Rund 300 wohnungslose und obdachlose Menschen aus mehreren nordrhein-westfälischen (Erz-) Bistümern sind jetzt zur Wallfahrt nach Dortmund gekommen. In der St. Joseph-Kirche in der Dortmunder Nordstadt feierten sie gemeinsam Gottesdienste.
Kunstaktion und Begegnung in der Nordstadt
Der Dortmunder Wohnungslosenseelsorger Oliver Schütte und Weihbischof Josef Holtkotte begrüßten die Teilnehmenden, die sich aus Unna, Köln, Recklinghausen, Münster, Paderborn und Dortmund auf den Weg gemacht hatten. Sie nahmen an der Wallfahrt teil, die jedes Jahr in einem anderen NRW-Bistum stattfindet.

„Jesus hat uns vor 2000 Jahren vorgelebt, wie menschliches Zusammenleben gelingen kann. Dabei stand er immer auf der Seite der Ausgegrenzten und der Menschen am Rand der Gesellschaft.“-wandte Weihbischof Josef Holtkotte sich an die rund 300 Frauen und Männer.
Zum Auftakt der Wallfahrt gestalteten die Teilnehmenden unter der Leitung des Künstlers Hendryk von Busse Spiegelscherben, die anschließend zu einem Bild mit zwei großen Fußabdrücken zusammengefügt wurden. Das entstandene Kunstwerk wurde später auch im Abschlussgottesdienst thematisiert.
Weihbischof Holtkotte: „Jeder besitzt eine königliche Würde“
Im Auftaktgottesdienst brachte Elmar Micus, Ehrenamtlicher vom WohlTun e.V. aus Dortmund, in einer Dialogpredigt die Stimme wohnungsloser Menschen ein: „Viele wollen uns nicht sehen. Bei der Fußballweltmeisterschaft sollten wir aus der Stadt verbannt werden – ich komme mir schon selbst vor wie ein Schandfleck“, sagte er.
Weihbischof Holtkotte antwortete darauf mit einer Botschaft: „Jeder von uns ist in Gottes Hand und besitzt eine königliche Würde. Jeder darf sich getragen und geliebt fühlen – das ist die Botschaft des heutigen Tages.“ Zum Ausdruck kam dies auch im Wallfahrtsmotto „You’ll never walk alone“. Die bekannte Fußballhymne wurde gemeinsam im Gottesdienst gesungen.
Zahlreiche Freizeitangebote für die Teilnehmenden
Nach dem Gottesdienst gab es für die Teilnehmer*innen ein kostenloses Essen sowie ein vielfältiges Freizeitprogramm.

Zur Auswahl standen eine Stadtrundfahrt mit dem Hop-on-Hop-off-Bus, eine von der BVB-Gründerkirche organisierte Stadiontour, ein Besuch auf der Zeche Zollern, ein Achtsamkeitstraining, ein Upcycling-Projekt, das Gestalten von Buttons, ein Graffiti-Workshop und eine Filmvorführung im Roxy-Kino.
Am Nachmittag kamen die Gäste wieder an der St. Joseph-Kirche zu Kaffee und Kuchen. Anschließend feierten sie gemeinsam einen Abschlussgottesdienst mit der Möglichkeit zu Einzelsegnungen.
Die NRW-Wallfahrt gibt es seit 1988
Die Wallfahrt für wohnungslose Menschen findet seit 1998 jährlich in einem anderen NRW-Bistum statt. Bereits 2016 führte sie unter dem Motto „Wer glaubt, ist nicht allein“ nach Dortmund. Im vergangenen Jahr war Köln Gastgeber der Wallfahrt.
„Es geht darum, Menschen einen Tag zu schenken, an dem sie willkommen sind, Gemeinschaft erleben und einfach einmal genießen können“, sagt der Wohnungslosenseelsorger Oliver Schütte.

