadtkrone Ost, das neue Dachser-Logistikzentrum in Unna und die Erweiterung des Eco Ports in Holzwickede.
Rechenzentrum-Campus und Dank an Ehrenpräsident Dustmann
Als besonderes Symbol für den Aufbruch bezeichnete Klein den geplanten Rechenzentrum-Campus im Industriegebiet Westfalen an der Grenze von Hamm und Lippetal. Blackstone und der Rechenzentrumsspezialist QTS planen dort gemeinsam mit Amprion eines der größten IT-Infrastrukturprojekte Deutschlands: rund 27 Hektar, 200 Megawatt Rechenleistung, bis zu vier Milliarden Euro Investition.

„Das wäre ein Projekt von nationaler Bedeutung“, sagte Klein. Daten seien der neue Treibstoff der Wirtschaft. Die Region starte dabei nicht bei null: Sie verfüge über Energieinfrastruktur, Hochschulen und funktionierende Netzwerke. Was fehle, seien Tempo und Klarheit. Als positives Signal wertete er das für den 1. Januar 2027 angekündigte Entlastungspaket des Landes NRW, das Berichts- und Dokumentationspflichten reduzieren soll.
Ein besonderer Moment der Veranstaltung war der Dank an Ehrenpräsident Heinz-Herbert Dustmann, der die IHK von 2016 bis März 2026 zehn Jahre lang geführt hatte.
Dustmann blickte auf Höhe- und Tiefpunkte seiner Präsidentschaft zurück. „Corona wäre eigentlich als Lowlight zu nennen, wir haben es aber zum Highlight gemacht, wir haben viel geleistet.“ Und wirkte auch etwas wehmütig: „Nach zehn Jahren loszulassen, ist eben nicht so einfach.“
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Reaktionen
Prof. Michael Hüther zu Gast in der IHK-Vollversammlung: Das Parlament der Wirtschaft diskutiert mit dem Spitzenökonom über notwendige wirtschaftliche Perspektiven für Deutschland (PM)
In der gestrigen Herbstsitzung der Vollversammlung (VV) der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Dortmund konnten IHK-Präsident Roland Klein und IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber den Top-Ökonomen Prof. Dr. Michael Hüther als Gastredner begrüßen. Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln widmete sich in seinem spannenden Vortrag dem Thema „Zwischen Transformation und Stagnation: Welche Weichen jetzt zu stellen sind”.
Im Mittelpunkt seiner Ausführungen und in der anschließenden Diskussionsrunde mit den VV-Mitgliedern stand die Frage, wie Deutschland den wirtschaftlichen Wandel bewältigen und zugleich wieder an Dynamik gewinnen kann. Das Thema ist für die Unternehmen in Dortmund, Hamm und im Kreis Unna von großer Bedeutung: Sie benötigen verlässliche Perspektiven, um Investitionen zu planen, Arbeitsplätze zu sichern und neue Geschäftsfelder zu erschließen.
Prof. Hüthers Vortrag hätte wirtschaftspolitisch kaum aktueller sein können. Nach den jüngsten Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin prägen schwierige Mehrheitsverhältnisse und die Suche nach tragfähigen Regierungsbündnissen die politische Debatte. Damit rückt die Frage nach politischer Handlungsfähigkeit und verlässlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wieder stark in den Fokus. Gleichzeitig geben die aktuellen Konjunkturprognosen Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Mehrere Wirtschaftsforschungsinstitute haben ihre Wachstumserwartungen angehoben.
Die IHK zu Dortmund begrüßt in den Sitzungen ihrer Vollversammlung regelmäßig renommierte Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft.