Wortklub lädt zum Dialog: „Es geht mir um das Miteinander, nicht um die Kontroverse“

Programm mit prominenten Gästen aus Kultur, Politik und Wissenschaft

Nach der Show: Daumenkinograph Volker Gerling, Schriftstellerin Lara Rüter und Wortklub-Gastgeber Thomas Koch im domicil (v.l.). Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Wortklub im Jazzclub? Warum nicht! Seit sieben Jahren lädt Thomas Koch spannende Gäste aus Politik, Wissenschaft oder auch Kultur zum Dialog ins domicil ein. Die Themen sind vielfältig und die Begleitmusik keinesfalls Nebensache. Das neue Programm ist mit „Affen und Menschen“ an den Start gegangen – vier weitere interessante Abende sollen folgen.

Zwischen Affenliebe und Daumenkino: eine berührende Begegnung

Beim ersten Wortklub am 10. September 2026 waren die Schriftstellerin Lara Rüter und der Foto-Künstler Volker Gerling zu Gast. Sie ist bereits mehrfach für ihre Gedichte ausgezeichnet worden und hat mit „Affenliebe“ im März 2026 ihren ersten Prosatext veröffentlicht. Er ist Daumenkinograph und dass es das überhaupt gibt, ist nur eine von vielen interessanten Erkenntnissen an diesem Abend.

Auf der Bühne beim ersten Wortklub 2026: Das Trio „Luah“, Lara Rütter, Volker Gerling und Gastgeber Thomas Koch (v.l.) Daniela Berglehn | Nordstadtblogger

Koch führt durch das Programm – er fragt, aber vor allem hört er gut zu. Es geht ihm ums Miteinander, nicht um die Kontroverse: „Ich bin nicht der Lanz“, sagt er. Koch möchte, dass seine Gäste sich wohlfühlen, sich öffnen und dann vielleicht etwas von sich preisgeben. An diesem Abend gelingt es.

Rüter berichtet von ihren Erfahrungen in der Primatenforschung und wie aus ihrem Aushilfsjob eine Selbstbefragung des Menschseins und später dann ein Roman wurde. Gerling hat Film studiert, fotografiert und dann die Idee mit den Daumenkinos gehabt. Mit ihnen ist er ein Wanderer zwischen den Welten geworden – auch ganz konkret. Mit einem Bauchladen voller Daumenkinos zieht er durch die Lande, lebt vom Erlös der verkauften Exemplare und trifft auf Menschen, die ihn zu neuen Bildideen inspirieren.

Es sind zwei stille Charaktere, die sich hier begegnen, zwei Menschen, die sich selbst zurücknehmen, um Nähe herzustellen. Das Publikum lauscht ihnen gebannt und Koch gelingt es, sie miteinander ins Gespräch zu bringen und sich selbst zurückzuziehen.

Gesprächspartner:innen aus aller Welt, die etwas zu sagen haben

Lesung, Vorführung der Daumenkinos, Gespräch zu dritt – zwischendurch Musik von Luah. Das Frauentrio aus Köln hat einen eigenen Sound zwischen Jazz, Pop und einem Hauch Brasilien. Auch das passt gut zur Stimmung des Abends. Kann man das alles immer so planen?

Jacques Tilly diskutiert mit Güner Balci. Er wurde für seinen Karnevalswagen wegen Verletzung religiöser Gefühle von einem
Moskauer Gericht verurteilt. Ricarda_Hinz

Nein, sagt Koch. Aber er hat Erfahrung: „Ich bin in meiner Zeit beim WDR vielen Menschen begegnet, habe Interviews geführt und immer wieder Zusammenhänge zwischen den Personen entdeckt“, erinnert sich Koch. „Ich dachte oft: Mensch, die würde ich gerne mal zusammen bringen.“ Was dann passiert, ist offen. 

Seine Gesprächspartner:innen kommen von überall auf der Welt und es sind Menschen, die mit ihren Veröffentlichungen für Gesprächsstoff sorgen. Am 22. Oktober werden die Münchner Schriftstellerin Dana von Suffrin (aktueller Roman: Toxi Baby) und der Satiriker Thomas Gsella (ehemals „Titanic“) verbal auch mal „dahingehen, wo es weh tut.“___STEADY_PAYWALL___

Am 17. November finden die Berliner Journalistin Güner Balci (aktuelles Buch: Heimatland) und der Düsseldorfer Karnevalswagengestalter Jacques Tilly „Schweigen ist keine Option“. Dazu gibt es Musik von Peter Licht.

