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Seltenes botanisches Ereignis in Dortmund: Titanenwurz „David“ blüht erstmals – Pflanzenschauhäuser öffnen nachts

Dr. Patrick Knopf, Direktor Botanischer Garten Rombergpark, zeigt David, den Dortmunder Titanenwurz.

Seltenes und Großes kündigt sich im Botanischen Garten Rombergpark an: In den Pflanzenschauhäusern gedeiht die Titanenwurz „David“ prächtig. Ihre Blüte – das gab es noch nie in Dortmund – steht unmittelbar bevor. Normalerweise benötigt die Titanenwurz sieben Jahre bis zur ersten Blüte – in Dortmund hat es nur zwei Jahre gebraucht!.

Ereignis „adelt“ das 60. Jubiläum der Pflanzenschauhäuser und des Cafés Orchidee

„David“ hat ein perfektes Timing: Es kann gut sein, dass sie genau in der Nacht 13./14. oder 14./15. August in voller Blüte stehen wird. Dieses Ereignis „adelt“ das 60. Jubiläum der Pflanzenschauhäuser. Sie und das Café Orchidee eröffneten exakt am 14. August 1958 ihre Türen.

Anlässlich des ganz besonderen Ereignisses werden die Pflanzenschauhäuser in der Nacht oder in den Nächten von „Davids“ Blüte geöffnet sein, damit alle Pflanzenliebhaberinnen und –liebhaber die Chance haben, den größten Blütenstand im Pflanzenreich ausgiebig zu bewundern. Tausende Besucherinnen und Besucher werden erwartet.

Die Pflanze, wissenschaftlich Amorphophallus titanum, ist auf Sumatra heimisch. Zwei Pflanzen wachsen in den Pflanzenschauhäusern des Botanischen Gartens Rombergpark.

Von der Größe eines Tennisballs zu einem Gewicht von bis zu 75 Kilogramm

Der Titanwurz steht nach nur zwei Jahren kurz vor der Blüte. Fotos: G.S.Kromer/ Dortmund-Agentur

Als kleine Knollen wurden sie vor zwei Jahren von den Botanischen Gärten Bonn an Dortmund gespendet. Damals nur so groß wie Tennisbälle, sind sie im Regenwaldhaus prächtig gewachsen.

Beim letzten Umtopfen in diesem Sommer wog eine Knolle schon zehn Kilogramm! Sehr alte und gut ernährte Knollen können sogar bis zu 75 Kilogramm auf die Waage bringen. Solch ein „Goliath“ möchte „David noch werden!

Die Titanenwurz gehört zur Familie der Aronstabgewächse (Araceae). Bekannte Vertreter dieser Familie sind zum Beispiel die Calla oder auch die Flamingoblume. Typisch für alle Arten dieser Gruppe ist die besondere Form des Blütenstandes: Ein auffälliges Hüllblatt (Spatha) umgibt einen Kolben (Spadix) mit den männlichen und weiblichen Blüten.

Da die Blüten der Aronstabgewächse oft nach Aas riechen bzw. stark stinken, werden sie meist von Fliegen und Käfern bestäubt. Auf Sumatra werden sie auch als bunga suweg raksasa bezeichnet – das bedeutet so viel wie Leichenblume.

Bis zu 2,50 Meter große Blütenstände sind bekannt

Was macht die Titanenwurz denn so besonders? Die schiere Größe! Bis zu 2,50 Meter große Blütenstände sind bekannt. Damit ist es der größte bekannte Blütenstand (funktionell eine Blume) im Pflanzenreich. Dabei gilt: je schwerer die Knolle, umso größer der Blütenstand.

Wenn sich der Blütenstand in den frühen Abendstunden öffnet, dauert dieses Wunder der Natur oft nur eine bis maximal drei Nächte. Dann verwelkt sie und muss mehrere Jahre Kräfte sammeln, um wieder erblühen zu können.

Nur 18 deutsche Botanische Gärten haben bisher die Blüte präsentieren können; der Botanische Garten Rombergpark wird nun diese Liste erweitern.

