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„Rausch der Schönheit“ in Dortmund: Museum für Kunst und Kulturgeschichte zeigt die Kunst des Jugendstils

„Rausch der Schönheit“: Im MKK Dortmund wird am Sonntag die Kunst des Jugendstils präsentiert. Diesen Weg ging Albert Baum, Gründungsdirektor des Museums, auf der Pariser Weltausstellung 1900. Fotos: Joachim vom Brocke

Von Joachim vom Brocke

In einen „Rausch der Schönheit“ fällt ab Sonntag (9. Dezember) das Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Auf 1000 qm Ausstellungsfläche wird im Erdgeschoss die „Kunst des Jugendstils“ präsentiert. Zu sehen sind bis zum 23. Juni 2019 rund 900 Objekte, darunter Möbelstücke, komplette Raumausstattungen, Teppiche, Porzellan, Fliesen, Uhren, Bestecke, Gläser. Drei Geburtstage aus diesem Jahr haben die interessante Ausstellung wachsen lassen: das Museum wird 135 Jahre alt, die Museumsgesellschaft 110 Jahre und die Stiftung für das Museum gibt es seit 20 Jahren.

Viele Werke aus Museumsbesitz erstmals zu sehen – Albert Baum legte Grundstein der Sammlung 

„Tänzerin“ – eine Porzellanarbeit von Albert Dominique Rosé aus dem Jahr 1911.

Mit der Eröffnung der Ausstellung lernen die BesucherInnen bislang noch nie gezeigte Jugendstil-Werke aus dem Besitz des Museums kennen. Projektleiterin Dr. Gisela Framke, zugleich stellvertretende Direktorin: „Zu 80 Prozent stammen die gezeigten Exponate aus eigenen Beständen“. Eine Menge an Kostbarkeiten gibt es zu sehen, die aus dem Archiv zu neuem Leben erweckt wurden. Für Museumsdirektor Dr. Jens Stöcker ein „Höhepunkt im Haus“. Um 1900 hat sich der Jugendstil international verbreitet – auch in Dortmund.

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Albert Baum, Gründungsdirektor des Museums, legte den Grundstein der Sammlung. Auf der Pariser Weltausstellung 1900 kaufte Baum erste herausragende Stücke an. Dies wird gleich am Eingang deutlich, wenn die BesucherInnen im Hintergrund der gläsernen Schaukästen ein riesiges Bild der (nicht mehr bestehenden) Weltausstellungsgebäude mit dem Invalidendom im Hintergrund sehen. Gabriele Koller, für die Ausstellungskonzeption zuständig, sinnierte: „Diesen Weg wird bestimmt auch Albert Baum gegangen sein“.

In sechs Kapiteln wird in der Ausstellung von Anfängen, Ausprägungen und Ansprüchen des Jugendstils erzählt, eine Bewegung, die auch in Dortmund in jenen Jahren Freunde fand. Das Jugendstilportal der Zeche Zollern II/IV ist das bekannteste Beispiel. Doch auch an vielen Gebäuden sind Elemente des Jugendstils  erhalten geblieben, wie eine ganze Sammlung von Beispielfotos zeigt.

Kostbarer Nachlass von Aenne Klönne – Schönheit spielte eine ganz zentrale Rolle

Dann ist da noch der Nachlass von Aenne Klönne, geb. Glückert, der zum Museumsbestand gehört. Aenne Glückert, Tochter des Darmstädter Hofmöbelfabrikanten Julius Glückert, heiratete 1907 den Industriellensohn Franz Mathias Moritz Klönne. Mit in die Ehe brachte sie zahlreiche Möbel und Objekte aus der väterlichen Firma – einen Damensalon mit fein aufeinander abgestimmten zierlichen Möbeln mit kostbaren Einlegearbeiten, die von Joseph Maria Olbrich entworfen worden waren.

Möbel aus dem Haushalt der Dortmunderin Aenne Klönne (geb. Glückert) gehören, sind erstmals zu sehen.

Mit einer erstmals rekonstruierten Wohnungseinrichtung der Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst steht mit Richard Riemerschmid ein weiterer wichtiger Protagonist des Jugendstils im Zentrum der Ausstellung. In Riemerschmids Möbelentwürfen zeichnet sich der richtungsweisende Wandel vom individuell gefertigten Einzelstück zur seriellen Maschinenproduktion ab.

Weitere Arbeiten von Riemerschmid, von Henry van de Felde und Peter Behrens stehen für ein zukunftsweisendes Zusammenwirken von Kunst, Handwerk, Industrie und Wirtschaft.

Schönheit spielte in der Kunst des Jugendstils eine ganz große zentrale Rolle. Viele Gläser, Vasen, Schalen, Bestecke, Fliesen, Uhren zeigen die Besonderheiten dieser Kunstrichtung. Anregungen fanden die Künstler vor allem im Formenreichtum der Natur mit geschwungenen und bewegten Linien oder in der faszinierenden Bildsprache japanischer Kunst. Dortmund wuchs um 1900 rasend schnell zu einem Industriezentrum.

Dadurch veränderte sich nach und nach das Stadtbild durch repräsentative Großbauten. Dazu gehörte das Stadttheater oder das seit 1883 bestehende Museum für Kunst und Gewerbe, die 1904 gegründete Handwerkerschule sowie die 1908 eröffnete Volksbibliothek.

Über 300-seitiger Katalog und vielseitiges Begleitprogramm zur Jugendstil-Ausstellung

Jugendstil-Werbeplakate aus Dortmund: rechts die Jungmühle, Mitte das Café Industrie, links das Hohenzollernhaus.

Gefördert wird die „Rausch der Schönheit“-Ausstellung von vielen Sponsoren. Udo Mager von der Dortmunder Museumsgesellschaft e.V., der Stiftung MKK und Mitglied der Reinoldigilde, teilte mit, dass sich letztere mit 30 000 Euro eingebracht habe: „Das Engagement der Stadtgesellschaft an das Engagement derer, denen die Stadt am Herzen liegt“.

Ein umfangreiches Begleitprogramm wird angeboten. Dazu gehört ein über 300-seitiger ausführlicher Katalog, der im Museum für 39 Euro und im Buchhandel für 49 Euro zu haben ist. Ausflüge in die Epoche des Jugendstils sind mit Spaziergängen (jeweils samstags 14 bis 15.30 Uhr) geplant mit Zielen in der Kaiserstraße, im Kreuzviertel, in Hörde oder im Unionviertel.

Fahrradtouren durch die Nordstadt gehören ebenso dazu wie Busfahrten. Hinzu kommen Exkursionen und Vorträge in Kooperation mit der VHS. Außerdem sind im nächsten Jahr besondere Events in der Rotunde des MKK vorgesehen. Einen Flyer mit detaillierten Angaben gibt es im Museum.

Eröffnet wird „Rausch der Schönheit. Die Kunst des Jugendstils“ am Sonntag, 9. Dezember, um 11.30 Uhr mit Grußworten von OB Ullrich Sierau, Udo Mager (Museumsgesellschaft), Dirk Schaufelberger (Stiftung für das Museum). Einführungen geben Dr. Gisela Framke und Gabriele Koller. Musikalisch umrahmt wird die Eröffnung durch das Streichtrio der Dortmunder Philharmoniker.

Fotos von noch vorhandenen Jugendstil-Elementen an Dortmunder Hausfassaden.

 

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