
Deutschland gehört zu den Ländern mit den stärksten Schutzmaßnahmen gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Im Ranking „Economist Impact“ liegt sie unter 60 Ländern auf Platz 3, nur hinter Australien und Großbritannien. Trotzdem wurde beim Kommende-Forum in Dortmund deutlich, dass Prävention weit mehr bedeutet als Schutzmaßnahmen.
Kirche in den 1970er-Jahren zum ersten Mal auf Missbrauch reagiert
Die Referent:innen für diese Podiumsdiskussion: Lena Topp ist Theologin und Erziehungswissenschaftlerin. Sie arbeitet als Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend im Erzbistum Paderborn und engagiert sich seit vielen Jahren in der katholischen Jugendverbandsarbeit in NRW. Der Jesuit Professor Hans Zollner war mehrere Jahre im Ausland im Bereich Theologie und Psychologie tätig, mit den Themen des Kindeswohls und Safeguarding. ___STEADY_PAYWALL___

Zollner zeichnete nach, wie die ersten großen Missbrauchsskandale in der Kirche herausgekommen sind. Einer der größten Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche ereignete sich in den 1970er Jahren in Neufundland. Damals wurden Fälle sexualisierter Gewalt und schwerer Misshandlungen an Kindern durch Mitglieder des Ordens der „Christian Brothers“ öffentlich bekannt.
Das war der Beginn der öffentlichen Wahrnehmung und Debatte zum Missbrauch in der katholischen Welt. Zollner erinnerte daran, dass die öffentliche Debatte bereits vor Jahrzehnten begann und diese Wunden nicht geheilt sind und bei vielen Menschen in der Gesellschaft offen liegen.
Kirche hat noch nicht genug für Prävention gemacht
Es wurden Schulungsmaßnahmen für Berufsanfänger:innen und andere Mitarbeiter:innen verpflichtend gemacht. „Es gibt keine Konfession, die so viel dazu macht wie die katholische Kirche weltweit“, erklärte Hans Zollner. Trotz der Maßnahmen gibt es große Defizite bei der Aufarbeitung des Themas.
Die Kirche tue sich trotz aller Bemühungen trotzdem bis heute schwer damit, das Leid anzuerkennen, das durch kirchliche Verantwortungsträger verursacht worden sei und für viele das Vertrauen in die Kirche zerstört hat.
Zollner stellte sich am Ende gegen die Behauptung, dass schon genug für Prävention in der Kirche gemacht worden sei.
Prävention braucht Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
„Wir stehen jetzt woanders als noch vor 15 Jahren“, darauf weist die Lena Topp hin. Sie verweist auf Maßnahmen, die zur Prävention bei Kinder und Jugendlichen beitragen kann.

Eine Maßnahme dafür ist ein diözesanweites organisiertes Notfalltelefon für die Ferienfreizeiten des BDKJ. Das heißt, wenn ein Kind sich mit einer Kindeswohlgefährdung an Erwachsene wenden will oder junge Menschen in eine psychische Krise geraten, können sie dieses Notfalltelefon erreichen. Topp bekräftigte, dass dies sehr gut funktioniere, weil es den ehrenamtlichen Jugendlichen in den Jugendverbänden ein Gefühl von Sicherheit gibt.
Lena Topp erklärte, dass Prävention nur dann nachhaltig wirksam ist, wenn Kinder und Jugendliche selbst beteiligt werden. Deshalb werden sie in den Jugendverbänden einbezogen, um ihre Meinungen und reale Veränderungen einzubringen: „Je mehr Kinder in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, desto selbstbestimmter können sie handeln.“
Die aktuellen Aufarbeitungsstudien belegten, dass ein Element der Taten war, dass Kinder keine Sprache für das hätten, was ihnen widerfahren ist. Das Thema dürfe deshalb nicht tabuisiert werden, so wie Sexualität und sexuelle Bildung. Es müsste deshalb mehr darüber gesprochen werden. Nur so könnten Kinder und Jugendliche lernen, Grenzen wahrzunehmen und Unwohlsein ausdrücken zu können.
Anm.d.Red.: Haben Sie bis zum Ende gelesen? Nur zur Info: Die Nordstadtblogger arbeiten ehrenamtlich. Wir machen das gern, aber wir freuen uns auch über Unterstützung!

