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Mikrodepot in der Innenstadt startet: Verschiedene Paketdienste testen gemeinsam emmisionsfreie Zustellung

Direkt am Ostwall steht nun in Höhe des Käthe-Kollwitz-Gymnasium das neue Mikrodepot. Fotos (2): Roland Gorecki

Es klingelt und vor der Tür steht ein Lastenrad. So sieht das zukünftig aus, wenn Paketbot*innen Pakete in der Dortmunder Innenstadt zustellen. Am Ostwall wurde dafür ein temporäres Mikrodepot errichtet. Von Januar 2021 bis Februar 2022 starten die Zusteller*innen probeweise von dort ihre Touren. Mehrere große Paketdienste beteiligen sich an dem Projekt der Stadt Dortmund.

Fünf Paketdienste teilen sich ein Depot aus Containern am Ostwall

Fünf blaue Seecontainer hat die DOPARK GmbH im Auftrag der Stadt Dortmund  vor dem Käthe-Kollwitz-Gymnasium aufgestellt. In den kommenden 14 Monaten sollen Pakete von hier vorzugsweise mit Lastenrädern zu den Kund*innen in der Innenstadt transportiert werden. In der Testphase sollen die Beteiligten Erfahrungen bei der Arbeit mit Mirkodepots sammeln. Die vier großen Logistik Unternehmen UPS, DPD, GLS und Amazon Logistics haben sich dazu entschieden, sich an dem Projekt zu beteiligen.Die eigentlich konkurrierenden Unternehmen nutzen nun das Depot am Ostwall gemeinsam.___STEADY_PAYWALL___

Außengestaltung im „Umsteigern“-Design.

Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal freut sich über die Kooperation. „Dieser unternehmensübergreifende Beteiligungsprozess für emissionsfreien Lieferverkehr zeigt, dass Klimaschutz und Verkehrswende ein Gemeinschaftsprozess vieler Akteure und Akteurinnen ist, den die Stadt Dortmund koordiniert und steuert“, erklärt er.

Nun sei es die Aufgabe der Paketdienstleister, praktische Erfahrungen zu sammeln und die temporäre Lösung in eine dauerhafte Infrastruktur nach Ablauf des Förderprojektes zu überführen. Ziel ist es dafür eine passende bestehende Immobilie zu finde, die dann von den Paketdiensten angemietet werden soll. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik.

Und so funktioniert das Depot: Pakete für die entsprechenden Zustellbezirke werden zukünftig von den regionalen Paketzentren mit Lieferwagen zu dem Mikrodepot geliefert. Dort werden die Pakete dann eingelagert und im Laufe des Tages von den Zusteller*innen mit emissionsfreien  Fahrzeugen, wie Lastenrädern ausgeliefert.

Neben gesenkten Emissionen verspricht sich die Stadt von dem Projekt auch die Reduzierung von Parksuchverkehre und der Verkehrsbelastung. Ein ähnliches Mikrodepot wurde in Berlin Prenzlauer Berg bereits erfolgreich getestet. Dort betreiben DHL, DPD, GLS, und Hermes das Depot nun auch ohne Förderung weiter. Lediglich UPS zog sich dort aus dem Projekt zurück, weil sich die für diesen Stadtteil zuständigen Subunternehmen schwer taten, Lastenräder in ihre Abläufe einzubinden, berichtet die Verkehrsrundschau.

Viel Zuspruch von Land und Wirtschaft aber auch Kritik von Fahrrad Initiative

Der Umschlagplatz für die klimafreundliche Zustellung ist eine von 16 Maßnahmen der Umsetzungsstrategie „Stadtluft ist (emissions-) frei – Dortmunds Einstieg in eine emissionsfreie Innenstadt“. Finanziell unterstützt von der Europäische Union und dem Land Nordrhein-Westfalen, möchte die Stadt Dortmund damit die Luftqualität verbessern.

Die Kosten für das Lieferverkehr Projekt inklusive der wissenschaftlichen Begleitung werden von der Stadt auf 120.000 Euro geschätzt. NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart blickt gespannt auf das Projekt, „Wir sehen mit viel Zuversicht und positiver Erwartung auf dieses Praxisprojekt, weil wir dringend neue logistische Antworten auf die wachsenden Herausforderungen des Online-Handels antworten wollen“. 

In einigen anderen Städten werden Lastenräder schon getestet. Foto: DPD

 Der lokale Handel soll durch eine höherer Belieferungsfrequenz ebenfalls von dem Projekt profitieren. Der stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK, Wulf-Christian Ehrich sieht in dem Mikrodepot einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einem überzeugenden Gesamtkonzept der City-Belieferung. Er begrüßt besonders die Zusammenarbeit der Paketdienstleiter. „Mikrodepot ist nicht gleich Mikrodepot! Es ist eben nicht nur ein leer stehendes Ladenlokal oder ein Container, den ein einzelner Lieferdienst isoliert nutzt“, erklärt Ehrich.

Kritik kommt allerdings von Peter Fricke von der Fahrrad-Initiative VeloCityRuhr. Auch er sieht in dem Depot eine „sinnvolle kleine Einzelmaßnahme“, doch er kritisiert die begrenzte Wirkung der Maßnahme für den gesamten Verkehr. „Sie ist leider auch typisch für die Radverkehrsförderung in Dortmund: Hier und da gibt es ein paar Kleinigkeiten, die hübsch aussehen und niemandem weh tun, die aber dem Radverkehr letztlich auch nicht viel bringen“, sagt Fricke.

Bei den „wirklich wichtigen Dingen, nämlich Radwegen mit Qualität, die für alle von 8 bis 88 Jahren sicher, komfortabel und zügig befahrbar sind“, gehe es entgegen allen Beteuerungen weiter nur in „Trippelschritten“ voran. „Demnächst werden am Wall 0,9 Kilometer besser mit dem Rad befahrbar sein – aber das Straßennetz hat eine Länge von 1800 Kilometern. Gleichzeitig wird in der Faßstraße eine Fehlplanung umgesetzt, die für den Radverkehr überhaupt nicht funktioniert, und beim Umbau der Saarlandstraße wird der Radverkehr gleich ganz vergessen“, kritisiert Fricke weiter. Für eine Stadt, die fahrradfreundlich werden will, sei das ziemlich dürftig.

Auch für Unternehmen die nicht in der Paketzustellung tätig sind gibt es Möglichkeiten zum Einsatz von Lastenrädern. Ob Handwerker*in, Einzelhändler*in oder Fotograf*in, ein Lastenrad kann sich lohnen. Vor allem die Möglichkeit dem Stau zu entgehen, sowie die geringen Betriebskosten können ein Vorteil sein. Unternehmen und Freiberufler*innen haben andern Förderprogrammen die Möglichkeit sich die Anschaffung mit bis zu 30% von Land oder Bund fördern zu lassen. Eine Übersicht über die Förderungen und Einsatzmöglichkeiten von Lastenrädern, bietet die Seite Cargobike.jetzt.

 

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