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Schwere Vorwürfe: Callcenter „Kikxxl“ übt Druck auf Beschäftigte aus – wer einen Betriebsrat will, fliegt raus

Am Hammerkopfturm der Zeche Minister Stein in Eving residiert das Callcenter „Kikxxl“. Archivbild: Alex Völkel

Fragwürdiges Gebaren beim Dortmunder Callcenter „Kikxxl“ in Eving: Weil ver.di-VertreterInnen einen Infostand zum Thema Betriebsratsgründung vor dem Unternehmen in Eving aufgestellt hatten, werden Beschäftigte von Führungskräften vom ver.di-Stand abgedrängt, der Infostand mit einem Fußball beschossen und später sogar mit „Wasserbomben“ beworfen. Beschäftigte, die in Bochum und Dortmund einen Betriebsrat gründen wollten, wurden zudem fristlos entlassen.

Ver.di: „Wir verstehen dies als grobe Behinderung unserer Gewerkschaftsarbeit“

Die „KiKxxL“-Niederlassung in Eving - das Archivbild stammt von einem Tag der offenen Tür.

Die „KiKxxL“-Niederlassung in Eving – das Archivbild stammt von einem Tag der offenen Tür.

Die Gewerkschaft ver.di war am Mittwoch (27.11.2019) im Schatten des Hammerkopfturms auf der Zeche „Minister Stein“. Ziel der GewerkschafterInnen war es, die rund 300 Beschäftigten am Standort Dortmund über die Möglichkeit einer Betriebsratswahl zu informieren.

Kaum hatte ver.di den Infostand aufgebaut, formierte sich nach Aussage der Gewerkschaft eine Traube von Kikxxl-Führungskräften in der Nähe des Standes. Aus ver.di-Sicht geschah dies, um interessierte Beschäftigte einzuschüchtern und sie so daran zu hindern, sich zu informieren. 

Sobald sich einer der GewerkschafterInnen an anderer Stelle Beschäftigten näherte, kam eine Bereichsleitung hinzu und versuchte, die Gespräche zu unterbinden. Das „Schauspiel“ dauerte über Stunden und gipfelte darin, dass Führungskräfte neben dem Info-Pavillon Fußballspiel und angeblich „aus Versehen“ den Stand „beschossen“. 

Zu guter Letzt flogen beim Abbau des ver.di-Standes plötzlich Wasserbomben aus den oberen Kikxxl-Etagen auf die GewerkschafterInnen. „Wir verstehen dies als grobe Behinderung unserer Gewerkschaftsarbeit und auch von möglichen Betriebsratswahlen bei Kikxxl in Dortmund“, betont Matthias Baumann, ver.di Gewerkschaftssekretär in Dortmund.

Fristlose Kündigungen wegen eines Wunschs nach Betriebsratswahlen

ver.di-Gewerkschaftssekretär Matthias Baumann und seine MitstreiterInnen wurden von Kikxxl-Führungskräften bedrängt.

Gewerkschaftssekretär Matthias Baumann und sein Team wurden von Kikxxl-Führungskräften bedrängt.

Dies ist nur eine weitere unrühmliche Episode in dem seit Jahren schwelenden Konflikt mit dem rund 2000 Beschäftigte zählenden Unternehmen mit Sitz in Osnabrück. In Bremen, Dortmund und Bochum – und ab dem kommenden Jahr auch in Recklinghausen – gibt es Niederlassungen. 

Was es allerdings bisher nicht gibt, ist ein Betriebsrat. Seit Jahren versucht das Unternehmen mit allen Mitteln, eine Betriebsratsgründung zu verhindern.

Am Kikxxl-Standort Bochum wurden vor drei Wochen sogar drei Mitarbeiter gekündigt, als sie die Einladung für eine Wahlversammlung zur Einleitung einer Betriebsratswahl an den Arbeitgeber übergaben. Gegen diese Kündigungen hat ver.di bereits Klage eingereicht. 

Das Unternehmen bestreitet offenbar einen Zusammenhang der Kündigung mit dem Wahlwunsch. Dennoch konnte vor zwei Wochen ein Wahlvorstand in Bochum gewählt werden, welcher nun die Betriebsratswahlen dort vorbereitet und durchführt.

ver.di führt Kündigungsschutzklagen für die Betroffenen

„Bewerberchat“ auf der Unternehmensseite: Dort gibt man Auskunft zum Thema Betriebsrat - doch der Rückruf erfolgt nicht.

„Bewerberchat“ auf der Unternehmensseite: Dort gibt man Auskunft zum Thema Betriebsrat – doch der zugesagte Rückruf erfolgt nicht.

Der Kikxxl-Vorstand habe ver.di gegenüber versichert, dass man die Betriebsratswahl begrüße und diese unter gar keinen Umständen behindern wolle. Dies stellte sich für die Gewerkschafter in Dortmund entschieden anders dar.