Botanischer Garten Rombergpark – ein öffentlicher Garten mit internationalem Renommée

Rombergpark, Kräutergarten. Foto: Gerd Wüsthoff

  • Der Rombergpark entstand aus einem alten Landschaftspark, dem Rombergschen Schlosspark, in den ab 1927 der bereits zuvor bestehende Botanische Garten an der Beurhausstraße in Dortmund durch Verlegung integriert wurde.
  • Der Park ist in seiner Gesamtheit seit 2006 Flächendenkmal und in der Denkmalliste der Stadt Dortmund. Im Jahr 2004 wachsen rund 4.500 Gehölzarten und -sorten im Rombergpark.
  • Botanische Gärten entstanden zumeist an Universitäten und dienten der dortigen Forschung, wie auch an Schlössern und Burgen der damaligen adligen Grundherren.
  • Diese adligen Botanischen Gärten dienten der Repräsentation und zuletzt der Forschung. Allerdings brachten Expeditionen, im und nach dem Zeitalter der Entdeckungen, exotische Pflanzen nach Europa, welche allgemein wieder in die Forschung einflossen.
  • Der 65 Hektar große Rombergpark hat als botanischer Garten durch die von dem Dendrologen Gerd Krüssmann zusammengetragene, flächenmäßig größte Sammlung an gärtnerischen Ziergehölzen seinen herrausragenden Ruf in Europa begründet und zugleich das internationale Renommée des Parks geschaffen.

Weitere Informationen:

Wegeplan des Botanischen Garten Rombergpark – Karte vom Park:

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5 Gedanken über “Seltenes botanisches Ereignis in Dortmund: Titanenwurz „David“ blüht erstmals – Pflanzenschauhäuser öffnen nachts

  1. Nordstadtblogger-Redaktion Beitrags Autor

    UPDATE:

    Die Schauhäuser im Botanischen Garten Romberpark werden nachts geöffnet sein, wenn der Titanenwurz blüht. Das wird nach heutigem Stand der Kenntnis in der Nacht von Freitag auf Samstag der Fall sein. „Genau wissen wir das allerdings nicht. Je näher der Termin rückt, desto besser lässt sich der Zeitpunkt der Blüte vorher sagen“, heißt es dazu am Dienstagmorgen von der Stadt Dortmund.

  2. Stadt Dortmund Beitrags Autor

    Titanenwurz-Blüte für Freitagnacht erwartet

    Das Team des Botanischen Gartens Rombergpark rechnet damit, dass die Titanenwurz „David“ in der Nacht von Freitag. 17., auf Samstag, 18. August, blühen wird.

    Erst in dieser Nacht, falls „David“ zwei Nächte blühen wird – erst in diesen Nächten, werden die Pflanzenschauhäuser im Botanischen Garten Rombergpark auch nachts bis 3 Uhr geöffnet sein.

    Bis es soweit ist, haben die Pflanzenschauhäuser täglich von 10 bis 20 Uhr bereits länger geöffnet.

    Der genaue Zeiipunkt der Blüte lässt sich nicht exakt vorhersagen. Je näher das Ereignis kommt, desto genauer ist die „die Nacht der Nächte“ bestimmbar.

    Heute ist die Titanenwurz „David“ 116 cm hoch und hat einen Umfang von 81,6 cm. Durch den Aufblüh-Prozess wird sie eine Höhe bis zu 130 cm/135 cm erreichen.

    Das Team vom Botanischen Garten Rombergpark freut sich sehr über die Resonanz, die das für Dortmund einmalige Ereignis schon heute hat. Da damit zu rechnen ist, dass sehr viele Besucherinnen und Besucher den größten Blütenstand im Pflanzenreich ausgiebig bewundern wollen, ist auch nachts mit Wartezeiten zu rechnen.

    Wer sich stärken möchte, erhält Erfrischendes im Café Orchidee, das ebenfalls bis 3 Uhr nachts geöffnet haben wird, sowie an einem Getränkestand der Freunde und Förderer des Botanischen Gartens Rombergpark e.V..

    Der Countdown läuft: Die Homepages des Botanischen Gartens Rombergpark und der Freunde und Förderer des Botanischen Gartens Rombergpark e.V. halten alle Interessierten stets auf dem Laufenden: Wie entwickelt sich die Blüte und wann wird sie sich öffnen?

  3. Botanischer Garten Rombergpark Beitrags Autor

    Titanenwurz „David“: Anzeichen für Aufblühen am Freitag

    Die Dortmunder Titanenwurz „David“ steht kurz vor der Blüte. Die Experten im Botanischen Garten Rombergpark sind sich ziemlich sicher, dass sich die „Blüte“ am morgigen Freitag öffnen wird.

    Nachdem die Hüllblätter den mittlerweile 123 cm hohen Blütenstand vollständig freigegeben haben und sich erste rote Färbungen zeigen, kann es nicht mehr lange dauern.

