
Das Dortmunder Depot präsentiert als einer der wenigen Ausstellungsorte in Deutschland die „World Press Photo 2026″. Vom 26. September bis zum 25. Oktober können Besucher:innen die Werke der diesjährigen Preisträger:innen des internationalen Wettbewerbs betrachten. Die Bilder porträtieren das globale Geschehen des vergangenen Jahres, von Momenten der Bestürzung bis zu solchen der Zuversicht.
Gesellschaftlicher Fortschritt und menschliche Abgründe direkt nebeneinander
Eine junge Frau auf einem sich aufbäumenden Pferd im Wasser: Das Tier wirkt panisch, die Frau eher gelangweilt bis abgeklärt. „Farīsāt: Gunpowder’s Daughters“ heißt das Bild der Fotografin Chantal Pinzi, mit dem die Ausstellung beworben wird.

Es zeigt die Reiterin Ghita Jhiate, der ihr Vater lange die Teilnahme an der traditionellen Reitkunst Tbourida verboten hatte, bevor sie sich ihren Traum 2025 an der Seite der Reit-Pionierin Zahia Aboulait doch noch erfüllte.
Tbourida ist eine von der UNESCO anerkannte marokkanische Reittradition, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht: Reitgruppen galoppieren im Gleichschritt und feuern dabei in einer choreografierten Darstellung historischer Kavallerie Schüsse ab.
Frauen waren von der Tradition lange ausgeschlossen; seit einer Reform des marokkanischen Familienrechts 2004 kämpfen sie um ihre Teilhabe. Heute reiten sieben rein weibliche Gruppen unter insgesamt rund 300 Teams mit, die Reiterinnen tragen dabei die Kosten für Pferde, Kostüme und Schießerlaubnisse selbst.
Zwei Dortmunder Fotodesigner führen durch die Ausstellung

Wer was auf einem Bild sieht und wie es gedeutet wird, hänge auch immer von der betrachtenden Person ab, erklärte Jan Schmitz, Fotograf und Fotodesigner.
Zusammen mit seinem Kollegen Peter Lutz, ebenfalls Fotodesigner, präsentierte er bei einer Vorab-Führung eine individuelle Auswahl an Werken und lieferte dabei zusätzliche Hintergrundinformationen zur Entstehung der Bilder sowie fotografisches Fachwissen.
Ausgezeichnetes Foto dokumentiert Folgen verschärfter US-Migrationspolitik
Die Auszeichnung World Press Photo of the Year 2026 erhielt Carol Guzy für ihr Foto „Separated by ICE“. Die Aufnahme aus ihrer Serie „ICE Arrests at New York Court“ entstand am 26. August 2025 in New York.

Es zeigt den Moment, in dem die Töchter des ecuadorianischen Migranten Luis ihren Vater festhalten, während er nach einer Einwanderungsanhörung von der US-Behörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) festgenommen wird – Luis war der alleinige Ernährer seiner Familie.
Nach Angaben der World Press Photo Foundation entwickelten sich Gerichtssäle in den USA im Jahr 2025 zu zentralen Schauplätzen verschärfter Abschiebemaßnahmen: Maskierte ICE-Beamte nahmen Migrant:innen unmittelbar nach ihren Anhörungen fest, häufig verbunden mit traumatischen Familientrennungen. Die dadurch ausgelösten Proteste und Sammelklagen führten laut Foundation auch zur Festnahme lokaler gewählter Amtsträger, die Aufklärung forderten.
Vom festen Kategoriensystem zu drei neuen Darstellungsformen
Die World Press Photo zeichnet in einem weltweiten Wettbewerb die besten Bilder aus Fotojournalismus und Dokumentarfotografie aus. Seit ihren Anfängen im Jahr 1955 haben sich die Anzahl der Einreichungen, die Herkunft der teilnehmenden Fotograf:innen und die Zusammensetzung der Jury gewandelt.

Seit 2022 trifft eine Vorauswahl durch sechs regionale Jurys, im Anschluss prämiert eine Hauptjury die Gewinner:innen des jeweiligen Jahres. Am Ende dieses Prozesses stehen 42 Gewinner:innen aus sechs verschiedenen Weltregionen.
Die lange geltende Einteilung in feste Kategorien wie Sportfotografie, Porträts oder Natur wurde durch drei Darstellungsformen abgelöst: Einzelbilder, Bildgeschichten und Langzeitprojekte. Zu jedem Themenfeld lasse sich aber weiterhin ein passender Beitrag finden, erklärte Schmitz.
Seit 2012 fester Programmpunkt im Depot, ergänzt durch neues Rahmenprogramm
Die weltweit bekannte Wanderausstellung ist bereits seit 2012 fester Bestandteil des Programms im Dortmunder Depot. Ergänzt wird sie um ein eigenes Rahmenprogramm, das die Geschichten hinter den Bildern vertieft und zum gesellschaftlichen Austausch einlädt.

Den Auftakt bildet am 30. September ein moderiertes Gespräch mit der World Press Photo-Preisträgerin Paula Hornickel. Ausgehend von ihrem Foto „Emma the Social Robot“ spricht sie über die Geschichte hinter dem Bild und diskutiert gemeinsam mit einer Psychologin über Einsamkeit, soziale Verbundenheit und den Einsatz künstlicher Interaktionspartner wie sozialer Roboter.
Ebenfalls um Künstliche Intelligenz geht es am 14. Oktober beim zweiten Termin des Rahmenprogramms unter dem Titel „Fotografie im Wandel? Zwischen Aufträgen, Wettbewerben und KI.“ Gemeinsam mit der Runden Ecke richtet das Depot einen Talk mit Jana Margarete Schuler, Franziska Gilli und Maximilian Mann aus.
Die drei Fotograf:innen sprechen über berufliche Herausforderungen und Chancen durch KI, über Auftragslagen, kollegialen Zusammenhang und Wettbewerb untereinander. Beide Gesprächstermine finden im Depot statt, der Besuch ist jeweils im Ausstellungseintritt enthalten.
Ergänzt wird das Programm durch zehn öffentliche Führungen, die Hintergründe zu den Fotografien vermitteln. Darüber hinaus können individuelle Führungen für Schulklassen, Unternehmen und weitere Gruppen gebucht werden.
Öffnungszeiten, Eintritt und Führungstermine
Die Ausstellung ist sonntags bis donnerstags von 11 bis 20 Uhr sowie freitags und samstags von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet regulär 8 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Für Familien gibt es zwei Ticketvarianten: 20 Euro für zwei Erwachsene mit bis zu drei Kindern bis 18 Jahre sowie 12 Euro für eine erwachsene Person mit bis zu drei Kindern. Ein Feierabend-Ticket für 6 Euro gilt unter der Woche ab 19 Uhr sowie freitags und samstags ab 21 Uhr.
Öffentliche Führungen finden donnerstags und samstags jeweils um 18 Uhr sowie sonntags um 14:30 Uhr statt und dauern etwa eine Stunde; die Führungsgebühr von 4 Euro kommt zum Eintrittsticket hinzu. Tickets sind an der Tageskasse und im Onlineshop des Depots erhältlich,
Gruppenführungen können extra gebucht werden, für Schul- und Studierendengruppen gibt es zudem ermäßigte Konditionen. Anfragen per E-Mail an kultur@depotdortmund.de. Die World Press Photo Foundation empfiehlt den Besuch der Ausstellung ab 12 Jahren.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!











