
Trotz einer angespannten wirtschaftlichen Lage, gibt es aus Sicht der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dortmund Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Der neue IHK-Präsident Roland Klein erläuterte beim diesjährigen sommerlichen Pressegespräch gemeinsam mit Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber die aktuellen Herausforderungen für die regionale Wirtschaft. Dabei standen die Konjunkturentwicklung, der Zustand der Verkehrsinfrastruktur, der Abbau von Bürokratie sowie die Sicherung von Fachkräften und Gewerbeflächen im Mittelpunkt.
Neuer Präsident will auf pragmatische Zusammenarbeit setzen
Zum Auftakt würdigte Klein seinen Vorgänger Heinz-Herbert Dustmann. Dieser habe die Kammer zehn Jahre lang geprägt und die regionale Wirtschaft durch Krisen wie die Corona-Pandemie und die Energiekrise geführt habe. An diese Leistung wolle er anknüpfen um zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes beizutragen.

Pauschale Kritik an der Bundes- oder Landesregierung sowie an ehrenamtlichen Kommunalpolitiker:innen sei wenig zielführend, so Klein. Als „pragmatischer Realist” wolle er Fehlentwicklungen benennen, dabei aber auch positive Entscheidungen anerkennen. Das Infrastrukturgesetz des Bundes sowie die angekündigten Maßnahmen zum Bürokratieabbau in Nordrhein-Westfalen würden etwa „Mut machen und zuversichtlich stimmen”.
Die im Bundesrat gescheiterte 1.000-Euro-Prämie für Beschäftigte sah er dagegen deutlich kritischer. Viele Unternehmen hätten sich eine solche Zahlung nicht leisten können. Politische Maßnahmen müssten stärker an den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Betriebe ausgerichtet werden.
Bundesweite Umfrage: Die Krisen wirken sich auf die Konjunktur aus
Nach Einschätzung Kleins habe sich die Stimmung in den Unternehmen gegenüber dem Jahresbeginn wieder verschlechtert. Verantwortlich dafür seien vor allem die Spannungen im Nahen Osten. So hätten der US-Einsatz gegen den Iran und die steigenden Öl- und Treibstoffpreise die Unsicherheit zusätzlich verstärkt.
Die Ergebnisse einer bundesweiten IHK-Konjunkturumfrage unter rund 23.000 Unternehmen zeichnen ebenfalls ein verhaltenes Bild. So bewerteten nur 23 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut, während 26 Prozent von einer schlechten Lage sprechen. Das beträfe auch die Zukunft: Ein Drittel der Unternehmen rechnet mit einer Verschlechterung der Geschäfte, lediglich 13 Prozent erwarten eine Verbesserung.
Die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise würden von rund 70 Prozent der befragten Unternehmen als große Herausforderung bewertet. Das wirkt sich auch auf den Außenhandel aus. Fast jedes dritte Unternehmen rechnet mit sinkenden Exporten. Gleichzeitig planen deutlich mehr Betriebe einen Personalabbau als Neueinstellungen.
Geplante Bauprojekte: Verkehrsinfrastruktur soll zum Standortvorteil werden
Ein zentrales Thema für die IHK bleibt auch die Verkehrsinfrastruktur. So würden marode Straßen und langwierige Baustellen die wirtschaftliche Entwicklung der Region bremsen. Das verabschiedete Infrastrukturgesetz des Bundes und die geplanten Investitionen aus dem Sondervermögen seien laut Klein daher ein Schritt in die richtige Richtung.
Für die Region seien vor allem die laufenden Bauprojekte an der A1, A40, A44 und B1 wichtig. Verzögerungen würden Unternehmen jedes Jahr erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen. Die IHK beziffert diese auf 50 bis 100 Millionen Euro. Um die Projekte wie vorgesehen bis 2029 abzuschließen, müssen die Planungs- und Genehmigungsverfahren daher deutlich beschleunigt werden.
Lösungen gefordert: Weniger Bürokratie und mehr Flächen für Unternehmen
Auch beim Bürokratieabbau beste laut IHK noch erheblicher Handlungsbedarf. Die angekündigten Entlastungen des Landes Nordrhein-Westfalen bewertet Klein positiv. „Im Mittelpunkt steht ein klarer Kurswechsel: mehr Vertrauen, weniger Kontrolle, schnellere Verfahren und mehr Freiraum für pragmatische Lösungen“, erklärte er.

Als Beispiel nannte Klein den Herkunftsnachweis für Holz. „Bei Dachlatten aus Fichte müssen wir nachweisen, wo der Baum herkommt“, betonte er. Für Tropenhölzer sei eine solche Dokumentation nachvollziehbar, bei heimischen Holzarten gehe die Regelung jedoch zu weit.
Hauptgeschäftsführer Schreiber lenkte den Blick daneben auf die Entwicklung der Gewerbe- und Industrieflächen. Derzeit stünden im Kammerbezirk nur noch 468 Hektar restriktionsfrei zur Verfügung. Bliebe die Nachfrage gleich, reiche dieses Angebot nur noch etwa zwei Jahre. „Wer Flächenentwicklung verzögert, riskiert damit Arbeitsplätze, Ausbildung, Wertschöpfung und Investitionen“, betonte er.
Ausbildungszahlen steigen aber neue Unsicherheiten bleiben
Zum Positiven entwickelte sich dagegen der Ausbildungsmarkt. So wurden im ersten Halbjahr im Kammerbezirk rund 2.300 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das entspricht einem Anstieg von 14,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Dortmund wurden 1.301 neue Ausbildungsverhältnisse registriert, ein Plus von 10,7 Prozent.

Schreiber führt diese Entwicklung unter anderem auf eine intensivere Ansprache junger Menschen sowie auf das stärkere Engagement der Ausbildungsbetriebe zurück. So habe die IHK etwa mit der Roadshow „POP-UP Aus- und Weiterbildung: starte deine Zukunft jetzt“ Schüler:innen, Eltern sowie Unternehmen direkt vor Ort zusammengebracht und für die Ausbildung geworben.
Ob sich dieser Trend fortsetzt, ist jedoch alles andere als gewiss. Aufgrund der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium wird es künftig weniger Abiturient:innen geben. Gleichzeitig beobachtet Schreiber eine neue Form der Unsicherheit bei vielen Jugendlichen. Mit Blick auf die Fortschritte der Künstlichen Intelligenz (KI) fragten sich immer mehr junge Menschen: „Ist mein Job langfristig eigentlich sicher?”
IHK erarbeitet Vorsorgeplan: Unternehmen sollen widerstandsfähiger werden
Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre befasst sich die IHK nun verstärkt mit Krisenvorsorge. Unternehmen sollten sich für die Zukunft auf außergewöhnliche Ereignisse vorbereiten, betont Schreiber. Dazu zählen Kriege, Cyberangriffe, Naturkatastrophen und längere Stromausfälle.
Die IHK will die Unternehmen dabei mit Schulungen und Beratungsangeboten unterstützen. Der entsprechende Vorsorgeplan umfassen unter anderem Fragen der Energieversorgung, der Kommunikation, der IT-Sicherheit und der Stabilität von Lieferketten.
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