forsa-Zahlen zu Desinformation und politischer Werbung

Neue LfM-Studie: Zunehmende Sorge vor Wahlmanipulation durch Desinformation

Unsere Maxime bei Nordstadtblogger.de ist klar: „Alles außer Fake-News“.
Unsere journalistische Maxime bei Nordstadtblogger in Dortmund ist klar: „Alles außer Fake-News“. Foto: Alexander Völkel für nordstadtblogger.de

In Zeiten wie diesen bedeutet Informationshoheit Macht – Macht, die auch missbraucht werden kann. Dass diese Sorge weit verbreitet ist, bestätigt unsere forsa-Umfrage kurz vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen: 83 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in NRW sorgen sich vor politisch motivierten Desinformationskampagnen, die verfälschenden Einfluss auf das Wahlergebnis haben könnten – und damit im Vergleich noch einmal mehr Menschen als vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr. Damals äußerten 78 Prozent der bundesweit Befragten diese Sorge.

Gezielte Desinformation ist nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt

Zwar ist die Wahrnehmung von Desinformation in etwa gleich hoch geblieben, zwischen den Altersgruppen zeigen sich aber größere Unterschiede als noch zur letzten Bundestagswahl: Während die über 44-Jährigen in NRW politisch-motivierte Desinformation zur Landtagswahl 2022 im Durchschnitt seltener wahrgenommen haben (45-59-Jährige: 68 %; über 59-Jährige: 56 %), zeigt sich bei den unter 45-Jährigen das gegenteilige Bild. Diese nehmen Desinformation im Schnitt etwas häufiger wahr als noch zur Bundestagswahl 2022 (14-24-Jährige: 84 %; 25-44 Jährige: 79 %).

„Zur Meinungsfreiheit gehört vor allem auch, andere Meinungen zuzulassen. Aber auch diese Freiheit ist nicht grenzenlos. Diese Begrenzung muss insbesondere für gezielte Desinformation gelten, vor allem wenn dabei über den Absender oder die Reichweite und Relevanz getäuscht wird. Das könnte uns die aktuelle Lage deutlicher nicht vor Augen führen. Daher ist es umso wichtiger, einmal mehr genau zu hinterfragen, wer etwas verbreitet. Das gilt für jeden Einzelnen von uns gleichermaßen“, kommentiert Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, die Zahlen.

Reaktionen auf politische Desinformation: Prüfen, Melden, Verbreitung stoppen

Gleichzeitig kann beobachtet werden, dass die befragten Bürgerinnen und Bürger in NRW stärker auf politische Desinformation reagieren, wenn sie dieser begegnen – vor allem trifft das auf die Gruppe der jungen Menschen zu.

Bei den unter 25-Jährigen, die schon einmal auf politisch-motivierte Desinformation im Internet getroffen sind, setzen sich 83 Prozent näher mit der entsprechenden Nachricht auseinander (bei der Bundestagswahl waren es bundesweit in dieser Altersgruppe noch 68 %).

59 Prozent gaben an, schon einmal die Informationsquelle überprüft zu haben, ein Drittel (34%) meldete dies dem genutzten Portal. Erfreulich ist in dieser Gruppe die Beobachtung, dass Desinformation, die sie für wahr gehalten haben, tendenziell weniger oft geteilt wurde als das noch bei der letzten Befragung der Fall war.

Social Media als Informationsquelle zur Landtagswahl weniger gefragt

Um sich im Zuge der Landtagswahl zu informieren, ist die Bedeutung von Wahlplakaten und des Hörfunks als Informationsquelle etwas höher im Vergleich zur Bundestagswahl des vergangenen Jahres. 42 Prozent in NRW geben an, sich im Radio zur Landtagswahl zu informieren. Tendenziell ist der Anstieg hier vor allem bei den unter 44-Jährigen zu beobachten.

Hingegen weniger genutzt werden vor der Landtagswahl in NRW das Internet im Vergleich zur letzten Befragung vor der Bundestagswahl (41 % zu 48 %) und auch Soziale Medien sind weniger gefragt (15 % zu 22 %) zum Zwecke der Wahlinformation. Interessant ist, dass selbst in der für Soziale Medien besonders affinen Gruppe der unter 25-Jährigen in NRW diese vor der Landtagswahl eine tendenziell geringere Rolle als Informationsquelle haben, als dies vor der Bundestagswahl 2021 der Fall war (35 % zu 54 %).

Auch ist die Wahrnehmung von Wahlwerbung in Sozialen Medien deutlich gesunken. Vor allem in der Gruppe der Frauen ist zu beobachten, dass diese zur Landtagswahl weniger politische Werbung in Sozialen Medien wahrnehmen.

Möglicherweise spielt hier Targeting, also die zielgruppenspezifische Ausspielung von Wahlwerbung, eine Rolle: Zwar deutet eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung zur Bundestagswahl 2021 darauf hin, dass noch wenig Microtargeting stattgefunden hat. Allerdings finden sich vereinzelt Hinweise darauf, dass bestimmte Demographien oder Geschlechter bestimmte Werbeanzeigen häufiger ausgespielt bekommen haben.

Zu den vollständigen Ergebnissen der Erhebung gelangen Sie hier. Weitere Informationen rund um das Thema Desinformation finden Sie hier.

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