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Mehr Barrierefreiheit: Sehbehinderte Studierende können sich zukünftig an der Fachhochschule Dortmund besser orientieren

Die FH Dortmund reagiert auf den steigenden Bedarf an Barrierefreiheit. Foto: FH Dortmund

Die FH Dortmund reagiert auf den steigenden Bedarf an Barrierefreiheit. Fotos (2): FH Dortmund

Sich in den riesigen Gebäudekomplexen von Universitäten zurecht zu finden, ist für alle Erstsemester zunächst schwierig. Alles ähnelt sich, die Ausmaße und die auf Funktionalität ausgerichtete Architektur können anfangs recht einschüchternd wirken. Was schon für gesunde Menschen eine Herausforderung darstellt und seine Zeit braucht, um von wirklicher Orientierung sprechen zu können, ist für Menschen mit Sehbehinderung ein echtes Problem. Passend zum Tag der Sehbehinderten, am 6. Juni 2018, verbessert die Fachhochschule Dortmund daher die Bedingungen für blinde und sehbehinderte Studierende. Derzeit werden alle Räume am FH-Campus Emil-Figge-Straße in Blindenschrift gekennzeichnet.

Sehbehindertengerechte Raumbeschilderung und Haptikplatten zur Orientierung auf den Wegen

Stefanie Kuhlenkamp zeigt, wie sich Blinde anhand der Bodenplatten orientieren können. Foto: FH Dortmund

Stefanie Kuhlenkamp zeigt, wie sich Sehbehinderte anhand der Bodenplatten orientieren können.

Ana-Maria Stankic ist Studentin an der FH. Seit zwei Semestern studiert die junge Dortmunderin hier Soziale Arbeit. Doch anders als die meisten ihrer KommilitonInnen hat sie es schwerer, sich im Unialltag zurecht zu finden. Ana ist stark sehbehindert. Allen Widrigkeiten zum Trotz ist sie ihren Weg gegangen. „An den Hochschulen im ganzen Land muss sich noch einiges bewegen“, so die junge Studentin. 

Dabei ginge es nicht nur um die räumliche Orientierung, damit Vorlesungs- und Seminartermine wahrgenommen werden können. Vor allem sei es auch extrem wichtig, barrierefreies Lehrmaterial in Brailleschrift zur Verfügung zu stellen und technische Hilfsmittel wie zum Beispiel Sprachsoftware, die Texte vorlesen kann, zu nutzen. Die Fachhochschule Dortmund hat auf den Bedarf reagiert und nachgerüstet.

An allen Raumschildern werden bis Ende des laufenden Semesters die Bezeichnungen nun zusätzlich auch in Brailleschrift angebracht. Neben der Raumnummer erfahren die Betroffenen gleichzeitig etwas über die eigentliche Funktion des Raumes. Auf dem Campus sind Wege mit Rillen- oder Noppenplatten zur besseren Orientierung ausgelegt. Dies sind jedoch nur die ersten Schritte auf dem Weg, es Menschen mit Handicap an der FH einfacher zu machen. Umso wichtiger sind unterstützende Maßnahmen.

Es gibt noch viel zu tun, aber die ersten Schritte sind gemacht

„Die individuelle Beratung an der FH ist sehr wichtig für mich“, so Stankic weiter. „Die Lehrkräfte zeigen eine große Offenheit und viele meiner KommilitonInnen bieten mir den nötigen Rückhalt.“

Für Professorin Stefanie Kuhlenkamp ist die Orientierung an der FH ein ganz zentrales Problem. „Egal ob beim Bau oder der Beschilderung von Räumen und Veranstaltungen – es wird einfach viel zu oft nicht an Menschen mit Beeinträchtigung gedacht, obwohl es ganz leicht wäre, einen höheren Grad an Barrierefreiheit zu erreichen“, so die Inklusionsbeauftragte der FH Dortmund weiter. Die Vielzahl kleiner Probleme mache den Studierenden den Alltag unnötig schwer.

Ins Studium gefunden hat Ana-Maria Stankic durch das NRW-Talentscouting an ihrer Schule. „Es ist ein großer Erfolg des Programms, auch für Menschen mit Behinderungen den Einstieg ins Studium zu erleichtern“, betont Professorin Kuhlenkamp. Ana-Maria Stankic möchte nach dem Abschluss als Sozialarbeiterin in der Behinderten- oder Jugendhilfe beratend tätig sein. Anderen möchte sie Mut machen, denn „auch wenn es viel Geduld braucht und man frühzeitig anfangen muss zu planen: das Studium ist eine unglaublich große Bereicherung – und mit der Zeit findet sich jeder am Campus zurecht!“

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