100 Gastronomiebetriebe beteiligen sich an der ungewöhnlichen Initiative

Aktion „CookieCourage“: Gastronom:innen aus Dortmund wollen „Rechten auf den Keks gehen“

Marek Paul Kirschniok und Selvi Esra Aksünger Caphur stellten mit Unterstützung von Kermit e.V. die Aktion auf die Beine.
Marek Paul Kirschniok und Selvi Esra Aksünger Caphur stellten mit Unterstützung von Kermit e.V. die Aktion auf die Beine. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Den „Rechten auf den Keks gehen“ will eine Initiative aus dem Bereich der Gastronomie: Während Städte wie Köln mit Aktionen wie „Kein Kölsch für Nazis“ vorangehen, setzen die Dortmunder:innen mit ihrer Aktion „CookieCourage“ einen anderen Akzent: Sie wollen nicht „nur gegen“ etwas sein, sondern positive Signale senden und auch über rechte Codes und Aussagen aufklären. In rund 100 Gastronomiebetrieben stehen seit diesem Wochenende große „CookieCourage“ -Keksgläser.

Gastronomien gehören zu den wichtigsten zivilgesellschaftlichen Räumen

Die veganen Kekse werden kostenlos abgegeben - und Infos gibt es auch dazu.
Die veganen Kekse werden kostenlos abgegeben – und Infos gibt es auch dazu. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Gastronomien sind soziale, lebendige und wichtige Räume für eine Zivilgesellschaft. Während der Corona-Pandemie wurden sie schmerzlich vermisst.

„Darum möchten wir ein klares Zeichen setzen, dass unsere Restaurants, Bars und Cafés sich klar von rechtem und rechtsextremen Gedankengut distanzieren und mithelfen über rechte Sprache, Symbole, Codes und Zeichen aufzuklären“, betont Marek Paul Kirschniok, einer der Initiatoren. 

Dafür werden in 100 Dortmunder Gastronomie-Betrieben große, bunte Kekse kostenlos verteilt. Über einen QR-Code gelangen Keks-Esser:innen auf eine Webseite, die einen Überblick gibt, welche Codes von Rechten und Nazis genutzt werden.

Die „28“ an der Hauswand - die Zahlenkombination steht für den zweiten und achten Buchstaben des Alphabets - „B+H“ ist das Kürzel für „Blood & Honour“ (Blut und Ehre), ein in Deutschland verbotenes Neonazi-Netzwerk. 
Die „28“ an der Hauswand – die Zahlenkombination steht für den zweiten und achten Buchstaben des Alphabets – „B+H“ ist das Kürzel für „Blood & Honour“ (Blut und Ehre) – ein Neonazi-Netzwerk. Foto: privat

Denn immer noch werden Wörter, Zahlen, Buchstaben und Flaggen eingesetzt, um in demokratischen Räumen rechte Markierungen zu setzen. Das kann die 28, an eine Fassade gesprühte, oder die Reichstflagge auf einer Demonstration sein.

„CookieCourage“ soll den Dialog stärken in einem der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Räume – unseren Gastronomien. Von dort soll dieses Projekt mitgenommen werden.

Bewusst startet „CookieCourage“ am Dortmunder Tag der Nachbarschaft mit einem Straßenfest vor dem Café Rot – „denn nur gemeinsam verbannen wir rechtes und rechtsextremes Gedankengut“, so Marek Paul Kirschniok.

Ans Café Rot wurde die Zahl 28 geschmiert – sie steht für „Blood & Honour“

Dessen Betreiberin Selvi Esra Aksünger Caphur ist ebenfalls von Anfang an mit dabei – aus persönlicher Betroffenheit. Denn auch sie wusste zunächst nicht, was die bei ihr an die Hauswand geschmierten Zahlen bedeuten. Die erste „28“ hatte sie noch einfach überstrichen. 

Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

Erst durch Gäste und im Gespräch mit Kollegen erfuhr sie, dass die Zahlenkombination für den zweiten und achten Buchstaben des Alphabets steht – „B+H“ ist das Kürzel für „Blood & Honour“ (Blut und Ehre), ein in Deutschland verbotenes Neonazi-Netzwerk. 

Es ist eines von vielen rechtsextremen Zahlenspielen, die im Stadtbild zu sehen sind – die bekanntesten sind „18“ und „88“, die für „AH“ (Adolf Hitler) und „HH“ (Heil Hitler) stehen. Als die „28“ zum zweiten Mal an der Hauswand erschien, entwickelte sie mit Marek Paul Kirschniok die Aktion, um Menschen für solche Codes und Raumkampfversuche der Neonazis zu sensibilisieren und aufzuklären. 

Die Aktion braucht nicht nur Zivilcourage, sondern auch Geld und Logistik

Bei der Stadt Dortmund  – genauer gesagt deren Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie – rannten die Gastronom:innen offene Türen ein. Sie unterstützten das Projekt auch finanziell, welches über den Verein Kermit e.V. aus der Nordstadt beantragt und abgewickelt wurde.

Michael Plackert und Manfred Kossack (v.li.) nahmen für die städtische Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie das erste Glas entgegen.
Michael Plackert und Manfred Kossack (v.li.) nahmen für die städtische Koordinierungsstelle für Vielfalt, Toleranz und Demokratie das erste Glas entgegen. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

„Die Aktion ist gut und wichtig, weil wir dort, wo viele Menschen sind, und dort, wo wir gelegentlich die rechten Stammtischparolen hören, jetzt genau in diesem Bereich eine Initiative haben“, betonte der ehrenamtliche Sonderbeauftragte des OB, Manfred Kossack, als er das erste Keksglas in Empfang nahm.

Die Aktion mache sichtbar, wie sich im Alltag Rechte und Rassisten bemerkbar machten und Botschaften sendeten. „Das zu vermitteln durch die Aktion ist gut und das möchten wir fördern. Denn eine solche Aktion braucht nicht nur Zivilcourage, sondern auch Geld und Logistik“, sagte er mit Blick auf die durchaus nicht unerheblichen Kosten für die veganen Kekse, Gläser und das Aufklärungsmaterial.

Nicht zu vergessen die damit verbundene Homepage „CookieCourage.de“, über deren Datenbank es die vielfältigen Informationen gibt. Nun geht es nur noch darum, den Nazis nicht nur sprichwörtlich „auf den Keks“ zu gehen…

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