Mehrfach gab es Attacken gegen muslimische Gotteshäuser in Dortmund

Solidarität mit der Gemeinde nach Hakenkreuz-Schmierereien an einer Moschee im Unionviertel

Ein versuchter Brandanschlag in Eving, eine angedrohte Messerattacke in Scharnhorst, ein Schweinekopf in Eving und nun – zum zweiten Mal binnen weniger Wochen – Hakenkreuz-Schmierereien in der westlichen Innenstadt – Dortmunder Moscheen scheinen immer häufiger im Visier von mutmaßlich rechtsextremen Tätern zu sein. Längst nicht alle Vorfälle werden angezeigt – das zeigt das aktuelle Beispiel aus dem Unionviertel. 

Die Türkei misst solchen Angriffen auf die religiösen Einrichtungen hohe Bedeutung zu

Zum zweiten Mal wurden Hakenkreuze an die Sultan-Ahmet-Camii-Moschee geschmiert.
Zum zweiten Mal wurden Hakenkreuze an die Sultan-Ahmet-Camii-Moschee geschmiert. Die Gemeinde hat versucht, diese zu übermalen.

Mit großer Abscheu haben Politiker heute auf den erneuten Anschlag auf die Sultan Ahmet Camii Moschee an der Ofenstraße reagiert. Die DITIB-Moschee ist zwar eigentlich im Unionviertel, firmiert aber als „Islamische Gemeinde zu Dortmund-Dorstfeld“. Ein an den Eingang geschmiertes Hakenkreuz ist in kurzer Zeit schon der zweite Vorfall auf das Gotteshaus.

Mit ihrem Besuch am Mittwochabend zeigten Politiker ihre Solidarität mit der türkischen Gemeinde. Volkan Baran als Landtagsabgeordneter, Emre Gülec als Ratsvertreter und Ralf Stoltze als stellvertretender Bezirksbürgermeister und Landtagskandidat wollten mit einem Besuch in den Räumen der Moschee zeigen, dass dieser inzwischen fünfte Vorfall in Dortmund in den letzten zwei Jahren von der Bevölkerung und der Politik ernst genommen werden muss.

Durch seinen spontanen Besuch zeigte auch der Generalkonsul der türkischen Republik, Sezai Tolga Simsir aus Essen, welche Bedeutung die Türkei dem Angriff auf die religiöse Einrichtung beimisst. Im Gespräch erklärten die Politiker übereinstimmend, das solche Ereignisse weder verharmlost noch verallgemeinert werden dürfen.

Die Gesellschaft ist verpflichtet, Schutz vor solchen Straftaten zu verschaffen

Politiker suchten das Gespräch mit der Moscheegemeinde und bekundeten ihre Solidarität.
Politiker suchten das Gespräch mit der Moscheegemeinde und bekundeten ihre Solidarität.

Alle Politiker betonten ihre Überzeugung, dass die Gesellschaft verpflichtet ist, besonders der türkisch-stämmigen und in Deutschland lebenden Bevölkerung Schutz vor solchen Straftaten zu verschaffen. Unabhängig von der Motivation des oder der Täter, muss eine Erfassung und Untersuchung garantiert werden, die solche Straftaten dokumentiert, erfasst und verfolgt.

Sie kamen überein, das Thema von der Bezirksvertretung Innenstadt-West über den Rat der Stadt Dortmund, bis zum Integrationsausschuss des Landes zu thematisieren. Auch die Moscheegemeinden sollen aufgefordert und ermutigt werden, solche Vorfälle zur Anzeige zu bringen. Denn das ist – aus den unterschiedlichsten Gründen – nicht immer der Fall. 

Vor allem bei volksverhetzenden Schmierereien wie in Dorstfeld hatte die Moschee-Gemeinde auch auf eine Anzeige verzichtet und das Hakenkreuz überstrichen. Erst der zweite Fall von Volksverhetzung wurde zur Anzeige gebracht. 

Ständige Wachsamkeit gegen Diskriminierung friedlich zusammenlebender Menschen

Zum zweiten Mal wurden Hakenkreuze an die Sultan-Ahmet-Camii-Moschee geschmiert.
Zum zweiten Mal wurden Hakenkreuze an die Sultan-Ahmet-Camii-Moschee geschmiert.

„Eine solche Tat richtet sich immer gegen das Zusammenleben und die Solidarität der Menschen in Dortmund und NRW und muss durch eine klare Verurteilung beantwortet werden“, sagte Ralf Stoltze. Seine Erfahrungen mit dem Rechtsextremismus zeigen deutlich, dass ein Verschweigen den oder die Täter zu weiteren und schwereren Taten ermutigen können.

Volkan Baran setzt sich seit vielen Jahren für die Integration und das gute Zusammenleben mit der türkischstämmigen Community ein. „Meine langjährigen Verbindungen und die mehrsprachige Vermittlung der Probleme der von uns ins Land geholten Arbeitskräfte und jetzigen Freunde erfordert ständige Wachsamkeit gegen die Diskriminierung friedlich zusammenlebender Menschen und die Integration des religiösen Lebens in den Dortmunder Alltag.“

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Reaktionen

  1. Rassistische Angriffe auf die Dortmunder Moscheen (PM BVT)

    Die immer wieder passierenden rassistischen und islamfeindlichen Angriffe in Dortmund sind leider sehr besorgniserregend. In weniger als einem Jahr wurden vier Moscheen in Dortmund das Ziel von rassistischen Angriffen.

