
Als Einrichtung der Kinder und Jugendhilfe mit unterschiedlichen stationären, teilstationären und ambulanten Wohn- und Betreuungsformen ist der Strüverhof in Hamm ein wichtiges Angebot der Katholischen Jugendhilfe Dortmund gGmbH (KJD). Bereits im vergangenen Jahrhundert gegründet, bietet die Einrichtung bis heute jungen Menschen, die vorübergehend oder langfristig nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können, ein sicheres Zuhause.
Das Vinzenzheim kaufte den Strüverhof schon im Jahr 1926
Der Erwerb der Strüverhofs durch das Vinzenzheim erfolgte 1926, um die Versorgung des Heims mit Nahrungsmitteln zu gewährleisten. So lieferte der landwirtschaftliche Betrieb u.a. Milch für die dort lebenden Säuglinge. Zugleich diente der Hof Schwestern und Bewohnerinnen aus Dortmund zeitweise als Erholungsort.
Im Laufe der Zeit entwickelte sich darüber hinaus ein pädagogisches Angebot, das in die landwirtschaftlichen Abläufe integriert wurde. Die hofeigene Gärtnerei wurde bereits 1934 zum Ausbildungsbetrieb. So entstand ein vielfältiger pädagogisch-therapeutischer Lebensraum, der bis heute erhalten geblieben ist.

Auch eine enge Verbindung zur Nachbarschaft entwickelte sich bereits früh. Das soziale Umfeld begleitete die pädagogische Arbeit mit engagiertem Wohlwollen. Die erste Kapelle auf dem Strüverhof beispielsweise wurde durch Spenden aus der Umgebung ermöglicht. Menschen aus Hamm-Allen beteiligten sich am geistlichen Leben und nahmen selbst an Gottesdiensten auf dem Hof teil.
Heute bietet der Strüverhof als Außenstelle des Vincenzheims Dortmund auf einem weitläufigen, ländlich gelegenen Gelände stationäre und teilstationäre Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Volljährige. Es gibt eine Ausbildungsstätte mit drei Wohngruppen und einer Verselbständigungsgruppe sowie betreutes Wohnen.
Kinder- und Jugendhilfe mit Geschichte
Tiergestützte Förderung und therapeutisches Reiten gehören ebenso zu den Möglichkeiten wie erlebnispädagogische Angebote mit Bewegung, Naturerfahrung und gemeinsamem Handeln. Dass dieses besondere pädagogische Angebot mittlerweile mit einer einhundertjährigen Geschichte verbunden ist, ist bemerkenswert. Grund genug, sich gemeinsam zu erinnern und einen Blick in die Zukunft zu richten.

Zur Feier im ButterRaum auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Hansa waren zahlreiche Gäste erschienen, die in der unterschiedlichsten Weise mit dem Strüverhof verbunden sind. In verschiedenen Redebeiträgen schienen die Facetten der langjährigen Geschichte der Einrichtung auf. In der Begrüßung durch die KJD-Geschäftsführerinnen Anna Graute-Reinert und Karin Schulze-Frieling war von einer „Heimat auf Zeit“ die Rede, die für manche Kinder bis zum Erwachsenenalter als sicherer Lebensort bestehen kann.
In einem Grußwort dankte Jochen Dornseifer, 2. Bürgermeister der Stadt Hamm, den Mitarbeiter:innen der Strüverhofs für ihr wertvolles Engagement. Er hob hervor, wie wichtig es der Stadt Hamm ist, sich für junge Menschen auf ihrem Weg ins Leben einzusetzen. Ganz besonders gilt das, wenn besondere Unterstützungsangebote dafür nötig sind. Dornseifer betonte, dass sich darin alle demokratischen Parteien einig sind und mahnte: „Ich hoffe, dass wir auch in Zukunft so demokratisch aufgestellt sein werden wie jetzt.“
„Junge Menschen, die in die Jugendhilfe kommen, sind nicht das Problem“
In der Festrede sprach der Landtagsabgeordnete Justus Moor, selbst studierter Pädagoge mit eigenen Berufserfahrungen in der Arbeit mit benachteiligten Kindern und Jugendlichen, von der besonderen Bedeutung der pädagogisch-therapeutischen Unterstützung hilfsbedürftiger Heranwachsender. Seit langem schon engagiert mit dem Vincenzheim verbunden ist es dem Landtagsabgeordneten ein zentrales politisches Anliegen, derlei Angebote zu fördern und zu stärken.

Dazu, so Moor, braucht es ein gesellschaftliches Verständnis für soziale Notlagen und deren Folgen. Dieses Verständnis droht durch der Populismus rechter Politiker:innen verloren zu gehen. „Jedem sollte bewusst sein, mit welchem Feuer da gespielt wird. Junge Menschen, die in die Jugendhilfe kommen, sind nicht das Problem. Sie tragen das Problem, das ihnen die Erwachsenen aufgeladen haben.“
Eine Herausforderung ergibt sich auch, weil zunehmend gewinnorientierte Investoren zu Anbietern im pädagogisch-therapeutischen Bereich werden. Dann, so Moor, geht es nur noch um Renditen. Aber jeder Euro, der von den Investoren als Gewinn abgeschöpft wird, fehlt am Ende den Kindern und Jugendlichen. Es kommt also darauf an, gemeinnützige Angebote wie den Strüverhof mit allen Mitteln zu stärken. „Kinder sind wirklich unsere Zukunft“, sagte Justus Moor zum Ende seiner Rede. „Benehmen wir uns also wie gute Eltern!“
2026 soll es wieder eine Projektzeit mit dem Kinderzirkus Pompitz geben
Hans-Josef Langesberg, ehemaliger Geschäftsführer der KJD, berichtete anschließend von seinen vielfältigen Erfahrungen. Wie einfallsreich Wege zu finden waren, um Ideen für die Entwicklung des Strüverhofs umsetzen zu können, wie Kontakte geknüpft und entscheidende Gespräche geführt wurden, gehörte zum Portfolio der Erfahrungen die Langesberg durch sein idealistisches Engagement gesammelt hat.
Den Einsatz für die Bewohner:innen des Strüverhofs würdigte dann auch die Einrichtungsleiterin Melanie Quose-Mohr. Und es wurde auf ein besonderes Projekt hingewiesen, für das aktuell Spenden gesammelt werden: Im kommenden Jahr soll es wieder eine Projektzeit mit dem Kinderzirkus Pompitz geben, in dem sich die Kinder und Jugendlichen in allen zirzensischen Disziplinen ausprobieren können.
Mit dieser Zirkusarbeit hat man auf dem Strüverhof bereits in diesem Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht. Nun wünscht man sich Spenden, die eine Fortsetzung des Gelungenen ermöglichen.
Spendenkonto:
- Katholische Jugendhilfe Dortmund gGmbH
- PAX-Bank für Kirche und Caritas
- IBAN: DE67 3706 0193 1052 9660 23
- Verwendungszweck: Zirkus 2027
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!
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