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Weniger BesucherInnen als erhofft: Pink Floyd-Ausstellung im Dortmunder U bringt dafür viele positive Signale in die Stadt

Mit der Pink Floyd-Ausstellung hat Dortmund eine viel beachtete Ausstellung ins Dortmunder U geholt, die selbst BesucherInnen aus dem Ausland lockt und bundesweit für ein Medienecho sorgte. Allerdings bleiben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück: Die bis zu 150.000 erhofften Fans wird die Ausstellung bis zum Ende ihrer Laufzeit wohl nicht schaffen. Doch es gibt viele Lichtblicke.

Jeder vierte Gast kommt nicht aus NRW – sechs Prozent sind dagegen aus dem Ausland

Denn die Ausstellung „Pink Floyd – The Mortal Remains“ (Die sterblichen Überreste) im Dortmunder U hat der Stadt viele auswärtige BesucherInnen beschert. Jede/r vierte Besucher/in ist nicht aus Nordrhein-Westfalen, sechs Prozent der Gäste sogar aus dem Ausland, rechnet Dr. Stefan Mühlhofer, stellvertretender Leider der Kulturbetriebe, vor. Vor Dortmund war die Ausstellung nur in London und Rom zu sehen. Die vierte und letzte Station wird wohl in den USA sein.

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Weitere Eckzahlen: 35 Prozent der Gäste sind unter 50 Jahren alt, 61 Prozent sind Männer. Und die Besucherzufriedenheit, das ergeben Befragungen,  ist gigantisch hoch – trotz der 30 Euro pro Karte: „98 Prozent sagen, dass es eine tolle Ausstellung ist. Jeder Euro hat sich gelohnt. Das haben wir sonst bei Ausstellungen mit sieben Euro Eintritt nicht“, bilanziert Mühlhofer. 

Nur eine Zahl wollen (oder können) Mühlhofer und Kulturdezernent Jörg Stüdemann nicht nennen: die bisherigen BesucherInnenzahlen. Aus vertraglichen Gründen dürften sie keinen Zwischenstand geben, machten sie im Ausschuss für Kultur, Sport und Freizeit deutlich, wo das Thema im Rahmen des dritten Quartalsberichts der Kulturbetriebe aufschlug. Wohl erst nach Abschluss der Ausstellung – sie läuft noch bis Ende Februar 2019 – werden Zahlen genannt werden. 

Massive Werbekampagne und bundesweite Berichterstattung – wenn da nicht das Wetter gewesen wäre

Die PolitikerInnen sahen das erwartete Defizit der Kulturbetriebe, an dem auch das Dortmunder U seinen Anteil hat, mit Skepsis. Sie fragten, ob es an der fehlenden Werbung und Berichterstattung fehle. Doch auch dort können die Kulturbetriebe mit Superlativen aufwarten. Noch keine Dortmunder Ausstellung sei in den vergangenen Jahrzehnten so stark beworben worden – mit Großflächenplakaten und Radiospots im Ruhrgebiet, aber auch im Sauer- und Münsterland. 

Außerdem seien sie mit der bundesweiten Reichweite im redaktionellen Teil der Tageszeitungen und Magazine sehr zufrieden. „Wir  sind noch nie so breit gestreut worden. Bei der Werbung haben wir ganz hervorragende Werte. Wir sind stark vermittelt worden“, zieht Mühlhofer eine eigentlich positive Bilanz. Schade nur, dass die BesucherInnenzahlen noch nicht stimmen.

Ein Hauptgrund war das gute Wetter: „Natürlich sind die Besucherzahlen nicht so, wie wir sie uns erhofft haben. Bis Ende Oktober so warmes Wetter, dass deutschlandweit die Besucherzahlen in Museen eingebrochen sind“, so Mühlhofer. 

Das Weihnachtsgeschäft und das Merchandising lassen sich gut an – konkrete Zahlen fehlen allerdings bislang

Doch es gibt auch positive Signale: Denn das Weihnachtsgeschäft mit Geschenkgutscheinen ist gut angelaufen. Auch das Merchandising kann sich bislang sehen lassen. Aber, ebenso hier: noch keine Zahlen über Verkäufe und Erlöse.

Außerdem sei das Dortmunder U jetzt auf dem Radar vieler Multiplikatoren. „Im musealen Bereich sind wir noch nicht der ganz große Player. Aber es ist der Anfang, das Dortmunder U in eine neue Liga zu katapultieren“, glaubt Stüdemann. 

