Anschlag in Berlin führt zu einer Überprüfung der Sicherheitsmaßnahmen beim CSD in Dortmund

Stadtdirektor Christian Uhr äußert Mitgefühl mit den Betroffenen

CSD Dortmund 2022.
Der CSD ist eine jährlich stattfindende Demonstration und Feier für die Rechte, Sichtbarkeit und Akzeptanz von LGBTQIA+-Menschen. Foto: Karsten Wickern

Ein Anschlag beim Christopher Street Day in Berlin hat bundesweit Diskussionen über die Sicherheitslage bei Großveranstaltungen ausgelöst. Auch in Dortmund führt das Geschehen zu organisatorischen Konsequenzen für die anstehenden Veranstaltungen. Stadtdirektor Christian Uhr äußerte im Namen der Stadtverwaltung sein Mitgefühl mit den Betroffenen der Gewalttat. Gleichzeitig kündigten die zuständigen Stellen eine detaillierte Überprüfung und Überarbeitung der bestehenden Sicherheitspläne für die Dortmunder Community an.

Die Stadtverwaltung reagiert auf die Vorfälle in Berlin mit einer Bewertung der Sicherheitslage

Der Dortmunder Stadtdirektor Christian Uhr sprach den Angehörigen der getöteten Person sowie den Verletzten die Anteilnahme der Stadtverwaltung aus. Das Mitgefühl gelte zudem allen Augenzeug:innen und der Berliner Community.

Christian Uhr
Christian Uhr. Anja Cord

Die Ereignisse machten deutlich, wie wichtig der Schutz von öffentlichen Kundgebungen für Sichtbarkeit und Gleichberechtigung sei. In seiner Stellungnahme betonte Uhr die Bedeutung von Veranstaltungen wie dem Christopher Street Day für die Ausübung von Grundrechten in einer demokratischen Gesellschaft.

Intoleranz und Gewalt dürften keinen Einfluss auf das öffentliche Leben nehmen. Aus diesem Grund sichere die Verwaltung den Veranstalter:innen sowie allen Teilnehmenden ihre Unterstützung für die Durchführung der geplanten Versammlungen zu.

Das Bekenntnis zum Schutz der Teilnehmenden bildet laut Stadtverwaltung die Grundlage für die weiteren Schritte. Die Sicherheit stehe dabei im Zentrum der behördlichen Planungen. Ziel bleibe es, ein Umfeld zu gewährleisten, in dem Demonstrationen ohne Beeinträchtigungen stattfinden können.

Behörden und Veranstalter:innen überprüfen die Abläufe der anstehenden Großveranstaltung

Die Vorbereitungen für den CSD in Dortmund erfolgen seit Beginn der Planungen in enger Abstimmung zwischen der Stadtverwaltung, den zuständigen Behörden und den Veranstalter:innen. Angesichts der aktuellen Vorfälle wird das bisherige Sicherheitskonzept einer erneuten Prüfung unterzogen.

CSD Dortmund
CSD Dortmund 2025. Leopold Achilles | Nordstadtblogger

Bei Bedarf sollen Anpassungen an die geänderte Gefährdungsbeurteilung vorgenommen werden. Die zuständigen Stellen bewerten dazu die bestehenden Vorkehrungen, um mögliche Risikofaktoren im Vorfeld der Veranstaltung zu minimieren.

Dabei geht es vor allem um den Schutz des Veranstaltungsgeländes und die Koordination der Einsatzkräfte vor Ort. Die Abstimmungen zwischen Polizei, Ordnungsamt und den Organisator:innen werden intensiviert.

Mit diesen Maßnahmen soll die Durchführung der Veranstaltung unter den aktuellen Rahmenbedingungen abgesichert werden. Die Behörden betonen, dass eine fundierte Gefahrenanalyse die Basis für sämtliche behördliche Entscheidungen bildet. Das genaue Ausmaß der personellen und baulichen Anpassungen hängt von der abschließenden Bewertung ab.

Die Rahmenbedingungen für Demonstrationen im öffentlichen Raum stehen auf dem Prüfstand

Die Debatte über die Sicherheit bei Großveranstaltungen betrifft neben Dortmund auch zahlreiche andere Städte im Bundesgebiet. Im Fokus steht die Frage, wie die Versammlungsfreiheit und die physische Sicherheit der Bürger:innen gleichermaßen gewährleistet werden können.

Regenbogenfahnen vor dem Rathaus in Dortmund.
Regenbogenfahnen zum CSD 2025 vor dem Rathaus Dortmund Foto: Alex Völkel für Nordstadtblogger.de

Die Aufrechterhaltung des öffentlichen Schutzes erfordert kontinuierliche Anpassungen der Konzepte. Die Dortmunder Verwaltungsspitze wies darauf hin, dass die Wahrnehmung von Grundrechten im öffentlichen Raum geschützt werden müsse.

Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlung sei ein zentraler Bestandteil der Rechtsordnung. Aus diesem Grund arbeiten die Kommunen an der Durchsetzung entsprechender Sicherheitsstandards.

