
In der Nähe des Bahnhofs befinden sich die Räumlichkeiten von PerMenti NRW. Hierhin kommen qualifizierte Frauen mit Migrationshintergrund. Ihr Ziel: Eine langfristige Integration als qualifizierte Fachkraft in den deutschen Arbeitsmarkt. In Dialoggruppen, Coachings, Beratungen oder sogenannten Tandems werden alle Fragen rund um Bewerbungsprozesse, Beschäftigungsverhältnisse, Sprachkurse oder Praktika beantwortet.
Fokus auf beruflichen und gesellschaftlichen Themen
Wer über die Website oder andere Formen der Akquise, wie Jobmessen oder Empfehlungen vom Jobcenter und der Agentur für Arbeit, auf PerMenti aufmerksam wird, hat viele Beteiligungsmöglichkeiten.

Der Fokus liegt dabei meist auf beruflichen und gesellschaftlichen Themen sowie dem Austausch darüber. Wöchentlich werden drei Dialoggruppen mit jeweils etwa zehn Teilnehmerinnen angeboten.
Anmelden kann man sich dabei pro Woche, aber viele Frauen nehmen laut PerMenti regelmäßig teil. Manche Dialoggruppen finden online und andere live statt – so werden Möglichkeiten für Frauen geschaffen, die nicht in der direkten Umgebung von Dortmund leben. Allerdings würden viele Frauen den Weg auf sich nehmen, wenn sie den Mehrwert von PerMenti erkannt hätten, wie Andreas Picken es ausdrückt.
In Dialoggruppen Frauen mit ähnlichen Erfahrungen treffen
Picken ist Senior Expert Coach im PerMenti-Team. Mit den Erfahrungen aus seinem ehemaligen wirtschaftlichen Berufsfeld leitet er die Dialoggruppe, die sich allen Fragen rund um „Wie funktioniert Arbeit in einem deutschen Betrieb“ stellt.
Seine Kollegin und Projektkoordinatorin Shlomit Stein organisiert eine Dialoggruppe zu soziopolitischen Themen. Beispielsweise sprechen die Frauen mit ihr über „Chancengleichheit und Integration auf dem deutschen Arbeitsmarkt“. Ihr sei dabei wichtig, stets wissenschaftlich fundiert zu vermitteln, dass die vermeintlichen Defizite der Frauen nicht nur Defizite seien, und die Frauen immer auch einen Mehrwert mitbringen.

Auch Giulia Di Nauta, die die Koordination fürs Mentoring übernimmt, setzt sich wöchentlich mit Teilnehmerinnen zu ihren möglichen beruflichen Perspektiven auseinander. Darüber hinaus können ehrenamtliche Mentor:innen einmalige Dialoggruppen anbieten, wie Di Nauta berichtet.
Auch Ausflüge, die PerMenti einmal im Monat anbietet, schaffen Raum für anregenden Austausch und Gemeinschaft. Bei diesen gehe es darum „zu zeigen, was Dortmund zu bieten hat“, erzählt Stein, die die Ausflüge organisiert. So sollen auch, neben den beruflichen Themen, andere Impulse gesetzt werden, die das Selbstbewusstsein der Frauen stärken. ___STEADY_PAYWALL___
Beratung und Coaching als eins zu eins Angebot
Angebote für Gruppen legen den Grundstein für Austausch und gemeinsame Lernprozesse – aber dabei bleibt PerMentis Unterstützung nicht: Das Projekt bietet auch Beratungen und Coachings an. Erstere dienen inhaltlich eher bürokratischen Abläufen oder Verweisberatungen und beschränken sich auf einzelne Anlässe. Coachings dagegen strecken sich über einen Zeitraum hinweg: Mit einem bestimmten Ziel oder Anliegen sprechen die Frauen regelmäßig im Eins-zu-eins-Gespräch zum Beispiel mit Stein oder Picken.
In den Coachings wird es konkret: Picken sucht mit Teilnehmerinnen beispielsweise nicht nur nach neuen Jobperspektiven, die angepasst an ihre Fähigkeiten sind, sondern übt auch Vorstellungsgespräche und bespricht den Umgang mit unangenehmen Fragen. Zentral sei es für ihn, „mit den Frauen nicht nur nach vorne zu schauen, sondern nach vorne hin zu argumentieren.“
Als Ergänzung zu Coachings können Teilnehmerinnen Teil eines Tandems werden. Dabei treffen sich ehrenamtliche Mentor:innen regelmäßig mit ihren Mentees. So wird das Team von PerMenti durch Engagement unterstützt und die Teilnehmerinnen können im Tandem persönliche Erfahrungen teilen. Was ein Mentoring ausmacht, hängt von den vorher schriftlich vereinbarten Konditionen ab.
Mentorin Piliavina: „Ein Projekt, wo man nicht alleine ist“
Mentorin und Mentee können sich sowohl persönlich, als auch online treffen. Die Motivationen für das Tandem werden, oft in Absprache mit dem Coaching, vorher festgelegt. Di Nauta berichtet, dass ein Tandem dann besonders optimal gelingt, wenn die Beteiligten zum Beispiel aus einem Berufsfeld kommen, oder anderweitig ähnliche Erfahrungen mitbringen. Für Zlatoslava Piliavina ist das genau der Grund für ihr Ehrenamt in einem Projekt, wo man nicht alleine ist und mit jemandem sprechen kann.

