Kinder- und Jugendtheater Dortmund zieht Bilanz seiner Inklusionsarbeit „Neue Wege“

Audiodeskription, Gebärdensprache und Einfache Sprache im Programm

KJT-Stück: Das Gewicht der Ameisen
Mit „Das Gewicht der Ameisen“ setzte das KJT erstmals eine künstlerisch integrierte Audiodeskription um. Foto: Birgit Hupfeld

Mit dem Ende der Förderung „Neue Wege“ zieht das Kinder- und Jugendtheater (KJT) Dortmund Bilanz seiner Inklusionsarbeit. In den vergangenen Jahren entstanden Audiodeskriptionen, Angebote in Gebärden- und Einfacher Sprache sowie bauliche Verbesserungen. Viele davon bleiben fester Teil des Spielbetriebs.

Neue Zugänge zum Theater

Ein Schwerpunkt lag auf barrierefreien Theaterangeboten. Für blinde und sehbehinderte Menschen entstanden Audiodeskriptionen, Audioeinführungen und Tastführungen. Mit „Das Gewicht der Ameisen“ setzte das Theater erstmals eine künstlerisch integrierte Audiodeskription um.

Diese Produktion wurde beim Westwind-Festival, dem Theatertreffen für junges Publikum in NRW, mit dem Publikumspreis und dem Preis der Fachjury ausgezeichnet. Die Jury hob hervor, dass die Audiodeskription nicht als Zusatz, sondern als Teil der Inszenierung erscheine.

Für taube und stark schwerhörige Menschen wurden Familienstücke wie „Dornröschen“ und „Die Schneekönigin“ in Deutscher Gebärdensprache gezeigt. Für Menschen mit Lernschwierigkeiten oder geringen Deutschkenntnissen kamen Zusammenfassungen in Einfacher Sprache und Workshops hinzu.

Mitbestimmung sowie künstlerische Vielfalt

Inklusion bedeutet am KJT nach eigenen Angaben nicht nur Zugang, sondern auch Mitgestaltung. Im „Jungen Theater Rat“ bringen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ihre Perspektiven ein, auch bei der Planung der neuen Jungen Bühne Dortmund.

Ein Bühnebild beim KJT. Angelika Steger | Nordstadtblogger

Zudem baute das Theater die Zusammenarbeit mit sogenannten mixed-abled Ensembles aus, in denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam spielen. In der Gastspielreihe „MIX IT!“ waren in den vergangenen Spielzeiten neun inklusive Ensembles zu Gast.

Produktionen wie „Time to Shine“ oder die Zusammenarbeit mit dem Theater Thikwa und dem POUR Ensemble brachten weitere künstlerische Ansätze auf die Bühne.

Barrierefreiheit als dauerhafte Aufgabe

Auch räumlich veränderte sich einiges. Neue Beschilderungen, ein Blindenleitsystem, ein optisches Einlasssignal, Technik für Audiodeskription und Orientierungsvideos sollen den Theaterbesuch erleichtern.

Die Erfahrungen fließen in die Planung des künftigen Jungen Theaters Dortmund ein, damit Barrierefreiheit dort von Beginn an mitgedacht wird. Ergänzt wurde die Arbeit durch Sensibilisierungsangebote für Beschäftigte.

„Inklusion macht Theater nicht kleiner, sondern größer“, erklärt Intendant Andreas Gruhn. Barrierefreiheit und Teilhabe bereicherten nicht nur das Publikum, sondern auch die künstlerische Arbeit. Das Theater versteht die Inklusion daher als dauerhafte Aufgabe.


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