
Wortklub im Jazzclub? Warum nicht! Seit sieben Jahren lädt Thomas Koch spannende Gäste aus Politik, Wissenschaft oder auch Kultur zum Dialog ins domicil ein. Die Themen sind vielfältig und die Begleitmusik keinesfalls Nebensache. Das neue Programm ist mit „Affen und Menschen“ an den Start gegangen – vier weitere interessante Abende sollen folgen.
Zwischen Affenliebe und Daumenkino: eine berührende Begegnung
Beim ersten Wortklub am 10. September 2026 waren die Schriftstellerin Lara Rüter und der Foto-Künstler Volker Gerling zu Gast. Sie ist bereits mehrfach für ihre Gedichte ausgezeichnet worden und hat mit „Affenliebe“ im März 2026 ihren ersten Prosatext veröffentlicht. Er ist Daumenkinograph und dass es das überhaupt gibt, ist nur eine von vielen interessanten Erkenntnissen an diesem Abend.

Koch führt durch das Programm – er fragt, aber vor allem hört er gut zu. Es geht ihm ums Miteinander, nicht um die Kontroverse: „Ich bin nicht der Lanz“, sagt er. Koch möchte, dass seine Gäste sich wohlfühlen, sich öffnen und dann vielleicht etwas von sich preisgeben. An diesem Abend gelingt es.
Rüter berichtet von ihren Erfahrungen in der Primatenforschung und wie aus ihrem Aushilfsjob eine Selbstbefragung des Menschseins und später dann ein Roman wurde. Gerling hat Film studiert, fotografiert und dann die Idee mit den Daumenkinos gehabt. Mit ihnen ist er ein Wanderer zwischen den Welten geworden – auch ganz konkret. Mit einem Bauchladen voller Daumenkinos zieht er durch die Lande, lebt vom Erlös der verkauften Exemplare und trifft auf Menschen, die ihn zu neuen Bildideen inspirieren.
Es sind zwei stille Charaktere, die sich hier begegnen, zwei Menschen, die sich selbst zurücknehmen, um Nähe herzustellen. Das Publikum lauscht ihnen gebannt und Koch gelingt es, sie miteinander ins Gespräch zu bringen und sich selbst zurückzuziehen.
Gesprächspartner:innen aus aller Welt, die etwas zu sagen haben
Lesung, Vorführung der Daumenkinos, Gespräch zu dritt – zwischendurch Musik von Luah. Das Frauentrio aus Köln hat einen eigenen Sound zwischen Jazz, Pop und einem Hauch Brasilien. Auch das passt gut zur Stimmung des Abends. Kann man das alles immer so planen?

Moskauer Gericht verurteilt. Ricarda_Hinz
Nein, sagt Koch. Aber er hat Erfahrung: „Ich bin in meiner Zeit beim WDR vielen Menschen begegnet, habe Interviews geführt und immer wieder Zusammenhänge zwischen den Personen entdeckt“, erinnert sich Koch. „Ich dachte oft: Mensch, die würde ich gerne mal zusammen bringen.“ Was dann passiert, ist offen.
Seine Gesprächspartner:innen kommen von überall auf der Welt und es sind Menschen, die mit ihren Veröffentlichungen für Gesprächsstoff sorgen. Am 22. Oktober werden die Münchner Schriftstellerin Dana von Suffrin (aktueller Roman: Toxi Baby) und der Satiriker Thomas Gsella (ehemals „Titanic“) verbal auch mal „dahingehen, wo es weh tut.“___STEADY_PAYWALL___
Am 17. November finden die Berliner Journalistin Güner Balci (aktuelles Buch: Heimatland) und der Düsseldorfer Karnevalswagengestalter Jacques Tilly „Schweigen ist keine Option“. Dazu gibt es Musik von Peter Licht.
Demokratie-Labor gewinnt weiter an Bedeutung
„An zwei Terminen wird es dann wieder das Demokratie-Labor geben“, erzählt Koch und dankt Signal Iduna ausdrücklich für die Förderung. Das Format hat an Bedeutung gewonnen und auch in diesem Jahr soll es um die Frage gehen, wie sich das demokratische Zusammenleben stärken lässt.

des Recherchenetzwerks Correctiv. Die ist Gast beim Demokratie-Labor am 15. Dezember. Ivo Mayr
Am ersten Dezember ist die ehemalige Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker zu Gast. Sie veröffentlichte 2026 ihr Buch: „Cum/Ex, Milliarden und Moral: Warum sich der Kampf gegen Wirtschaftskriminalität lohnt“. Mit ihr auf der Bühne diskutiert Christoph Bartmann, der in seinem Buch „Attacke von Rechts“ beschreibt, wie Rechtspopulisten die Kulturpolitik für ihre Ideologie nutzen.
Mit dem Psychologen und Wissenschaftler Ahmad Mansour und der Correctiv-Chefredakteurin Anette Dowideit sind dann am 15. Dezember zwei Expert:innen auf dem Podium, die Auskunft geben können, warum Menschen sich radikalisieren und welche Rolle Fake News dabei spielen.
Auch dazu hat Koch wieder ein besonderes Musikprogramm kuratiert – teilweise formieren sich die Gruppen eigens für den Abend.
„Für mich gibt es keinen besseren Ort als die Bühne eines Jazzclubs“, so Koch. „Hier herrscht maximales Vertrauen in die Menschen, mit denen man die Bühne teilt. Hier herrscht maximale Freiheit und hier bekommt man im besten Falle die maximale Belohnung: Kostbare Momente der Überraschung und des Glücks.“
Auf einen Blick:
- Wortklub im domicil, Hansastraße 7-11, Dortmund
- Alle Termine auf der Website https://www.wortklub.de/
- Ticketpreise: VVK 23, AK 25, Ermäßigung 50%
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