„Der Betriebsrat ist die gesetzlich vorgesehene Interessenvertretung der Beschäftigten. Dieses Gremium sorgt dafür, dass die Beschäftigten in vielen Fragen ihrer Arbeitsbedingungen mitbestimmen können.

Ver.di ist bereit, eine Betriebsratswahl auch gegen den Widerstand des Arbeitgebers durchzusetzen, dies tun wir aber nur, wenn die Beschäftigten das auch wollen,“ so Baumann. 

Wenn die Kikxxl-Beschäftigten in Dortmund also einen Betriebsrat wollen, sollen sie sich an die Gewerkschaft wenden. Ein erster Anlauf sei allerdings auch hier durch (fristlose) Kündigungen „erstickt“ worden.

Gegen die Kündigungen ging bzw. geht ver.di an den verschiedenen Standorten im Namen der Betroffenen vor. Doch das Problem ist erst mal in der Welt: Die Beschäftigten, die nach ver.di-Angaben kaum mehr als Mindestlohn erhalten, stehen erst mal ohne Job da. Sie suchen sich daher schnellstmöglich einen anderen Job, so dass zumeist die Kündigungsschutzklagen ins Leere laufen.

Das Unternehmen hat bisher nicht auf die Presse-Anfragen reagiert

Selbst mit „Wasserbomben“ wurden die GewerkschafterInnen aus dem Firmensitz heraus beworfen.

Selbst mit „Wasserbomben“ wurden die GewerkschafterInnen aus der Firma heraus beworfen.

Das Unternehmen „Kikxxl“ übt offenbar sogar Kollektivstrafen aus, um Druck zu erzeugen: In Bochum wurde nicht nur einer der Beschäftigten wegen der Ankündigung einer Betriebsratswahl gefeuert, sondern auch dessen im Unternehmen beschäftigte Lebensgefährtin sowie mehrere direkte Kollegen seien entlassen worden – berichtet Baumann.

Bislang gibt es bei dem Unternehmen, welches vor allem für die Telekom, Vodafone und Mobilcom, aber auch kleinere Reiseunternehmen arbeitet – nur eine Mitarbeitervertretung. 

Diese sei aber vom Unternehmen eingerichtet und mit vielen Führungskräften, Teamleitern und Coaches besetzt worden, betont Baumann. Menschen, die sich mit Problemen an diese Vertretung gewandt hätten, hätten häufig keine Hilfe erhalten, versichert Baumann. 

HINWEIS:

Wir wollten das Unternehmen mit diesen Vorwürfen der Gewerkschaft konfrontieren. Doch die Anfragen via Homepage und auch telefonisch blieben unbeantwortet bzw. die auf beiden Wegen zugesagten Rückrufe kamen bislang nicht. 

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4 Gedanken über “Schwere Vorwürfe: Callcenter „Kikxxl“ übt Druck auf Beschäftigte aus – wer einen Betriebsrat will, fliegt raus

  1. Dortmunder

    Das liest sich sehr übel. Callcenter haben doch Auftraggeber. Eine seriöses, auf seinen guten Ruf bedachtes Unternehmen kann doch dcjwerlich mit einem solch fragwürdigen Call Center zusammen arbeiten.

    @ Redaktion : für wen arbeitet dieser Laden denn alles?

  2. Kiparschweski

    Ich habe selbst mal für das Unternehmen gearbeitet und kann diese Vorgehensweise nur bestätigen.

    Bei Fragen rund um einen Beitriebsrat, wurde man sofort unter Druck gesetzt.

    Aber auch ohne eine Ansprache des Betriebsrates, wird dort übel Druck auf den Mitarbeitern ausgeübt.

    Wenn man nicht Verkauft, kann man sich morgens im Meeting erstmal einen „Anschiss“ abholen, damit man „motiviert“ in den Tag starten kann oder man wird im Laufe des Tages nach Hause geschickt. Das ist günstig für das Unternehmen, weil es Stdlohn spart aber auf Kosten des Mitarbeiters, der dadurch finanzielle Einbußen hat und von sich aus gar nicht nach Hause wollte.

    Bei Kikxxl läuft so viel verkehrt, dass dort ein Betriebsrat mehr als nötig ist. Aber da dass Unternehmen nur an seine eigenen Interessen denkt und nicht an einer Mitarbeiterzufriedenheit, werden sie auch weiterhin alles dran setzten, um dies zu verhindern.

  3. Alexander

    das kann doch nicht sein das solch ein callcenter für Anbieter wie : Telekom, Vodafone etc. Arbeitet.

    Man sollte die Anbieter mal fragen ob sie über diese Skandale Bescheid wissen und ob es in deren Interesse geschieht.

    Zumal das jetzt nicht das erste mal ist das die Presse über dieses callcenter berichtet bezüglich Betriebsrat Behinderung

    Wdr, waz alle schon darüber berichtet.

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