
Im Zoo Dortmund ist am Freitag, 30. Oktober 2026, das 66. Jungtier eines Großen Ameisenbären gesund zur Welt gekommen. Mit diesem erneuten Zuchterfolg baut die städtische Einrichtung ihre weltweit führende Rolle bei der Haltung der südamerikanischen Säugetiere weiter aus. Um Mutter Bonita und ihrem neugeborenen Nachwuchs in der sensiblen Anfangszeit die nötige Ruhe zu gewährleisten, bleibt das zuständige Schauhaus vorerst für das Publikum gesperrt. Wann Besucher:innen das Jungtier erstmals aus nächster Nähe beobachten können, steht derzeit noch nicht fest.
Muttertier Bonita kümmert sich allein um das Neugeborene
Für das Muttertier Bonita, das ursprünglich im Zoo Singapur im Mandai Wildlife Reserve geboren wurde, bedeutet die Geburt bereits den zweiten Zuchterfolg in Dortmund. Ihr erstgeborener Sohn Noah erblickte im April 2025 das Licht der Welt, lebt nach wie vor auf dem Gelände und bewohnt mittlerweile ein eigenes Gehege. Auch bei ihrem zweiten Nachwuchs übernimmt die erfahrene Mutter die Pflege und Versorgung der Jungtiere vollkommen eigenständig und fürsorglich.

Als Vater des Jungtiers gilt der Zuchtbullen Antebus, der wie in freier Wildbahn üblich nicht an der Aufzucht beteiligt ist. Da Große Ameisenbären strikte Einzelgänger sind und männliche Artgenossen keine elterlichen Aufgaben wahrnehmen, trennte das tiergärtnerische Personal die beiden Elterntiere bereits frühzeitig vor der Entbindung dauerhaft voneinander. Dieses Management verhindert innerartlichen Stress und sichert einen ungestörten Verlauf der ersten Lebenswochen.
Zum Schutz der Tiere bleibt das Tamandua-Haus für Gäste und Tierfreund:innen vorübergehend verschlossen. Das Pflegeteam beobachtet die Entwicklung des Neugeborenen kontinuierlich aus dem Hintergrund, um Störungen der Mutter-Kind-Bindung vollständig auszuschließen. Sobald das Jungtier kräftig genug ist und die Mutter Routine im Außengehege zeigt, plant die Zooleitung die schrittweise Öffnung für Besucher:innen.
Dortmund gilt in der Fachwelt als globale Welthauptstadt der Ameisenbären
Mit nunmehr 66 registrierten Geburten nimmt die Dortmunder Zootradition im internationalen Vergleich eine unangefochtene Spitzenposition ein. Keine andere zoologische Institution weltweit verzeichnet ähnlich kontinuierliche Aufzuchterfolge bei den bedrohten südamerikanischen Insektenfressern. Aus diesem Grund hat sich die Revierstadt unter Biolog:innen und Zoolog:innen seit Langem den Ruf als „Welthauptstadt der Ameisenbären“ erarbeitet.
Die internationale Bedeutung Dortmunds spiegelt sich insbesondere in der Koordination zentraler Artenschutzprogramme wider. Bereits seit dem Jahr 1985 steuert die Einrichtung das Europäische Erhaltungszuchtprogramm, das heute unter dem Namen EAZA Ex-situ Programme geführt wird. In enger Abstimmung mit dem europäischen Zoo- und Aquarienverband regeln Dortmunder Expert:innen die Weitergabe und Paarung der Tiere auf europäischer Ebene.
Durch dieses strukturierte Populationsmanagement wird sichergestellt, dass die Bestände in Menschenobhut langfristig stabil bleiben und Inzucht vermieden wird. Die wissenschaftlich geführten Zuchtprogramme tragen wesentlich dazu bei, die genetische Bandbreite der Art über Generationen hinweg intakt zu halten. Dortmund bildet dabei den organisatorischen Knotenpunkt für Dutzende europäische Partnereinrichtungen.