Demokratie-Labor gewinnt weiter an Bedeutung

„An zwei Terminen wird es dann wieder das Demokratie-Labor geben“, erzählt Koch und dankt Signal Iduna ausdrücklich für die Förderung. Das Format hat an Bedeutung gewonnen und auch in diesem Jahr soll es um die Frage gehen, wie sich das demokratische Zusammenleben stärken lässt.

Anette Dowideit ist Chefredakteurin
des Recherchenetzwerks Correctiv. Die ist Gast beim Demokratie-Labor am 15. Dezember. Ivo Mayr

Am ersten Dezember ist die ehemalige Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker zu Gast. Sie veröffentlichte 2026 ihr Buch: „Cum/Ex, Milliarden und Moral: Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt“. Mit ihr auf der Bühne diskutiert Christoph Bartmann, der in seinem Buch „Attacke von Rechts“ beschreibt, wie Rechtspopulisten die Kulturpolitik für ihre Ideologie nutzen.

Mit dem Psychologen und Wissenschaftler Ahmad Mansour und der Correctiv-Chefredakteurin Anette Dowideit sind dann am 15. Dezember zwei Expert:innen auf dem Podium, die Auskunft geben können, warum Menschen sich radikalisieren und welche Rolle Fake News dabei spielen.

Auch dazu hat Koch wieder ein besonderes Musikprogramm kuratiert – teilweise formieren sich die Gruppen eigens für den Abend.

„Für mich gibt es keinen besseren Ort als die Bühne eines Jazzclubs“, so Koch. „Hier herrscht maximales Vertrauen in die Menschen, mit denen man die Bühne teilt. Hier herrscht maximale Freiheit und hier bekommt man im besten Falle die maximale Belohnung: Kostbare Momente der Überraschung und des Glücks.“

Auf einen Blick: 

  • Wortklub im domicil, Hansastraße 7-11, Dortmund
  • Alle Termine auf der Website https://www.wortklub.de/ 
  • Ticketpreise: VVK 23, AK 25, Ermäßigung 50%

Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

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Reaktionen

  1. Lachen, wenn’s wehtut: Literatur, Satire und Musik im Wortklub mit Thomas Gsella und Dana von Suffrin (PM)

    Dana von Suffrin, Thomas Gsella und die Dortmunder Band „Die letzte Patrone“ treffen sich am Donnerstag, 22. Oktober, im Jazzclub domicil. Der Wortklub verbindet wieder Literatur, Satire und Live-Musik – gefördert vom Kulturbüro der Stadt Dortmund.

    Kann eine Liebesgeschichte Menschen gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen bringen? Die Münchner Schriftstellerin Dana von Suffrin zeigt mit ihrem Roman „Toxi Baby“, wie das geht. Am Donnerstag, 22. Oktober, ist sie beim Wortklub im Dortmunder Jazzclub domicil zu Gast. Gemeinsam mit dem Dichter und Satiriker Thomas Gsella und der Band „Die letzte Patrone“ gestaltet sie einen Abend, der dem Humor auch dort nachspürt, wo es im Leben wehtut.

    Zwischen Liebeskummer und schwarzem Humor

    In „Toxi Baby“ erzählt Dana von Suffrin eine Liebesgeschichte, die brutal, absurd und herzzerreißend ist. Sie steckt voller Sehnsucht und scheint zugleich aussichtslos. Gerade weil die Geschichte so traurig ist, muss man beim Lesen immer wieder lachen. Von Suffrin zeigt, wie eng Verzweiflung und Komik beieinanderliegen können.

    Auch Thomas Gsella kennt sich mit Humor in schwierigen Zeiten aus. Der Dichter und ehemalige Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ bringt seit Jahrzehnten mit seinen Reimen selbst düstere Themen auf den Punkt. Beim Wortklub trifft seine Satire auf die Literatur von Dana von Suffrin.

    Neue Dortmunder Band feiert Premiere

    Für die musikalische Begleitung sorgt „Die letzte Patrone“. Das neue Dortmunder Quartett stellt sich bei dem Abend erstmals vor. Gastgeber Thomas Koch verspricht einen unterhaltsamen Abend – und empfiehlt vorsichtshalber, auch Taschentücher mitzubringen.

    Die Veranstaltung wird vom Kulturbüro der Stadt Dortmund und von Signal Iduna gefördert.

    Tickets und Veranstaltungsort

    Der Wortklub beginnt am Donnerstag, 22. Oktober, um 19:30 Uhr im Jazzclub domicil, Hansastraße 7–11, in Dortmund.

    Tickets kosten im Vorverkauf 23 Euro und an der Abendkasse 25 Euro. Ermäßigungen sind möglich; der ermäßigte Preis beträgt die Hälfte des regulären Eintrittspreises.

    Weitere Informationen und Tickets: wortklub.de und domicil-dortmund.de.

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