„Die Zahlen bestätigen die Magnetwirkung, die der neue Intendant und die Ausstellung haben. Wir können nur hoffen, dass sich das rumspricht und hängen bleibt. Das Echo insbesondere von außerhalb war ja riesig“, teilt Heinz Dingerdissen (FDP/Bürgerliste) die positive Perspektivik. 

„Niemand hat gedacht, dass es keine Risiken gibt. Und ich freue mich, dass das Risiko mittlerweile minimiert wird. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass es nicht so läuft. Aber das mit dem Wetter-Zusammenhang war mir vorher nicht so bewusst“, räumt Birgit Jörder, Vorsitzende des Fachausschusses, ein.

Nicht nur Männer über 60 Jahren, sondern auch Kreative besuchen die Ausstellung

„Es wird die bestbesuchte Ausstellung werden. Wie viele Gäste genau, ist noch nicht abschließend zu bewerten“, urteilt Jörg Stüdemann. Neben der Zielgruppe 60plus  – „sie erfreut sich an Jugenderinnerungen und legen problemlos 30 Euro Eintritt auf den Tisch“ – macht Stüdemann eine weitere Zielgruppe aus: junge Leute – insbesondere Kreative. 

MusikerInnen, DesignerInnen, Fachleute für Ton- und Lichtdesign sowie Produktdesign. Sie stehen in der Ausstellung und machen sich Notizen. Wenig verwunderlich. Denn Pink Floyd war die erste Rockband, die große Inszenierungen auf große Inszenierungen setzte – und damit auch weltweit Maßstäbe. Das interessiert und fasziniert noch heute.

Die Rolling Stones hätten Interesse an einer Ausstellung in Dortmund

Welche Wirkung die Pink Floyd-Ausstellung noch für Dortmund entfalten kann, bleibt abzuwarten. Auf das Radar von anderen Musiklegenden ist das Dortmunder U mittlerweile jedenfalls gelandet. Zwei große Kultbands haben angefragt, ob sie auch eine solche Ausstellung bekommen könnten. Verraten wollte er die Namen  jedoch nicht.

Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei unter anderem um die Rolling Stones. Doch realisieren könnten die Dortmunder eine solche Ausstellung nicht. Dazu fehlen der Stadt die Möglichkeiten. Denn die Pink Floyd-Ausstellung hatte sie ja auch nicht selbst organisiert, sondern deren früherer künstlerischer Leiter als Kurator. Dortmund hat die Ausstellung „nur“ eingekauft.

“Pink Floyd Club Experience“
Die „Pink Floyd Club Experience“ präsentiert in wechselnden Dortmunder Clubs nun Künstler, die sich mit dem musikalischen Vermächtnis der Band auseinandergesetzt habe.
Die Palette reicht von der Jazz-Interpretation von „Dark Side of the Moon“ im domicil über einen HipHop Beat Battle im Tanzcafé Oma Doris mit Sounds der Band bis zu einer Theaterinszenierung über die tragische Geschichte des Syd Barrett im „Rekorder“.
Außerdem gibt es eine Pink Floyd Platten- und Posterbörse, ein Kneipen-Quiz und jede Menge Partys.

Die Termine im Einzelnen:

      • 14.12.2018: Look ahead – Beatbattle / Liveact / Party, Tanzcafé Oma Doris, Reinoldistraße 2-4
      • 21.12.2018: Theater-Clubabend, Rekorder, Gneisenaustraße 55
      • 22.12.2018: Rock it! Pink Floyd Warmup, Großmarktschänke, Heiliger Weg 60g
      • 29.12.2019, 20 Uhr: Nguyen Le – Celebrating The dark side oft he moon, domicil, Hansastr. 7-11
      • 12.01.2019: 30+ Too Old To Die Young – Pink Floyd Edition, FZW, Ritterstraße 20
      • 17.01.2019, 20 Uhr: „The Dorf“ plays Ummagumma, domicil, Hansastr. 7-11
      • 26.01.2019, 20.30 Uhr: The Final Cut – Pink Floyd Tributeband, Musiktheater Piano, Lütgendortmunder Str. 43
      • 02.02.2019: Das Pink Floyd Kneipenquiz, Zum Schlips, Brückstr. 64.

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2 Gedanken über “Weniger BesucherInnen als erhofft: Pink Floyd-Ausstellung im Dortmunder U bringt dafür viele positive Signale in die Stadt

  1. Kultur-Bürger

    PR-Erfolg und Besucher-Flop?