    Meist zeigen sich die ersten Anzeichen für das Aufblühen gegen 14 Uhr. Dann löst sich das Hochblatt (Spatha) von dem aufrechten Kolben (Spadix). Die vollständige Öffnung ist dann gegen 16 bis 18.30 Uhr üblich. Und dann beginnt auch der „Gestank“.

    Ob die Blüte länger als eine Nacht zu sehen sein wird, lässt sich nicht vorher sagen. Wir informieren wir Sie morgen Vormittag wieder über den Stand der Dinge.

  4. Botanischer Garten Rombergpark Beitrags Autor

    Titanenwurz „Turbo-David“: Es geht jetzt los!

    Die Dortmunder Titanenwurz entwickelt sich zum „Turbo-David“. Freitagmittag hat der Blühprozess begonnen!
    Über aktuelle Entwicklungen informiert die Stadt Dortmund über Twitter.

  5. Stadt Dortmund Beitrags Autor

    Fast 5.300 Titanenwurz-Fans besuchten „Turbo-David“

    Die Dortmunder Titanenwurz „Turbo-David“ hat sich am Wochenende eine riesige Fangemeinde „erblüht“. Exakt 5.296 Besucherinnen und Besucher waren live bei dem Spektakel dabei!

    Dr. Patrick Knopf, Direktor des Botanischen Gartens Rombergpark: „Wir sind besonders stolz, dass unsere Titanenwurz so jung geblüht hat – noch nicht mal 35 Monate hat es gedauert. Und wir freuen uns, dass so viele Besucherinnen und Besucher dieses freudige Ereignis mit uns erlebt haben. Ich bin schon jetzt sehr gespannt, wie groß ,Turbo-David‘ bei der nächste Blüte sein wird!“

    Am frühen Freitagnachmittag ging alles ganz schnell. Das tief-burgunderrote Hüllblatt von Titanenwurz „Turbo-David“ öffnete sich schon vor 13 Uhr und gab zum ersten Mal den Blick ins Innere des Blütenstandes frei. Eigentlich etwas zu früh, hatte man die Öffnung doch erst für den späteren Nachmittag erwartet. Umso mehr freuten sich die Besucherinnen und Besucher, die schon vor Ort waren.

    Nach dem Startschuss gab es kein Halten mehr: Um 17 Uhr verlief die Warteschlange schon durch die gesamten Gewächshäuser. Immer mehr Fans reihten sich ein, so dass die Schlange vor dem Kassenhäuschen schließlich über 150 Meter lang war. Und das bis tief in die Nacht hinein!

    „Die Stimmung bei den Wartenden war gut – es wurde gescherzt und gelacht. Einige hatten sich Verpflegung mitgebracht. Schließlich galt es, bis zu zweieinhalb Stunden Wartezeit überbrücken. Diese fröhliche und gelassene Atmosphäre wird mir immer in Erinnerung bleiben“, so Dr. Knopf weiter.

    Währenddessen öffnete sich im Inneren des über 30° Grad Celsius warmen Gewächshauses die Titanenwurz immer weiter. Deutlich war der Geruch nach Aas oder Kadaver zu riechen. Die Fliegen kreisten um den Blütenstand und sammelten sich dort.

    Noch weit nach Mitternacht standen zahlreiche „Turbo-David“-Fans an, um das Blütenschauspiel zu erleben. Erst um halb drei Uhr morgens wurde die Warteschlange deutlich kürzer und die letzten verließen nach drei Uhr die Pflanzenschauhäuser.

    Für „Turbo-David“ nur eine kurze Verschnaufpause, denn am Samstagvormittag 10 Uhr warteten schon die nächsten Besucherinnen und Besucher am Eingang. Noch am Vormittag schloss sich die Blume wieder und steht seitdem immer noch aufrecht da. Sie ist immer noch prachtvoll anzusehen.

    Auch hier gibt „Turbo-David“ ordentlich Gas: Die aufrechte Haltung ist gar nicht so oft der Fall, denn häufig knickt der Osmophor viel früher ein.

    Jetzt bleibt „Turbo-David“ erstmal an seinem Platz im Gewächshaus. Bald wird der Blütenstand dann vollständig verwelken und die Knolle wird eine Ruhezeit durchmachen.

    In einigen Monaten erscheint ein neues Blatt, welches die Knolle ernährt. Und dadurch wird sie auch wieder Gewicht zulegen, denn die Blüte hat bestimmt zwei bis drei Kilogramm der Knolle verbraucht.

    Mit wachsender Knolle wird auch der nächste Blütenstand viel größer. Aber bis dahin dauert es noch – drei bis fünf Jahre sind der Durchschnitt. Ob „Turbo-David“ so lange warten will?

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