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Nur 25 Prozent der Dortmunder*innen wählten Seniorenbeirat – aber die zeigten den Neonazis die kalte Schulter

Die Topverdiener sitzen nicht im Rathaus, sondern in der Kommunalwirtschaft.

Der neu gewählte Seniorenbeirat tritt am 27. April 2020 erstmalig zusammen. Foto: Alex Völkel

Die erste Wahl des Jahres in Dortmund ist gelaufen: der Seniorenbeirat steht. Insgesamt 40.499 Dortmunder*innen im Alter von 60 Jahren und älter haben ihre Stimme abgegeben (im Jahr 2015 gesamt: 43.603). Dies entspricht einer Wahlbeteiligung von 25,2 Prozent (2015: 28,1 Prozent). Das Gremium tritt am 27. April 2020 erstmalig zusammen. Nicht dabei sind die Neonazis – Die Splitterpartei „Die Rechte“ hatte ihre Kandidaturen vollmundig „als Paukenschlag“ angekündigt. Doch nur in vier von zwölf Bezirken trat jeweils ein Kandidat an – und landete jeweils auf dem letzten Platz.

Sehr unterschiedliche Wahlbeteiligung  – die Nordstadt bildet erneut das Schlusslicht

Der Seniorenbeirat der Stadt Dortmund ist die demokratisch legitimierte Vertretung älterer Menschen in Dortmund. Seine Aufgabe ist es, an der seniorengerechten Gestaltung der Stadt mitzuwirken und die Interessen der älteren Generation wahrzunehmen und zu vertreten. Er wurde gewählt von den über 60-jährigen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt. Er besteht aus 27 Mitgliedern und verteilt sich auf die zwölf Stadtbezirke – je nach Größe vertreten mit zwei oder drei Vertreter*innen.

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Kristina Kalamajka und Franz-Josef Ingenmey vertreten die Nordstadt im Seniorenbeirat. Foto: Thomas Engel

In Aplerbeck (Wahlbeteiligung 30,3 Prozent) wurden Martin Fischer (AWO), Jutta Fuchs (CDU) und Rüdiger Pelzer (frei) gewählt. In Brackel (26,3 Prozent) machten Thomas Bürstinghaus (frei), Reinhard Preuß (AWO) und Reiner Gerd Kunkel (AWO) das Rennen. Eving (20,7 Prozent) vertreten Helmut Anton Adden (frei) und Hans Jürgen Unterkötter (frei).

In Hombruch (31,8 Prozent) waren Walter Wille (Caritasverband), Elisabeth Beyna (AWO) und Udo Asbeck (SPD) erfolgreich. In Hörde (23,3 Prozent) bekamen Dr. Edeltraud Pauline Hartmann (frei) und Hans-Günter Oltersdorf (SPD) die meisten Stimmen. In Huckarde (24,8 Prozent) hatten Günter Scheller (Caritasverband), Beate Caßau (frei) die Nase vorn.

Den Stadtbezirk Innenstadt-Nord (13,3 Prozent) werden Kristina Kalamajka (Caritasverband) und Dr. Franz-Josef Ingenmey (frei) vertreten. Aus dem Bezirk Innenstadt-Ost (24,8 Prozent) wurden Hans Billmann (frei) und Thomas Müller (Bündnis 90/Die Grünen) in den Seniorenbeirat delegiert. Gleich zwei Sozialdemokrat*innen werden Scharnhorst (21,7 Prozent) vertreten: Klaus Ahrenhöfer und Gertrud Löhnen-Mehring erhielten die meisten Stimmen.

Für die Innenstadt-West (26,0 Prozent) sitzen Monika Köster ( Caritasverband) und Gerda Haus (SPD) im neuen Gremium. Lütgendortmund (25,9 Prozent) schickt Hannelore Bauer (SPD) und Wolfgang Evers (Sozialverband Deutschland) in die Vertretung. Und den Stadtbezirk Mengede (20,5 Prozent) werden Horst Erdmanski (Sozialverband Deutschland) und Jutta Luzia Stockheim-Shah (frei) repräsentieren.

Kandidaten der Partei „Die Rechte“ bekommen gerade mal 553 von 40.499 Stimmen

Bernd Schreyner wurde als „Anführer des national-konservativen Flügels der Dortmunder AfD“ vorgestellt.

Bernd Schreyner ist Ende 2018 von der AfD zur Partei „Die Rechte“ übergetreten – er kam damit einem Ausschluss zuvor. Foto: Alex Völkel

Trotz vollmundiger und lautstarker Ankündigungen schafften es die Neonazis überhaupt nur in vier Stadtbezirken, einen Kandidaten aufzustellen.

Nicht einmal ihr OB-Kandidat für die Kommunalwahl am 13. September, der Ende 2018 von der AfD zur Partei „Die Rechte“ gewechselte Bernd Schreyner, schnitt gut ab. Er bekam im Wahlbezirk Innenstadt-Ost nur 199 von 3667 abgegebenen Stimmen und landete auf dem letzten Platz.

Dieses Ergebnis teilt er mit den anderen Nationalisten, die auch jeweils Letzter im jeweiligen Stadtbezirk wurden. In Eving war Herbert Bernhardt mit lediglich 129 Stimmen das Schlusslicht,  ebenso wie Horst Werner Obsadnik in der Innenstadt-West mit 112 Stimmen.

In der Nordstadt wurde der Nationalist Erich Paul Dombrowski mit 113 Stimmen ebenfalls Letzter. Allerdings – und auch das gehört zur Wahrheit – macht das bei der mit Abstand niedrigsten Wahlbeteiligung aller Stadtbezirke und auch wegen der nur drei Kandidat*innen immerhin rund 9,6 Prozent der abgegebenen Stimmen aus.

Auch wenn die Zahlen eine deutliche Sprache sprechen, feiern die Neonazis die Wahl als Achtungserfolg und verfolgen offenbar die perfide Strategie, auf das baldige Ableben der gewählten Beiratsmitglieder zu hoffen, um anschließend nachrücken zu können.

 

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