Die Vorbereitungen auf den kommenden CSD in Dortmund werden auf Basis der abgestimmten Maßnahmen fortgeführt. Die Stadtverwaltung und die Beamt:innen verbleiben bezüglich der weiteren Entwicklung im Austausch mit den örtlichen Initiativen. Eine finale Entscheidung über spezifische Auflagen erfolgt nach Abschluss der Prüfung.


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Reaktionen

  1. Grüne Jugend Dortmund (PM)

    Trauer um CSD-Anschlag in Berlin – Grüne Jugend Dortmund kritisiert scharf die politische Instrumentalisierung durch CDU und Junge Union (PM)

    Nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin drückt die Grüne Jugend Dortmund den Betroffenen und Hinterbliebenen ihr tiefes Mitgefühl aus.

    Die Jugendorganisation verurteilt die Versuche konservativer und rechter Akteure, die Tat für politische Spaltung zu missbrauchen, auf das Schärfste. Die Verschiebung der Debatte auf die Täter, statt den Opfern irgendwelchen Raum zu geben, ist ein immer wieder aufkommendes Problem.

    ​Der Anschlag auf den CSD in Berlin sorgt in der queeren Community bundesweit für Trauer, Wut und Bestürzung. Die Grüne Jugend Dortmund betont, dass die Tat kein abstrakter Vorfall war, sondern ein gezielter Angriff auf das Leben und die Freiheit queerer Menschen.

    ​Tim Stenzhorn, Sprecher der Grünen Jugend Dortmund, erklärt dazu: „Dieser Anschlag macht uns tief betroffen und bedrückt viele von uns ganz direkt. Als queere Person spüre ich, wie viele andere in unserer Community, den Schmerz und die Verunsicherung nach dieser Nachricht. Aber wir lassen uns nicht einschüchtern. Die Tat zeigt auf grauenhafte Weise, wohin Queerfeindlichkeit führt. Ein Angriff auf Einzelne aus unserer Community ist ein Angriff auf uns alle. Genau deshalb ist es so wichtig, dass wir laut bleiben, Raum einnehmen und auf die Straße gehen. Wir halten zusammen und wehren uns!“

    Fehlendes Benennen von Queerfeindlichkeit und politische Spaltung

    ​Neben der Trauer blickt die Grüne Jugend Dortmund mit großer Sorge auf die politische Debatte im Nachgang der Tat. Vertreter der CDU wie Friedrich Merz, Alexander Dobrindt und weitere Minister weigern sich weiterhin, klar zu benennen, dass es sich um einen gezielten Angriff auf die queere Community handelte. Stattdessen wird die Tat umgedeutet oder pauschalisiert.

    ​Die Grüne Jugend Dortmund stellt klar, dass Islamismus als menschenverachtende und tödliche Ideologie konsequent bekämpft werden muss. Abscheulich sei jedoch, wie dieser Anschlag nun genutzt wird, um rassistische Narrative zu bedienen. Während dieses Verhalten von der AfD zu erwarten war, schließen sich CDU und Junge Union nahtlos dieser Rhetorik an.

    ​Sophie Meiler, Sprecherin der Grünen Jugend Dortmund, führt aus: ​„Es ist unerträglich, wie Friedrich Merz und andere CDU-Politiker das Problem verharmlosen. Wer nicht einmal den Mut hat auszusprechen, dass dies ein gezielter queerfeindlicher Anschlag war, nimmt unsere Sorgen nicht ernst. Islamismus ist eine reale, lebensgefährliche Bedrohung, gerade auch für queere Menschen. Wer diesen Anschlag jetzt aber ausnutzt, um Stimmung gegen Migrantinnen und Migranten zu machen, betreibt Spaltung auf dem Rücken der Opfer.“

    ​Kritik an der Jungen Union Dortmund: Fehlendes Mitgefühl gießt Öl ins Feuer

    ​Scharfe Kritik übt die Grüne Jugend am Verhalten der Jungen Union in Dortmund. Anstatt Mitgefühl oder Solidarität mit den Betroffenen zu zeigen, beschränkt sich deren Reaktion ausschließlich darauf, den islamistischen Hintergrund des Täters hervorzuheben.

    ​In einer Debatte, in der viele Akteure Islam und Islamismus bewusst oder fahrlässig gleichsetzen, gießt dieser einseitige Fokus nur noch mehr Öl ins Feuer. Wer sich nur meldet, um über Islamismus zu sprechen, aber kein einziges Wort für die Opfer übrig hat, gefährdet am Ende die Sicherheit migrantischer Menschen, ohne queere Menschen auch nur ein Stück sicherer zu machen.

    ​Tim Stenzhorn, Sprecher der Grünen Jugend Dortmund, stellt klar:​„Dass die Junge Union Dortmund kein einziges Wort des Mitgefühls für die Opfer übrig hat, sondern sich nur auf den islamistischen Hintergrund versteift, ist entlarvend. Wer sich das ganze Jahr über nie für die Rechte von queeren Menschen einsetzt, sollte sich jetzt nicht als unser Beschützer aufspielen. Die JU Dortmund beteiligt sich ohne jedes Mitgefühl an einer Debatte, in der viele andere Islam und Islamismus gleichsetzen, und treibt die Stimmung weiter an. Das schafft keine Sicherheit für uns Queere, sondern befeuert nur Ausgrenzung und Stigmatisierung in unserer Stadt.“

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