    • Am 17 Mai 2021 ist es zu einem mutmaßlichen Messerangriff auf die Ayasofya- Moschee in Dortmund-Scharnhorst gekommen.

    • Im September 2021 erhielt die Dortmunder Zentralmoschee einen Drohbrief mit rassistischen und islamfeindlichen Inhalten.

    • Am 4 Dezember 2021 war die Evinger Selimiye Moschee das Ziel von rechtsradikalen Tätern. Der Täter hatte einen Schweinekopf an das Eingangstor gehängt.

    • Die Sultan Ahmet Moschee in Dortmund Dorstfeld wurde am 22 Januar 2022 und zuletzt am 09 Februar 2022 zwei Mal von Rechtsextremen angegriffen. Es wurde ein Hakenkreuz an die Eingangstür der Moschee geschmiert.

    Der fünfte Angriff war auf die Eving Ulu Moschee im Jahr 2019 vor 3 Jahren. Moscheen in Dortmund sind immer wieder Ziel von Angriffen.

    Wir fordern dringend mehr Schutz für alle Religionseinrichtungen, die Ziel eines rassistischen Angriffs sein können.
    Wir werden mit allen demokratischen Akteuren zusammen den Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Dortmund bekämpfen und uns dafür einsetzen, dass Dortmund weiterhin als eine bunte und vielfältige Stadt bleibt.

    Emre Güleç (BVT)
    Ratsmitglied der Stadt Dortmund

  2. Polizei sucht Zeugen nach rechtsradikalen Schmierereien an Dortmunder Moschee (PM)

    Unbekannte haben in der Zeit vom 8. zum 9. Februar 2022 die Eingangstür einer Dortmunder Moschee in der Ofenstraße beschmiert. Die Polizei sucht Zeugen.

    Auf ein 40 x 40 cm großes, schwarzes Hakenkreuz blickte der Verantwortliche der türkischen Gemeinde unter dem Dachverband der DITIB in der Ofenstraße, als er vor der Moschee stand. Eine ähnliche Tat soll bereits am 22. Januar begangen worden sein, damals kam es jedoch nicht zu der Erstattung einer Anzeige und die Schmiererei wurde eigenständig beseitigt. Die betroffene Gemeinde steht in regem Austausch mit den Ansprechpartnern des Polizeipräsidiums Dortmund, um das Geschehen aufzuarbeiten.

    Der Staatschutz hat die Ermittlungen aufgenommen und bittet Hinweisgeber sich unter der Tel. 0231/ 132-7441 bei der Dortmunder Kriminalwache zu melden. Wer hat in der Zeit vom 8. bis zum 9. Februar etwas gesehen oder gehört? Wem ist irgendetwas Verdächtiges aufgefallen?

  3. SPD-Fraktion bringt Resolution zur Solidarität mit Dortmunder Muslimen in den Rat der Stadt Dortmund ein (PM)

    Die SPD-Ratsfraktion Dortmund hat eine Resolution in den Rat eingebracht und sich mit den muslimischen Gemeinden in Dortmund solidarisiert. Zusammen mit dem Ratsmitglied Emre Gülec (Bündnis für Vielfalt und Toleranz) wurden die feigen Anschläge der vergangenen Monate auf Dortmunder Moscheen verurteilt. Gleichzeitig wurde das Engagement der Akteure gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit aus der Zivilgesellschaft herausgestellt.

    Ratsmitglied Cüneyt Karadas, der für die SPD-Fraktion auch Mitglied im Integrationsrat ist, erklärt: „In Dortmund haben Rassismus und Demokratiefeindlichkeit keinen Platz. Wir dürfen nicht zulassen, dass Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit und Rechtsextremismus unser Zusammenleben beeinträchtigen“.

    Emre Gülec vom Bündnis für Vielfalt und Toleranz: „Die islamfeindlichen Angriffe in Dortmund sind leider sehr besorgniserregend. In weniger als einem Jahr wurden vier Moscheen in Dortmund das Ziel von rassistischen Angriffen. Viele Moschee-Gemeindemitglieder sind sehr besorgt über die Zunahme der Angriffe. Die gesamte muslimische Gemeinde in Dortmund fordert mehr Schutz. Ich begrüße daher diese Resolution sehr und bitte um die Unterstützung von allen demokratischen Fraktionen des Rates.“

    Die SPD-Fraktion setzt sich für ein friedliches Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen ein. Dies ist der Schlüssel für ein starkes und funktionierendes Gemeinwesen.
    „Nun kann der Rat der Stadt Dortmund dieses starke Signal gegen Diskriminierung beraten und Solidarität mit den muslimischen Bürger*innen unserer Stadt zeigen“, so Cüneyt Karadas abschließend.

  4. Drohbrief an eine Moschee - Staatsschutz ermittelt und Polizei erhöht Präsenz (PM POL_DO)

    Gestern (14.April) erhielt eine Moschee in Dortmund einen Drohbrief mit strafrechtlichen Inhalten. In dem Brief befanden sich mehrere Zettel mit rechtsextremistischem Hintergrund. Zugleich werden Bedrohungen und Beleidigungen ausgesprochen. Auf einem Zettel ist der Aufdruck NSU 2.0 zu lesen.

    Die Polizei Dortmund nimmt diese Bedrohung sehr ernst und steht in einem ständigen Austausch mit den Verantwortlichen der Moschee. Der polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen. Der Brief wurde sichergestellt und wird jetzt kriminaltechnisch untersucht. Im Bereich der Moschee wurde die polizeiliche Präsenz erhöht.

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