    Eine  Pink-Floyd Ausstellung in Dortmund, die ansonsten nur in London und Rom zu sehen war, kommt einer Sensation gleich. Insofern ist dem überaus sympathischen Edwin Jakobs, der schon jetzt als Gewinn für Dortmund angesehen werden muss,  gleich zu Beginn seiner Tätigkeit als Direktor des Dortmunder U ein großer Coup gelungen, der Freude bereitet und zu dem man nur gratulieren darf. Das bundesweite Medienecho war gewaltig. So weit, so sehr gut.

    Nun scheint sich herauszukristallisieren, dass die Pink Floyd-Ausstellung in Bezug auf die erwarteten und wohl auch in die finanziellen Kalkulationen eingeflossenen Besucherzahlen bisher wohl ziemlich  flopt- offensichtlich so sehr, dass der verantwortliche Kulturdezernent -und Kämmerer (!) und Stadtdirektor- Stüdemann und der Geschäftsführer der Kulturbetriebe Dr. Mühlhofer,  keine konkreten Besucherzahlen mit Verweis auf eine – doch etwas ominös daherkommende- Absprache mit den Leihgebern nennen wollen.

    Nun  kann man aber durchaus davon ausgehen, dass die Verantwortlichen bei der Stadt im Falle eines deutlich höheren  Besucherzuspruchs  mit den Zahlen keineswegs hinterm Berg halten würden,  die PR-Hochtöner anwerfen  und sich allesamt im Erfolg sonnen würden.

    Was ist das also für eine Vereinbarung oder Verabredung? Vertraglich geregelt wäre dies möglicherweise sogar ein unzulässiges Rechtsgeschäft zu Lasten Dritter, nämlich der (finanzierenden) politischen Gremien der Stadt Dortmund und damit gegenüber der Dortmunder Stadtgesellschaft.

    Wie kann es angehen, dass die Verantwortlichen der städtischen Kultur sich in den Kulturausschuss der Stadt Dortmund stellen und den gewählten Vertreterinnen und Vertretern und damit der Öffentlichkeit und der Stadtgesellschaft, die diese Ausstellung finanziert und ggf. die finanziellen Ausfälle zu tragen hat, Auskunft über die konkreten  Besucherzahlen verweigert?.

    Und. wie kann es angehen, dass sich die im Kulturausschuss versammelten Ratsvertreterinnen und Ratsvertreter so eine Behandlung gefallen lassen?. Und- nebenbei- wie kann es angehen, dass die versammelte (Rest-)Medienlandschaft in Dortmund dies ohne Murren zur Kenntnis nimmt.?

    Anstatt dem zuständigen Fachausschuss des Rates der Stadt Dortmund die Zahlen auf den Tisch zu legen, damit dieser einerseits  eine finanzielle Risikobewertung vornehmen kann und andererseits über offensichtlich dringend notwendige Maßnahmen diskutieren kann, wie den niedrigen Besucherzahlen mit welchen konkreten Maßnahmen entgegengewirkt werden kann,  wird auf das Wetter verwiesen, dass zu schön gewesen war, um ins Museum zu gehen und dies ohnehin ein bundesweiter Trend war. Das ist dann als Erklärung insgesamt  doch eher dürftig.

    Man muss natürlich konstatieren, dass Dortmund nur bedingt mit London und Rom vergleichbar ist- und zwar nicht deswegen, weil man Dortmund  dann doch eher – wie manche, der Großmannssucht  verfallene Politiker hier meinen-  mit New York vergleichen müsse, sondern schlicht und ergreifend in diesem Falle vor allem deshalb, weil  die Kaufkraft der überwiegenden Mehrheit der Dortmunderinnen und Dortmunder – wie überall im Ruhrgebiet- deutlich niedriger liegt.

    Was liegt also näher, als die – für Dortmund ungewöhnlich hohen – Eintrittspreise drastisch zu senken?

    Die Stadt muss den Verlust ohnehin ausgleichen. Da kommt es dann darauf auch nicht mehr an- zumindest könnten  sich dann ein paar Dortmunderinnen und Dortmunder mehr den besuch dieser hervorragenden  Ausstellung leisten – und das sollte den Kulturverantwortlichen in dieser Stadt doch zumindest genauso wichtig wie das positive Echo im deutschen Blätterwald sein..

     

     

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