Piliavina ist seit Herbst 2025 Mentorin. Aufmerksam auf PerMenti geworden ist sie, weil sie anderen Frauen mit Migrationserfahrung den Halt geben wollte, den sie selbst bei ihrer Ankunft in Deutschland gebraucht hätte. Sie erzählt, dass sie die Hürden versteht, denen die Frauen begegnen. Piliavina befindet sich gerade in ihrem zweiten Tandem. Wie viele Tandems die 20 aktiven Mentor:innen übernehmen, hängt von ihren jeweiligen Kapazitäten ab.
Inhaltlich, berichtet Piliavina, unterscheiden sich die Tandems. In ihrem aktuellen Tandem sei ein Teil der Vereinbarung, gemeinsam für die Deutschprüfung zu üben und besonders das aktive Sprechen zu vertiefen. Für Piliavina komme das in Integrationskursen aufgrund der hohen Teilnehmer:innenzahl oft zu kurz. Aus ihrer Perspektive seien Menschen, die einen genormten Sprachtest mit dem Niveau B2 bestehen, häufig noch nicht so weit, die Sprache im Alltag entsprechend ihres Sprachlevels anzuwenden.
Außerdem beschäftige Piliavina sich inhaltlich auch mit bürokratischen Herausforderungen beispielsweise mit dem Jobcenter und habe letztens mit ihrer Mentee für die Jobmesse einen Elevatorpitch geübt, bei dem die Mentee das Wichtigste in wenigen Minuten präsentiert. Bei Fragen, inhaltlich und organisatorisch, können sich die Mentor:innen immer an Di Nauta oder andere Mentor:innen wenden.
Arbeitssuche zwischen Geduld und Vorurteilen
Teilnehmerinnen seien durchschnittlich vier bis acht Monate im Projekt, bevor sie eine Anstellung finden. Auch gute Startvoraussetzungen wie anerkannte Abschlüsse, Weiterbildungen oder hohes Engagement führten nicht automatisch zu einer schnellen Anstellung – „Wie in jedem Bewerbungsverfahren gibt es Faktoren, die wir nicht beeinflussen können“, berichtet Stein.

Obwohl sich das Team wünsche, dass die Frauen „schnell Erfolg erleben“, sei im Prozess der Arbeitssuche vor allem „Geduld und eine hohe Frustrationstoleranz“ gefragt, wie Picken es formuliert.
Die Frauen seien oft mit Absagen konfrontiert, was auch für das Team frustrierend sei, so Stein. Qualifizierte Frauen mit Migrationshintergrund würden sich oft Vorurteilen ausgesetzt sehen: Picken, der zuständig für die Kommunikation mit Betrieben ist, habe das Gefühl, ihre Bewerbungen landen oft automatisch auf dem Stapel Absage.
Mehr Offenheit und Bereitschaft von Betrieben gewünscht
Betriebe würden häufig Sorge um angemessene Sprachkenntnisse gegenüber Picken äußern – allerdings nur solange, bis sie die Frauen tatsächlich kennenlernen: „Wenn es konkret wird, spielt das eigentlich keine Rolle mehr.“ Seit seiner Arbeit bei PerMenti würde er eine 100-prozentige Zufriedenheit seitens der Betriebe, die eine Teilnehmerin einstellten, feststellen.
Der Senior Expert Coach wünscht sich von Betrieben mehr Offenheit und Bereitschaft, den Frauen eine Chance zu geben, besonders in Zeiten des Mangels. Damit meint er nicht nur den Abbau von Vorurteilen gegenüber Frauen mit Migrationshintergrund, sondern auch Offenheit gegenüber den fachlichen Kompetenzen dieser: „Eine Bewerberin passt nie eins zu eins auf eine Stellenbeschreibung.“
Seit 2016 unterstützt PerMenti berufliche Integration
PerMenti NRW entstand 2016 unter anderem durch die Initiative der heutigen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Frauenverbände Barbara Wenzel und durchlief seitdem unterschiedlichste Projektphasen.

Zu Beginn beschränkte sich die Unterstützung hauptsächlich auf Dortmund. Zudem gestaltete sich das Projekt unterschiedlich, je nachdem, welchen Förderschwerpunkt die jeweilige Periode hatte. Über die Jahre hinweg blieb eines aber gleich: Das Ziel die Frauen in ihren beruflichen Perspektiven zu stärken. In der aktuellen Förderung durch das Land NRW unterstützte PerMenti seit 2023 insgesamt 293 Frauen.
73 Prozent von ihnen sind mehr oder weniger aktive Teilnehmerinnen der PerMenti-Angebote. Selbstverständlich für PerMentis Arbeit ist, dass sich ehemalige Teilnehmerinnen bei Fragen immer wieder an das Team wenden können.
PerMenti strebt die „qualifikationsadequate Integration in den deutschen Arbeitsmarkt“ ihrer Teilnehmerinnen an, fasst Di Nauta zusammen. Aber nicht, in dem man ihnen eine Anstellung gibt, sondern indem sie „aus eigener Kraft“ einen Job finden, unterstreicht Picken. Er möchte der Gesellschaft etwas zurückgeben, indem er Frauen in einen Beruf hinein begleitet. Stein verstehe besonders durch ihre eigenen Erfahrungen mit Migration die Relevanz ihrer Arbeit: „Ich finde mich in den Teilnehmerinnen wieder.“
Mehr Informationen:
- Weiteres zum Projekt, Erfahrungsberichte von Teilnehmerinnen, sowie Kontaktdaten zum Team gibt es unter: www.permenti-nrw.de.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

