
Freitag der 13. und der Tag startet für Selvi Aksünger mit einem Drohanruf: „Es kam ein Anruf mit unterdrückter Nummer und dann sagte jemand – in etwa – dass man ja nun wisse, wo man mich finden kann, und ob ich da noch mal heil rauskomme, das könne man nicht sagen.“ Noch so einen Anruf und eine Presseanfrage später wusste Aksünger immer noch nicht, was denn jetzt das Problem sein sollte.
Ein Vorwurf, aus der Luft gegriffen
Das Problem ist ein Artikel des Internetportals NIUS. Laut dem Autor eines kurzen Artikels hätte die Agentur für Arbeit in Dortmund ihre Kunden zum Fastenbrechen eingeladen und das von Steuergeld bezahlt – in den Augen einiger Internetnutzer ein doppelter Affront. Nicht nur dass Arbeitslose etwas zu essen bekommen, sondern auch noch Muslime. Den vermeintlichen Skandal griff ein Tiktok-Kanal mit einem KI-Video auf. Angeblich hätte die Agentur damit gegen das Neutralitätsgebot als Behörde verstoßen, so die Kritik.

An dem Vorwurf stimmt natürlich nichts: Das Essen hat Selvi Aksünger von ihrem eigenen Geld ausgerichtet. „Eingeladen waren alle Mitarbeitenden, aber keine Kunden der Agentur“, stellte Heike Bettermann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, klar.
Die Veranstaltung sei genauso eine Mitarbeiterveranstaltung wie das Weihnachtsbaum-Schmücken und das Sommerfest. Zusätzlich hatte die neue Pächterin die Feuerwehr eingeladen, Nachbarn der Agentur für Arbeit, sowie die Polizei, deren Kantine sie bereits länger betreibt.
Drohungen wegen einer höflichen Geste
Jetzt ermittelt der Staatsschutz. „Die Drohungen nehmen wir ernst und unsere Zentrale prüft auch presserechtliche Schritte gegen das NIUS-Portal“, so Bettermann. Bei der Agentur für Arbeit gingen derweil auch bedrohliche Mails ein, außerdem kommentieren Menschen auf dem privaten Instragram-Kanal von Aksünger: Wie es denn sein könne, dass mit Steuergeldern so eine Veranstaltung ausgerichtet werde. „Dabei sind wir nicht mal steuer-, sondern beitragsfinanziert“, stellt Bettermann klar.

Aksünger betreibt neben den beiden Behördenkantinen auch das Café Rot im Kaiserstraßenviertel. Hier habe sie vor Jahren schon Drohbriefe erhalten und 88 an die Hauswand gesprüht bekommen. Aber inzwischen beschäftige sie 25 Menschen und trage für diese Verantwortung, deswegen habe sie sich entschieden die Polizei hinzuzuziehen.
„Ich wollte einfach nur alle respektieren, deswegen habe ich gesagt, wenn Muslime und Christen dieses Jahr parallel fasten, dann eröffnen wir das Buffet um 18:28 Uhr zum Fastenbrechen. Dann hat mich erstmal jemand darauf hingewiesen, dass es 18:33 Uhr sein muss. Ich hatte Chat GPT nach der Uhrzeit gefragt, ich bin nämlich nicht muslimisch, auch wenn alle mich immer so lesen.“
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Reaktionen
AndiDo
Ekelhafte braune Auswüchse, die man mittlerweile hinnehmen muss.
Irmela Mensah-Schramm
Auch ich habe das Hetzportal-Fascho-Portal NIUS zu spüren bekommen. Wollen angeblich eine „ehrliche“ Presse darstellen, stinken aber voll mit ihrer Lügenhetze gegen Demokraten.
Dietmar Mehldau
Als ich noch freiberuflicher Dozent war, u. a. für das bzh, Bildungszentrum des Handels e. V., Iserlohn, gab es auch gelegentliche Gespräche mit den Vertretern der Agentur für Arbeit Iserlohn. Diese habe alles, was der Bildungsträger ihnen angeboten hatte (belegte Brötchen, Kaffee, Kuchen usw. ) konsequent abgelehnt, mit dem Verweis auf interne Vorschriften. Blieb so mehr für die Mitarbeiter:innen des bzh :-). Diese Regelung ist offensichtlich geändert worden, wie die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg sicher bestätigen wird.
Jürgen
Ein Arbeitgeber, der seine Mitarbeiter zum Essen einlädt !
WOW !
WENN DAS nicht mal ein Tatbestand ist, der zum Todesurteil führt –
WAS DENN DANN ?
Gehalt zahlen – vielleicht ?
Nordstadtblogger-Redaktion
Und dabei hat nicht einmal der Arbeitgeber eingeladen, sondern die Pächterin hat eine Werbeaktion für ihre Kantinen-Kund:innen gemacht….