Hunderte Menschen demonstrieren für ihre Zukunft und gegen die aktuelle Bundespolitik

„GenZ regelt“-Demonstration in Dortmund verläuft friedlich

„Ich bin 5. Was ist eure Ausrede?“
Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de „Ich bin 5. Was ist eure Ausrede?“ Ein sehr junger Teilnehmender auf der „GenZ regelt“-Demo

Am Samstagnachmittag wurde zu einer Demonstration im Zusammenhang mit den GenZ-Protesten aufgerufen. Angemeldet war der Protest in Dortmund zunächst nicht, trotzdem meldeten sich 5000 Menschen im Netz, die kommen wollten. Schließlich waren laut Polizei 600 bis 700 Menschen da und versammelten sich auf dem Friedensplatz.

Die Demonstration erfährt einen holprigen Start

Um 14 Uhr sollte die Demonstration auf dem Friedensplatz beginnen, und während sich schon einige Menschen versammelten, gab es keine Organisatoren, die das Ganze anleiteten. Daher standen die Menschen in kleineren und größeren Gruppen auf dem Friedensplatz zerstreut. Die Menge war gemischt: alt und jung, alternativ und teilweise auch schon für Halloween verkleidet. Ein paar Clowns waren dabei.

Foto: Christian Koch Demonstrant:innen auf dem Friedensplatz

In der Innenstadt haben einige Läden heute ihre Türen geschlossen, aus Angst vor ähnlichen Ausartungen wie in Frankreich. Ein Juwelier erzählte dem Nordstadtblogger, er sei zuvor gewarnt worden. Im Internet sei dazu aufgerufen worden, Schmuckläden zu plündern. Er halte das Ganze für Panikmache und hat seinen Laden geöffnet, sei aber trotzdem vorsichtig.

Die Polizei war trotz mangelnder Anmeldung erschienen und hatte sich um den Friedensplatz herum aufgestellt. Bei den Demonstrant:innen selbst bildete sich nach gewisser Zeit eine Unsicherheit und Skepsis ab, ob denn überhaupt noch etwas stattfinden werde oder die angekündigten Proteste nach 20 Minuten wieder vorbei sein würden.

Anmeldung erfolgte auf Initiative von Parteimitglied: Es gibt doch noch eine Kundgebung

Um 14:15 Uhr ergriff Ian Marx von der Partei Die Linke dann die Initiative. Er ging zur Polizei, um die Demonstration anzumelden. Daraufhin erhielt er eine Strafanzeige, weil er die Demonstration nicht früher angemeldet hatte, und konnte sie erst dann anmelden.

Bilder von der „GenZ regelt
Foto: Christian Koch Ian Marx (mit Megafon, Die Linke)

Ein paar Minuten später wurde die benötigte Technik besorgt – und dann begann die Kundgebung auf den Treppen des Rathauses. Da die gesamte Aktion sehr spontan war, hatte der neuernannte Organisator Marx keine Vorbereitungen getroffen, und so konnte jede:r ans Megafon und seine Meinung kundtun.

Dadurch wurde die Demonstration für eine Vielfalt von Themen genutzt, um Forderungen an die Politik zu stellen beziehungsweise sich über diese zu beschweren.

Thematisiert wurden zu hohe Mieten, die Wehrpflicht, die Aufarbeitung der queeren Geschichte und die scheiternde Politik – die Demonstration wurde als Plattform für viele Sorgen genutzt, die die Demonstrant:innen beschäftigten.

Die Stimmen der Demonstrierenden

Manche Sprecher:innen teilten ihre Namen nicht mit oder nur den Vornamen. Eine Sprecherin der Bildungsgewerkschaft GEW Bochum sprach sich gegen jegliche Gewalt aus und sagte: „Die GEW erklärt sich solidarisch mit der französischen Bildungsgewerkschaft.“ Insgesamt scheint es einen großen Respekt gegenüber den aktuellen Bewegungen in Frankreich zu geben, und viele Forderungen der Demonstrierenden in Dortmund sind ähnlich.

Ein Plakat auf der „GenZ regelt
Foto: Sigrid Kreische für Nordstadtblogger.de Ein Plakat auf der „GenZ regelt“-Demo

Simon vom Schulstreikkomitee Dortmund sagte: „Wir wollen nicht auf Jugendliche aus anderen Ländern schießen, mit denen wir mehr gemeinsam haben als mit denen, die uns zwingen zu schießen.“

Ein Demonstrant, der sich keiner Gruppe zuordnete, trat im Clownskostüm auf: „In dieser Welt gibt es einen Kampf zwischen Hoffnung und Angst – und ihr seid die Hoffnung.“

Ein weiterer Demonstrant kritisierte auch die Stadtpolitik. Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) beschwere sich nur über eine abgesagte Delegationsreise nach Israel, während in Dortmund große Teile der Kultur der Haushaltssperre zum Opfer fielen.

Auch die Plakate spiegelten dies wider: „Therapie rettet Leben“, „weniger Reichtum oben, mehr Zukunft unten“ oder „Bezahlbares Leben für alle“.

Skandiert wurden „Nie wieder Wehrpflicht“ oder „Free, free Palestine“.

Die bislang friedliche Demonstration endete mit Böllern

Gegen Ende der Demonstration änderte sich die bislang friedliche Stimmung noch etwas: Es wurden vier Böller auf dem Friedensplatz geworfen, dann drang ein Teil der Menschen weiter auf den Hansaplatz und den Westenhellweg. Zuvor war von der Polizei ausdrücklich verboten worden, dass sich die Demonstration vom Friedensplatz wegbewegt. Gegen 16 Uhr wurde schließlich die gesamte Demonstration aufgelöst.


Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!



Die besten Bilder von der „GenZ regelt“-Demonstration


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