Nordstadtblogger

Tobias Mann und die Bankrotterklärung des Kabaretts vor Angela Merkel im Fritz-Henssler-Haus

Tobias Mann bei Watt'n Hallas

Tobias Mann begeisterte die Zuschauerinnen und Zuschauer bei Watt’n Hallas. Fotos: Alex Völkel

Gleicher Ort, gleiche Veranstaltungsreihe und die fast gleichen Themen wie am Abend zuvor: Der (fast) einzige Unterschied: Tobias Mann scheint die jüngere ADHS-Ausgabe vom Wilfried Schmickler zu sein. Ein toller Abend bei „Watt‘n Hallas“ im Fritz-Henssler-Haus, bei dem (mal wieder) die Freunde des politischen Kabaretts voll auf ihre Kosten kamen.

Der neue Papst als „Tatort-Reiniger des Katholizismus“

Tobias Mann bei Watt'n Hallas

Der Mainzer bot den Dortmundern trotz der Fußball-Niederlage eine gute Show.

Doch nicht nur politische Fragen hatte der Mainzer auf dem Schirm. Natürlich durfte der neue Papst („Franziskus ist der Tatort-Reiniger des Katholizismus“) und der Limburger Bischof („Er hat es geschafft, die Gläubigen und die Ungläubigen im Hass gegen die katholische Kirche zu vereinigen“) nicht fehlen. Oder jahreszeitlich bedingte Anspielungen auf die längst begonnene „besinnungslose Zeit“ mit dem Shoppingwahnsinn in den deutschen Innenstädten. Schließlich stünden „die drei apokalyptischen Reiter des Stresses“ vor der Tür: „Weihnachten, Silvester und Zwischen den Jahren.“

Zwischen Sexismus und Sarrazinismus

Doch meistens waren es die Irrungen und Wirrungen der deutschen Bundespolitik, die der Kabarettist auf dem Schirm hatte. Sie passen ja auch einfach besser zum Programmtitel: „Durch den Wind (…und wieder zurück)“. Da wird die Sexismusdebatte um den damaligen FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle („Der ist wie ein Faultier: Ekelig aber nicht gefährlich“) beleuchtet, der „Sarrazinismus“ bemüht, wenn Mann sich mal wieder Statistiken ausgedacht hat oder ein munteres Liedchen über das parlamentarische System geträllert: Für ihn ist „der Bundestag ist eine Gruppentherapie mit geringen Erfolgsaussichten“. Oder, noch tiefer beleuchtet: „Das ist eigentlich keine Therapie, sondern Sicherungsverwahrung“.

Gegen Kanzlerin Angela Merkel versagt auch das beste Kabarett

Tobias Mann bei Watt'n Hallas

Ob Gesang,  Gitarre oder Flügel, Tobias Mann macht auch als Musiker eine gute Figur.

Regierungssprecher Steffen Seibert ist für den Mainzer ein journalistischer Judas: „Der soll immer erzählen, was Merkel denkt. Aber er ist immer sehr schnell fertig.“ Wenig Freude hat er zudem am „Killerfrettchen“, wie er Kanzleramtsminister Ronald Pofalla auch gerne nennt – „Er ist der Forrest Gump der Geheimdienstkoordinatoren“.

Doch der größte Aufreger bleibt für Tobias Mann die Kanzlerin selbst. Jahrelang habe er ihr politisches Versagen analysiert, die Wählerinnen und Wähler aufgeklärt und sich über sie lustig gemacht. Allerdings ohne Erfolg. Denn für das Wahlvolk ist sie „wie eine Zigarette. Sie tut einem nicht gut, aber sie beruhigt“. Generell sei Kabarett gegen Angela Merkel aber sinnlos: „Dann könnte man auch versuchen, eine brennende Ölplattform auszupissen.“

Eine tolle Show. Achja: Noch einen Unterschied gibt es zu Wilfried Schmickler: Mann ist der bessere Musiker und Sänger. Auch wenn er „durch den Wind ist“….

 

Die nächsten Termine bei Watt’n Hallas:

Watt'n Hallas - LogoFritz Eckenga, Peter Großmann u.a. – “Klopp kommt nicht – Der Sport Jahresrückblick” Gast: Manni Breuckmann – 13. – 15.12.2013, jeweils 20.00 Uhr   

Eintritt: 22,00 € (zzgl. Geb.) VVK  / 27,00 € AK
Was war die Trennung des Jahres, wer der Sportler des Jahres, was die spielentscheidenden Szenen? Fragen, auf die es auch 2013 eine Antwort zu geben gilt. „Klopp kommt nicht“ dafür aber unverändert in fachkundiger Bestbesetzung: Kabarettist Fritz Eckenga und ARD Sportfreund Peter Großmann haben u.a. die Reporter Legende Manni Breuckmann aufgestellt.

 

Watt'n Hallas - LogoFischer & Jung – “Ladies Night – Ganz oder gar nicht” – 18.12.2013, 20.00 Uhr  

Eintritt: 20,00 € (zzgl. Geb.) VVK  / 25,00 € AK

Kein Job, kein Geld, keine Unterhosen. Fünf arbeitslose Männer die aus lauter Not auf die waghalsige Idee kommen, es den erfolgreichen „Chippendales“ gleich zu tun. Sie strippen. Doch sie haben Rettungsringe und Hühnerbrüste! Wie wird man(n) Herr über die eigene Scham, über klemmende Reißverschlüsse? Und als schließlich nur noch ein knapper String als letzte Schamgrenze bleibt, stellt sich die alles entscheidene Frage: Ganz oder gar nicht?!

 

 

Print Friendly, PDF & Email

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Infos

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen